Pridi Phanomyong

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Pridi Phanomyong

Pridi Phanomyong (Thai: ปรีดี พนมยงค์, Aussprache: [priːdiː pʰánomjong], alternative Umschrift Banomyong, bis 1942 feudaler Ehrentitel Luang Praditmanutham (kurz Pradit); * 11. Mai 1900 in Ayutthaya; † 2. Mai 1983 in Paris) war ein thailändischer Jurist und Politiker. Er war einer der Gründer der konstitutionalistischen Volkspartei und einer der wichtigsten Förderer der Siamesischen Revolution, die 1932 den Übergang des Landes von der absoluten zur konstitutionellen Monarchie brachte. Pridi war ein Vordenker liberaler und sozialistisch inspirierter Ideen. Während des Zweiten Weltkriegs war er ein Anführer der Seri-Thai-Bewegung, die Widerstand gegen die Japaner leistete. Zwischen März und August 1946 war er Premierminister von Thailand.

Leben und Karriere[Bearbeiten]

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten]

Pridi wurde als Sohn von Siang und Lukchan in Ayutthaya geboren. Familiennamen waren damals in Siam noch nicht eingeführt. Später nahm die Familie den Namen Phanomyong an, weil ihre Vorfahren von Alters her in der Nähe des Tempels (Wat) Phanomyong in Ayutthaya gelebt hatten und Siang so wie mehrere seiner männlichen Vorfahren in diesem Kloster eine Zeit als Mönch gelebt hatte. Väterlicherseits war Pridi teilweise chinesischer Abstammung. Er war das zweite von acht Geschwistern.

Da es in seiner Heimatprovinz noch keine weiterführende Schule gab, ging er im Alter von 10 Jahren nach Bangkok, um die Tempelschule des Wat Benchamabophit zu besuchen, 1912 wechselte er zur neueröffneten Versuchsschule des Monthon Krung Kao, der ersten Sekundarschule in Ayutthaya und später an die prestigeträchtige Suankularb-Wittayalai-Schule in Bangkok.[1] Mit 17 Jahren begann er ein Studium an der Rechtsschule des thailändischen Justizministeriums. Er schloss die Ausbildung in nur zweieinhalb Jahren ab und erhielt seine Zulassung als Rechtsanwalt im Alter von 19 Jahren. Nach seinem Abschluss lebte er im Haus des Phraya Chaivichit-Visidthamathada, einem hohen Beamten im Justizministerium und Sohn des ehemaligen Gouverneurs von Ayutthaya, mit dem er entfernt verwandt war. Nachdem er seinen ersten Fall gewonnen hatte, der als sensibel galt, weil es um die versehentliche Beschädigung von Eigentum der Krone ging, berief ihn Phraya Chaivichit als Sachbearbeiter in die Abteilung für Strafvollzug im Justizministerium.[2]

Im Jahr 1920 erhielt Pridi ein Stipendium des Justizministeriums für einen Studienaufenthalt in Frankreich, wo er an der Universität Caen und an der Universität von Paris (Sorbonne) in Paris Rechtswissenschaft und Politische Ökonomie studierte. Pridis Denken wurde von der Tradition des französischen Liberalismus und teilweise auch vom europäischen Sozialismus beeinflusst.[3] Er wurde 1925 zum Präsidenten der siamesischen Studentenorganisation in Frankreich (association Siamoise d’intellectualite et d’assistance mutuelle, S.I.A.M.) gewählt.[4] Im Januar 1926 erhielt er das Diplôme d'études supérieures (DES) in politischer Ökonomie. In Frankreich lernte er Prayun Phamonmontri kennen. Zusammen mit fünf weiteren Studenten und jungen Militärs (darunter Plaek Khittasangkha, der später Phibunsongkhram hieß) gründeten sie im Februar 1927 in Paris die Volkspartei Siams (Khana Ratsadon), die ein Ende der absoluten Monarchie und den Übergang zum Konstitutionalismus anstrebte. Im selben Jahr wurde Pridi mit einer rechtsvergleichenden Dissertation über das Schicksal von Personengesellschaften beim Tod eines Gesellschafters[5] durch die Universität Paris zum Doktor der Rechte promoviert.[6]

Regierungskarriere und Revolution[Bearbeiten]

Poonsuk Phanomyong

Nach seinen Abschlüssen kehrte Pridi nach Thailand zurück und arbeitete im Justizministerium, wo er schnell aufstieg. Er heiratete 1928 die damals erst 16-jährige Tochter seines Mentors Phraya Chaivichit, die fast zwölf Jahre jüngere Poonsuk Na Pombejra (พูนศุข ณ ป้อมเพชร). Die beiden hatten vier Töchter und zwei Söhne. Poonsuk begleitete ihn während seines gesamten Lebens und teilte auch sein politisches Engagement.[7]

Mit 29 Jahren erhielt er den feudalen Ehrentitel Luang Praditmanutham (หลวงประดิษฐ์มนูธรรม; ältere Umschrift: Pradist-Manudharm), unter dem er bis zur Abschaffung der Titel und Ränge 1942 bekannt war. Der von Pridi selbst gewählte Name bedeutet „Menschlichkeit üben“.[8] Ab 1930 gab Pridi als Hilfsmittel für Juristen die Sammlung thailändischer Gesetze heraus, da die teilweise sehr alten Rechtsnormen zuvor oft schwer auffindbar waren. Die Bände verkauften sich sehr gut. Die Einnahmen ermöglichten es ihm, eine eigene kleine Druckerei zu gründen. Auch engagierte man ihn als Dozent an der Rechtsschule des Justizministeriums. Dort erregten vor allem seine Vorlesungen in Verwaltungsrecht Aufmerksamkeit. In diesen skizzierte er bereits Verfassungsprinzipien, ging auf politische Ökonomie und öffentliches Finanzwesen ein und lehrte damit als Erster in Siam Prinzipien moderner Regierungsführung. Mit seinem Einfluss auf die Studenten trug Pridi zum wachsenden Bewusstsein von Teilen des Bürgertums für politische Rechte und Mitbestimmung bei.[9]

Während dieser Zeit war Pridi wesentlich an der Vorbereitung eines Staatsstreiches zur Abschaffung der absoluten Herrschaft in Thailand beteiligt, der zu einer konstitutionellen Monarchie führen sollte. Am 24. Juni 1932 fand dieser Umsturz statt, der kurz darauf mit der Annahme der von Pridi ausgearbeiteten Provisorischen Verfassung durch König Prajadhipok (Rama VII.) sein Ende fand. Pridi wurde Mitglied des Kabinetts, dass „Öffentliches Komitee“ genannt wurde, und Finanzminister.

Ökonomischer Plan[Bearbeiten]

Im Januar 1933 schlug Pridi einen ökonomischen Plan vor, der als „gelbes Heft“ (samut pok-lueang) bekannt wurde.[10] Er sah die Verstaatlichung allen Ackerlandes vor, zudem die Industrialisierung des Landes und staatliches Eigentum an den Produktionsmitteln. Alle Siamesen sollten zu Staatsangestellten werden, von der Regierung entlohnt, bei Krankheit und im Alter unterstützt[11] und auch an der Verwaltung mitwirken.[12] Die Nationalisierung der Betriebe sollte nicht durch Enteignung, sondern im Austausch gegen staatliche Wertpapiere erfolgen. Der Ministerpräsident Phraya Manopakorn Nititada und dessen konservative Flügel in der Regierung lehnten diesen Plan, wie auch König Prajadhipok, als „kommunistisch“ ab.[11] Der König löste die Nationalversammlung auf und äußerte:

„Ich weiß nicht, ob Stalin Luang Pradit kopiert hat oder ob Luang Pradit Stalin kopiert hat. […] Der einzige Unterschied ist, dass der eine Russe ist und der andere Thai. […] Das ist dasselbe Programm, das in Russland verwendet wurde. Wenn unsere Regierung es annähme, würden wir der Dritten Internationale helfen, das Ziel des Weltkommunismus zu erreichen. […] Siam würde der zweite kommunistische Staat nach Russland.“

König Rama VII. (Prajadhipok): Kommentar zu Pridis ökonomischem Plan, 1933[13]

Tatsächlich war der Plan weniger von sowjetischen als von westeuropäischen, insbesondere französischen, Vorstellungen von staatsgeleiteter Industriepolitik und Wohlfahrtsstaatlichkeit beeinflusst.[10] Pridi führte zu ihrer Begründung aber auch traditionelle buddhistische Ideale einer gerechten Gesellschaft an,[14] die sich beispielsweise in den utopischen und millenarischen Vorstellungen von der kommenden Ära des Buddha Maitreya, in der die Menschen frei von materiellen Sorgen leben sollen, spiegeln.[15]

Dennoch stieß der Plan auch unter Pridis Mitstreitern in der Volkspartei teils auf Widerstand. Sein Studienfreund Prayun Phamonmontri veröffentlichte, zusammen mit dem Konservativen Phraya Manopakorn einen Artikel, in dem sie das Konzept verurteilten.[16] Manopakorns Konservative drängten Pridi ins Exil. Das Kabinett rief den Notstand aus[12] und erließ ein „Gesetz gegen kommunistische Umtriebe“, obwohl es zu der Zeit in Siam praktisch keine kommunistischen Aktivitäten gab.[11] Die Regelung war vielmehr gegen die Reformen in Pridis ökonomischen Plan gerichtet, die nach der bewusst weiten Auslegung des Gesetzes als „kommunistisch“ aufgefasst werden konnten.[17]

Amtszeiten als Minister[Bearbeiten]

Nach dem Putsch von jüngeren Mitgliedern der Volkspartei im Juni 1933 konnte Pridi nach Siam zurückkehren.[17] Während der Regierungszeit von Phraya Phahon Phonphayuhasena wurde er vor Gericht gestellt und freigesprochen. Anschließend wurde Pridi zum Innenminister ernannt, er hatte das Amt bis Februar 1935 inne.

Denkmal für Pridi Phanomyong auf dem Campus der Thammasat-Universität.

Pridi war 1934 einer der Gründer der Thammasat-Universität in Bangkok und auch deren erster Rektor. Sie war die zweite Universität des Landes und die erste, die durch bürgerliches Engagement und nicht durch den König gegründet wurde. Sie war zunächst auf Rechts- und politische Wissenschaften spezialisiert und sollte eine neue Generation ziviler Verantwortungsträger ausbilden. Er leitete die Universität bis 1949.

1936 wurde Pridi Außenminister Siams. In dieser Funktion schloss er im Jahr 1937 Freundschaftsverträge zwischen Siam und 13 anderen Nationen, darunter die USA, Großbritannien, Japan, Italien, Frankreich und Deutschland. Durch diese konnten die sogenannten ungleichen Verträge aus dem 19. Jahrhundert abgelöst werden, durch die sich die europäischen Großmächte exterritoriale Rechte für sich und ihrer Staatsangehörigen in Siam gesichert hatten. Dadurch erhielt Siam die uneingeschränkte Souveränität über sein Territorium und auch Ausländer, die sich im Land aufhielten, mussten sich der einheimischen Gerichtsbarkeit unterwerfen.[18] Zugleich wies er in den Verhandlungen mit Japan jeglichen Wunsch der neuen asiatischen Großmacht nach Sonderrechten ab und bestand auf der strikten Neutralität Siams.[19] In der Folgezeit wurde er mit höchsten ausländischen Ehren ausgezeichnet, unter anderem verlieh ihm Adolf Hitler, Führer des nationalsozialistischen Deutschen Reichs, im April 1938 das Großkreuz des Deutschen Adlerordens,[20] im Februar 1939 bekam er das Großkreuz der französischen Ehrenlegion.[21]

Im Dezember 1938 wechselte Pridi in der Regierung von Plaek Phibunsongkhram an die Spitze des Finanzministeriums. Von einem Verbündeten Phibunsongkhrams entwickelte er sich zu einem Kritiker und Rivalen des zunehmend autoritär regierenden Ministerpräsidenten. Insbesondere kritisierten Pridi und seine Anhänger die Aufrüstung und Militarisierung. Dennoch schätzte der Premier ihn als fähigen Minister und hielt ihn in der Regierung. Das Verhältnis der beiden kann als „Hassfreundschaft“ beschrieben werden.[22]

Angesichts des beginnenden Zweiten Weltkriegs verfasste Pridi den historischen Roman Phrachao Chang Phueak (englisch The King of the White Elephant) über einen fiktiven siamesischen König Chakra, dessen Figur lose auf dem historischen König Chakkraphat aus dem 16. Jahrhundert basiert. Diesen idealisierte er als volksnahen, aufopferungsvollen und friedfertigen Anführer.[23] Aufgrund der Schilderung eines der zahlreichen Kriege des siamesischen Königreichs Ayutthaya mit dem Nachbarn Birma sollten die Thailänder aus den „Dummheiten ihrer Vorfahren“ lernen.[24] Er ließ das Buch 1940 auch in englischer Sprache verfilmen. Damit wollte er seine und Thailands[25] friedliebenden Absichten gegenüber der internationalen Gemeinschaft illustrieren. Pridi wurden in dieser Zeit Ambitionen auf den Friedensnobelpreis nachgesagt.[26] In Thailand wurde er jedoch immer mehr zur „einsamen Stimme“ gegen die Welle des von Phibunsongkhram und seinen Verbündeten propagierten Nationalismus.[24]

Aus Protest gegen das (durch eine drohende japanische Invasion erzwungene) Bündnis der Regierung Phibunsongkhrams mit Japan trat Pridi im Dezember 1941 als Finanzminister zurück.

Kronregent und „erfahrener Staatsmann“[Bearbeiten]

Gleich darauf ließ Phibunsongkhram Pridi in den dreiköpfigen Regentschaftsrat für den minderjährigen König Ananda Mahidol (Rama VIII.) berufen. Die im Januar 1942 auf japanischen Druck ausgesprochene Kriegserklärung Thailands an Großbritannien und die USA unterzeichnete Pridi nicht. Während der Regierungschef sie trotzdem für gültig erklärte, weigerte sich der thailändische Botschafter in Washington, D.C., Seni Pramoj, sie an die US-Regierung zu überbringen. Nach Kriegsende berief sich Thailand darauf, dass es nie eine gültige Kriegserklärung gegeben habe.[27] Nach der Abschaffung feudaler Titel und Ränge 1942 legte Pridi seinen Luang-Titel ab und nahm wieder seinen bürgerlichen Namen an.[28]

Pridi bildete in dieser Zeit die gegen die faktische japanische Besatzung gerichtete Seri-Thai-Bewegung, eine Bewegung für ein freies Thailand, in Zusammenarbeit mit Seni Pramoj, der die Bewegung mit britischer und amerikanischer Unterstützung vom Ausland aus lenkte. Nach dem Tod des Chao Phraya Bijayendrayodhin 1942 und dem Rücktritt von Prinz Aditya Dibabha 1944 wurden keine neuen Regenten ernannt, sodass Pridi schließlich als einziger verblieb. Nach der Abwahl Phibunsongkhrams im Juli 1944 übernahm Khuang Aphaiwong die Regierungsführung. Während dieser dem Anschein nach weiter mit den Japanern zusammenarbeitete, kooperierte Pridi mit den Alliierten. Sein Büro als Regentschaftsrat fungierte praktisch als Hauptquartier des Widerstands in Thailand, vermutlich mit stillschweigender Billigung des Regierungschefs.[29]

Gleich nach der japanischen Kapitulation am 15. August 1945 widerrief Pridi die Verträge der Phibsunsongkhram-Regierung mit Japan und erklärte die Kriegserklärung an Großbritannien und die USA für null und nichtig.[30] Mit der Volljährigkeit König Anandas und seiner Rückkehr nach Thailand im Dezember 1945, wurde seine Regentenfunktion obsolet.[31] Er wurde mit den höchsten Orden ausgezeichnet (Orden der Neun Edelsteine, Orden von Chula Chom Klao erster Klasse) und erhielt den nur für ihn geschaffenen Ehrentitel des „erfahrenen Staatsmanns“ (รัฐบุรุษอาวุโส, Ratthaburut Awuso). Den Nachkriegsregierungen von Thawi Bunyaket und Seni Pramoj stand er als Berater zur Seite und galt als deren starker Mann im Hintergrund.[31]

Amtszeit als Ministerpräsident[Bearbeiten]

Nachdem seine Unterstützer bei der ersten Nachkriegswahl im Januar 1946 viele Mandate gewonnen hatten, übernahm Pridi Phanomyong am 24. März 1946 selbst das Amt des thailändischen Premierministers; er war der siebente Inhaber dieses Amtes. Pridis Regierung stützte sich auf die linksgerichtete, vor allem von ehemaligen Seri-Thai-Kämpfern aus der Nordost-Region gebildeten „Genossenschafts-Partei“ (Sahachip) und die aus dem liberalen Flügel der ehemaligen Khana Ratsadon hervorgegangenen „Verfassungsfront“ sowie parteilose Abgeordnete. Während seiner Regierungszeit wurde am 9. Mai 1946 eine neue Verfassung in Kraft gesetzt, eine der liberalsten und am meisten demokratischen in der thailändischen Geschichte. Genau einen Monat später starb König Ananda Mahidol am 9. Juni 1946 unter ungeklärten Umständen (Unfall, Mord oder Suizid), so dass Pridi am 11. Juni formal zurücktreten musste, jedoch anschließend wieder vom neuen König Bhumibol Adulyadej (vertreten durch seinen Regenten Prinz Rangsit Prayurasakdi) eingesetzt wurde. In dieser Zeit streuten seine politischen Gegner, vor allem aus royalistischen Kreisen, bewusst das Gerücht, dass Pridi auf irgendeine Weise für den Tod des jungen Königs verantwortlich sei. Sie unterstellten ihm republikanische Bestrebungen.[32]

Bei Nachwahlen im August 1946 mussten die Pridi unterstützenden Parteien deutliche Verluste hinnehmen. Am 21. August trat er zurück, als offiziellen Grund gab er Erschöpfung an. Sein Nachfolger wurde Thawan Thamrongnawasawat, ein Verbündeter Pridis. Die Regierung wurde weiterhin von seinen Anhängern gestützt, die allerdings im Parlament nur noch eine dünne bzw. nach dem Überlaufen einiger Abgeordneter Anfang 1947 überhaupt keine Mehrheit mehr hatten.[33] Im Dezember 1946 zeichnete die US-Regierung Pridi für seine Verdienste im Widerstand gegen Japan mit der Medal of Freedom aus.[34]

Im September 1947 gründete sich auf Betreiben Pridis und Trần Văn Giàus in Bangkok die Südostasiatische Liga, ein Zusammenschluss anti-kolonialer und anti-imperialistischer Organisationen aus Birma, Vietnam, Kambodscha, Laos, den Philippinen, Malaya, Indonesien und Thailand. Diese hatten während des Zweiten Weltkriegs gegen die japanische Besatzung gekämpft und richteten sich jetzt gegen die fortgesetzte bzw. wiedergekehrte Herrschaft der europäischen Kolonialmächte. Sie warb für die nationale Unabhängigkeit der beteiligten Völker und die ökonomische Zusammenarbeit zwischen ihnen.[35] Die Demokratische Republik Vietnam (Việt Minh), Lao Issara und die indonesische Nationalbewegung unterhielten bereits seit Pridis Regierungszeit Informations- und Waffenbeschaffungsbüros in Bangkok. Da es in einigen der beteiligten Bewegungen, vor allem den Việt Minh, kommunistische Tendenzen gab, warfen Pridis politische Gegner im eigenen Land – insbesondere thailändische Militärs – ihm vor, ebenfalls ein Kommunist zu sein und eine siamesische Republik als Eckpfeiler einer pro-sowjetischen „Südostasiatischen Union“ anzustreben.[36]

Entmachtung und Exil[Bearbeiten]

Nachdem später am 8. November 1947 ein weiterer Staatsstreich erfolgte, der die Regierung von Thawan Thamrongnawasawat stürzte, ging Pridi erneut ins Exil, zunächst nach Singapur. Nach einer Rückkehr und einem missglückten Putschversuch gegen Phibun im Jahre 1949 ging er dann abermals ins Exil, bis 1970 lebte er in China. Anschließend ließ er sich in Frankreich dauerhaft nieder.[37]

Pridi Phanomyong starb am 2. Mai 1983 in Paris an einem Herzinfarkt.

Literatur[Bearbeiten]

  • National Economic Policy of Luang Pradist Manudharm (Pridi Banomyong). Herausgegeben von Kenneth Perry Landon. Committees on the Project for the National Celebration on the Occasion of the Centennial Anniversary of Pridi Banomyong, Senior Statesman (private sector), 1999.
  • Pridi Banomyong: Pridi by Pridi. Selected Writing on Life, Politics, and Economy. Übersetzung und Einleitung von Chris Baker und Pasuk Phongpaichit. Silkworm Books, Chiang Mai 2000, ISBN 9747551357.
  • Volker Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands, C.H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60129-3.
  • Vichitvong Na Pombhejara: Pridi Banomyong and the making of Thailand's modern history. 2. Auflage. Committees on the Project for the National Celebration on th Occasion of the Centennial Anniversary of Pridi Banomyong, Bangkok 2001.
  • Martina Peitz: Tigersprung des Elefanten. Rent-seeking, Nation Building und nachholende Entwicklung in Thailand, LIT Verlag, Zürich 2008.
  • Sulak Sivaraksa: Im Angesicht der Macht — Pridi Banomyong. Aufstieg und Untergang der Demokratie in Siam (Thailand). Sathirakoses-Nagapradipa Foundation, Bangkok 2005, ISBN 974-93403-4-5.
  • Judith Stowe: Siam Becomes Thailand. A Story of Intrigue, C. Hurst & Co., London 1991, ISBN 1-85065-083-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vichitvong Na Pombhejara: Pridi Banomyong and the Making of Thailand's Modern History. Bangkok 1982, S. 36.
  2. Vichitvong Na Pombhejara: Pridi Banomyong and the Making of Thailand's Modern History. 1982, S. 37.
  3. Chris Baker, Pasuk Phongpaichit: A History of Thailand. Cambridge University Press, 2005, S. 122.
  4. Vichitvong Na Pombhejara: Pridi Banomyong and the Making of Thailand's Modern History. 1982, S. 39.
  5. Pridi Banomyong: Du sort des sociétés de personnes en cas de décès d'un associé (étude du droit français et de droit comparé). Librairie de jurisprudence ancienne et moderne, Paris 1927.
  6. Vichitvong Na Pombhejara: Pridi Banomyong and the Making of Thailand's Modern History. 1982, S. 38.
  7. Vichitvong Na Pombhejara: Pridi Banomyong and the Making of Thailand's Modern History. 1982, S. 45.
  8. Stowe: Siam Becomes Thailand. 1991, S. 13
  9. Vichitvong Na Pombhejara: Pridi Banomyong and the Making of Thailand's Modern History. 1982, S. 44.
  10. a b Erik Kuhonta: The Institutional Imperative. The Politics of Equitable Development in Southeast Asia. Stanford University Press, 2011, ISBN 978-0-8047-7083-5, S. 138.
  11. a b c Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. 2010, S. 154.
  12. a b Peitz: Tigersprung des Elefanten. 2008, S. 184f.
  13. Stowe: Siam Becomes Thailand. 1991, S. 37–38.
  14. Heinz Bechert: Buddhismus, Staat und Gesellschaft in den Ländern des Theravāda-Buddhismus. Band 1. Metzner, Wiesbaden 1966, S. 181.
  15. Volker Zotz: Geschichte der Buddhistischen Philosophie. Rowohlt, Reinbek 1996, S. 254.
  16. Vichitvong Na Pombhejara: Pridi Banomyong and the making of Thailand's modern history. S. 287.
  17. a b Peitz: Tigersprung des Elefanten. 2008, S. 185
  18. Vichitvong Na Pombhejara: Pridi Banomyong and the Making of Thailand's Modern History. 1982, S. 36.
  19. Nigel J. Brailey: Thailand and the Fall of Singapore. The Frustrating of an Asian Revolution. Westview Press, Boulder CO 1986, S. 89.
  20. Hitler Honours Siamese. In: The Straits Times, 3. April 1938, S. 3.
  21. Pridi Phanomyong: ชีวิตผันผวนของข้าพเจ้าและ 21 ปีที่ลี้ภัยในสาธารณรัฐราษฎรจีน [Chiwit Phanphuan khong Khapachao lae 21 Pi thi Liphai nai Satharanarat Ratsadon Chin; Mein bewegtes Leben und 21 Jahre im Exil in der Volksrepublik China], Thian Wan, Bangkok 1986.
  22. Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. 2010, S. 154.
  23. Walter Skrobanek: Buddhistische Politik in Thailand. Steiner, Wiesbaden 1976, S. 163.
  24. a b Joseph J. Wright: The Balancing Act. A History of Modern Thailand. Pacific Rim Press, Oakland CA 1991, S. 133.
  25. Die Umbenennung von Siam war 1939 auf Veranlassung Phibunsongkhrams erfolgt.
  26. Scot Barmé: Peace not War. Pridi and The King of the White Elephant. In: Woman, Man, Bangkok. Love, Sex and Popular Culture in Thailand. Rowman & Littlefield, Lanham MD/Oxford 2002, S. 245.
  27. Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. 2010, S. 163.
  28. Thamsook Numnonda: Thailand and the Japanese Presence 1941-1945. Institute of Southeast Asian Studies, Singapur 1977, S. 35.
  29. David K. Wyatt: Thailand. A Short History. 2. Auflage, Silkworm Books, Chiang Mai 2004, ISBN 978-974-9575-44-4, S. 249.
  30. Wyatt: Thailand. 2004, S. 251.
  31. a b Wyatt: Thailand. 2004, S. 252.
  32. Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. 2010, S. 167.
  33. Wyatt: Thailand. 2004, S. 253.
  34. Pridi receives Medal of Freedom in US. In: Chronicle of Thailand. Headline News Since 1946. Editions Didier Millet, Singapur 2010, S. 27.
  35. Christopher E. Goscha: Thailand and the Southeast Asian Networks of The Vietnamese Revolution, 1885–1954. Curzon Press, Richmond (Surrey) 1999, S. 260–261.
  36. Wyatt: Thailand. 2004, S. 254.
  37. Michael Leifer: Dictionary of the Modern Politics of South-East Asia. Routledge, London/New York, 1995, ISBN 0-415-04219-4, S. 136. Stichwort „Pridi Phanomyong“.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkung zu thailändischen Namen: Dieser Artikel spricht Personen mit ihrem Vornamen an.