Psychedelisch

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Psychedelisch (zusammengesetzt aus altgriechisch ψυχη psychḗ‚ Seele‘ und δῆλος dẽlos ‚offenkundig, offenbar‘) bezeichnet einen durch den Konsum bestimmter psychotroper Substanzen (sogenannte Psychedelika), aber auch mittels geistiger und ritueller Praktiken (etwa Trancetanz oder Meditation) erreichbaren veränderten Bewusstseinszustand. Der Begriff ging 1956 aus einem Briefwechsel des Psychiaters Humphry Osmond mit dem Schriftsteller Aldous Huxley hervor.[1]

Psychedelische Substanzen[Bearbeiten]

Verschiedene psychotrope Substanzen können einen sogenannten Trip (Rausch mit psychedelischen Zuständen) hervorrufen. Dies wird unter anderem auf die Wirkungsweise der psychedelischen Substanzen (ausgenommen der Dissoziativa) als potente Agonisten der Serotonin-Rezeptoren 5-HT2A/2C zurückgeführt.[2][3] Solche psychotropen Substanzen werden auch Psychedelika genannt. Zu ihnen gehören:

Gesundheit und psychedelische Substanzen[Bearbeiten]

Statistische Untersuchungen[Bearbeiten]

Vergleich von Abhängigkeitspotential und Verhältnis zwischen üblicher und tödlicher Dosis verschiedener psychoaktiver Substanzen und psychedelischen Substanzen nach R. S. Gable.[4][5]

In einer retrospektiven Querschnittsstudie (2013) von Patientenangaben in Fragebögen aus den Jahren 2001 bis 2004 wurde ein möglicher statistischer Zusammenhang zwischen ärztlicher Behandlung innerhalb des vergangenen Jahres wegen psychischer oder psychiatrischer Probleme und mindestens einmaliger Einnahme von einer der „klassischen“ psychedelischen Substanzen (LSD, Psilocybin, Mescalin/Peyote) während des gesamten Lebens untersucht. Die Unterlagen des National Survey of Drug Use and Health (NSDUH), durchgeführt vom Gesundheitsministerium der USA, lieferten die Daten von 130.152 solcher Patienten für diesen Zeitraum. Von diesen gaben 21.967 an, mindestens einmal in ihrem Leben eine der genannten Substanzen konsumiert zu haben. Ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen den untersuchten Variablen wurde nicht gefunden. Die Autoren folgerten daraus, dass eine mindestens einmalige Einnahme von einer „klassischen“ psychedelischen Substanz während des gesamten Lebens kein unabhängiger Risikofaktor für psychische Probleme des vergangenen Jahres sei. Sie wiesen jedoch darauf hin, dass eine Studie dieser Art keine Hinweise auf mögliche ursächliche Zusammenhänge gebe.[6]

In einer ähnlichen Analyse (2015) von Fragebögen aus der Normalbevölkerung der Jahre 2008 bis 2012 (ebenfalls von der NSDUH) wurde ein möglicher statistischer Zusammenhang zwischen dem Vorkommen eines psychischen Belastungszustands innerhalb des vergangenen Monats sowie dem Vorkommen von Suizidneigung innerhalb des vergangenen Jahres und einer mindestens einmaligen Einnahme einer „klassischen“ psychedelischen Substanz (LSD, Mescalin und Psilocybin) während des gesamten Lebens untersucht. Von den 191,382 Antwortbögen enthielten 27,235 die Angabe einer mindestens einmaligen Einnahme einer der Substanzen innerhalb des vergangenen Jahres. Dieser Personenkreis zeigte ein statistisch signifikant vermindertes Risiko für die genannte psychische Belastung und Suizidneigung. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale sowohl ein erhöhtes Interesse an den genannten Substanzen als auch eine verminderte Stress-Gefährdung bewirken könnten. Dass etwa die Einnahme der Substanzen einen allgemeinen gesundheitlichen Schutz bewirkt hätten, könne keinesfalls aus den Daten geschlossen werden.[7] Weitere Untersuchungen, gerade auch bezüglich möglicher medizinischer Anwendungen, seien jedoch wünschenswert, so die Autoren:

“Growing evidence including the present research suggests that classic psychedelics may have the potential to alleviate human suffering associated with mental illness.”

„Eine zunehmende Anzahl von Belegen einschließlich der gegenwärtigen Forschung deutet darauf hin, dass klassische Psychedelika das Potenzial haben könnten, mit psychischer Erkrankung verbundenes menschliches Leid zu lindern.“

Hendricks et al. (2015)[7]

Mögliche medizinische Anwendung[Bearbeiten]

Beispiele für mögliche medizinische Anwendungen ist die Behandlung posttraumatischer Belastungsstörung und Angststörungen von Patienten im Endstadium tödlicher Erkrankungen.[8][9] Weiterhin werden in neueren Studien die Wirksamkeit von psychedelischen Substanzen bei Abhängigkeitserkrankungen durch psychotrope Substanzen (Alkohol, Tabak, Kokain) untersucht.[9]

Mögliche Gefahren[Bearbeiten]

Psychedelische Substanzen können unter Umständen eine Psychose (substanzinduzierte Psychose) auslösen.[10][11][12] Weitere psychische Störungen wie Missbrauch von Halluzinogenen und die fortbestehende Wahrnehmungsstörung nach Halluzinogengebrauch (HPPD)[13] sind als Diagnosekategorie im DSM-IV aufgenommen.[14]

Psychedelische Kunst[Bearbeiten]

Die nicht genau eingegrenzte Stilrichtung der psychedelischen Kunst versucht die im psychedelischen Zustand erfahrenen Eindrücke darzustellen oder zu manifestieren, oder unter Einfluss psychedelischer Substanzen den Trip zu vertiefen oder zumindest einen verstärkenden Stimulus zu bieten.

Eine Reihe von Musikrichtungen nimmt Bezug auf den psychedelischen Bewusstseinszustand. Dazu gehören Psychedelic Rock (Acid Rock), Psychedelic Folk, Psychedelic Trance (Psytrance/Goa) und Stoner Rock. In Anlehnung an Lysergsäurediethylamid (LSD) (Säure = engl. Acid) werden weitere als psychedelisch empfundene Musikrichtungen z.B. als Acid House, Acid Rap, Acid Techno, Acid Trance und Acid Jazz bezeichnet.

Literatur[Bearbeiten]

  • K. W. Tupper, E. Wood, R. Yensen, M. W. Johnson: Psychedelic medicine: a re-emerging therapeutic paradigm. In: CMAJ : Canadian Medical Association journal = journal de l'Association medicale canadienne. Band 187, Nummer 14, Oktober 2015, S. 1054–1059, doi:10.1503/cmaj.141124, PMID 26350908, PMC 4592297 (freier Volltext) (Review)
  • Gallimore AR (2015): Restructuring Consciousness – the Psychedelic State in Light of Integrated Information Theory. Front. Hum. Neurosci. 9:346. doi:10.3389/fnhum.2015.00346
  • Ben Sessa: Turn on and tune in to evidence-based psychedelic research. In: The Lancet Psychiatry. 2, 2015, S. 10, doi:10.1016/S2215-0366(14)00120-5.
  • T. Majić, T. T. Schmidt, J. Gallinat: Peak experiences and the afterglow phenomenon: when and how do therapeutic effects of hallucinogens depend on psychedelic experiences? In: Journal of psychopharmacology (Oxford, England). Band 29, Nummer 3, März 2015, S. 241–253, doi:10.1177/0269881114568040, PMID 25670401 (Review).
  • D. Baumeister, G. Barnes, G. Giaroli, D. Tracy: Classical hallucinogens as antidepressants? A review of pharmacodynamics and putative clinical roles. In: Therapeutic advances in psychopharmacology. Band 4, Nummer 4, August 2014, S. 156–169, doi:10.1177/2045125314527985, PMID 25083275, PMC 4104707 (freier Volltext) (Review).
  • B. Rolland, R. Jardri, A. Amad, P. Thomas, O. Cottencin, R. Bordet: Pharmacology of hallucinations: several mechanisms for one single symptom? In: BioMed research international. Band 2014, 2014, S. 307106, doi:10.1155/2014/307106, PMID 24991548, PMC 4065763 (freier Volltext) (Review).
  • K. Stebelska: Fungal hallucinogens psilocin, ibotenic acid, and muscimol: analytical methods and biologic activities. In: Therapeutic drug monitoring. Band 35, Nummer 4, August 2013, S. 420–442, doi:10.1097/FTD.0b013e31828741a5, PMID 23851905 (Review).
  • Thomas S. Ray, Olivier Jacques Manzoni: Psychedelics and the Human Receptorome. In: PLoS ONE. 5, 2010, S. e9019, doi:10.1371/journal.pone.0009019.
  • D. E. Nichols: Hallucinogens. In: Pharmacology & therapeutics. Band 101, Nummer 2, Februar 2004, S. 131–181, doi:10.1016/j.pharmthera.2003.11.002, PMID 14761703 (Review).

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Psychedelisch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Huxley, A., Palmer, C., and Horowitz, M. (1977). Moksha: Writings on Psychedelics and the Visionary Experience (1931-1963). New York, NY: Stonehill. TO DR. HUMPHRY OSMOND [smith 744], Seite 107.
  2. D. E. Nichols: Hallucinogens. In: Pharmacology & therapeutics. Band 101, Nummer 2, Februar 2004, S. 131–181, doi:10.1016/j.pharmthera.2003.11.002, PMID 14761703 (Review).
  3. Thomas S. Ray, Olivier Jacques Manzoni: Psychedelics and the Human Receptorome. In: PLoS ONE. 5, 2010, S. e9019, doi:10.1371/journal.pone.0009019.
  4. Robert Gable: Drug Toxicity. Abgerufen am 17. Februar 2011.
  5. Gable, R. S. (2006): Acute toxicity of drugs versus regulatory status. In J. M. Fish (Ed.), Drugs and Society: U.S. Public Policy, pp. 149–162, Lanham, MD: Rowman & Littlefield Publishers.
  6. Teri S. Krebs, Pål-Ørjan Johansen, Lin Lu: Psychedelics and Mental Health: A Population Study. In: PLoS ONE. 8, 2013, S. e63972, doi:10.1371/journal.pone.0063972.
  7. a b P. S. Hendricks, C. B. Thorne, C. B. Clark, D. W. Coombs, M. W. Johnson: Classic psychedelic use is associated with reduced psychological distress and suicidality in the United States adult population. In: Journal of Psychopharmacology. 29, 2015, S. 280, doi:10.1177/0269881114565653.
  8. C. S. Grob, A. L. Danforth, G. S. Chopra, M. Hagerty, C. R. McKay, A. L. Halberstadt, G. R. Greer: Pilot study of psilocybin treatment for anxiety in patients with advanced-stage cancer. In: Archives of general psychiatry. Band 68, Nummer 1, Januar 2011, S. 71–78, doi:10.1001/archgenpsychiatry.2010.116, PMID 20819978.
  9. a b K. W. Tupper, E. Wood, R. Yensen, M. W. Johnson: Psychedelic medicine: a re-emerging therapeutic paradigm. In: CMAJ : Canadian Medical Association journal = journal de l'Association medicale canadienne. Band 187, Nummer 14, Oktober 2015, S. 1054–1059, doi:10.1503/cmaj.141124, PMID 26350908, PMC 4592297 (freier Volltext) (Review).
  10. Jan Dirk Blom: A Dictionary of Hallucinations, Springer Science & Business Media 2009, ISBN 1441912231, S. 310.
  11. Ralph E. Tarter, Robert Ammerman, Peggy J. Ott: Handbook of Substance Abuse: Neurobehavioral Pharmacology, Springer Science & Business Media 2013, ISBN 1475729138, S. 236.
  12. Review in: A. L. Halberstadt, M. A. Geyer: Serotonergic hallucinogens as translational models relevant to schizophrenia. In: The international journal of neuropsychopharmacology / official scientific journal of the Collegium Internationale Neuropsychopharmacologicum (CINP). Band 16, Nummer 10, November 2013, S. 2165–2180, doi:10.1017/S1461145713000722, PMID 23942028, PMC 3928979 (freier Volltext) (Review).
  13. J. H. Halpern, H. G. Pope: Hallucinogen persisting perception disorder: what do we know after 50 years? In: Drug and alcohol dependence. Band 69, Nummer 2, März 2003, S. 109–119, PMID 12609692 (Review).
  14. APA Diagnostic Classification DSM-IV-TR
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