Richard Kissling

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Dieser Artikel behandelt den Schweizer Bildhauer. Zu dem deutschen Ringer gleichen Namens siehe Richard Kissling (Ringer).
Richard Kissling in seinem Atelier mit dem Tell-Denkmal
Brunnen zu Ehren Alfred Eschers vor dem Zürcher Hauptbahnhof
Zürich 1893 Kantonalschützenfest, Vorderseite der Medaille von Kissling. Sie zeigt bereits den Entwurf für das Wilhelm Tell Denkmal in Altdorf.
Zürich 1893 Kantonalschützenfest, Rückseite der Medaille von Kissling.

Richard Kissling (* 15. April 1848 in Wolfwil SO; † 19. Juli 1919 in Zürich) war ein Schweizer Bildhauer und Medailleur.[1] Er gehört zu den namhaftesten Denkmalplastikern der Schweiz im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner Lehre als Stuckateur lebte Kissling 13 Jahre in Rom, wo er 1872/1873 beim spätklassizistischen Schweizer Bildhauer Ferdinand Schlöth arbeitete und 1874 nach dessen Rückkehr in die Schweiz vermutlich auch das Atelier übernahm.[2].

An der Landesausstellung 1883 in Zürich erregte der junge und noch wenig bekannte Kissling mit einer Porträtbüste von Alfred Escher Aufsehen. In der Folge erhielt er den Auftrag zur Ausführung eines monumentalen Denkmalbrunnens von Escher in Bronze und Granit vor dem Triumphbogen am Hauptbahnhof Zürich. Nach dessen Aufstellung liess er sich ein eigenes Werkhaus mit grossem Atelier an der Klausstrasse 10/Ecke Bellerivestrasse in Zürcher Seefeld errichten.[3]

Sein bekanntestes Werk ist das Telldenkmal in Altdorf. Im Rizal-Park in Manila steht sein Monument zum Gedenken an den philippinischen Nationalhelden José Rizal.

Danach war Kissling einer der am meisten beschäftigten Schweizer Bildhauer, wiewohl sein klassizistisch-heroischer Stil in seinen letzten Lebensjahren zunehmend als veraltet galt. Nach dem Tod verblasste sein Ruhm rasch. So sollen die originalen Gipsmodelle des Escherbrunnens in den Zürichsee geworfen worden sein. Auch der um 1910 in Originalgrösse entstandene, ausführungsreife Entwurf zu einem Nationaldenkmal in Schwyz fiel nach dessen Ablehnung durch eine Jury schliesslich einer unkontrollierten Zerstörung zum Opfer.[4]

Kissling war auch Lehrmeister bedeutender Bildhauer, so von Hans Gisler (1889–1969) und Werner Friedrich Kunz (1896–1981).[5] Um 1897 zählte er mit Ferdinand Hodler, Rudolf Koller, Albert Welti und anderen zur Gründungsgeneration der Künstlervereinigung Zürich.[6]

Kissling wurde 1905 von der Universität Zürich die Würde eines Dr. h.c. verliehen; er war auch Ehrenbürger der Stadt Zürich und von Altdorf.[7] Seit 1935 gibt es im Zürcher Quartier Fluntern einen Richard-Kissling-Weg.[8]

Arbeiten und Entwürfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Trog: Richard Kissling. In: Die Schweiz, Nr. 8, 1904, S. 393-399.
  • Otto Waser: Richard Kissling zum 70. Geburtstag. In: Die Schweiz, Nr. 22, 1918, S. 156-158.
  • Wilhelm Ludwig Lehmann: Richard Kissling. In: Neujahrsblatt der Zürcher Kunstgesellschaft, 1920.
  • Werner F. Kunz: Richard Kissling, der Reiter. Zum 100. Geburtstag. In: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 790, 15. April 1948, Morgenausgabe, Bl. 1.
  • Werner F. Kunz: Ein Meisterwerk Richard Kisslings zerstört. In: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 592, 18. März 1951.
  • Werner F. Kunz: Ein unbekanntes Werk Richard Kisslings. In: Neue Zürcher Zeitung, 25. September 1954.
  • Werner F. Kunz: Muss Richard Kisslings Werkhaus verschwinden? In: Tages-Anzeiger, Nr. 78, 6. April 1970.
  • Marianne Matta: Richard Kissling (1848-1919), der schweizerische «Nationalbildhauer» im 19. Jahrhundert. Bemerkungen zu einigen Denkmälern und Denkmalentwürfen. In: Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, Nr. 2, 1981, S. 151-161.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Richard Kissling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kissling, Richard. Bildhauer. Vollplastische Figuren und Porträtbüsten. Denkmal, Relief und Bauplastik. Hauptvertreter der Schweizer Bildhauerei der Gründerzeit. Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, abgerufen am 4. Oktober 2015.
  2. Stefan Hess: Zwischen Winckelmann und Winkelried. Der Basler Bildhauer Ferdinand Schlöth (1818–1891). Berlin 2010, S. 65 f. und 70.
  3. Werner F. Kunz: Muss Richard Kisslings Werkhaus verschwinden? In: Tages-Anzeiger, Nr. 78, 6. April 1970.
  4. Werner F. Kunz: Ein Meisterwerk Richard Kisslings zerstört. In: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 592, 18. März 1951.
  5. SIKART – Lexikon zur Kunst in der Schweiz. Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft Zürich, abgerufen am 25. November 2015.
  6. www.kuenstlervereinigung.ch
  7. Historisches Lexikon der Schweiz [1]
  8. Webseite von Alt-Züri [2], abgerufen am 11. Februar 2016.
  9. Adrian Venetz: Vater und Sohn stehen nun vor Gericht. In: Neue Obwaldner Zeitung, 28. Januar 2015, S. 19.