Primo Carnera

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Primo Carnera
Boxweltmeister im Schwergewicht
Boxer
Bundesarchiv Bild 102-13050, Primo Carnera im Ring.jpg
Daten
Geburtsname Primo Carnera
Geburtstag 26. Oktober 1906
Geburtsort Sequals
Todestag 29. Juni 1967
Todesort Sequals
Nationalität Italienisch
Gewichtsklasse Schwergewicht
Stil Linksauslage
Größe 1,97 m
Reichweite 2,16 m
Kampfstatistik als Profiboxer
Kämpfe 102
Siege 88
K.-o.-Siege 71
Niederlagen 14
Unentschieden 0
Profil in der BoxRec-Datenbank
Primo Carnera in seiner italienischen Heimat (Stummfilm)

Primo Carnera (* 26. Oktober 1906 in Sequals; † 29. Juni 1967 ebenda) war ein italienischer Boxer und Schauspieler. Er war vom 29. Juni 1933 bis zum 14. Juni 1934 unumstrittener Schwergewichts-Boxweltmeister.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boxerischer Aufstieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carnera wanderte im Alter von 17 Jahren aus Italien nach Frankreich aus. Dort verpflichtete ihn ein Zirkusdirektor als Ringkämpfer. Der Boxmanager Léon Sée machte schließlich aus dem Schaukämpfer einen Boxer.[1] Der Aufbau von Carnera zum Boxer soll als Vorbild für den Roman von Budd Schulberg "The Harder They Fall" sowie den Film Schmutziger Lorbeer gedient haben.

Seinen ersten Profi-Kampf bestritt Carnera, der mit 1,97 m Körpergröße und austrainiert etwa 120 kg Kampfgewicht für damalige Verhältnisse außergewöhnlich groß und massig war, am 12. September 1928 in Paris gegen Leon Sebilo und gewann durch K. o. in der zweiten Runde.

Nach dem Sieg gegen Sebilo gewann er die folgenden fünf Kämpfe. Er unterlag erst Franz Diener aufgrund einer Disqualifikation. Darauf folgten erneut Siege, u. a. gegen den hoch einzuschätzenden Young Stribling.

Boxweltmeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Weltmeistertitel gewann Carnera am 29. Juni 1933 in New York, im Kampf gegen Jack Sharkey durch K. o. in Runde 6. Der neue Weltmeister konnte anschließend seinen Titel zweimal erfolgreich, noch im Jahr 1933 gegen Paulino Uzcudun und Tommy Loughran, verteidigen. Der Kampf gegen Uzcudun fand in Rom vor 65.000 Zuschauern statt. Als in den USA erfolgreicher Profiboxer ließ er sich auch durch das faschistische Regime Italiens unter Benito Mussolini präsentieren.

Er verlor den Titel am 14. Juni 1934 in Long Island (NY) gegen Max Baer durch K. o. in der 11. Runde.

Boxerischer Niedergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr darauf verlor er auch gegen den späteren Boxweltmeister Joe Louis.

1938 zwang ihn eine Nierenentfernung, sich vorübergehend vom Boxsport zurückzuziehen.

1945 startete Carnera ein zunächst erfolgreiches Comeback als Profiboxer. 1946 zog er sich nach mehreren Niederlagen gegen Luigi Mussina endgültig vom Boxsport zurück.

Seinen letzten Kampf bestritt er als Catcher im Mai 1961 in New York.

Weitere Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Zeiten seines größten Erfolges erhielt er auch Angebote von Hollywood, die er annahm: In dem Film Der Boxer und die Lady spielte er den Gegner von Max Baer, womit der spätere Weltmeisterschaftskampf zuerst auf der Leinwand „ausgetragen“ wurde. In seiner Heimat Italien produzierten Filmen, wie z. B. Prinz Eisenherz (1954), war Carnera zwischen 1939 und 1958 regelmäßig zu sehen. Aufgrund seiner Größe und Erscheinung wurde er für Nebenrollen in etlichen Abenteuerfilmen gebucht, die seine Physis ausbeuten konnten.[2]

Auch im Comic machte Carnera Karriere: Von Juli 1953 bis Mai 1954 erschien im Walter Lehning Verlag, Hannover, mit insgesamt 46 Heften zu 20 Pfennig pro Heft die (ursprünglich aus Italien stammende) Piccoloserie 'CARNERA', von der bis heute sogar schon zwei Nachdrucke erschienen sind (Melzer Verlag, Hethke Verlag). 1954 erschien bei Lehning als Großband ein Piccolo-Sonderheft (Nr. 3) zu 60 Pfennig mit dem Titel 'CARNERA BOXT SICH DURCH', das inzwischen auch von Hethke nachgedruckt wurde. Bei Walt Disney gab es einen boxenden Kater namens Creamo Catnera (deutsch ungefähr: Kloppo Schwarzkatz).

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1953 hatte Carnera Giuseppina Kovacic geheiratet, mit der er die amerikanische Staatsbürgerschaft erlangte. Die Familie ließ sich in Los Angeles nieder. Das Paar bekam zwei Kinder.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joseph S. Page: Primo Carnera - The Life and Career of the Heavyweight Boxing Champion, Jefferson N.C. 2011.
  • Aldo Santini: Primo Carnera. L'uomo più forte del mondo, 2004.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1] Informationen aus der TV-Dokumentation "Liebenswürdiges Schwergewicht"
  2. Enrico Lancia, Artikel Primo Carnera, in: Roberto Chiti, Enrico Lancia, Andrea Orbicciani, Roberto Poppi: Dizionario del cinema italiano. Gli attori. Rom, Gremese 1998. S. 101

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]