Polier

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Polier ist eine Berufsbezeichnung im Bauwesen für den Leiter einer Baustelle oder eines Baustellenabschnitts, der als Bindeglied zwischen den auf der Baustelle tätigen Mitarbeitern und der Bauleitung fungiert.

Wortherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung Polier geht auf spätmittelhochdeutsch parlierer zurück. Dieses Wort, das den Wortführer oder Weisungsberechtigten in der Bauhütte bezeichnete, ist von altfranzösisch parlier ‚Sprecher; wer gut oder viel redet‘ abgeleitet (vergleiche französisch parler), was bis heute die Funktion des Poliers als Sprecher (Vorgesetzter) der am Bau beteiligten Arbeiter charakterisiert.[1] Eine andere Erklärung führt den Begriffes auf lateinisch politor ‚Mittelsmann zwischen Gutsherrn und Landarbeitern‘ zurück.[2]

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Polier ist weisungsberechtigter Leiter für die gewerblichen Mitarbeiter einer Baustelle oder eines Baustellenabschnitts. Er weist seinen Mitarbeitern die Aufgaben zu und ist für die technisch und zeitlich korrekte Ausführung verantwortlich. Vorgesetzter des Poliers ist der Unternehmensbauleiter.

Poliere werden bei Roh- und Ingenieurbauarbeiten eingesetzt, teilweise auch für umfangreiche Zimmererarbeiten, aber auch im Straßen- und Tiefbau. Auf kleineren Baustellen ohne eigenen Bauleiter ist der Polier in Ausführungsfragen oft Vermittler zwischen seinem Arbeitgeber und Architekten, Statikern und Bauherren.

Planunterlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Polier benötigt für die Bauausführung Polierpläne (bzw. Werkpläne oder Ausführungspläne), die im Zusammenhang mit der Ausführungsplanung erstellt werden. Diese Pläne werden in der Regel im Hochbau in einem Maßstab von 1:50 gezeichnet, wobei für Detailpläne auch andere Maßstäbe zum Einsatz kommen.

Berufsausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Polier ist nach dem Tarifrecht Angestellter. Er muss eine abgeschlossene Ausbildung in einem Bauberuf und mehrjährige berufliche Erfahrung vorweisen können. Im Einzelfall können auch Arbeiter ohne Gesellenbrief, aber mit langjähriger Berufserfahrung zur Polierausbildung zugelassen werden.

Der in Deutschland staatlich anerkannte Abschluss Geprüfter Polier wird vom Prüfungsausschuss einer Handwerkskammer oder einer IHK geprüft. Zuvor muss er eine Fortbildung von etwa 600 Stunden, beispielsweise in einem Bildungszentrum des Baugewerbes, absolviert haben. Dieser Lehrgang vermittelt Kenntnisse in Betriebswirtschaft, Berufs- und Arbeitspädagogik, Recht sowie Sozialkunde und enthält einen umfassenden fachrichtungsspezifischen Teil.

Rangfolge der Ausbildung:

  1. Maurer- und Betonbauermeister / Industriemeister Geprüfter Polier (ist gleichgestellt)
  2. Werkpolier
  3. Vorarbeiter
  4. Spezialbaufacharbeiter (Maurer)

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Weiterbildung zum Bau-Polier bzw. Bauwerktrenn-Polier erfolgt berufsbegleitend oder in Vollzeit.[3] Die abschließende Prüfung ist eine Berufsprüfung. Nach bestandener Prüfung darf die geschützte Berufsbezeichnung Bau-Polier mit eidg. Fachausweis geführt werden.

Die Voraussetzungen, um zur Prüfung zugelassen zu werden, sind u. a.: (Details siehe Verordnung)

  • eidgenössisches Fähigkeitszeugnis eines Bauberufes,
  • vier Praxisjahre in einer Bauunternehmung, davon mindestens drei Jahre als Vorarbeiter bzw. Polier.

Alternative Namensgebungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Poliere im Tief- und Straßenbau werden oft als Schachtmeister bezeichnet.

Umgangssprachlich werden Poliere im süddeutschen Raum und in der Schweiz auch als Capo bezeichnet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland:

Schweiz:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 2 Bände. 2., durchgesehene und ergänzte Aufl. Akademie, Berlin 1993, S. 1024. So schon im Etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache, 18. Aufl. bearb. von Walther Mitzka, De Gruyter, Berlin 1960, S. 558.
  2. Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearb. von Elmar Seebold. 25., durchgesehene und erweiterte Aufl. De Gruyter, Berlin/Boston 2011, S. 714.
  3. http://www.berufsberatung.ch/dyn/1199.aspx?data=education&id=2923&searchabc=B