Rengelrode

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Rengelrode
Koordinaten: 51° 22′ 41″ N, 10° 5′ 36″ O
Höhe: ca. 240 m ü. NN
Einwohner: 376
Eingemeindung: 11. November 1991
Postleitzahl: 37308
Vorwahl: 03606
Karte
Lage von Rengelrode in Heilbad Heiligenstadt

Rengelrode ist ein Stadtteil der thüringischen Stadt Heilbad Heiligenstadt im Landkreis Eichsfeld.

Geographie und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rengelrode von Südwesten

Der Ort liegt drei Kilometer westlich von Heiligenstadt an der Beber zwischen der Bundesautobahn 38 im Norden und dem Leinetal im Süden. Westlich des Ortes erhebt sich der 366 m ü. NN hohe Steinberg als Muschelkalk-Zeugenberg im Buntsandsteingebiet des mittleren Eichsfelds. Umliegende Orte sind Steinheuterode, Uder und Heiligenstadt.

Erreicht werden kann Rengelrode über die Anschlussstelle „Heilbad Heiligenstadt“ an der Bundesautobahn 38. Der nächste Bahnhof befindet sich ebenfalls in Heiligenstadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung Rengelrodes datiert auf das Jahr 1184 als Ringelderode.[1] Die Vogteirechte lagen in Heiligenstadt. Im Mittelalter hatte ein nach dem Dorf benanntes Rittergeschlecht seinen Stammsitz in Rengelrode. Die Familie erscheint mit mehreren Vertretern von 1193 bis 1486, nach ihrem Aussterben ging ihr Lehnsbesitz mit einem Teil des Dorfes an die Familie von Linsingen, später an die Familie von Reden. Der andere Teil des Dorfes mit Patronats- und Zehntrechten wurde von Steffen von Arenshausen 1482 an die Herren von Hanstein verkauft, das als Mannlehen dazugehörige Rittergut wurde nach einer Zerstörung nicht wieder aufgebaut. Bis zur Säkularisation gehörten Rengelrode und die umliegenden Orte zu Kurmainz.[2] Später waren sie Teil der Provinz Sachsen. Im Jahre 1913 kaufte der Kaufmann Heinrich Schotte aus Dingelstädt das Rittergut. Sein Sohn Karl Schotte übernahm das Gut 1935, er und seine Frau Katharina, geb. Herold, bewirtschafteten das Gut bis zu dessen Enteignung durch die russischen Besatzer im Jahre 1945. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Rengelrode Teil der sowjetischen Besatzungszone. Von 1949 bis zur Wiedervereinigung gehörte Rengelrode zur DDR. 1990 wurde die eigenständige Gemeinde Teil des neuen Bundeslandes Thüringen.

Am 11. November 1991 wurde Rengelrode nach Heiligenstadt eingemeindet.[3]

Adelsgeschlecht von Rengelrode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine erste schriftliche Erwähnung für einen Helevicus de Ringeltherod liegt aus dem Jahr 1193 vor und letztmals 1486 für Heimbrodt.[4] Sie waren nicht nur in Rengelrode und weiteren Orten im Eichsfeld begütert, sondern auch im benachbarten Hessen und Thüringen, so von 1301 bis 1372 mit der Burg Rückerode. Im Schild führten sie einen Löwen auf einer Leiste stehend.[5] Nach dem Aussterben der Adelsfamilie fielen ihre Lehnsrechte in Rengelrode an die Herren von Linsingen, die mit Friedrich von Linsingen (geb. um 1430, urkdl. bis 1490) von den Mainzer Kurfürsten im Eichsfeld als Ministerialen auf dem Rusteberg eingesetzt wurden. Vertreter des Rittergeschlechts waren:

  • Wetzel von Rengelrode (1303) mit Friedrich von Worbis Amtleute auf Horburg[6] und (1312–1315) mit Hermann Rieme Amtleute auf Harburg[7], (1324) als Zeuge genannt[8]
  • Theodor von Rengelrode (1350) verkauft seinen Zehnten zu Herboldshausen, den er von Mainz zu Lehen trägt, den Gebrüder von Berlepsch[9]
  • Lupold von Rengelrode (1364) besitzt hessische Lehen in Wendershausen
  • Hedwig von Rengelrode (1415) Priorin im Kloster Hildewardehausen[10]
  • Thilo von Rengelrode (1366) im Besitz landgräflich hessischer Lehen zu Rückerode und Lippold von Rengelrode (nach 1376)[11]
  • Johann von Rengelrode (1367), Burgmann auf Burg Rusteberg[12]
  • Johann von Rengelrode (ca. 1380–1450) Rechtsgelehrter mit verschiedenen Ämtern, (1424–1441) Propst im Petersstift Nörten und (1428–1437) Propst zu Jechaburg[13]
  • Heinrich von Rengelrode (1438) Provisor in Erfurt[14]
  • Otto von Rengelrode (1465) Kantor in Aschaffenburg[15]
  • Heimbrod von Rengelrode (1439, 1477) in Wendershausen und Elkerode belehnt[16]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche St. Johannes der Täufer

Kirche St. Johannes der Täufer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische Kirche St. Johannes der Täufer in Rengelrode ist eine Filialkirche der Altstädter Kirche St. Marien in Heiligenstadt. Die Kirche ist im Ursprung mittelalterlich, erhalten sind große Teile des mittelalterlichen Mauerwerks in dem wuchtig wirkenden Westturm mit Stützpfeilern an den freien Ecken. Das Schiff wurde dagegen 1738 neu errichtet und am 21. November 1739 geweiht,[17] die Pläne dazu stammten der Überlieferung nach von Johann Christoph Heinemann, dem Erbauer des Heiligenstädter Schlosses. Turm und Schiff sind steinsichtig aus rotem Buntsandstein gebaut, das Schiff ist mit einem breiten dreijochigen, durch Gurtbögen getrennten Kreuzgratgewölbe überwölbt und schließt im Osten mit einem fünfseitigen, nicht eingezogenen Chorraum ab. Die unteren Gurtbögenfortsätze und die Chorraumecken sind im Innenraum durch Pilaster mit profilierten Kämpfern betont.[2] Im Jahre 1822 erhielt der Turm eine neue, schieferbehängte Haube, die Portale wurden 1960 verändert. Eine neue Ausmalung der Kirche wurde 1999 vorgenommen. Die Ausstattung stammt bis auf eine Holzskulptur des 18. Jahrhunderts, die Johannes den Täufer zeigt, aus dem 20., teilweise dem 19. Jahrhundert.

Die Orgel wurde 1837–38 von Johann Wilhelm Schmerbach dem Jüngeren gebaut, dabei wurden sieben Register der älteren Orgel mitverwendet, die vermutlich 1695 durch Johann Friedrich Wender gebaut worden war und bis 1811 im Kloster Anrode stand.[17]

Rengelröder Warte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rengelröder Warte

Die Rengelröder Warte wurde in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet und gehörte zum Landwehrsystem der Stadt Heiligenstadt. Der runde Wartturm ist aus rotem Sandstein gemauert und noch bis in eine Höhe von etwa zehn Metern erhalten. Der Eingang befand sich wie üblich nicht ebenerdig, sondern erhöht liegend.[18] Auskragende Steine am oberen Mauerwerksrand deuten auf eine ehemals hier aufgesetzte hölzerne Dachkonstruktion[2] oder ein weiteres Stockwerk aus Holzfachwerk hin.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Fischer (Redaktion): Chronik der Gemeinde Rengelrode - 1184-1984 - Rengelrode im Wandel der Zeit. Hrsg.: Arbeitsgemeinschaft Junge Historiker im Auftrag des Rates der Gemeinde. Bad Langensalza 1984, S. 87, Format A5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Rengelrode – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erhard Müller: Die Ortsnamen des Kreises Heiligenstadt. Heilbad Heiligenstadt 1989, S. 35.
  2. a b c Walter Rassow: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Heiligenstadt. Hrsg.: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt. Otto Hendel, Halle a. d. S. 1909, Rengelrode, S. 288–291.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
  4. Johann Wolf: Eichsfeldisches Urkundenbuch nebst der Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel. Göttingen 1819 (Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel, als Beitrag zu dessen Geschichte.) Seite 16
  5. J. Siebmachers großes und allgemeines Wappenbuch. 6.Band 6.Abtheilung, ausgestorbener Preussischer Adel Provinz Sachsen, Nürnberg 1884, Tafel 86
  6. RIplus Regg. EB Mainz 1,1 n. 800, in: Regesta Imperii Online, (Abgerufen am 31. August 2017)
  7. Johann Wolf: Politische Geschichte des Eichsfeldes. Göttingen 1792, Band 1, Seite 119
  8. Urkunde im Stadtarchiv Duderstadt
  9. Herboldshausen, Werra-Meißner-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 15. März 2016). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  10. Johann Wolf: Eichsfeldisches Urkundenbuch nebst der Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel. Göttingen 1819 (Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel, als Beitrag zu dessen Geschichte.) Seite 56
  11. Rückerode, Werra-Meißner-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 11. Februar 2016). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  12. RIplus Regg. EB Mainz 2,1 n. 2358, in: Regesta Imperii Online, (Abgerufen am 31. August 2017)
  13. Thomas T. Müller in Gabriela Sigmori: Das Wunderbuch Unserer Lieben Frau im thüringischen Elende (1419–1517). Bd. 12, Verlag Böhlau 2006, Seite 20
  14. Ausgestorbener Preussischer Adel. In: J. Siebmachers großes und allgemeines Wappenbuch. 6.Band 6.Abtheilung, ausgestorbener Preussischer Adel Provinz Sachsen, Nürnberg 1884, Seite 131
  15. Johann Wolf: Eichsfeldisches Urkundenbuch nebst der Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel. Göttingen 1819 (Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel, als Beitrag zu dessen Geschichte.) Seite 48
  16. Wendershausen, Werra-Meißner-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 19. Mai 2017). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  17. a b Rolf-Günther Lucke, Josef Keppler, Maria Kapp, David Bleckmann, Monika Tontsch, Ulfrid Müller, Mandref Kahlmeyer, Helmut Godehardt, Torsten W. Müller: Die Kirchen im Eichsfeld. Kirchen- und Kunstführer. Hrsg.: Verein für Eichsfeldische Heimatkunde e. V., Heimatverein Goldene Mark [Untereichsfeld] e. V. 2., bearbeitete und erweiterte Auflage. Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 2011, ISBN 978-3-936617-92-4, S. 248 f.
  18. Rengelröder Warte auf warttürme.de, abgerufen am 2. September 2018