Radu Lupu

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Radu Lupu in Hannover

Radu Lupu (* 30. November 1945 in Galați) ist ein rumänischer Pianist. Er gilt als einer der größten lebenden Pianisten, und ist weltweit als bedeutender Interpret der Klaviermusik von Johannes Brahms, Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Schubert bekannt.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lupu hatte den ersten Klavierunterricht bei Lia Busuioceanu. Im Alter von zwölf Jahren spielte er öffentlich ein Programm mit eigenen Kompositionen. Mit Vierzehn besuchte er durch ein Stipendium das Konservatorium in Bukarest.[2] Er setzte seine Ausbildung bei Florica Musicescu, der Lehrerin von Dinu Lipatti, und Cella Delavrancea fort. 1961 erhielt er ein Stipendium für das Moskauer Konservatorium. Dort studierte er bis 1969 bei Galina Eghyazarova, Heinrich Neuhaus und Stanislaw Neuhaus. Er gewann in der Zeit drei internationale Wettbewerbe: 1966 den Van-Cliburn-Klavierwettbewerb, 1967 den George-Enescu-Wettbewerb und 1969 die Leeds Piano Competition.

Seitdem arbeitet Lupu regelmäßig mit bedeutenden Orchestern zusammen. In den USA trat er 1972 mit dem Cleveland Orchestra unter Daniel Barenboim und dem Chicago Symphony Orchestra unter Carlo Maria Giulini auf. Bei den Salzburger Festspielen debütierte er 1978 mit den Berliner Philharmonikern unter Herbert von Karajan und gab 1986 mit den Wiener Philharmonikern unter Riccardo Muti das Eröffnungskonzert. 1989 erhielt er den Abbiati, den Preis der italienischen Kritikervereinigung.

Lupus Auftritte sind rar. 2009 spielte er zusammen mit dem Tonhalle-Orchester Zürich. Es folgten Auftritte 2012 im Kultur Casino in Bern, 2015 im KKL – Kultur- und Kongresszentrum in Luzern und 2017 im Zentrum Paul Klee in Bern.

Lupu kündigte im Juni 2019 an, seine Karriere zum Saisonende zu beenden.[3]

Repertoire und Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zentrum von Lupus Repertoire stehen die großen Komponisten der Wiener Klassik und Romantik: Er spielte alle fünf Klavierkonzerte von Beethoven (mit dem Israel Philharmonic Orchestra unter Zubin Mehta) ebenso ein wie die Klavierkonzerte von Brahms und Schumann sowie die Klaviersonaten von Mozart und Schubert. Die Sonaten für Violine und Klavier von Mozart nahm er mit Szymon Goldberg auf, die vierhändigen Klavierwerke von Mozart und Schubert mit Murray Perahia[4] und Daniel Barenboim. Zusammen mit der Violinistin Chung Kyung-wha interpretierte er die A-Dur-Sonate von César Franck und die a-moll-Sonate von Claude Debussy. Als Liedbegleiter arbeitete er unter anderem mit Barbara Hendricks zusammen.

Lupu gibt nur selten Interviews, er „lebt (…) konsequent die Überzeugung, dass es genügt, wenn er spielt (…) Der Nuancenreichtum seiner Artikulation ist atemraubend (…) Lupu spielte so, dass man glaubte, er spiele nur für einen selbst.“ (Zitate aus dem Konzertbericht von Marianne Mühlemann in Der BUND zum Schubert-Rezital im Kultur Casino Bern 2012)[5]

Für Aufnahmen von Schuberts Klavier-Sonaten erhielt er 1995 einen Grammy.[6] Seine Einspielungen von Schuberts Moments Musicaux[7] und der Impromptus[8] bei Decca gelten als bemerkenswerte Interpretationen. Einen vergleichbaren Klangreichtum erreichen Lupus Einspielungen der Klavierwerke von Johannes Brahms, zum Beispiel die 2 Rhapsodien für Klavier Op. 79.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Scott Duncan, Orange County Register: A CACHE OF RARE GEMS. Abgerufen am 28. April 2020 (amerikanisches Englisch).
  2. Munzinger-Archiv, Biografie Radu Lupu, abgerufen am 10. Juli 2019.
  3. El pianista Radu Lupu se retira a final de temporada. Scherzo, 28. Juni 2019, abgerufen am 6. Juli 2019 (spanisch).
  4. Jean-Pierre Thiollet, 88 notes pour piano solo, « Solo de duo », Neva Editions, 2015, s.98. ISBN 978-2-3505-5192-0
  5. Marianne Mühlemann: Dieser Mann macht das Nichts zu stiller Musik, Der BUND, Online-Ausgabe 29. Februar 2012, abgerufen am 10. Juli 2019.
  6. 38th Annual GRAMMY Awards (1995), Radu Lupu, abgerufen am 10. Juli 2019.
  7. Erstpublikation der Moments Musicaux auf LP 1982 (Decca – SXDL 7554), 1989 auf CD (Decca – 417 785-2)
  8. Erstpublikation der Impromptus auf LP 1983 (Decca – SXDL 7594), später auf CD (Decca – 411 711-2) in Deutschland erschienen.
  9. Radu Lupu plays Brahms, Ersteinspielung 1978, Decca – SXL 6831.