Ralph R. Greenson

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Ralph R. Greenson (ursprünglich Romeo Samuel Greenschpoon, geboren 20. September 1911 in Brooklyn, New York; gestorben 24. November 1979 in Los Angeles, Kalifornien) war ein amerikanischer Psychiater und Psychoanalytiker.

Greenson studierte zunächst an der Columbia Universität in New York City Medizin. 1931 siedelte er in die Schweiz über und setzte sein Studium in Bern fort. Dort absolvierte er eine Psychoanalyse bei Wilhelm Stekel und lernte Hildegard Treusch kennen. Beide heirateten nach der Rückkehr nach Amerika. Zurückgekehrt setzte er seine Psychoanalyse bei Otto Fenichel fort. 1937 ließ er sich in Los Angelos als Psychiater und Psychoanalytiker nieder. Nach dem Krieg begab er sich noch einmal in Analyse bei Frances Deri.

Mit seinem Buch Technik und Praxis der Psychoanalyse verfasste Greenson eines der Standardwerke der Psychoanalyse. Es erschien 1967 unter dem Titel Technique and Practise of Psychoanalyses in New York, 1986 in deutscher Übersetzung.[1] Es gibt einen Überblick über die Psychoanalyse als Behandlungsverfahren mit allen wichtigen Aspekten wie der Technik der Freien Assoziation, dem Deuten, den Formen des Widerstands, dem Arbeitsbündnis, der Übertragung und vor allem den verschiedenen Möglichkeiten mit alledem in der Behandlung umzugehen. Die Darstellung zeichnet sich durch Praxisnähe und Detailreichtum aus. So beschreibt es z. B. als Widerstandsformen nicht nur das Schweigen des Patienten, die Äußerungen in den Affekten und in der Körperhaltung, sondern auch Details wie: das Zuspätkommen, das Versäumen von Stunden, das Vergessen zu bezahlen, das Ausbleiben von Träumen, der Patient langweilt sich, der Patient hat ein Geheimnis, das Agieren, häufige »fröhliche« Stunden, der Patient ändert sich nicht, stiller Widerstand (1986, S. 77–82). Dadurch etablierte sich das Buch insbesondere als Anregung für Praktiker und ist bis heute verfügbar: Die 9. Auflage in deutscher Sprache erschien 2007. Auch ein zweites Werk wurde ins Deutsche übersetzt und in die bei Klett-Cotta erschienene Reihe Standardwerke der Psychoanalyse aufgenommen.[2] Es enthält 25 Aufsätze, die ebenfalls mit vielen Praxisbeispielen versehen sind. Drei weitere Artikel erschienen in der renommierten Zeitschrift Psyche.

Als Psychoanalytiker in New York behandelte Greenson einige bekannte Persönlichkeiten wie Tony Curtis, Frank Sinatra, Peter Lorre, Celeste Holm, Vincente Minnelli, Vivien Leigh und Marilyn Monroe.[3]

Nach seinem Tod sorgten Tonbänder von Marilyn Monroe, die Monroe ihm als seine Patientin übergeben hatte, für einige Presseberichte, wurden später veröffentlicht und zu einem Roman verarbeitet.[4] Zu dieser Indiskretion kam es, weil der Staatsanwalt John W. Miner, der den Tod Monroes untersuchte, 1962 auch Greenson befragt hatte. Unter der Zusicherung der Vertraulichkeit hatte dieser ihm in den Gesprächen Tonbandausschnitte aus der letzten Phase der Behandlung vorgespielt, von denen Miner sich ausführliche Notizen machte. Als 1993 der Monroe-Biograf Donald Spotto öffentlich den Verdacht äußerte, dass Greenson Schuld am Tod seiner Patientin sei, brach Miner mit dem Einverständnis der Witwe Greenson die Verschwiegenheitsvereinbarung, um Greenson zu entlasten.[5][6]

Veröffentlichungen in deutscher Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Technik und Praxis der Psychoanalyse (Standardwerke der Psychoanalyse) Klett-Cotta, Stuttgart 1986. (9. Auflage 2007: ISBN 978-3-608-94283-5)
  • Psychoanalytische Erkundungen (Standardwerke der Psychoanalyse) Klett-Cotta, Stuttgart 1993 ISBN 3-608-95090-7
  • mit Milton Wexler: Die übertragungsfreie Beziehung in der psychoanalytischen Situation. In: Psyche 1971, Heft 3, S. 206–0230
  • Das Arbeitsbündnis und die Übertragung. In: Psyche 1966, Heft 2, S. 81–103
  • Zum Problem der Empathie. In: Psyche 1961, Heft 2, S. 142–154

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Technik und Praxis der Psychoanalyse Stuttgart 1986
  2. Psychoanalytische Erkundungen Stuttgart 1993
  3. Biographie Ralph R. Greeson auf IMDb
  4. Michel Schneider: Marilyns letzte Sitzung. btb ISBN 978-3-442-75192-1
  5. Barbara Hans in Spiegel online vom 5. August 2005, abgerufen am 14. Januar 2015
  6. Fritz Göttler in Süddeutsche Zeitung vom 11. Mai 2010, abgerufen am 14. Januar 2015