Działdowo

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Działdowo
Wappen von Działdowo
Działdowo (Polen)
Działdowo
Działdowo
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Działdowo
Fläche: 11,13 km²
Geographische Lage: 53° 14′ N, 20° 11′ OKoordinaten: 53° 14′ 0″ N, 20° 11′ 0″ O
Höhe: 157 m n.p.m.
Einwohner: 21.474
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 13-200 bis 13-201
Telefonvorwahl: (+48) 23
Kfz-Kennzeichen: NDZ
Wirtschaft und Verkehr
Straße: BrodnicaNidzica
Schienenweg: Nasielsk–Iława
Działdowo–Nidzica
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 11,13 km²
Einwohner: 21.474
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 1929 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2803011
Verwaltung (Stand: 2012)
Bürgermeister: Grzegorz Mrowiński
Adresse: ul. Zamkowa 12
13-200 Działdowo
Webpräsenz: www.dzialdowo.pl



Działdowo [d͡ʑau̯ˈdɔvɔ] (deutsch Soldau) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt im Oberland des ehemaligen Ostpreußens am Nordufer des Flusses Działdówka (Soldau), 157 Meter über dem Meeresspiegel, etwa 23 Kilometer südwestlich von Nidzica (Neidenburg) und 73 Kilometer südsüdwestlich von Olsztyn (Allenstein).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soldau südwestlich von Neidenburg und südöstlich von Osterode auf einer Landkarte von 1908.
Stadtzentrum aus der Vogelperspektive
Umland der Stadt
Rathaus
Erhaltener Trakt der Ruine des Ordenssschlosses
Evangelische Kirche (14. Jahrhundert)
Katholische Kirche (1862)

Die Ortschaft Soldau entstand im Zuge der vom Deutschen Orden durchgeführten Besiedlung der westlich der Weichsel gelegenen Landschaft Sassen am Anfang des 14. Jahrhunderts. Weit im Süden des damals urwaldhaften Sassens, nahe der Grenze zum polnisch beherrschten Masowien, errichtete der Orden unbestätigten Quellen zufolge 1306 die Burg Soldau. Entsprechend seinem Besiedlungskonzept wurde im Schutz der Burg eine Siedlung angelegt, deren erste Bewohner Nachfahren der ersten mitteldeutschen Einwanderergeneration des Ordenslandes waren. Die Entwicklung schritt angesichts der ungünstigen Lage nahe der Grenze zögerlich voran, und so scheiterte das Bestreben der Komturei Osterode, den Ort zur Stadt zu entwickeln zunächst 1344. Erst 1349 gelang es dem Komtur Günther von Hohnstein, für den Ort die Verleihung der Handfeste des Ordens und damit das Stadtrecht durchzusetzen. Die Stadt führte nun wie der an ihr vorbeifließende Fluss den Namen Soldau. Nach dem für die Ortsgründungen des Ordens typischen Schema wurden auf einen rechtwinkligen Markt führende Straßen angelegt und eine Stadtbefestigung mit zwei Toren errichtet.

Durch seine Grenzlage wurde Soldau in seiner Geschichte immer wieder durch Kriege betroffen. Gleich zu Beginn des Krieges zwischen dem Orden und Polen wurde Soldau 1409 von mit Polen verbündeten Litauern niedergebrannt. Ein Jahr später besetzten Truppen unter dem polnischen König Jagiello nach dem Sieg bei Tannenberg die Stadt. Während des Dreizehnjährigen Krieges (1454–1466) vertrieben die Einwohner die Ordensbesatzung der Burg und übergaben die Burg an die polnischen Truppen. Bei dem Versuch des Ordens, die Burg 1455 zurückzuerobern, wurde die Stadt erneut zerstört. Während des Polnisch-Schwedischen Krieges schlug der schwedische König Karl Gustav 1656 sein Hauptquartier in Soldau auf.[2] Im Jahr darauf fielen tatarische Horden während ihres Überfalls auf den Süden des Landes in die Stadt ein.

Der Ordensstaat war 1525 in das weltliche Herzogtum Preußen umgewandelt worden. Die Komturen des Ordens waren durch so genannte Kreise ersetzt worden, und Soldau kam unter die Verwaltung des Oberländischen Kreises mit Saalfeld als Zentrum. Soldau erhielt den Status eines der zwölf Hauptämter, dem mehrere Gemeinden unterstellt waren. Mit der preußischen Verwaltungsreform von 1752 wurde der Oberländische Kreis aufgelöst, und das Hauptamt Soldau wurde dem neu gebildeten Kreis Neidenburg unterstellt.

Anfang des 18. Jahrhunderts war die ehemalige Ordensburg verfallen. Lediglich die Burgkapelle war noch erhalten, Preußens König Friedrich I. hatte sie der evangelischen Gemeinde zur Nutzung überlassen. In den Jahren 1737 und 1748 wurde Soldau jeweils durch Großbrände zerstört. Während des Kriegs Napoleons gegen Preußen wurde Soldau nach einem heftigen Gefecht am 26. Dezember 1806 von den Truppen des französischen Marschalls Ney erobert. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Soldau zum Schnittpunkt der neu gebauten Verkehrswege. Hier kreuzten sich sowohl die Bahnlinien Danzig – Warschau und Thorn – Ortelsburg als auch die später als Reichsstraßen eingestuften Chausseen nach Thorn und Neidenburg. Dadurch entwickelte sich die Stadt zu einem bedeutenden Umschlagplatz für Getreide und Vieh. Am 17. August 1862 wurde eine katholische Kirche fertiggestellt. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Soldau eine evangelische Kirche, eine katholische Kirche, eine Synagoge und ein Amtsgericht.[3] Von 1885 bis 1910 wuchs die Zahl der Einwohner von 3122 auf 4728.

Unmittelbar nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam es am 6. August 1914 westlich von Soldau zu einem Gefecht zwischen dem deutschen Grenzschutz und einer russischen Kavalleriedivision. Bei nur drei Toten und 18 Verwundeten konnte der Grenzschutz eine russische Brigade ausschalten und den Rest der russischen Division hinter die Grenze zurückdrängen. Im Verlaufe des Krieges erlitt Soldau jedoch schwere Schäden, die später mit Hilfe des Charlottenburger Kriegshilfevereins beseitigt werden mussten.

Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags von 1919 musste Soldau zusammen mit weiteren 32 Gemeinden des Kreises Neidenburg am 10. Januar 1920 zum Zweck der Einrichtung des Polnischen Korridors an Polen abgetreten werden. Dass hierbei von den üblichen Regelungen des Vertrages abgewichen wurde, nach denen für die Gesamtbevölkerung der Grenzkreise insgesamt eine Volksabstimmung über den Verbleib bei Ostpreußen vorgesehen war, lag offensichtlich an der Tatsache, dass Soldau an der für Polen wichtigen Bahnlinie Danzig–Warschau lag. Während des Polnisch-Sowjetischen Kriegs wurde Soldau im August 1920 kurzfristig von der Roten Armee besetzt, die die Rückkehr des gesamten Polnischen Korridors nach Deutschland ankündigte und von der einheimischen Bevölkerung begeistert begrüßt wurde.[4] Im Jahr 1934 kündigte die polnische Staatsregierung das deutsch-polnische Minderheitenschutzabkommen einseitig auf.

Als Folge des Polenfeldzugs 1939 kam das Gebiet um Soldau an das Reichsgebiet zurück. Am 26. Oktober 1939 wurden die ehemals zum Kreis Neidenburg gehörenden Gemeinden einschließlich Soldau zunächst als selbständiger ostpreußischer Landkreis Soldau zusammengefasst. Mit Wirkung zum 24. April 1940 erfolgte die Vereinigung mit dem Landkreis Neidenburg.

Während des Zweiten Weltkriegs unterhielt die Gestapo von 1941 bis 1945 hier ein so genanntes Arbeitserziehungslager, nachdem bereits im Oktober 1939 das Durchgangslager Soldau für polnische Kriegsgefangene und Zivilinternierte bestanden hatte. Im Jahr 1940 wurden in diesem Lager 1.558 deutsche und mindestens 250 polnische psychisch kranke Patienten durch das Sonderkommando Lange durch den Einsatz eines Gaswagen ermordet. Von den insgesamt 30.000 Insassen kamen nach polnischen Quellen 13.000 ums Leben, unter ihnen auch zwei polnische Bischöfe (u.a. Antoni Julian Nowowiejski).

Im Januar 1945 traf die Rote Armee auf die deutsche Südfront der Wehrmacht in Ostpreußen und besetzte am 20. Januar Soldau. Bei den Kämpfen wurde die Stadt erheblich zerstört. Im Sommer 1945 wurde Soldau von der sowjetischen Besatzungsmacht gemäß dem Potsdamer Abkommen zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens und ganz Westpreußen vorläufig unter polnische Verwaltung gestellt. Es begann danach die Zuwanderung polnischer Migranten. Soweit deutsche Einwohner nicht geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit aus Soldau vertrieben.

Bevölkerungsentwicklung bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1782 2.000 mit der Garnison (Stab und zwei Schwadrone eines Husarenregiments)[5]
1802 1.679 [6]
1810 1.354 [6]
1816 1.449 davon 1.352 Evangelische und 97 Katholiken (keine Juden)[6]
1821 1.812 [6]
1831 1.815 größtenteils Polen[7]
1852 2.114 [8]
1858 2.141 davon 1.811 Evangelische, 233 Katholiken und 97 Juden[9]
1875 2.809 [10]
1880 3.062 [10]
1885 3.122
1905 2.048 mit der Garnison (ein Infanteriebataillon Nr. 59), meist Evangelische [3]
1910 4.728
1931 5.103 [10]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nächstgelegene Nachbarstadt Nidzica (Neidenburg) ist über eine untergeordnete Landstraße zu erreichen.

Im Bahnhof Działdowo zweigen die Bahnstrecke Działdowo–Olsztyn und die hier stillgelegte Bahnstrecke Działdowo–Chojnice von der Bahnstrecke Warszawa–Gdańsk ab.

Töchter und Söhne der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landgemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt ist Sitz der Landgemeinde Działdowo mit 9821 Einwohnern (Stand 30. Juni 2015). Sie gehört dieser jedoch nicht an.

Hauptartikel: Działdowo (Landgemeinde)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in der Reihenfolge des Erscheinens
  • Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 472–475.
  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg/Leipzig 1785, S. 27, Nr. 1).
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 461, Nr. 75.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Historische Ansicht von 1729: Rex Sueciae Missum ab Imperatore Turcico Legatum Hanassa Mustapha Aga. Audit Soldoviæ An. 1656. (Digitalisat)
  3. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 18, Leipzig und Wien 1909, S. 576–577.
  4. NY Times vom 16. August 1920
  5. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg/Leipzig 1785, S. 27, Nr. 1).
  6. a b c d Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 386–387, Ziffer 686.
  7. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 461, Nr. 75.
  8. Kraatz: Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Berlin 1856, S. 585.
  9. Adolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungsbezirks Königsberg. Hartung, Königsberg 1861, S. 179, Ziffer 198.
  10. a b c http://www.verwaltungsgeschichte.de/neidenburg.html