Polsum

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Polsum
Stadt Marl
Koordinaten: 51° 37′ 33″ N, 7° 3′ 8″ O
Fläche: 7,8 km²[1]
Einwohner: 4607 (31. Dez. 2018)[2]
Bevölkerungsdichte: 590 Einwohner/km²
Postleitzahlen: 45768, 45770
Vorwahl: 02365
Karte
Lage des Stadtteils innerhalb Marls

Polsum ist ein Stadtteil der Stadt Marl im Kreis Recklinghausen in Nordrhein-Westfalen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Polsum liegt im äußersten Südwesten Marls, die Bebauung ist geografisch deutlich getrennt vom Rest der Stadt. Im Norden, Nordosten und Osten liegt Alt-Marl und im Südosten die Stadt Herten. In südwestlicher Richtung grenzt Polsum an Gelsenkirchen und im Westen an den südlichen Teil Dorstens.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Bartholomäus Polsum
Bergwerk Lippe Schacht Polsum

Erste geschichtliche Erwähnung fand Polsum um 1200, wobei anzumerken ist, dass der damals als Bergfried genutzte Kirchturm bis heute noch steht. Polsum war Teil des zu Kurköln gehörenden Vest Recklinghausen. Im Niedervest Dorsten war Polsum Kirchspiel.

Im Dreißigjährigen Krieg soll ein Hund, der Polsumer Möppel, einer Legende nach die Schweden vertrieben haben. Seit 1844 gehörte Polsum zum Amt Marl. Das heute zu Gelsenkirchen zählende Haus Lüttinghof liegt gut einen Kilometer vom Dorfkern entfernt. In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs verschanzten sich im März 1945 während der Schlacht um den Ruhrkessel die 116. Panzerdivision (Windhund-Division) in Polsum. Die dreitägige Verteidigung Polsums gegen die einrückenden US-Amerikaner kostete 79 Menschen das Leben.

Die Gemeinde Polsum bestand bis 1974 aus den Bauerschaften Dorf, Rennebaum, Hülsdau, Heiken, Höfen, Weimann, Beckhöfen, Kotten und Bertlich. Aufgrund der Gemeindereform von 1974 kam Polsum am 1. Januar 1975 zur Stadt Marl, Bertlich allerdings wurde der Stadt Herten zugesprochen.[3] Heute ist Polsum ein Stadtteil der Stadt Marl, unterteilt in zwei statistische Unterbezirke.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1271 wird Polsum erstmals urkundlich als Pfarrei erwähnt.[4] Da Polsum zu Kurköln gehörte, blieb das Dorf während der Reformationszeit im 16. Jahrhundert römisch-katholisch; es ist bis heute mehrheitlich katholisch. Demgemäß ist die einzige Schule in Polsum, die Grundschule, eine katholische Bekenntnisschule.

Die mittelalterliche Kirche St. Bartholomäus war infolge eines Blitzeinschlages im Jahre 1842 reparaturbedürftig. Da sie aufgrund des Bevölkerungswachstums des Dorfes seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ohnehin zu klein geworden war, wurde von 1851 bis 1857 an ihrer Stelle eine neuromanische Hallenkirche nach Plänen des Essener Stadtbaumeisters Carl Freyse (1815–1881) erbaut.[5] St. Bartholomäus in Polsum war somit einer der frühesten neuromanischen Kirchenbauten im Bistum Münster[6]. Diese zweite Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg durch Beschuss beschädigt und zunächst nur behelfsmäßig wiederhergerichtet. 1966 wurde die zweite Kirche abgebrochen und in den Jahren von 1966 bis 1969 durch die jetzige, dritte Kirche ersetzt.

Im letzten Jahrhundert siedelten sich auch Protestanten an, deren Zahl jedoch seit längerem rückläufig ist. Daher entschloss sich die evangelische Kirche, auf ein eigenes Gebäude zu verzichten. Das Evangelische Gemeindezentrum, in dem sich auch ein Kindergarten befand, wurde 2010 abgerissen. Seitdem ist die Gemeinde Gast in der katholischen Kirche und nutzt deren vor einigen Jahren neu erbauten Treffpunkt St. Bartholomäus mit.[7][8]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Wahlen kann die CDU in Polsum, im Gegensatz zum restlichen Marl, traditionell einen hohen Stimmenanteil erreichen. Die Bürger des Stadtteils entsenden einen Direktkandidaten für den Stadtrat; bei der Wahl eines weiteren sind die Wahlberechtigten in Polsum ebenfalls beteiligt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In Polsum gibt es einige Sportvereine, darunter den Spiel- und Sportverein Polsum (650 Mitglieder).

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Polsumer Weihnachtsmarkt, immer am dritten Advent, ist der größte eintägige Weihnachtsmarkt in Nordrhein-Westfalen und lockt jährlich knapp 60.000 Besucher an. Es traten bereits Schlagergrößen wie Andrea Berg auf der Bühne auf. Der Besuch des Weihnachtsmarktes ist kostenlos.
  • Das Schützenfest lockt alle zwei Jahre einige hundert Besucher an. Veranstalter ist der Schützenverein Polsum, der das Fest abwechselnt mit den Vereinen in Frentrop und Altendorf abhält.
  • Der Feuerwehrlöschzug Polsum veranstaltet jeden Winter sowie jeden zweiten Sommer ein Feuerwehrfest. Im Sommer 2009 feierte der Löschzug sein 100-jähriges Jubiläum und führte eine große Parade mit Feuerwehren aus ganz Nordrhein-Westfalen auf.
  • In Polsum und Umgebung findet seit 2007 das Rockfestival Polstock statt, auf dem zahlreiche Bands aus der Region auftreten.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sehenswert ist kleine Dorfkern rund um die Kirche, in welchem noch einzelne über 100 Jahre alte Häuser stehen.
  • Das Haus Lüttinghof (bei Polsum) ist eine historische Wasserburg aus dem 12. Jahrhundert. Heute gehört das Gebiet allerdings zur Stadt Gelsenkirchen. Das Schloss ist in wenigen Minuten Fußweg von Polsum aus erreichbar.
  • Ehrenmal für die Opfer der beiden Weltkriege

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Polsum haben sich, insbesondere rund um die Kirche, einige gewerbetreibende Unternehmen und Betriebe angesiedelt. Obwohl auch etwas größere Unternehmen wie zum Beispiel die ReFood GmbH & Co. KG, ein Unternehmen der SARIA-Gruppe, oder eine Niederlassung der Raiffeisenmärkte in Polsum anzutreffen sind, wird der Stadtteil auch heute noch hauptsächlich durch die Agrar- und Landwirtschaft geprägt.

Nahverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es führen folgende Buslinien der Vestischen Straßenbahnen GmbH durch Polsum:

  • 222 Gelsenkirchen-Buer Rathaus – Gelsenkirchen Hassel – Polsum Ehrenmal – Marl Mitte – Marl-Sinsen Bahnhof – Wacholderstraße
  • TB240 Polsum Kirchstraße – Herten-Bertlich – Gelsenkirchen Hassel Bahnhof / Herten-Westerholt Schlossstraße (eine Schülerfahrt am Morgen)
  • 296E Polsum Kirchstraße – Dorsten-Altendorf-Ulfkotte – Dorsten ZOB (zwei Fahrten an Schultagen).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Marl: Die Flächengrößen der Stadtteile und statistischen Bezirke (Memento des Originals vom 12. Februar 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.marl.de Abgerufen am 26. Januar 2015
  2. Bevölkerungsstatistik 31. Dez. 2018 Marl. Abgerufen am 8. Mai 2019.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 316.
  4. Art. Marl (Polsum) St. Bartholomäus. In: Ulrich Menkhaus (Red.): Das Bistum Münster, Bd. 3.: Die Pfarrgemeinden. Regensberg, Münster 1993, ISBN 3-7923-0646-8, S. 350–351, hier S. 351.
  5. Ludwig Schreiner: Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts. In: Wilhelm Kohl (Hg.): Westfälische Geschichte, Bd. 2: Das 19. und 20. Jahrhundert. Politik und Kultur. Schwann, Düsseldorf 1983, ISBN 3-590-34212-9, S. 431–488, hier S. 475.
  6. Peter Holzwig: Die Architektur des Historismus im Bistum Münster. In: Imagination des Unsichtbaren - 1200 Jahre Bildende Kunst im Bistum Münster, Ausstellung des Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, LWL, Münster, 1993
  7. Einzug nach St. Bartholomäus.@1@2Vorlage:Toter Link/www.esm.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. 7. September 2009. Info der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Marl, Region West.
  8. Ein beträchtlicher Einschnitt. 29. Mai 2008. Info der WAZ-Mediengruppe (Der Westen).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]