Vaporizer

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Ein Vaporizer oder Vaporisator (wörtlich Verdampfer) ist ein Gerät zur Verdampfung von Wirkstoffen. Anders als bei Inhalatoren wird die Substanz direkt verdampft, anstatt eine Lösung zu verdampfen. Bei einer zusätzlichen Erwärmung wird die Substanz idealerweise nur so weit erwärmt, dass die gewünschten Inhaltsstoffe verdampfen. Eine Verbrennung (Oxidation) wird vermieden, so dass keine unerwünschten Nebenprodukte entstehen. Zu meist wird der Vaporizer genutzt, um aktive Wirkstoffe von Pflanzenmaterial, wie Tabak, Cannabis oder andere Kräuter freizusetzen. Jedoch werden diese auch als Alternative zum traditionellen Tabakkonsum durch Zigaretten eingesetzt, indem eine Mixtur aus Propylene Glycol, Glycerin und Nicotin in einen Tank gefüllt und anschließend verdampft und inhaliert wird.

Vaporizer beinhalten verschiedene Formen von Extraktionsbehältern, welche überwiegend aus Metall oder Glas bestehen. Die extrahierten Wirkstoffe werden durch den Dampf entweder direkt inhaliert oder in einem befüllbaren Beutel gesammelt und dann an den Konsumenten freigegeben. Wird der Vaporizer richtig mit niedrigen Temperaturen genutzt, ist eine verbesserte Extraktion und eine weitaus geringere Schädigung des Lungensystems[1][2] nachgewiesen.

Anwendungen und Typen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Japanischer Vaporizer von Datex-Ohmeda
Nachfüllen eines flüssigen Narkosegases in den Verdampfer eines Narkosegeräts

Anwendung finden Vaporizer in der Medizin, wo sie zur inhalativen Applikationsform von Wirkstoffen eingesetzt werden. Bei Narkosegeräten ist ein Vaporizer zwischengeschaltet, um flüchtige Anästhetika kontrolliert der Atemluft beizumischen. Vaporizer eignen sich auch zum Konsum von Tabak oder von pharmazeutischen Drogen, insbesondere Cannabis, aber auch Pfefferminze oder Salvia divinorum.

Es gibt verschiedene Modelle von Vaporizern, die sich besonders in der Methode zur Zuführung der Verdampfungswärme unterscheiden:

  • Verdampfen ohne Erwärmung durch Vermischen eines Luftstroms mit der gesättigten Luft im Vaporizer. Dabei wird die Konzentration gesteuert über eine Aufteilung des Frischgas-Flusses in einen Dosierzweig und einen Bypasszweig. Für unterschiedliche Umgebungstemperaturen ist eine Temperaturkompensation notwendig.
  • Erwärmung der Flüssigkeit auf eine bestimmte Temperatur (wie etwa bei dem Narkosegas Desfluran)
  • Erwärmung der zugeführten Luft.

Zur Anwendung von volatilen Narkosegasen auf einer Intensivstation existieren Geräte, welche an ein normales Intensivbeatmungsgerät (welche keinen Vaporanschluss besitzen) angeschlossen werden und das Narkosegas verdampfen. So wird zum Beispiel bei dem Produkt AnaConDa (Anaesthetic Conserving Device) das noch flüssige Narkosegas über eine normale Spritzenpumpe in einen Verdampfer gepumpt, der in den Beatmungsschlauch eingesteckt wird. Dabei wird durch eine Filtermembran das wieder ausgeatmete Gas zurückgewonnen, um den Gasverbrauch zu reduzieren.[3]

Bei einer Wärmezufuhr kann die Temperatur über einen Regler, entsprechend der Verdampfungstemperatur der zu verdampfenden Substanz, konstant gehalten werden. Je nach Anwendungsgebiet sind einige Modelle medizinisch geprüft und verschreibungsfähig und zum Teil im medizinischen Fachhandel erhältlich. Darüber hinaus bieten Headshops Vaporizer für die Verwendung von Cannabis an.

Neben den erwähnten Narkosegeräten wird ein Vaporizer dazu verwendet, Wirkstoffe und Aromen aus Pflanzenmaterial zu gewinnen, um diese zu inhalieren. Je nach Pflanze sind dabei unterschiedliche Temperaturen notwendig.

Übersicht über empfohlene Temperatureinstellungen
Pflanze Pflanzenteil Temperatur
Afrikanisches Löwenohr (Leonotis leonurus, „Wild Dagga“) Blüten 175 °C
Ayahuasca, Yajé (Banisteriopsis caapi) Stängel 190 °C
Baldrian (Valeriana officinalis) Wurzel 190 °C
Blauer Lotus (Nymphaea caerulea) Blüten 125 °C
Cannabis (Cannabis sativa) Blüten 185 °C[4]
Damiana (Turnera diffusa) Kraut 175 °C
Eukalyptus (Eucalyptus globulus) Blätter 130 °C
Fliegenpilz (Amanita muscaria) Fruchtkörper 175 °C
Hopfen (Humulus lupulus) Zapfen 154 °C
Isländisches Moos (Cetraria islandica) Kraut 190 °C
Johanniskraut (Hypericum perforatum) Kraut 180 °C
Kamille (Chamomilla recutita) Blüten 190 °C
Kratom (Mitragyna speciosa) Blätter 190 °C
Lavendel (Lavandula angustifolia) Blätter 130 °C
Passionsblume (Passiflora incarnata) Kraut 150 °C
Pfefferminze (Mentha × piperita) Blätter 130 °C
Salbei (Salvia officinalis) Blätter 190 °C
Schafgarbe (Achillea spp.) Kraut 150 °C
Sinicuichi (Heimia salicifolia) Blätter 190 °C
Steppenraute (Peganum harmala) Samen 150 °C
Thymian (Thymus vulgaris) Kraut 190 °C
Wahrsagesalbei (Salvia divinorum) Blätter 235 °C
Yohimbe (Pausinystalia yohimbe) Rinde 190 °C
Zitronenmelisse (Melissa officinalis) Blätter 142 °C

E-Zigaretten Vaporizer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

E-Zigaretten & E-Liquid
Verschiedene E-Zigaretten & E-Liquids

Eine elektronische Zigarette ist ein durch Akkus betriebener Vaporisator, welcher das Rauchen von Zigaretten imitieren soll, ohne dabei Tabak zu verbrennen. Die Nutzung wird umgangssprachlich "vaping" oder "vapen" genannt. Der Nutzer aktiviert die E-Zigarette mit dem Drücken eines Knopfes oder lediglich mit dem Ziehen an dem Mundstück. Die Vaporisatoren sind oft in zylindrischer Form, jedoch sind auch viele andere Variationen auf dem Markt - einige sind eine direkte Nachbildung einer handelsüblichen Zigarette oder dieser nachempfunden[5][6]. Anstatt des Zigarettenrauchs, inhaliert der Konsument ein Aerosol[7]. E-Zigaretten haben typischerweise ein Erwärmungselement, welches flüssige Lösungen, welche auch als E-Liquid bezeichnet werden, atomisiert. E-Liquids beinhalten in der Regel Propylen Glycol, Glycerin, Wasser, Nicotine und Flavours[8]. Jedoch werden die Bestandteile der Liquids auch einzeln verkauft, sodass der Konsument sich seine E-Liquids auch selbstständig mischen kann[9][10][11].

Die Vorteile und Gesundheitsrisiken von E-Zigaretten sind nicht klar bestimmbar[12][13]. Es gibt Nachweise, dass die Vaporisatoren vielen Menschen beim Aufhören des Zigarettenrauchens geholfen haben, jedoch wurde bisher keine verbesserte Erfolgsrate als bei regulierter Medikation festgestellt. Die Risiken können mit denen von rauchlosem Tabakkonsum verglichen werden[14]. Laut der FDA aus den USA ist der Einsatz von Nicotin ersetzenden Produkten von geringerem Risiko als das Rauchen einer E-Zigarette[15], jedoch dass E-Zigaretten nach wie vor die gesündere Alternative zum traditionellem Rauchen darstellt[16].

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Interesse an der medizinischen Nutzung eines Vaporizers zur Verdampfung von Cannabis spiegelt sich in einer Anzahl Studien wider, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurden. Federführend sind Studien aus den USA[4][17] mit der zuletzt von D. Abrams veröffentlichten Studie im Jahre 2007.[18] Weitere Studien wurden von der Universität Leiden, Niederlande, veröffentlicht.[19] Die Studien kommen zu dem Schluss, dass die Verabreichung von verdampften Cannabiswirkstoffen eine medizinisch sinnvolle Applikationsform darstellt, da Verdampfung im günstigsten Fall keine Verbrennungsprodukte erzeugt.[19][20][21][22] So auch die im Mai 2008 im Journal of Psychopharmacology veröffentlichte Studie von Lineke Zuurman,[23] die zu dem Schluss gelangt, dass das Verdampfen mit dem Vaporizer eine sinnvolle Methode zur Verabreichung von THC ist.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bert Marco Schuldes, Richi Moscher: Phyto-Inhalation Heilkräuter & Vaporizer. Grüne Kraft Verlag, Lörbach, ISBN 3-922708-36-6.
  • C. Lanz, J. Mattsson, U. Soydaner, R. Brenneisen: Medicinal Cannabis: In Vitro Validation of Vaporizers for the Smoke-Free Inhalation of Cannabis. In: PloS one. Band 11, Nummer 1, 2016, S. e0147286, doi:10.1371/journal.pone.0147286, PMID 26784441.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: vaporisieren – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mitch Earleywine, Sara Smucker Barnwell: Decreased respiratory symptoms in cannabis users who vaporize. In: Harm Reduction Journal. Band 4, Nr. 1, 16. April 2007, ISSN 1477-7517, S. 11, doi:10.1186/1477-7517-4-11, PMID 17437626, PMC 1853086 (freier Volltext) – (DOI=doi.org/10.1186/1477-7517-4-11 [abgerufen am 19. Juni 2018]).
  2. Vaporizers for Medical Marijuana. 18. Juli 2010, abgerufen am 19. Juni 2018.
  3. Leserbriefe: AnaConDa®; in Der Anaesthesist, veröffentlicht am 14. November 2007 und in Ausgabe 56 (Dezember 2007), S. 1289–1290, doi:10.1007/s00101-007-1280-z
  4. a b Dale Gieringer, Joseph St. Laurent, Scott Goodrich: Cannabis Vaporizer Combines Efficient Delivery of THC with Effective Suppression of Pyrolytic Compounds. In: Journal of Cannabis Therapeutics. Band 4, Nr. 1, 2004, S. 7–27, doi:10.1300/J175v04n01_02 (englisch, PDF).
  5. Rachel Grana, Neal Benowitz, Stanton A. Glantz: E-Cigarettes: A Scientific Review. In: Circulation. Band 129, Nr. 19, 13. Mai 2014, ISSN 0009-7322, S. 1972–1986, doi:10.1161/CIRCULATIONAHA.114.007667, PMID 24821826 (ahajournals.org [abgerufen am 19. Juni 2018]).
  6. Jessica K. Pepper, Noel T. Brewer: Electronic nicotine delivery system (electronic cigarette) awareness, use, reactions and beliefs: a systematic review. In: Tobacco Control. Band 23, Nr. 5, 1. September 2014, ISSN 0964-4563, S. 375–384, doi:10.1136/tobaccocontrol-2013-051122, PMID 24259045 (bmj.com [abgerufen am 19. Juni 2018]).
  7. Tianrong Cheng: Chemical evaluation of electronic cigarettes. In: Tobacco Control. Band 23, suppl 2, 1. Mai 2014, ISSN 0964-4563, S. ii11–ii17, doi:10.1136/tobaccocontrol-2013-051482, PMID 24732157 (bmj.com [abgerufen am 19. Juni 2018]).
  8. The Electronic Cigarette: The Good, the Bad, and the Ugly. In: The Journal of Allergy and Clinical Immunology: In Practice. Band 3, Nr. 4, 1. Juli 2015, ISSN 2213-2198, S. 498–505, doi:10.1016/j.jaip.2015.05.022 (sciencedirect.com [abgerufen am 19. Juni 2018]).
  9. Anne Y. Oh, Ashutosh Kacker: Do electronic cigarettes impart a lower potential disease burden than conventional tobacco cigarettes?: Review on e-cigarette vapor versus tobacco smoke. In: The Laryngoscope. Band 124, Nr. 12, 9. Oktober 2014, ISSN 0023-852X, S. 2702–2706, doi:10.1002/lary.24750 (wiley.com [abgerufen am 19. Juni 2018]).
  10. Thomas H. Brandon, Maciej L. Goniewicz, Nasser H. Hanna, Dorothy K. Hatsukami, Roy S. Herbst: Electronic Nicotine Delivery Systems: A Policy Statement from the American Association for Cancer Research and the American Society of Clinical Oncology. In: Clinical Cancer Research. Band 21, Nr. 3, 1. Februar 2015, ISSN 1078-0432, S. 514–525, doi:10.1158/1078-0432.CCR-14-2544, PMID 25573384 (aacrjournals.org [abgerufen am 19. Juni 2018]).
  11. Thomas H. Brandon, Maciej L. Goniewicz, Nasser H. Hanna, Dorothy K. Hatsukami, Roy S. Herbst: Electronic Nicotine Delivery Systems: A Policy Statement from the American Association for Cancer Research and the American Society of Clinical Oncology. In: Clinical Cancer Research. Band 21, Nr. 3, 1. Februar 2015, ISSN 1078-0432, S. 514–525, doi:10.1158/1078-0432.CCR-14-2544, PMID 25573384 (aacrjournals.org [abgerufen am 19. Juni 2018]).
  12. Jon O. Ebbert, Amenah A. Agunwamba, Lila J. Rutten: Counseling Patients on the Use of Electronic Cigarettes. In: Mayo Clinic Proceedings. Band 90, Nr. 1, Januar 2015, ISSN 0025-6196, S. 128–134, doi:10.1016/j.mayocp.2014.11.004 (mayoclinicproceedings.org [abgerufen am 19. Juni 2018]).
  13. Albert L. Siu: Behavioral and Pharmacotherapy Interventions for Tobacco Smoking Cessation in Adults, Including Pregnant Women: U.S. Preventive Services Task Force Recommendation Statement. In: Annals of Internal Medicine. Band 163, Nr. 8, 22. September 2015, ISSN 0003-4819, S. 622, doi:10.7326/M15-2023 (annals.org [abgerufen am 19. Juni 2018]).
  14. P. Caponnetto, C. Russo, C. M. Bruno, A. Alamo, M. D. Amaradio: Electronic cigarette: a possible substitute for cigarette dependence. In: Monaldi Archives for Chest Disease. Band 79, Nr. 1, 26. November 2015, ISSN 2532-5264, doi:10.4081/monaldi.2013.104 (monaldi-archives.org [abgerufen am 19. Juni 2018]).
  15. M. Bradley Drummond, Dona Upson: Electronic Cigarettes. Potential Harms and Benefits. In: Annals of the American Thoracic Society. Band 11, Nr. 2, Februar 2014, ISSN 2325-6621, S. 236–242, doi:10.1513/annalsats.201311-391fr, PMID 24575993, PMC 5469426 (freier Volltext) – (atsjournals.org [abgerufen am 19. Juni 2018]).
  16. Justin S. Golub, Ravi N. Samy: Preventing or reducing smoking-related complications in otologic and neurotologic surgery. In: Current Opinion in Otolaryngology & Head and Neck Surgery. Band 23, Nr. 5, Oktober 2015, ISSN 1068-9508, S. 334, doi:10.1097/MOO.0000000000000184 (lww.com [abgerufen am 19. Juni 2018]).
  17. Cannabis Vaporization: A Promising Strategy for Smoke Harm Reduction. By D. Gieringer, published in Journal of Cannabis Therapeutics Vol. 1#3-4: 153-70; Summary (englisch); 2000
  18. Vaporization as a smokeless Cannabis Delivery System: A Pilot Study (englisch; PDF, 300 kB)
  19. a b Arno Hazekamp, Renee Ruhaak, Lineke Zuurman, Joop van Gerven, Rob Verpoorte: Evaluation of a vaporizing device (Volcano®) for the pulmonary administration of tetrahydrocannabinol. In: Journal of Pharmaceutical Sciences. Band 95, Nr. 6, 24. April 2006, S. 1308–1317, doi:10.1002/jps.20574, PMID 16637053 (englisch).
  20. Mitch Earleywine, Sara S Barnwell: Decreased respiratory symptoms in cannabis users who vaporize. In: Harm Reduction Journal. Band 4, Nr. 1, 16. April 2007, S. 11, doi:10.1186/1477-7517-4-11 (englisch).
  21. Franjo Grotenhermen: Harm Reduction Associated with Inhalation and Oral Administration of Cannabis and THC. In: Journal of Cannabis Therapeutics. Band 1, Nr. 3–4, 2001, S. 133–152, doi:10.1300/J175v01n03_09 (englisch).
  22. D. I. Abrams, H. P. Vizoso, S. B. Shade, C. Jay, M. E. Kelly, N. L. Benowitz: Vaporization as a Smokeless Cannabis Delivery System: A Pilot Study. In: Clinical Pharmacology & Therapeutics. Band 82, Nr. 5, 11. April 2007, S. 572–578, doi:10.1038/sj.clpt.6100200, PMID 17429350 (englisch).
  23. L. Zuurman u. a.: Effect of intrapulmonary tetrahydrocannabinol administration in humans. In: Journal of Psychopharmacology. Band 22, Nr. 7, September 2008, S. 707–716, doi:10.1177/0269881108089581 (englisch).