Regionalwert-Aktiengesellschaften

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Die Regionalwert-Aktiengesellschaften sind Bürgeraktiengesellschaften in der Land- und Ernährungswirtschaft. Bürger und Organisationen (etwa Unternehmen, Kirchen, Stiftungen) kaufen vinkulierte Namensaktien und finanzieren damit Betriebe von der ökologischen Landwirtschaft über die Lebensmittelverarbeitung bis zum Handel und zur Gastronomie. Ihr Geschäftszweck ist die Herstellung von mehr lokaler Ernährungssouveränität unter aktivem Einbezug der am Wertschöpfungsprozess beteiligten Menschen, das heißt der Unternehmer, der Anteilseigner und der Konsumenten. Die Regionalwert-Aktiengesellschaften zählen zur Social-Entrepreneurship-Bewegung, die durch unternehmerisches Handeln gesellschaftliche Problemstellungen lösen will. Die sozialen und ökologischen Leistungen der beteiligten Betriebe werden als Werte mit hoher ökonomischer Relevanz angesehen, und den Aktionären wird jährlich berichtet. Die Regionalwertökonomie ist als grundlegendes ökonomisches Konzept hinterlegt; dabei wird der regionale Wertschöpfungsraum als eine messbare und steuerbare mikroökonomische Einheit betrachtet.

Gründung und Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Regionalwert-AG wurde 2006 in Eichstetten am Kaiserstuhl für den Regierungsbezirk Freiburg von dem Gärtner und Landwirt Christian Hiß gegründet. Mittlerweile gibt es Regionalwert-Aktiengesellschaften in den Räumen München, Hamburg und Rheinland[1]. In einigen weiteren Regionen wird an der Gründung gearbeitet. Die Regionalwert Treuhand ist das Dach der Bürgeraktiengesellschaften. Sie vergibt die Nutzungsrechte an der geschützten Wort-Bild-Marke und berät die interessierten Regionen. Auch in anderen europäischen Ländern wie Spanien und Österreich wird an der Gründung von Bürgeraktiengesellschaften nach Vorbild des Regionalwert-Modells gearbeitet.

Leitbild und Idee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ökonomisches Leitbild der Regionalwert AG ist die Subsistenzwirtschaft. Da es heute nicht mehr möglich ist und auch keinen Sinn ergibt, den alten Bauernhof mit seinen archetypischen sozio-ökonomischen Merkmalen der Versorgungs- oder Bedarfswirtschaft zu reinstallieren, sollen die Merkmale der überlieferten bäuerlichen Ökonomie auf ganze Regionen übertragen werden. Alle Wertschöpfungsstufen werden in einer Region mit Bürgerkapital gegründet und aufeinander aufgebaut. Es entsteht ein sozio-ökonomischer Wertschöpfungsraum der in seiner Grundgestalt den alten Bauernhof spiegelt und modern widergegeben wird. Wichtiger Gesichtspunkt dabei ist, dass die beteiligten Menschen die Hoheit über die Ausprägung, Entwicklung und Steuerung ihrer Versorgungswirtschaft erlangen und behalten. Die Gesellschaftsform der Bürgeraktiengesellschaft wird dazu als Intermediärstruktur zwischen Wirtschaftsbetrieben und Konsumenten installiert[2].

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Regionalwert-AGs sind nach geltendem deutschem Aktienrecht strukturiert. Das oberste Organ ist die Hauptversammlung, die Aktionäre werden durch einen Aufsichtsrat gegenüber dem Vorstand vertreten. Der Vorstand führt die Geschäfte. Die Betriebe der Land- und Ernährungswirtschaft, die mit Finanzkapital der Bürger ganz oder teilweise finanziert sind, werden Partnerbetriebe genannt. Sie sind nicht offizielles Organ der Aktiengesellschaft und haben keine Stimmrechte in der Hauptversammlung. Sie erhalten aber ein Rederecht an der Hauptversammlung und können so für ihre Belange eintreten und ihnen eine Stimme verleihen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hiß, Christian/ Die Agronauten e.V.: Regionalwert AG. Mit Bürgeraktien die regionale Ökonomie stärken. Ein Handbuch mit praktischen Hinweisen zu Gründung, Beteiligung und Umsetzung. (2014)
  • Hiß, Christian – Bäuerliche Landwirtschaft – ein Vorbild für regionale Versorgungswirtschaften, Kritischer Agrarbericht 2017 – ABL Verlag

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Regionalwert AG Rheinland. Abgerufen im 29. Januar 2017.
  2. Christian Hiß: Bäuerliche Landwirtschaft – ein Vorbild für regionale Versorgungswirtschaften,. In: Kritischer Agrarbericht 2017. ABL Verlag.