Rieter

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Dieser Artikel behandelt den Schweizer Konzern Rieter. Weiterhin existiert mit den Rieter von Kornburg noch eine gleichnamige, ehemalige Nürnberger Patrizierfamilie. Weitere Träger dieses Namens siehe Rieter (Begriffsklärung)
Rieter Holding AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN CH0003671440
Gründung 1795
Sitz Winterthur, Schweiz
Leitung Norbert Klapper
Chief Executive Officer

Bernhard Jucker
Verwaltungsratspräsident

Mitarbeiter 5020 (2016)
Umsatz 945,0 Mio. CHF (2016) [1]
Branche Textilmaschinenbau
Website www.rieter.com
Firmensitz in Winterthur

Rieter (rechtlich Rieter Holding AG) ist eine international tätige Schweizer Industrieholding mit Hauptsitz in Winterthur. Der im Textilmaschinenbau und ehemals in der Automobil- und Kunststoffindustrie tätige Konzern wurde 1795 als J. J. Rieter & Cie. gegründet und war vor seiner Umwandlung in eine Holding im 20. Jahrhundert als Maschinenfabrik Rieter AG bekannt.

Das Geschäftsjahr 2016 war geprägt von einem deutlich höheren Bestellungseingang, besonders im ersten Halbjahr, und einem im Vergleich zum Vorjahr niedrigeren Umsatz. Trotz des Umsatzrückgangs erreichte Rieter eine EBIT-Marge von 6 %.

Im Gesamtjahr stieg der Bestellungseingang gegenüber Vorjahr um 13 % auf 905.2 Mio. CHF. Die Bestellungen lagen im ersten Halbjahr 2016 mit 510.7 Mio. CHF auf einem guten Niveau, im Wesentlichen getrieben durch eine solide Nachfrage aus der Türkei. In der zweiten Jahreshälfte liess die Dynamik in der Türkei und in Indien aufgrund zunehmender politischer Unwägbarkeiten deutlich nach, so dass die Bestellungen auf 394.5 Mio. CHF zurückgingen. Der Umsatz ging auf 945.0 Mio. CHF zurück, vor allem infolge der verhaltenen Nachfrage nach Maschinen und Systemen im zweiten Halbjahr 2015. Das Marktvolumen von 3.2 Mrd. CHF lag 2016 rund 8 % unter dem Vorjahr. Rieter gelang es dank der globalen Aufstellung und des attraktiven Leistungsportfolios, einen Marktanteil von rund 29 % zu erreichen (2015: rund 30 %). [1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Jacob Rieter (1762–1826) gründete die Firma J. J. Rieter & Cie. 1795 in Winterthur als Handelsunternehmen für exotische Gewürze und Baumwolle. Begünstigt durch die napoleonische Kontinentalsperre, stieg Rieter mit eigenen Spinnereien in die Fertigung von Textilien ein und erwarb 1833 die Gebäude des ehemaligen Klosters Töss in der damals noch selbständigen Gemeinde Töss bei Winterthur als Fabrikgelände.

Ähnlich wie viele andere Textilhersteller des 19. Jahrhunderts betrieb auch Rieter seine eigene Maschinenfabrik. Diese spezialisierte sich auf die Herstellung von Textilmaschinen und die zugehörigen Antriebe und Kraftübertragungssysteme. Daneben stellte Rieter auch Lokomotiven, Trams, Gewehre und Motoren her. Rieter erstellte 1852 die erste Arbeitersiedlung der Schweiz und war damit ein Pionier der Arbeiterfürsorge. 1891 wurde die Firma von der Familie Rieter in die Aktiengesellschaft Maschinenfabrik Rieter AG umgewandelt. Der letzte Familienangehörige in der Firmenleitung war Benno Rieter (1870–1925). Während des Ersten Weltkriegs beschloss die Firmenleitung 1915 die Konzentration auf die Herstellung von Spinnereimaschinen.

Rieter dehnte später seine Geschäftstätigkeit wieder aus, unter anderem in den Chemiefaserbereich. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die Expansion ins Ausland, 1951 in die USA (American Rieter Company, Arlington) und 1962 nach Indien (Coimbatore). 1970 wurde die Pensionskasse der Firma Rieter gegründet. In den 1980er Jahren expandierte und diversifizierte Rieter durch Firmenzukäufe stark. 1982 wurde die englische Firma Ernest Scragg & Sons (Texturiermaschinen), 1987 die Schubert & Salzer Maschinenfabrik AG (Rotorspinnmaschinen) übernommen.

1984 übernahm Rieter die schweizerische Unikeller Holding AG und stieg damit als Zulieferer in die Automobilindustrie ein. Als direkte Folge hiervon wurde 1985 die Maschinenfabrik Rieter AG zur Rieter Holding AG, der neuen Dachgesellschaft des Konzerns, während der Name Maschinenfabrik Rieter AG auf ein neu gegründetes Tochterunternehmen überging, in dem der Geschäftsbereich Textilmaschinen zusammengefasst wurde.

Nach einer Krise zu Beginn der 1990er Jahre folgten weitere Akquisitionen:

  • 1992 Rieter Automatik Apparate-Maschinenbau, Großostheim (Synthesefaser- und Granuliermaschinen)
  • 1994 Elitex, Ústí nad Orlicí (Spinnmaschinen, Autozulieferer) und Firth Furnishings, Heckmondwike (Autoteppiche)
  • 1995 Globe Industries, Chicago (Autozulieferer)
  • 1996 Fimit Turin (Autozulieferer)
  • 1997 Ello, Sao Bernardo do Campo (Autozulieferer)
  • 2000 Teile des französischen ICBT-Konzerns, Valence (Vliesherstellungs- und Garnveredlungsmaschinen)
  • 2001 Teile der deutschen Süßen-Gruppe (Spinnmaschinen)
  • 2002 Idea Institute, Turin (Autodesign und -engineering)
  • 2003 substanzielle Beteiligung an der spanischen Saifa-Keller S.A. (Autozulieferer)
  • 2005 Hogra Holding AG (Komponenten für Stapelfasermaschinen)

Die Unikeller Holding fusionierte 1989 mit der Rieter Holding, unter Beibehaltung des Namens Unikeller für den Geschäftsbereich Automobilteile, der schliesslich 1995 in Rieter Automotive Systems umbenannt wurde. Im Laufe des Jahres 2010 wurde die Wiederauslagerung der Automobilsparte in ein eigenständiges Unternehmen in die Wege geleitet. Die im Dezember 2010 hierfür neu gegründete Unikeller Holding AG wurde per 22. März 2011 mit dem Versand der Einladungen zur Generalversammlung und der Publikation der Statuten in Autoneum Holding AG umbenannt.[2] An der Generalversammlung vom 13. April 2011 wurde die Aufteilung von der Mehrheit der Rieter-Aktionäre angenommen, womit der Geschäftsbereich Automotive Systems seit dem 13. Mai 2011 unter dem Namen Autoneum als selbstständiges Unternehmen tätig ist.[3]

2015 wurde am Firmensitz in Winterthur ein Abbau von 150 Stellen in der Produktion bekanntgegeben.[4] Am 1. Februar 2017 wurde bekannt, dass Rieter an seinem Standort im deutschen Ingolstadt 220 Stellen streichen und seine Produktion nach Tschechien verlagern will. [5]

Geschäftsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rieter-Konzern umfasst heute die drei Geschäftsbereiche Machines & Systems, After Sales sowie Components und ist der führende Anbieter von Systemen für die Kurzstapelfaser-Spinnerei. Das Unternehmen entwickelt und fertigt Maschinen, Systeme und Technologiekomponenten für die Verarbeitung von Naturfasern und synthetischen Fasern sowie deren Mischungen zu Garnen. Rieter ist gemäss eigenen Angaben der einzige Anbieter weltweit, der sowohl die Prozesse für Spinnereivorbereitung als auch sämtliche vier am Markt etablierten Endspinnverfahren abdeckt. Ende 2016 ist das Unternehmen mit 15 Produktionsstandorten in neun Ländern vertreten und beschäftigt weltweit rund 5020 Mitarbeiter, davon etwa 20 % in der Schweiz. [6][7]

Tochtergesellschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Schweizer Muttergesellschaft, der Rieter Holding AG, besteht der Konzern aus 35 Tochtergesellschaften in 15 Ländern, dazu kommt ein assoziiertes Unternehmen in Italien.[7] Darunter befinden sich:

  • Bräcker AG
  • Graf & Cie AG
  • Maschinenfabrik Rieter AG (Schweiz)
  • Novibra Boskovice s.r.o.
  • Rieter Asia (Taiwan) Ltd. (Taiwan)
  • Rieter China Textile Instruments Co. Ltd. (China)
  • Rieter America, LLC (USA)
  • Rieter CZ s.r.o. (Tschechien)
  • Rieter India Pvt. Ltd. (Indien)
  • Rieter Ingolstadt GmbH (Deutschland)
  • Rieter South America Ltd. (Brasilien)
  • Rieter Textile Machinery Trading & Services Ltd. Co.(Türkei)
  • Spindelfabrik Süßen GmbH
  • Wilhelm Stahlecker GmbH Süßen
  • Rieter Uzbekistan FE LCC (Usbekistan)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alfred J. Furrer: 200 Jahre Rieter 1795–1995: Johann Jacob Rieter (1762–1826), Heinrich Rieter (1788–1851), Heinrich Rieter (1814–1889) (= Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik, Band 62), Verein für Wirtschaftshistorische Studien, Meilen 1995, DNB 943818982
  • Oskar Denzler, Hans Moder: Rieter 1795–1970: 175 Jahre Maschinenfabrik Rieter AG, Winterthur 1970, DNB 577376438
  • Hans Moser (Redaktion): Besuch bei Rieter, Maschinenfabrik Rieter, Winterthur 1966, DNB 572357540.
  • 150 Jahre Johann Jacob Rieter & Cie., Winterthur-Töss: 1795–1945, Rieter, Winterthur 1947, DNB 57737642X.
  • Hermann Wartmann: Rieter, Johann Jacob. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 28, Duncker & Humblot, Leipzig 1889, S. 593–595.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Maschinenfabrik Rieter AG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Medienmitteilung: Geschäftsjahr 2016. Rieter Holding, 14. März 2017, abgerufen am 10. Mai 2017 (PDF; 62 KB).
  2. Thomas Schürpf: Der Traditionskonzern Rieter spaltet sich auf. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. März 2011. Abgerufen am 10. Juni 2011.
  3. Autoneum starten besser als erwartet. In: Neue Zürcher Zeitung. 13. Mai 2011. Abgerufen am 10. Juni 2011.
  4. Christoph G. Schmutz: Rieter wird in Winterthur immer schlanker. In: Neue Zürcher Zeitung. 20. Oktober 2015 (nzz.ch [abgerufen am 13. Februar 2017]).
  5. Medienmitteilung Geschäftsjahr 2016, 1. Februar 2017. Rieter Holding, abgerufen am 10. Mai 2017.
  6. Rieter Holding: Über den Konzern, 10. Mai 2017.
  7. a b Rieter Holding, Geschäftsbericht 2016 (PDF; 2.7 MB), per 14. März 2017.