Westerholt (Herten)

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51.6005555555567.091666666666770Koordinaten: 51° 36′ 2″ N, 7° 5′ 30″ O

Westerholt
Stadt Herten
Höhe: 70 m
Fläche: 4,02 km²
Einwohner: 11.438 (31. Dez. 2005)
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 45701
Vorwahl: 0209
Karte

Lage von Westerholt in Herten

Westerholt ist ein Ortsteil der Stadt Herten im nordrhein-westfälischen Kreis Recklinghausen am nördlichen Rand des Ruhrgebietes, umgeben von Wäldern und Wiesen.

Geographie[Bearbeiten]

Ortsbild[Bearbeiten]

Das heutige Westerholt ist in seinem historischen Ortskern geprägt durch das Schloss Westerholt mit der anliegenden früheren „Freiheit Westerholt“, bestehend aus rund 60 gut erhaltenen Fachwerkhäusern („Altes Dorf“). Zudem wird das Ortsbild wesentlich bestimmt durch die - bei Einzug des Bergbaus 1907 - außerhalb der Freiheit entstandenen Teile: die Zeche Westerholt mit seinen Zechenbauwerken, Bahnanlagen und Verwaltungsgebäuden sowie den umliegenden Bergmannssiedlungen („Kolonie“) sowie die Geschäfts- und Wohnhäuser, die sich heimische Kaufleute und Handwerker mit Zuzug der großen Zahl von Bergarbeiter gebaut haben („Heide“). In den 1960er- und 1970er-Jahren sind schließlich auf den vormals landwirtschaftlichen Flächen („Ebbelich“, „Sickelmannskamp“, „Hof Ellinghaus“) rund um den Kernbereich von Westerholt Neubausiedlungen mit Eigenheimen und Mehrfamilienhäusern entstanden.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Erwähnungen[Bearbeiten]

Westerholt (HOLT im WESTEN = Holz (Wald) im Westen von Recklinghausen) wird 799 als „Holta“ Bauernhof der Abtei Werden erstmals genannt. 1047 wird das Geschlecht der Grafen von Westerholt, Aufsitzer der Wasserburg Westerholt, erstmals urkundlich erwähnt.

Entstehung der Freiheit[Bearbeiten]

Ehemaliges Stadtwappen

Um die Burg mit Wall und Doppelgräfte, gesichert mit zwei Toren, siedelten sich die Schlossbediensteten, Handwerker und sonstige Ansiedler an, die den Schutz der Burg suchten. Diese Burgsiedlung wuchs um die Pfarrkirche St. Martini, die 1310 Erwähnung findet. Die Siedlung war mit Wall und Graben befestigt und besaß 3 Zugangspforten.

Es ist nicht genau datiert, wann Westholt zur "Freiheit" erhoben wurde, allerdings wurde die "Freiheit Westerholt" 1421 erstmals als solche erwähnt. 1454 lebten dort etwa 300 Einwohner in ca. 45 Häusern. Die damalige "Freiheit Westerholt" zeichnete sich aus durch die persönliche Freiheit der einzelnen Bewohner, die Vererblichkeit des Besitzes, durch regelmäßige Markttage, die Befestigung des Ortes sowie eine eigene Verwaltung.

Ab 1500[Bearbeiten]

Ab dem 16. Jahrhundert hemmten Krieg, Besetzungen und die Pest die wirtschaftliche Entwicklung. In den Jahren 1582, 1591 und 1618 zerstörten Brände die Häuser in der Freiheit. Doch die Westerholter bewiesen großen Selbstbehauptungswillen. Sie bauten ihre Fachwerkhäuser, meist unter Verwendung der alten Holzbalken und Steine immer wieder auf. Sie restaurierten die Freiheitspforte und errichteten ein Armenhaus sowie eine Schule.

Viele Familien in Westerholt lebten von der Herstellung und dem Vertrieb von Woll- und Tuchartikeln. Verbreitete Berufe waren daher Tuchmacher, Weber und Flachsbauern. Viele Männer waren als "Kiepenkerle" im Münsterland und in Holland unterwegs, um dort die Westerholter Tuche zu verkaufen.

Nach dem großen Feuer vom 27. August 1808 wurden anstelle der im Alten Dorf abgebrannten Fachwerkhäuser an der "Brandstraße" große Steinhäuser errichtet.

Nach der Franzosenzeit gehörte Westerholt zunächst zur Bürgermeisterei Buer und seit 1844 zum Amt Buer im Kreis Recklinghausen der preußischen Provinz Westfalen.[1] 1830 wurde das Schloss Westerholt in seiner heutigen Form erbaut. Die an derselben Stelle gestandene Vorgängerburg war abgebrannt.

1870 hatte Westerholt ca. 750 Einwohner mit ca. 105 Wohnhäusern und 32 Scheunen. In der Regel gehörte zu jedem Haus der "Alten Freiheit" ein großes Gartengrundstück auf der "Heide", das die jeweiligen Hausbesitzer bei der Aufteilung der gemeinsamen Weiden des Ortes als Privateigentum erhalten hatten.

Einzug des Bergbaus[Bearbeiten]

Abteuftürme der Schachtanlage Westerholt um 1909/10

Erst mit dem Einzug des Bergbaus - insbesondere dem Abteufen der eigenständigen Förderschachtanlage Westerholt 1/2 um 1907 - gelangte Westerholt wieder zu neuer Blüte. Die noch bestehende, nach Gebietsreform jetzt aber jetzt in Gelsenkirchen-Hassel liegende Zeche Westerholt wurde aufgebaut. Außerhalb der Tore der "Alten Freiheit" entstanden für die aus allen Teilen Deutschlands kommenden Bergleute erste Zechensiedlungen (Kolonie). Die Einwohnerzahl in Westerholt nahm beständig zu.

Die Kaufleute und Handwerker aus dem Dorf bauten auf der "Heide" - also außerhalb der Grenzen der Freiheit - auf den Flächen ihrer dort liegenden Gärten Wohn- und Geschäftshäuser. Die meisten von ihnen verkauften ihre im Dorf liegenden Fachwerkhäuser, zu denen nunmehr aber keine eigenen Gärten auf der Heide gehörten.

Die neuen Bewohner des Dorfes waren meist aus der Umgebung stammende Arbeiter, Handwerker, Gastwirte und kleine Gewerbetreibende, die durch die neu entstehenden Zechen und Siedlungen Broterwerb und ein Auskommen gefunden haben.

Die Gemeinde Westerholt bildete von 1911 bis 1934 ein eigenes Amt im Kreis Recklinghausen.[2] Am 30. Januar 1939 erhielt die nunmehr amtsfreie Gemeinde die Bezeichnung "Stadt".[3]

Eingemeindung[Bearbeiten]

Durch das Ruhrgebiet-Gesetz, das am 1. Januar 1975 in Kraft trat, verlor Westerholt die Selbständigkeit und gehört seither als Stadtteil zur Stadt Herten.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1885 860
1890 988
1895 1.196
1899 1.500
1900 1.756
1905 2.153
Jahr Einwohner
1910 3.431
1912 4.234
1913 5.078
1915 6.512
1917 6.159
1920 6.740
Jahr Einwohner
1961 11.398
1970 13.165
1974 13.723
2005 11.438

Angaben bis 1920: siehe Heinz Wener, Westerholter Lesebuch, S. 70; 1961 und 1970: Volkszählungsergebnisse am 6. Juni bzw. 27. Mai[4]; 1974: Feststellung der Einwohnerzahl am 30. Juni anlässlich der bevorstehenden Gemeindegebietsreform[5]

Erhaltung des Alten Dorfes[Bearbeiten]

Fachwerkhäuser an der Brandstraße

Den damaligen Bürgern im Alten Dorfes ist es zu verdanken, dass die Freiheit in den 1960er-Jahren nicht einer Flächensanierung zum Opfer fiel; immerhin hatten die örtlichen Stadtplaner vor, das alte Dorf abzureißen und an dessen Stelle die damals in den Ruhrgebietsstädten modernen Betonzweckbauten erstellen zu lassen. Mit großem persönlichen und finanziellen Einsatz widersetzten die Eigentümer sich solchen Absichten. Nach der Eingemeindung durch die Stadt Herten, die ihre eigene Altstadt eben durch solche Bausünden verloren hatte, wurden die alten Häuser im Dorf durch das Land Nordrhein-Westfalen unter Denkmalschutz gestellt und die notwendigen Restaurierungen sogar zeitweise aus Mitteln der Stadt Herten gefördert. So blieben die historischen Strukturen erhalten. Die Häuser wurden ebenso wie das benachbarte Schloss inzwischen denkmalgerecht restauriert.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinsam mit dem Nachbarstadtteil Bertlich bildet Westerholt seit der Eingemeindung einen Stadtbezirk.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Amtsblatt der Regierung Münster 1844: Bildung des Amtes Buer
  2.  Wolfgang Leesch: Verwaltung in Westfalen 1815–1945. In: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen. 38, Aschendorff, Münster 1992, ISBN 3-402-06845-1.
  3.  Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 294.
  4. a b  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 316.
  5.  Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X, S. 89.

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Westerholter Lesebuch - Interessante Nachrichten aus der Vergangenheit / von Heinz Wener-Verlag Michael Lackmann, Westerholt 12/2001 - ISBN 3-921052-84-X
  • Westerholt - Impressionen aus der Geschichte: Von der Reichsfreiheit zur Industriegemeinde / zusammengestellt von Ludger Zander / Schriftenreihe des Stadtarchivs Herten, Mai 1992
  • Westerholt in alten Ansichten / von Heinz Wener - Zaltbommel/Niederlande, Europ. Bibliothek
  • Westerholt / Heinz Wener. - 1. Aufl. - Sutton, Erfurt 1997. - 128 S., (Die Reihe Archivbilder), ISBN 3-89702-042-4
  • 90jähr. Jubiläum der Pfarrkirche St. Martinus Westerholt / [Hrsg. Kath. Pfarramt St. Martinus Westerholt]. Zsgest. von Franz Meiners und Heinz Wener. - Kath. Pfarramt St. Martinus, Westerholt 1993. - 43 S.
  • Erinnerungen an den Bau der St.-Martinus-Pfarrkirche zu Westerholt: 1901–1903 / aufgezeichn. u. überarb. nach handschriftl. Unterlagen von Carl Rätz u. Wilhelm Schnitzler durch Heinz Wener. - 1984. - 39 S.
  • Marktbrunnen Westerholt: eine Beschreibung / [Text und Fotos: Heinz Wener], Stadt Herten, Heimatkabinett Westerholt, [1983]. - 28 S.
  • Pfarrkirche St. Martin Westerholt / [Heinz Dohmen]. - 1. Aufl. - Schnell und Steiner, München/Zürich 1981. - 18 S. (Kunstführer Nr. 1267)
  • St. Martinus Westerholt im Wandel der Zeiten / [hrsg. vom Kath. Pfarramt St. Martinus Westerholt. Mitarb. f. Textgestaltung: Friedrich Schlüter u. a.]. - Libertas-Verlag für Kirche u. Heimat Baum, Stuttgart 1962. - 92 S.
  • Einwohnerbuch der Stadt Westerholt 1939. F. Sauer, Recklinghausen 1939
  • Westerholt, Heinz Wener: Alte Bilder erzählen, Sutton Verlag 2003, ISBN 3-89702-601-5
  • Westerholt, Heinz Wener, Zeitbilder aus der Geschichte von Westerholt Band 9, Priester und Ordensleute in und aus Westerholt, Herausgeber: Sparkasse Vest Recklinghausen 2003
  • Westerholt (Historischer Atlas Westfälischer Städte, Band 4) / bearb. von Cornelia Kneppe. Münster 2014, ISBN 978-3-87023-370-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Westerholt (Herten) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien