Regierungsbezirk Allenstein

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Regierungsgebäude in Allenstein, 1908–1911 von Richard Saran

Der Regierungsbezirk Allenstein war von 1905 bis 1945 ein Regierungsbezirk der preußischen Provinz Ostpreußen. Sein Gebiet gehört heute zur polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungsgliederung Ostpreußens 1905 bis 1920:
  • Regierungsbezirk Königsberg
  • Regierungsbezirk Gumbinnen
  • Regierungsbezirk Allenstein
  • Verwaltungsgliederung Ostpreußens 1878 bis 1905:
  • Regierungsbezirk Königsberg
  • Regierungsbezirk Gumbinnen
  • Der Regierungsbezirk Allenstein wurde 1905 als dritter ostpreußischer Regierungsbezirk eingerichtet. Ziel dieser Maßnahme war unter anderem die kulturelle und wirtschaftliche Förderung Masurens. Er wurde aus Teilen des Regierungsbezirks Gumbinnen und des Regierungsbezirks Königsberg gebildet. Mit Masuren, dem südlichen Ermland und dem Oberland (Ermland-Masuren) umfasste der Regierungsbezirk 1905 eine Fläche von 11.711 km². Der Sitz des Regierungspräsidenten befand sich in Allenstein.

    Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Friedensvertrag von Versailles musste ein Teil des Kreises Neidenburg ohne Volksabstimmung an Polen abgetreten werden: Im Gebiet um Soldau lag die strategisch bedeutsame Bahnstrecke Warszawa–Gdańsk. Nach der Volksabstimmung am 11. Juli 1920 (siehe Abstimmungsgebiet Allenstein) wurden ferner die Grenzorte Groschlen, Klein Nappern und Klein Lobenstein im Kreis Osterode abgetreten. Die Fläche des Regierungsbezirks verringerte sich durch diese Gebietsverluste auf 11.520 km².

    Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet des Regierungsbezirks Allenstein unter polnische Verwaltung gestellt. Die deutsche Bevölkerung wurde anschließend auf der Grundlage der sogenannten Bierut-Dekrete weitgehend vertrieben.

    Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    • 1925: 540.290, darunter 40.200 Einwohner mit masurischer und 13.700 mit polnischer Muttersprache[1]
    Regierungsbezirk Allenstein[2]
    Jahr 1910 1925 1933 1939
    Einwohner 518.682 540.287 552.541 568.024

    Verwaltungsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Stadt- und Landkreise[3][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Reg.Bez.
    bis 1905
    Stadt-/Landkreis Einwohner Fläche Bev.dichte Kommunen
    Städte/Flecken/Gemeinden
    Königsberg Stadtkreis Allenstein 050.396 53,13 km² 856,6 Einw/km² 1/0/0
    Königsberg Landkreis Allenstein 057.150 1302,58 km² 43,9 Einw/km² 1/0/130
    Gumbinnen Landkreis Johannisburg 053.089 1684,02 km² 31,5 Einw/km² 3/2/168
    Gumbinnen Landkreis Lötzen 050.012 897,38 km² 55,7 Einw/km² 2/1/87
    Gumbinnen Landkreis Lyck 056.417 1115,08 km² 50,6 Einw/km² 1/4/154
    Königsberg Landkreis Neidenburg 039.730 1146,11 km² 34,7 Einw/km² 1/2/110
    Königsberg Landkreis Ortelsburg 073.442 1702,84 km² 43,1 Einw/km² 3/5/156
    Königsberg Landkreis Osterode 081.513 1536,25 km² 53,1 Einw/km² 4/1/168
    Königsberg Landkreis Rößel 051.832 850,84 km² 60,9 Einw/km² 4/0/81
    Gumbinnen Landkreis Sensburg 054.443 1231,53 km² 44,2 Einw/km² 2/2/122
    Gesamt 568.024 11519,76 km² 49,3 Einw/km² 22/17/1176

    Regierungspräsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Für den Regierungsbezirk Allenstein stellte sich die sprachliche Situation nach der Volkszählung von 1910 in den einzelnen Kreisen folgendermaßen dar:[5]

    Volkszählung 1910 Bevölkerung Deutsch Masurisch Polnisch Zweisprachig
    Regierungsbezirk Allenstein 543.469 274.320 50,48% 175.016 32,20% 73.154 13,46% 19.532 3,59%
    Allenstein Stadt 33.077 29.344 88,71% 99 0,30% 2.249 6,80% 1.325 4,01%
    Allenstein Land 57.919 22.825 39,41% 520 0,90% 32.766 56,57% 1.782 3,08%
    Johannisburg 51.399 16.379 31,87% 29.141 56,70% 4.203 8,18% 1.620 3,15%
    Lötzen 41.209 26.352 63,95% 11.412 27,69% 1.595 3,87% 1.802 4,37%
    Lyck 55.579 27.138 48,83% 19.407 34,92% 6.348 11,42% 2.590 4,66%
    Neidenburg 59.416 20.871 35,13% 25.150 42,33% 10.462 17,61% 2.645 4,45%
    Ortelsburg 69.935 20.218 28,91% 43.513 62,22% 3.390 4,85% 2.463 3,52%
    Osterode 74.666 43.508 58,27% 26.695 35,75% 2.130 2,85% 2.279 3,05%
    Rössel 50.472 43.189 85,57% 48 0,10% 6.512 12,90% 1,42 % 1,42%
    Sensburg 50.097 24.496 48,90% 19.031 37,99% 3.499 6,98% 2.310 4,61%

    Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    • Klaus von der Groeben: Das Land Ostpreußen. Selbsterhaltung, Selbstgestaltung, Selbstverwaltung 1750 bis 1945. (= Quellen zur Verwaltungsgeschichte. 7). Lorenz-von-Stein-Institut, Kiel 1993, DNB 930875869.
    • Rüdiger Döhler: Corpsstudenten in der Verwaltung Ostpreußens. In: Einst und Jetzt. Band 54, 2009, S. 240–246.

    Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. Der Große Brockhaus. 15. Auflage. 1. Band, Leipzig 1928, S. 30.
    2. Statistische Jahrbücher für das Deutsche Reich. In: DigiZeitschriften. Abgerufen am 7. Dezember 2019.
    3. Heimatatlas für die Provinz Ostpreußen. Verlagsgruppe Weltbild, Augsburg 2007, ISBN 978-3-8289-0832-1.
    4. s. Abstimmungsgebiet Allenstein
    5. Jakob Spett: Nationalitätenkarte der östlichen Provinzen des Deutschen Reiches nach dem Ergebnissen der amtlichen Volkszählung vom Jahre 1910 entworfen von Ing. Jakob Spett. Justus Perthes, 1. Januar 1910 (bibliotekacyfrowa.pl [abgerufen am 14. März 2017]).