Radu Lupu

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Radu Lupu in Chicago

Radu Lupu (* 30. November 1945 in Galați) ist ein rumänischer Pianist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lupu hatte den ersten Klavierunterricht bei Lia Busuioceanu. Im Alter von zwölf Jahren spielte er öffentlich ein Programm mit eigenen Kompositionen. Mit Vierzehn konnte er durch ein Stipendium das Konservatorium in Bukarest besuchen.[1] Er setzte seine Ausbildung bei Florica Musicescu, der Lehrerin von Dinu Lipatti, und Cella Delavrancea fort. 1961 erhielt er ein Stipendium für das Moskauer Konservatorium. Dort studierte er bis 1969 bei Galina Eghyazarova, Heinrich Neuhaus und Stanislaw Neuhaus. Er gewann in der Zeit drei internationale Wettbewerbe: 1966 den Van-Cliburn-Klavierwettbewerb, 1967 den George-Enescu-Wettbewerb und 1969 die Leeds Piano Competition.

Seitdem arbeitet Lupu regelmäßig mit bedeutenden Orchestern zusammen. In den USA trat er 1972 mit dem Cleveland Orchestra unter Daniel Barenboim und dem Chicago Symphony Orchestra unter Carlo Maria Giulini auf. Bei den Salzburger Festspielen debütierte er 1978 mit den Berliner Philharmonikern unter Herbert von Karajan und gab 1986 mit den Wiener Philharmonikern unter Riccardo Muti das Eröffnungskonzert. 1989 erhielt er den Abbiati, den Preis der italienischen Kritikervereinigung.

Radu Lupus Auftritte sind relativ rar. 2009 spielte er zusammen mit dem Tonhalle Orchester Zürich. Es folgten Auftritte 2012 im Kulturcasino Bern, 2015 im KKL (Kultur- und Kongresszentrum Luzern) und 2017 im Zentrum Paul Klee in Bern.

Repertoire und Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zentrum von Lupus Repertoire stehen die großen deutschen Komponisten der Klassik und Romantik: er spielte alle fünf Klavierkonzerte von Beethoven (mit dem Israel Philharmonic Orchestra unter Zubin Mehta) ebenso ein wie die Klavierkonzerte von Brahms und Schumann, sowie die Klaviersonaten von Mozart und Schubert. Die Sonaten für Violine und Klavier von Mozart nahm er mit Szymon Goldberg auf, die vierhändigen Klavierwerke von Mozart und Schubert mit Murray Perahia und Daniel Barenboim. Zusammen mit der Violinistin Chung Kyung-wha interpretierte er die A-Dur-Sonate von César Franck und die a-moll-Sonate von Claude Debussy. Als Liedbegleiter arbeitete er unter anderem mit Barbara Hendricks zusammen.

Die Besonderheit bei Radu Lupus Live-Auftritten als Klaviervirtuose ist eine elegante Gelassenheit und Entspanntheit. Lupu spielt extrem gefühlvoll und gleichzeitig äußerst präzise. Sein Interpretations-Stil führt dazu, dass der Zuhörer durch nichts abgelenkt wird und sich ganz in die Töne der Musik versenken kann. Radu Lupu gibt praktisch keine Interviews, er "lebt (...) konsequent die Überzeugung, dass es genügt, wenn er spielt (...) Der Nuancenreichtum seiner Artikulation ist atemraubend (...) Lupu spielte so, dass man glaubte, er spiele nur für einen selbst." (Zitate aus dem Konzertbericht von Marianne Mühlemann in Der BUND zum Schubert-Rezital im Kulturcasino Bern 2012)[2]

Die bei Decca Records erschienenen Aufnahmen mit Franz Schuberts Klavierwerken verkörpern seinen Stil in ganz besonderer Art und Weise. Lupu interpretiert die Klavierwerke ganz im Sinne des Liedkomponisten Franz Schubert. Für Aufnahmen von Schubert Klavier-Sonaten erhielt er 1995 einen Grammy.[3] Seine Einspielungen von Schuberts Moments Musicaux[4] und der Impromptus[5] bei Decca gelten als sehr bemerkenswerte Interpretationen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Munzinger Archiv, Biografie Radu Lupu, abgerufen November 2017 auf: https://www.munzinger.de/search/portrait/Radu+Lupu/0/16433.html
  2. Marianne Mühlemann: Dieser Mann macht das Nichts zu stiller Musik, Der BUND, Online-Ausgabe 29. Februar 2012, abgerufen November 2017, auf: [1]
  3. 38th Annual GRAMMY Awards (1995), Radu Lupu, abgerufen November 2017 auf: [2]
  4. Erstpublikation der Moments Musicaux auf LP 1982 (Decca ‎– SXDL 7554), 1989 auf CD (Decca ‎– 417 785-2)
  5. Erstpublikation der Impromptus auf LP 1983 (Decca ‎– SXDL 7594), später auf CD (Decca ‎– 411 711-2) in Deutschland erschienen.