Zusammengedrückte Quellbinse

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Zusammengedrückte Quellbinse
Zusammengedrückte Quellbinse (Blysmus compressus)

Zusammengedrückte Quellbinse (Blysmus compressus)

Systematik
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Sauergrasgewächse (Cyperaceae)
Gattung: Quellbinsen (Blysmus)
Art: Zusammengedrückte Quellbinse
Wissenschaftlicher Name
Blysmus compressus
(L.) Panz.

Die Zusammengedrückte Quellbinse (Blysmus compressus), auch Quellsimse, Quellbinse, Flaches Quellried oder Platthalm-Quellried genannt, gehört zur Gattung der Quellbinsen (Blysmus) in der Familie der Sauergrasgewächse (Cyperaceae).

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration aus Flora Batava, Volume 9

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Die Zusammengedrückte Quellbinse ist eine ausdauernde krautige Pflanze.[1] Sie bildet unterirdische Ausläufer (Rhizome). Die aufrechten oder bogig aufsteigenden Halme sind bei einem Durchmesser von 0,5 bis 1,5 Millimetern im Querschnitt rundlich zusammengedrückt und zur Spitze hin stumpf dreikantig und erreichen eine Länge von 6 bis 40 Zentimetern. Sie wachsen,. Sie haben hell- bis dunkelbraune Scheiden und sind höchstens bis zur Mitte beblättert.

Die Blattspreiten sind etwa 3 bis 4 Millimeter breit, grau- bis grasgrün, oberseits flach oder hohlrinnig, unterseits gekielt, fleischig, am Rand rau und vom Grund an verschmälert. Die Spitze ist mittellang dreikantig. Die Blattscheiden sind geschlossen und gitternervig. Die Blatthäutchen (Ligula) sind kurz und gestutzt.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Mai bis September. Am Ende des Blütenstandes entspringt ein laubartiges Hüllblatt, das den Blütenstand meist deutlich überragt. Der braune, meist dichte, ährige Blütenstand ist 1 bis 4 Zentimeter lang sowie 8 bis 12 Millimeter breit und enthält 5 bis 18 zweireihig angeordnete Ährchen. Die Ährchen sind lanzettförmig, 4 bis 10 Millimeter lang und 2 bis 3 Millimeter breit und fünf- bis zwölfblütig. Die rotbraunen Spelzen sind länglich-lanzettlich, spitz, fünf- bis siebennervig und etwa 4 Millimeter lang, 2 Millimeter breit mit schmalem grünen Kiel und hyalinem Rand. Die Blütenhülle besteht aus drei bis sechs rauen Borsten, die mindestens doppelt so lang wie die Frucht sind. Die Blüte enthält drei Staubblätter und zwei Narben.[2]

Die dunkelbraune Nussfrucht ist bei einer Länge von 1,5 bis 2 Millimetern verkehrt-eiförmig.[1]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 44.

Ähnliche Art[Bearbeiten]

Eine ähnliche Art ist die Rote Quellbinse (Blysmus rufus). Diese verfügt jedoch über runde, ungekielte Blätter. Die Spelzen sind kastanienbraun. Die Blütenhülle besteht aus bis zu drei weichhaarigen Blütenhüllborsten.

Ökologie[Bearbeiten]

Die Zusammengedrückte Quellbinse ist windblütig (Anemophilie). Ihre Diasporen werden über den Wind ausgebreitet (Anemochorie) sowie über Klettausbreitung (Epichorie).[3]

Vorkommen[Bearbeiten]

Die Zusammengedrückte Quellbinse kommt in Europa, Nordafrika und Asien vor, fehlt aber großenteils im äußersten Norden. In den Alpen steigt die Zusammengedrückte Quellbinse in Höhenlagen von bis zu 2350 Metern auf.

Die Zusammengedrückte Quellbinse ist allgemein nicht häufig, regional auch selten. Die Art wächst auf sumpfigen Wiesen, an Seeufern und insbesondere in gestörten Bereichen von Quellmooren und an quelligen Standorten im Extensivgrünland. Sie kommt auch auf Salzwiesen vor. An geeigneten vegetationslosen Standorten tritt die Zusammengedrückte Quellbinse als Pionierbesiedler auf.[2]

Die ökologischen Zeigerwerte nach Ellenberg sind: Lichtzahl L 8 = Halblicht- bis Volllichtpflanze; Temperaturzahl T X = indifferent; Kontinentalitätszahl K 5 = See-/Steppen-Übergangsklima zeigend; Feuchtezahl F 8 = Feuchte- bis Nässezeiger; Feuchtewechsel: keinen Wechsel der Feuchte zeigend; Reaktionszahl R 8 = Schwachbasen- bis Basen-/Kalkzeiger; Stickstoffzahl N 3 = Stickstoffarmut anzeigend; Salzzahl S 1 = salzertragend, aber meist keinen oder geringen Salzgehalt zeigend; Schwermetallresistenz: nicht schwermetallresistent.[4][3]

Die Zusammengedrückte Quellbinse ist eine Lichtpflanze. Ihr Schwerpunkt liegt auf gut durchfeuchteten bis durchnässten und luftarmen, meist kalkhaltigen, stickstoffarmen Böden. Gelegentlich kommt sie auf salzhaltigen Böden vor.[4]

Vergesellschaftung[Bearbeiten]

Die Zusammengedrückte Quellbinse ist eine der namensgebenden Charakterarten der in Mitteleuropa stark gefährdeten Plattbinsen-Quellried-Gesellschaft (Blysmo-Juncetum compressi; Synonym: Blysmus compressus-Gesellschaft). Weitere Kennarten sind die Hirsen-Segge (Carex panicea), Davalls Segge (Carex davalliana) und das Schmalblättrige Wollgras (Eriophorum angustifolium). Ferner kommt sie als Begleiter in Kleinseggenrieden der Davallseggen-Gesellschaft (Caricetum davallianae) vor.[5]

Gefährdung und Schutz[Bearbeiten]

Die Zusammengedrückte Quellbinse ist welt- und europaweit ungefährdet und genießt keinen gesonderten gesetzlichen Schutz. In Deutschland ist sie jedoch als stark gefährdet eingestuft (Gefährdungskategorie 2). In Niedersachsen, Sachsen, Hessen, Saarland, Hamburg und Berlin gilt die Art als vom Aussterben bedroht.[3] Ihre Bestände leiden besonders unter der Trockenlegung und Nutzungsintensivierung ihrer Lebensräume. Sie ist nur im Alpengebiet noch einigermaßen verbreitet.

Taxonomie[Bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung unter dem Namen (Basionym) Schoenus compressus erfolgte 1753 durch Carl von Linné. Die Neukombinatation zu Blysmus compressus (L.) Panzer wurde 1827 durch Georg Wolfgang Franz Panzer (1755–1829) veröffentlicht. Weitere Synonyme für Blysmus compressus (L.) Panzer sind: Scirpus planifolius Grimm, Scirpus caricinus Schrad., Scirpus distichus Peterm., Scirpus compressus (L.) Pers. non Moench. Der Gattungsname Blysmus leitet sich vom griechischen Wort blyzein für fließen ab, auf den Standort bezogen, da sie Arten quellige Standorte bevorzugen. und Artepitheton leitet sich vom lateinischen Wort compressus für zusammengedrückt ab.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfram Schultze-Motel: Scirpus. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Band II, Teil 1: 3. Auflage. Paul Parey, Berlin/Hamburg 1980, ISBN 3-489-54020-4, S. 10–42.  Heinrich Egon Weber (Hrsg.): Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Begründet von Gustav Hegi. 2., völlig neubearbeitete und erweiterte Auflage. Band IV. Teil 2C: Spermatophyta: Angiospermae: Dicotyledones 2 (4) (Rosaceae, 3. Teil), Parey Buchverlag, Berlin 2003, ISBN 3-8263-3065-X, S. 10–42.
  • Robert Anthony DeFilipps: Blysmus. In:  T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 5: Alismataceae to Orchidaceae (Monocotyledones), Cambridge University Press, Cambridge 1980, ISBN 0-521-20108-X, S. 280 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  •  Eckehart J. Jäger, Klaus Werner (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Begründet von Werner Rothmaler. 10., bearbeitete Auflage. Band 4: Gefäßpflanzen: Kritischer Band, Elsevier, Spektrum Akademischer Verlag, München/Heidelberg 2005, ISBN 3-8274-1496-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Robert Anthony DeFilipps: Blysmus. In:  T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 5: Alismataceae to Orchidaceae (Monocotyledones), Cambridge University Press, Cambridge 1980, ISBN 0-521-20108-X, S. 280 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. a b  Jürke Grau, Bruno P. Kremer, Bodo M. Möseler, Gerhard Rambold, Dagmar Triebel: Gräser. Süßgräser, Sauergräser, Binsengewächse und grasähnliche Familien Europas (= Steinbachs Naturführer). Neue, bearb. Sonderausgabe Auflage. Mosaik, München 1996, ISBN 3-576-10702-9.
  3. a b c Blysmus compressus (L.) Panz. ex Link, Platthalm-Quellried. In: FloraWeb.de.
  4. a b Heinz Ellenberg, H. E. Weber, R. Düll, V. Wirth, W. Werner, D. Paulißen: Zeigerwerte von Pflanzen in Mitteleuropa. Verlag Erich Goltze, 1992, ISBN 3-88452-518-2. (Scripta Geobotanica 18)
  5. Erich Oberdorfer: Süddeutsche Pflanzengesellschaften. Teil I: Fels- und Mauergesellschaften, alpine Fluren, Wasser-, Verlandungs- und Moorgesellschaften. 4. Auflage. Gustav Fischer, Jena/Stuttgart 1998, ISBN 3-437-35280-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zusammengedrückte Quellbinse (Blysmus compressus) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien