Pulverinhalator

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Pulverinhalatoren sind Geräte, die bevorzugt bei der Behandlung von Asthma, chronische Bronchitis und COPD eingesetzt werden, um die entsprechenden Wirkstoffe in Pulverform in die Lunge einzubringen. Das Prinzip ist immer gleich: Der Wirkstoff liegt als Pulver vor und wird mit der Einatmung ohne Hilfe eines Treibgases inhaliert.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1955 wurde der erste - mit einem Treibmittel betriebene - Dosier-Inhalator (pessurized metered dose inhaler - pMDI) entwickelt. 1959 kam der erste Trockenpulver-Inhalator (dry powder inhaler, DPI) auf den Markt, und zwar für die Verabreichung von Natrium-Chromoglycat. Es folgten im Laufe der Jahre weitere unterschiedliche Modelle, die von den verschiedenen Anbieterfirmen unter eigenen Markennamen vertrieben werden und sich technisch nur geringfügig unterscheiden.

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Auswahl des geeigneten Wirkstoffes zur Behandlung ist die Auswahl der richtigen Applikation ein wichtiges Entscheidungskriterium für die Therapie obstruktiver Atemwegserkrankungen, um die richtige Wirkstoffmenge zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort zu bringen. Zahlreiche Nachteile der klassischen Dosieraerosole, z. B. Koordinationsfehler und Kältereiz bei der Anwendung, ozonschädigende Wirkung der FCKW-Treibmittel und die geringe applizierbare Dosis von maximal 1 mg pro Sprühstoß, führten zur Einführung von Pulverinhalatoren. Anders als bei Druckgas-Dosierinhalatoren wird die Zubereitung nicht aktiv durch den Applikator zerstäubt, sondern durch die Atmung des Patienten fein verteilt und aufgenommen.

In Abhängigkeit von der Bauart befindet sich der mikronisierte Wirkstoff entweder in Einzeldosisbehältnissen (Kapsel, Blister) oder in einem Reservoir (Pulvercontainer oder Ringtablette). Der Wirkstoff kann entweder in reiner Form oder aber auf ein Trägermaterial aufgebracht vorliegen. Bei dem Trägermaterial handelt es sich um 50 μm bis 200  μm große Lactose-Monohydrat-Partikel, auf denen die mikronisierten Wirkstoffpartikel adhäsiv haften („Drusen“).[2] Während des Inhalationsprozesses werden die kleinen Wirkstoffpartikel (mittlerer aerodynamischer Durchmesser: 1  µm bis 5 μm) von den inerten Trägerstoffen separiert. Die größeren Lactose-Monohydrat-Partikel scheiden sich durch Impaktion im Rachen ab und gelangen nicht in die Lunge. Seltener und auf einen Inhalatortyp beschränkt ist die Verwendung von Softpellets, die aus agglomerierten mikronisierten Wirkstoffteilchen bestehen.

Pulverinhalatoren werden nicht-wiederbefüllbar und wiederbefüllbar angeboten.

Jeder dieser Pulverinhalatoren hat seine eigenen Charakteristiken und Bedienungsanwendungen, über die der Patient ausführlich aufgeklärt werden muss.

Pulverinhalator, geschützter Name Fertigarzneimittel (enthaltene Wirkstoffe) Dosierungssystem
Aerolizer Foradil P (Formoterol), Miflonide (Budesonid) Kapselinhalator
Breezhaler Ultibro (Glycopyrronium/Indacaterol), Seebri (Glycopyrronium), Onbrez (Indacaterol) Kapselinhalator
Cyclohaler Cyclocaps Beclometason, Cyclocaps Budesonid, Cyclocaps Formoterol, Cyclocaps Salbutamol, Kapselinhalator
Diskus Atmadisc (Fluticason, Salmeterol), Flutide (Fluticason), Serevent (Salmeterol), Viani (Fluticason, Salmeterol) Blisterinhalator
Easyhaler Beclomet Easyhaler (Beclometason), Budesonid Easyhaler, FormoterolHEXAL, Salbu Easyhaler (Salbutamol) Mehrdosen-Dosierreservoir
Elipta Anoro (Umeclidinium, Vilanterol), Incruse (Umeclidinium), Relvar (Fluticason, Vilanterol) Blisterinhalator
Elpenhaler Pulmelia (Budesonid, Formoterol), Rolenium (Fluticason, Salmeterol) Blisterinhalator
Forspiro Airflusal (Fluticason, Salmeterol) Blisterinhalator
Genuair Bretaris (Aclidinium), Eklira (Aclidinium), Brimica (Formoterol, Aclidinium), Duaklir (Formoterol, Aclidinium) Mehrdosen-Dosierreservoir
HandiHaler Spiriva (Tiotropium) Kapselinhalator
Nexthaler Foster (Beclometason, Formoterol) Mehrdosen-Dosierreservoir
Novolizer Budecort (Budesonid), Formatris (Formoterol), Formotop (Formoterol), Novopulmon (Budesonid), Ventilastin (Salbutamol) Mehrdosen-Dosierreservoir
Spiromax DuoResp (Budesonid, Formoterol) Mehrdosen-Dosierreservoir
Turbohaler Oxis (Formoterol), Pulmicort (Budesonid), Symbicort(Budesonid, Formoterol) Mehrdosen-Dosierreservoir
Twisthaler Asmanex (Mometason) Mehrdosen-Dosierreservoir
Zonda Braltus (Tiotropiumbromid) Kapselinhalator

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aerosol Drug Management Improvement www.admit-online.info - Europäische Webseite zum Thema obstruktive Lungenerkrankungen.
  2. N. A. Urbanetz: Pulverinhalatoren - Physikalische Einflüsse steuern die pulmonale Deposition, Pharmazeutische Zeitung, Ausg. 40, 2006.