Neue Politische Ökonomie

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Die Neue Politische Ökonomie (NPÖ) (auch Public Choice oder Ökonomische Theorie der Politik), umfasst jene Theorien und Forschungsgebiete, die politisches Verhalten, Entscheidungsprozesse und Strukturen mittels der Methodik der Ökonomik erklären. Betrachtet werden die politischen Akteure individuell und/oder innerhalb kollektiv handelnder Gruppen wie Wähler, Verwaltungen, Parteien und Interessenverbände.

Die Bezeichnung Neue Politische Ökonomie grenzt dieses Teilgebiet von der klassischen Politischen Ökonomie ab, einem Begriff, der dasselbe bedeutet wie Volkswirtschaftslehre. Der englischsprachige Begriff Public Choice bringt zum Ausdruck, dass sich die Neue Politische Ökonomie als positive Ökonomie versteht, die tatsächliches Verhalten beschreibt. Im Gegensatz dazu erörtert die normative Ökonomie einen Idealzustand.

Annahmen[Bearbeiten]

Grundannahme der Neuen Politischen Ökonomie ist der Methodologische Individualismus mit dem Modell des rational handelnden, von Eigeninteressen geleiteten Homo oeconomicus, dessen Ziel die Nutzenmaximierung ist und der dementsprechende Entscheidungen trifft.

Im politischen Umfeld geht die Theorie davon aus, dass es im politischen Kräftefeld einen Kampf um Ämter gibt. Das Ziel der Politiker sei, damit ihre Wiederwahl zu sichern und ihren Eigennutz zu maximieren. Hierbei wird ihnen ein Hang zur Macht unterstellt. Politische Entscheidungen würden hierbei als Nebenprodukt angesehen (→ Schumpeter).

Mit dem Public-Choice-Ansatz versuchen die Vertreter dieser Theorie, unter anderem Staatengründungen, die Bildung von staatlichen Institutionen oder auch Wahlverhalten zu erklären.

Teilgebiete[Bearbeiten]

Zu den Teilgebieten der Neuen Politischen Ökonomie gehören die von Joseph Schumpeter, Anthony Downs (An Economic Theory of Democracy, 1957), und James M. Buchanan begründete ökonomische Theorie der Demokratie, William A. Niskanens Ökonomische Theorie der Bürokratie, die auf Mancur Olson und Gary S. Becker zurückgehende Theorie der Interessengruppen, die ökonomische Theorie der Regulierung von George Stigler und Sam Peltzman sowie die Theorie des rent-seeking von Gordon Tullock und James M. Buchanan.[1]

In einem weiteren Sinn zählen auch die Theorie politischer Konjunkturzyklen von William D. Nordhaus und die politische Ökonomie des Wachstums von Mancur Olson zu den Teilgebieten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes Marx, Andreas Frings (Hrsg.): New Political Economy in History. Sonderausgabe von Historical Social Research, Vol. 32, Nr. 4. Zentrum für Historische Sozialforschung, Köln 2007. (kostenloser Lesezugang, Registrierung erforderlich)
  • Guy Kirsch: Neue Politische Ökonomie. 5. Auflage, Lucius und Lucius, Stuttgart 2004, ISBN 3-8282-0270-5.
  • Stefan A. Schirm: Internationale Politische Ökonomie. Eine Einführung. Nomos, Baden Baden 2004, ISBN 3-8329-0735-1.
  • Dennis C. Mueller: Public Choice III. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-89475-1.
  • Sylke Behrends: Neue Politische Ökonomie. Systematische Darstellung und kritische Beurteilung ihrer Entwicklungslinien. Vahlen, München 2001, ISBN 3-8006-2505-9.
  • Peter Bernholz, Friedrich Breyer: Grundlagen der Politischen Ökonomie. Mohr, Tübingen 1984, ISBN 3-16-344854-2.
  • Anthony Downs: „Ökonomische Theorie der Demokratie“.
  • Mancur Olson: Die Logik des kollektiven Handelns – Kollektivgüter und die Theorie der Gruppen, Reihe: Die Einheit der Gesellschaftswissenschaften, Band 10, 5. Auflage, Mohr Siebeck Verlag, Tübingen 2004.
  • Gary S. Becker: Familie, Gesellschaft und Politik – die ökonomische Perspektive, hrsg. v. Ingo Pies, Reihe: Die Einheit der Gesellschaftswissenschaften, Band 96, Mohr Siebeck Verlag, Tübingen 1996.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mathias Erlei, Martin Leschke, Dirk Sauerland: Neue Institutionenökonomik, 2. Auflage, Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2007, S. 381–404.