Römerberg (Frankfurt am Main)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Römerberg (Frankfurt))
Wechseln zu: Navigation, Suche
Römerberg
Samstagsberg
Wappen Frankfurt am Main.svg
Platz in Frankfurt am Main
Römerberg
Römerberg und Samstagsberg, Blick von der Alten Nikolaikirche
Basisdaten
Ort Frankfurt am Main
Ortsteil Altstadt
Angelegt 12./13. Jahrhundert
Neugestaltet Nach 1945
Einmündende Straßen Paulsplatz, Neue Kräme, Braubachstraße, Markt, Flößergasse, Bendergasse, Saalgasse, Fahrtor, Limpurger Gasse
Bauwerke Römer, Frauenstein, Salzhaus, Großer und Kleiner Engel, Alte Nikolaikirche, Haus Lichtenstein (historisch)
Nutzung
Nutzergruppen Fußgängerzone
Platzgestaltung Gerechtigkeitsbrunnen, Minervabrunnen
Technische Daten
Platzfläche ca. 4000 Quadratmeter

Der Römerberg ist der Rathausplatz von Frankfurt am Main und seit dem Hochmittelalter das Zentrum der Altstadt. Der Name rührt von dem Haus Zum Römer her, seit dem 15. Jahrhundert das Frankfurter Rathaus. Der Platz ist seitdem Ort zahlreicher Veranstaltungen, beispielsweise zu den Kaiserkrönungen, zu den Frankfurter Messen und zum Frankfurter Weihnachtsmarkt. Der östliche Teil des Römerbergs heißt auch Samstagsberg. Spätestens seit der Rekonstruktion der historischen Gebäudezeile an der Ostseite des Platzes zu Beginn der 1980er Jahre ist der Römerberg ein beliebtes Touristenziel.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage und Lageplan des Römerbergs von 1862

Der Römerberg liegt etwa im Zentrum der Frankfurter Altstadt zwischen der sogenannten Dominsel im Osten und dem Karmeliterhügel im Westen. Er erhebt sich an seinem höchsten Punkt, dem Samstagsberg, etwa vier Meter über die zwischen den benachbarten Anhebungen gelegenen Senken, die noch im frühen Mittelalter sumpfig oder von kleinen Wasserläufen durchzogen waren. Am Nordrand des Römerberges entlang der heutigen Braubachstraße verlief ursprünglich ein im Mittelalter verlandeter Mainarm, die sogenannte Braubach. Südlich des Römerberges fließt der früher viel breitere Main, dessen Nordufer im frühen Mittelalter etwa an der heutigen Saalgasse lag. Der Zugang zum Main war bis ins 19. Jahrhundert durch das Fahrtor geschützt, nach dem die Straße benannt ist, die seitdem vom Römerberg zum Mainufer verläuft.

Ursprünglich führte vom Römerberg nach Norden die Neue Kräme zum Liebfrauenberg, dem zweiten großen Platz der mittelalterlichen Altstadt. Durch die Ende des 19. Jahrhunderts erfolgten Straßendurchbrüche und -Erweiterungen geht der Römerberg seitdem direkt in den Paulsplatz über.

Während der Römerberg im Westen von einer fast geschlossenen Blockrandbebauung eingesäumt ist, die nur von der schmalen Limpurger Gasse unterbrochen wird, mündeten bis zur Zerstörung bei den Luftangriffen auf Frankfurt am Main mehrere breite Gassen von Osten her auf den Römerberg. Am Nordrand liegt der Markt, der wegen seiner Bedeutung bei den Kaiserkrönungen heute auch Krönungsweg genannt wird und im Rahmen des Dom-Römer-Projektes als Straßenzug rekonstruiert wird. Im Süden mündete die Bendergasse, die heute im Wesentlichen mit der Schirn Kunsthalle Frankfurt überbaut ist. Dazwischen lag noch die schmale Flößergasse, die vom Haus zum Schwarzen Stern zum kleinen Fünffingerplätzchen führte. Heute verläuft hier der Weg zur Schirn. Den südlichen Rand des Römerberges bildet der Straßenzug, der von der Saalgasse in östlicher Richtung und der Alten Mainzer Gasse in westlicher Richtung gebildet wird.

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Westseite mit dem Römer und den Häusern Frauenstein und Salzhaus sowie dem Gerechtigkeitsbrunnen abends
Samstagsberg (Ostzeile), Rekonstruktion aus den 1980er Jahren

Die historische Bebauung des Römerbergs aus teils gotischen, teils barocken Häusern wurde 1944 bei den Luftangriffen auf Frankfurt weitgehend zerstört. Das heutige Platzbild ist das Ergebnis von äußerlich originalgetreuen Rekonstruktionen und Neubauten der 1950er und 1980er Jahre.

Auf der Westseite des Platzes steht das historische Rathaus und Wahrzeichen Frankfurts, der Römer. Das 1322 erstmals erwähnte Haus zum Römer ist das mittlere der drei Häuser mit dem charakteristischen gotischen Staffelgiebel; das südliche heißt Alt-Limpurg (ehemals Haus Laderam im Besitz der Hartrad mit der Francofurtia, der „weiblichen Verkörperung“ der Stadt), das nördliche Löwenstein. Nach Norden hin schließen sich zum Paulsplatz hin die beiden Häuser Frauenstein und Salzhaus an. Die Häuser südlich der Limpurger Gasse sind Neubauten aus den 1950er Jahren anstelle der im Krieg zerstörten Häuser Lichtenstein, Strahlenberg, Drachenfels und Schönstein.

Die Südseite des Platzes dominiert die frühgotische Alte Nikolaikirche. Das ebenfalls an der Südseite gelegene moderne Eingangsgebäude des Historischen Museums wurde im Mai 2011 abgerissen und wird bis voraussichtlich 2016 neu gebaut. Die Häuserzeile auf der Ostseite des Platzes, dem Samstagsberg, ist eine 1981 bis 1984 errichtete Rekonstruktion der historischen Vorbilder, zu der man sich nach langer Diskussion entschließen konnte. Die Namen dieser Gebäude sind von Norden nach Süden: Großer und Kleiner Engel, Goldener Greif, Wilder Mann, Kleiner Dachsberg, Großer Laubenberg, Kleiner Laubenberg, Schwarzer Stern. Eine aus den 1950er Jahren stammende Bebauung im schlichten Stil der Wiederaufbau-Zeit war bereits 1969 im Rahmen des U-Bahn-Baus wieder abgerissen worden.

Die ursprünglich an der Nordseite des Römerberges gelegenen Häuser Kranich, Peterweil, Goldenes Rad, Weiße Taube und Englischer Castorhut waren 1904 bis 1906 für den Durchbruch der Braubachstraße abgerissen worden, ebenso wie das östlich davon bereits am Markt gelegene Haus Goldenes Schaf. An Stelle dieser sechs teil gotischen, teils barocken Häuser entstanden vier Neubauten im Stil der Neugotik, Neorenaissance und des Neobarock. Das Eckhaus Römerberg 36 und das danebengelegene Haus Römerberg 34 übernahmen die alten Namen Kranich und Goldenes Rad. Das Haus Römerberg 30 erhielt den neuen Namen Zu den zwölf Himmelszeichen. Die heutigen Häuser entstanden beim Wiederaufbau 1952.

Auf dem Platz steht seit 1543 der Gerechtigkeitsbrunnen.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weihnachtsmarkt auf dem Römerberg 1876
Der Römerberg auf einem Kupferstich von Caspar Merian, 1658.
Römerberg mit Nikolaikirche und Rathaus Römer, Stahlstich um 1840
Der zerstörte Römer 1947

Archäologische Funde zeigen, dass der Samstagsberg bereits in der Karolingerzeit von einer Mauer umgeben war, deren Südrand etwa entlang der Bendergasse und der ehemaligen Goldhutgasse zum Markt verlief. Die Mauer schützte eine kleine Siedlung, die sich vermutlich westlich der Königspfalz Frankfurt bis zu der sumpfigen Niederung am heutigen Westrand des Römerberges hinzog. Im Norden der Siedlung floß damals noch die Braubach, ein Nebenarm des Mains.

Die karolingische Pfalz verlor im 11. Jahrhundert an Bedeutung. Während sie den karolingischen und ottonischen Königen häufig als zeitweise Residenz gedient hatte, sind für die Zeit zwischen 1027 und 1140 nur drei Herrscherbesuche urkundlich bezeugt. Erst 1140 berief der staufische König Konrad III. einen Reichstag nach Frankfurt, dem bis 1152 sechs weitere Besuche folgten. 1147 brach er nach einer Predigt des Bernhard von Clairvaux von hier aus zum Zweiten Kreuzzug ins Heilige Land auf.

In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand der Saalhof, eine staufische Königsburg, etwa 200 Meter südwestlich der karolingischen Pfalz am Mainufer. Zur Burg gehörte auch eine kleine Kapelle für den Hofstaat und die Burgmannschaft, der Vorgängerbau der Alten Nikolaikirche, weil die Salvatorkirche zu dieser Zeit bereits baufällig geworden war. In dieser Zeit diente der nördlich der Burg gelegene Platz bereits als öffentliche Versammlungsstätte des kaiserlichen Hofstaates und der Reichstage. Auf dem Platz fanden Turniere statt und es wurde unter freiem Himmel Gericht gehalten.

1942 entdeckte man beim Bau eines Löschwasserteiches auf dem Römerberg ein riesiges ringförmiges Fundament mit einer Mauerstärke von 6,20 Metern und einem Durchmesser von 21,75 Meter. Es gehörte zum Bergfried des Saalhofes, der zwar seine geplante Höhe von 45 Meter nie erreichte, aber um 1240 der höchste Turm Deutschlands gewesen sein soll. Heute erinnert ein in die Pflasterung des Römerbergs eingelassener Steinring an den staufischen Wehrturm.

Um das Jahr 1200 entstanden die ersten Häuser an der Ostseite des Platzes, die Häuser an den übrigen Seiten erst einige Jahrzehnte später. Der Platz markierte nun die Grenze zwischen der vorwiegend von Handwerkern bewohnten Oberstadt im Osten und der Unterstadt und hieß zunächst nur Berg oder Auf dem Berg[2]. Der Name Samstagsberg für den hochgelegenen östlichen Teil des Platzes, ein Hinweis auf den hier stattfindenden Wochenmarkt, ist bereits um 1350 in der Topographie des Baldemar von Petterweil belegt. Das über 150 Jahre entstandene Netz der Straßen und Plätze in der Altstadt blieb nun für über 500 Jahre bis zu den Straßendurchbrüchen am Ende des 19. Jahrhunderts weitgehend unverändert.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krönungszug anlässlich der Kaiserkrönung Karls VI. am 22. Dezember 1711, Kupferstich
Markierungsstein für die Ochsenküche auf dem Frankfurter Römerberg.
Blick vom Dom auf den Römerberg 1956

Seit dem Mittelalter ist der Platz die Bühne wichtiger Veranstaltungen. Bei insgesamt 10 Kaiserkrönungen zwischen 1562 und 1792 fand auf dem Platz ein großes Volksfest statt, während der neue Kaiser im Kaisersaal des Römers beim Krönungsmahl saß. Auf dem Platz war bei diesen Gelegenheiten eine Ochsenküche aufgebaut. Goethe beschreibt in Dichtung und Wahrheit die Krönungsfeier Kaiser Josephs II. (1764), die drittletzte vor Ende des Reichs. Für die Eigentümer der Häuser am Römerberg waren die Kaiserkrönungen den erhaltenen Abrechnungen zufolge äußerst lukrativ. Bei der Krönung Leopolds II. am 9. Oktober 1790 vermietete der Besitzer des Hauses Schwarzer Stern seine zahlreichen Fenster an Schaulustige, wobei er sogar noch einige zusätzliche Luken in das Dach brechen ließ. Insgesamt nahm er damit 2211 Gulden ein. Der Leinwandhändler Scheidler erhielt sogar über 6000 Gulden für die Vermietung der Fenster und der Tribüne vor seinem Haus Schieferstein (heute Goldener Greif).

Wirtschaftlich noch bedeutender als die aufwendigen, aber seltenen Kaiserkrönungen waren die Frankfurter Messen. Neben der seit 1240 bezeugten Herbstmesse von Mitte August bis Anfang September gab es seit 1330 auch eine Frühjahrsmesse in der Fastenzeit. Die Messen dauerten jeweils 14 Tage und zogen Tausende von Kaufleuten aus dem Reich und ganz Europa an, dazu zahllose Fuhrleute und bewaffneten Geleitschutz, denn die Messen standen unter dem Schutz des Kaisers. Während die Frankfurter Bürger ihre Wohnräume an die Gäste vermieteten, dienten ihre Ladengeschäfte und Kellergewölbe als Messehallen. Viele Kaufleute wohnten auch in den nahe am Römerberg gelegenen Messenhöfen, zum Beispiel dem Nürnberger Hof und dem Goldenen Lämmchen. Die Römerhallen dienten als exklusiver Handelsplatz der Gold- und Silberschmiede und der Diamantenhändler. Auf dem Platz selbst entstanden zahlreiche Verkaufsstände, in denen Groß- und Einzelhändler mit ihren Waren handelten.

Neben den Messen gab es ab 1393 noch den Frankfurter Weihnachtsmarkt, damit die Bürger sich mit dem nötigen Bedarf eindecken konnten, bevor die strengste Zeit des Winters begann. Anders als bei den Messen durften auf dem Weihnachtsmarkt keine auswärtigen Kaufleute ihre Waren feilbieten. Nur Frankfurter Bürger konnten einen Stand aufschlagen.

Mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches verlor der Römerberg seine Rolle als Schauplatz glanzvoller Feste und lebhaften Handels. Die Frankfurter Messen waren zu bloßen Jahrmärkten geworden, die lediglich noch dem Einzelhandel dienten. Wohlhabende Bürger zogen im 19. Jahrhundert aus der Altstadt in die neuen Wohngebiete entlang der Wallanlagen und in die neu entstehenden Vorstädte im Westend und Nordend. Das Stadtzentrum verlagerte sich in die Neustadt. Mit seinen zahlreichen klassizistischen Neubauten galt Frankfurt als eine der schönsten Städte Deutschlands, während die mittelalterlich wirkende Altstadt als rückständig und veraltet angesehen wurde. Eduard Beurmann schrieb 1835 in seinen Frankfurter Bildern:

„Die Häuser daselbst, so schwarz eingeräuchert sie sind, so finster sie auf die Gasse herniederschauen, so gebückten Hauptes sie sich zueinander neigen, daß kaum ein Sonnenstrahl zwischen ihre Reihen fallen kann, gleichen mir alten Greisengestalten, die viel mitgemacht, die uns aus längst verflossenen Zeiten berichten können, (…). Die dem Römer-, Samstagsberg und Markt sich anschließenden Gassen treten uns also entgegen, sie bilden den ältesten Theil des alten Frankfurts. Der Römer, die Häuser Limburg und Frauenstein, das steinerne Haus, der Saalhof, die Bartholomäuskirche ragen als die Häuptlinge unter jenen Gebäuden hervor, und blicken düster, und Nachts sogar unheimlich, zu Einem herab. Sie sind aus einer Zeit, die längst im Grabe ruht, zu uns herübergeschritten; wie der ewige Jude blicken sie auf die lebende Zeit herab, und scheinen sich nicht hineinfinden zu können.“

Der Maler Carl Theodor Reiffenstein und der Photograph Carl Friedrich Mylius dokumentierten die malerischen und schönen Seiten des Römerberges, aber auch seinen allmählichen Verfall. Erst mit der Erneuerung des Gerechtigkeitsbrunnens 1887 und der Umgestaltung des Römers 1896 bis 1900 begann ein neuer Aufschwung des Platzes. 1904 bis 1906 wurden die alten Häuser an der Nordseite für den Durchbruch der Braubachstraße abgerissen und durch historisierende Neubauten ersetzt.

Im 20. Jahrhundert wurde der Römerberg wieder Schauplatz zahlreicher Großereignisse. Von 1932 bis 1939 wurden hier in jedem Sommer die international renommierten Römerberg-Festspiele abgehalten, bei denen in acht Jahren rund 350 Theateraufführungen unter freiem Himmel stattfanden.

Am 10. Mai 1933 fand am Römerberg die von der Deutschen Studentenschaft landesweit organisierte Bücherverbrennung statt. Daran erinnert heute eine am 10. Mai 2001 enthüllte bronzene Gedenktafel von Willi Schmidt zwischen alter Nikolaikirche und Gerechtigkeitsbrunnen mit dem Text „An dieser Stelle verbrannten am 10. Mai 1933 nationalsozialistische Studenten die Bücher von Schriftstellern Wissenschaftlern Publizisten und Philosophen. 2001“ und dem Zitat aus Heinrich Heines Almansor „Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen. Heinrich Heine 1820“. In stilisierten Büchern stehen die Namen von 52 verfolgten Autoren.

Beim ersten großen Luftangriff auf Frankfurt am 4. Oktober 1943 wurde vor allem der Römer schwer beschädigt. Am 22. März 1944 ging die gesamte Altstadt im Feuersturm unter. Am Römerberg und im gesamten Viertel zwischen Dom und Römer brannten alle Häuser aus, doch konnten sich viele Menschen retten. De mittelalterlichen Gewölbekeller der meisten Gebäude hatten den Bomben standgehalten. Sie waren seit 1940 durch ein unterirdisches Netz miteinander verbunden worden und eröffneten über 800 Menschen einen Fluchtweg zum Notausstieg neben dem Löschwasserbecken am Gerechtigkeitsbrunnen.

1952 begann der Wiederaufbau der Gebäude um den Römerberg. In den 1960er Jahren musste die Dippemess vom Römerberg auf den Festplatz am Ratsweg umziehen, da die Fahrgeschäfte der Schausteller in der Altstadt keinen Platz mehr fanden. Am 25. Juni 1963 sprach der amerikanische Präsident Kennedy vor 150.000 Menschen. Er erinnerte an seinen Besuch als junger Abgeordneter des Kongresses 1948 im zerstörten Frankfurt und würdigte die Leistung der Bürger für den Wiederaufbau ihrer Stadt.

1956 und 1975 wurden die Eröffnungsgottesdienste des 7. und des 16. Evangelischen Kirchentages auf dem Römerberg abgehalten. Seit den 1970er Jahren fanden auf dem Römerberg auch Großdemonstrationen und Siegesfeiern erfolgreicher Auswahlmannschaften des Deutschen Fußball-Bundes statt, der seinen Sitz in Frankfurt hat. So feierte beispielsweise die Fußball-Nationalmannschaft der Männer ihre Erfolge bei der WM 1990, der EM 1996 und der WM 2002, die Fußball-Nationalmannschaft der Frauen ihre Siege bei den Weltmeisterschaften 2003 und 2007 sowie den Europameisterschaften 2009 und 2013. Am 4. März 2006 war der Römerberg Kulisse für die Stadtwette von Wetten, dass..?.

Während des Advents ist der Römerberg alljährlich Zentrum des Weihnachtsmarktes, der zu den größten und schönsten in Deutschland zählt.

Neben dem Pariser Platz in Berlin, dem Rathausmarkt in Hamburg und dem Marienplatz in München gehört der Römerberg zu den wichtigsten deutschen Stadtplätzen, als „gute Stube“ der Stadt und gelegentlich auch der ganzen Republik.

Der Samstagsberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großer Engel in der Mitte (1859)
Verlauf der Mauer aus der Karolingerzeit
Abbildung des ursprünglichen Höhenunterschied zwischen Samstagsberg und Römerberg

Der östliche Teil des Römerberges wird auch Samstagsberg genannt. Dieser Name rührt möglicherweise davon her, dass hier schon während der Karolingerzeit, als sich östlich des Platzes die Königspfalz Frankfurt befand, jeden Samstag unter freiem Himmel öffentlich Gericht gehalten wurde. Die Frankfurter Juden durften nur zur Messezeit den Römerberg betreten, sonst mussten sie über den Samstagsmarkt gehen. Bereits seit dem 13. Jahrhundert sind die heutigen Gebäudenamen und Standorte belegt.[3]

Im Oktober 1454 hielt der Franziskaner Johannes Capristano auf dem Samstagsberg von einem Gerüst herab eine Reihe von Bußpredigten, deren feurige Worte Reue und Einkehr bei den Bürgern der Stadt bewirkt haben sollen. Ein Fresko im Dom, das diese Szene zeigte, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Später wurden auf dem Samstagsmarkt Wochenmärkte abgehalten. Ein Brunnen ist dort schon 1481 in einer Urkunde über das Haus „zum Ullner“ belegt. An dem Brunnen wurde an den Wochenmärkten eine rote Fahne mit dem weißen Adler als Zeichen des freien Marktes aufgesteckt. In neuerer Zeit stand auf der Pumpensäule eine Figur der Minerva, der Göttin der Weisheit. In alten Zeiten soll an diesem Minerva-Brunnen das gemeine Volk in der Nacht zum ersten Mai die Walpurgisnacht gefeiert haben, während der Rat der Stadt ein Gelage gegenüber im Römer veranstaltete. Der von Friedrich Schierholz geschaffene Brunnen wurde 1944 zerstört. Die Neuaufstellung erfolgte 1983 nach einer historisch getreuen Kopie.[4]

Bis zur Zerstörung 1944 mündete am Samstagsberg zwischen den Häusern Kleiner Laubenberg und Schwarzer Stern die Flößergasse. Sie führte nur wenige Meter nach Osten zum Fünffingerplätzchen, einem der malerischsten Plätze in der Frankfurter Altstadt. Das am Eingang der Gasse gelegene Haus zum Fleischer (damalige Hausanschrift: Römerberg 14) war bereits 1873 wegen Baufälligkeit abgebrochen worden. Im Zuge des Bombenangriffs auf Frankfurt am 22. März 1944 brannte auch die gesamte Bebauung des Samstagsberges ab.[5][6]

Nach der Beseitigung der Trümmer wurde die Ostzeile mit neuen Gebäuden im Stil der Moderne errichtet. Diese Bebauung fand jedoch kaum Anklang und verschwand dann auch recht bald wieder, als sie 1970 für den Bau der U-Bahn wieder abgerissen werden mussten. Dieser Abriss ermöglichte dann die Rekonstruktion der historischen Bebauung. Von 1981 bis 1983 wurde die gesamte Ostzeile des Römerberges weitgehend originalgetreu wiederaufgebaut.

Nachdem von einigen Architekten, Politikern und Denkmalpflegern zunächst die historische Bebauung der Ostzeile hart kritisiert wurde, zeigte sich im Laufe der Zeit, dass sie von Bürgern und Besuchern sehr gut angenommen wird. Heute ist die Häuserzeile eines der beliebtesten Fotomotive Frankfurts.

Entwicklung des Samstagsberges in Bildern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bebauung des Samstagsberges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Engel, im Hintergrund der Kaiserdom
Von links nach rechts: Goldener Greif, Wilder Mann, Dachsberg, Laubenberg

Als herausragende Rekonstruktionen gelten die Gebäude Zum Engel und Schwarzer Stern. Aber auch die Häuser, Goldener Greif, Wilder Mann, Kleiner Dachsbau, Großer Laubenberg und Kleiner Laubenberg wurden mit viel Liebe zum Detail, aber wegen fehlender Informationen nur annähernd historisch wiederaufgebaut. Teilweise wurden besonders an der Marktfassade beim Wiederaufbau alte Hölzer verwendet und bei einigen Häusern wurden die Balken bearbeitet, um sie künstlich älter aussehen zu lassen. Die Häuserzeile zeichnet sich durch vielfältige Baustile und Materialien aus. Auffällig ist auch, dass die Häuser besonders viele Fenster aufweisen. Das wird darauf zurückgeführt, dass dort bei großen Ereignissen wie Krönungszeremonien, die Fensterplätze für viel Geld an Zuschauer vermietet wurden.

Zum Engel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Haus Zum Engel mit der Adresse Römerberg Nr. 28 wurde 1562 erbaut und wurde auch Die Wechsel genannt. Es steht auf drei Seiten frei auf einer Grundfläche von 47 m². Bei der Rekonstruktion wurden die Ursprünglich als Doppelhaus konstruierten Häuser Großer Engel und Kleiner Engel zum heutigen Haus Zum Engel zusammengefügt. Es wurde der Zustand von vor 1905 wiederaufgebaut, denn in diesem Jahr wurde bei einer Restaurierung die Anordnung der Fenster verändert. 1981 stützte man sich bei der Rekonstruktion auf alte Aufnahmen und Pläne des Fachwerks. Gegenwärtig befindet sich ein Café mit Souvenirladen im Erdgeschoss.

Goldener Greif[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Haus mit der Nr. 26 wird Goldener Greif genannt. Es wurde 1562 erbaut und beherbergte ehemals eine Apotheke. Im 18. Jahrhundert wurde es umgebaut und ab 1981 möglichst historisch neu aufgebaut. Das Gebäude wurde verputzt und im Giebel ist es mit Schiefer verkleidet.

Wilder Mann[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name der Nummer 24 ist Wilder Mann. Das Gebäude wurde im 16. Jahrhundert als gotisches Haus mit Erdgeschosshalle erbaut. Um 1800 wurde es entweder bedeutend umgebaut oder gänzlich neu errichtet. Es ist verputzt und hat einen verschieferte Giebel und ein barockes bis klassizistisches Gepräge. In den Obergeschossen befinden sich Sichtbalkendecken. Die Fenster sind regelmäßig angeordnet. Beim vorherigen Gebäude wurde vermutlich im 18. Jahrhundert das Fachwerk verputzt.

Kleiner Dachsberg und Schlüssel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nummern 20 und 22 werden Kleiner Dachsberg und Schlüssel genannt. 1541 werden sie noch als ein einziges Haus erwähnt, und erst danach offenbar geteilt. Die ehemalige Teilung ist auch beim heutigen Bau nachempfunden. Man kann sie an der Fensteranordnung, besonders im Giebelfeld und im Erdgeschoss, erkennen und ist auch durch Verdoppelung des mittigen Pfostens sichtbar gemacht worden. Das Gebäude ist durchgehend mit Sichtfachwerk versehen welches künstlich gealtert wurde. Es wurde nicht wie historische Vorbilder mit Lehm- oder Backsteinausfachungen ausgeführt, sondern mit Leisten, Dübel, Platten und Hohlräumen. Im Erdgeschoss befindet sich eine Erdgeschosshalle, in welcher eine Gaststätte eingerichtet ist.

Großer Laubenberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Haus mit der Adresse Römerberg Nr. 18 wird Großer Laubenberg genannt. Es ist das ehemals älteste Haus auf dem Samstagsberg und wurde vor 1500 errichtet. Das Erdgeschoss und die erste Etage wurden im 18. Jahrhundert umgebaut. Das Gebäude besitzt niedrige Geschosse und ein Krüppelwalmdach. Das Fachwerk enthält mit überkreuzten, gebogenen Eckstreben und Viertelkreis-Fussbänder, typische Merkmale dieser Zeitepoche. Die Giebelspitze ist verschiefert.

Kleiner Laubenberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name der Nummer 16 ist Kleiner Laubenberg. Er wurde 1541 erbaut und wurde um 1876 Die kleine Garküche genannt. Das Fachwerk ist -balkenbündig und flächig Verputzt und fällt durch dünne Balkenquerschnitte auf. Kurios ist, dass der Kleine Laubenberg weitaus größer ist als der Große Laubenberg. Das liegt vermutlich daran, dass der Kleine Laubenberg ursprünglich nur die linke Haushälfte umfasste. Mit der Zeit wurden die ursprünglich zwei Gebäude zu einem Gebäude zusammengefasst die dann den gemeinsamen historischen Namen Klein Laubenberg bekamen.

Schwarzer Stern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schwarze Stern wurde 1610 im Stil der Renaissance errichtet. Im 18./19. Jahrhundert wurde er verputzt und 1920 wieder freigelegt. 1944 blieb nur noch das steinerne Erdgeschoss übrig, es konnte aber auf Grund seiner guten Dokumentation originalgetreu rekonstruiert werden. In jedem Geschoss sind 12 Fenster lückenlos aneinandergereiht. Von Geschoss zu Geschoss unterscheidet sich der Fachwerkschmuck. Ursprünglich waren die Fachwerkbalken vermutlich mit gemalten Bossen und Diamantbuckeln versehen, um Licht- und Schattenseite hervorzuheben und damit einen höheren Kontrast zu erzeugen. Heute befindet sich im Gebäude ein Restaurant.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Römerberg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen zur Bebauung des Samstagsberges:

Einzelnachweise:

  1. Justitia- oder Gerechtigkeitsbrunnen auf der Webseite www.kunst-im-oeffentlichen-raum-frankfurt.de
  2. Z.B. in der von Johann Georg Battonn: Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main. Viertes Heft. Verein für Geschichte und Altertumskunde, Frankfurt am Main 1866, S. 118 (Volltext in der Google-Buchsuche). zitierten Urkunde: „(domus) sita in Monte apud sanctum Nycolaum“ – (Haus) auf dem Berg bei St. Nicolai
  3. Informationstafel am Haus Kleiner Laubenberg
  4. Minervabrunnen auf der Webseite www.kunst-im-oeffentlichen-raum-frankfurt.de
  5. Kriegsschicksale Deutscher Architektur – Verluste, Schäden, Wiederaufbau – Band 2, Süd. Karl Wachholtz Verlag, Neumünster 1988, S. 830.
  6. Frankfurt im Feuersturm. Verlag Frankfurter Bücher, Frankfurt am Main 1965, S. 168–171.

Koordinaten: 50° 6′ 37″ N, 8° 40′ 56″ O