Robert Gradmann

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Robert Julius Wilhelm Gradmann (* 18. Juli 1865 in Lauffen am Neckar; † 16. September 1950 in Sindelfingen) war ein deutscher Pfarrer, Geograph, Botaniker und Landeskundler.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gradmann besuchte das Dillmann-Realgymnasium in Stuttgart[1] und studierte von 1883 bis 1887 Theologie am Evangelischen Stift in Tübingen. Während seiner Studienzeit wurde er Mitglied der Tübinger Königsgesellschaft Roigel. Er wurde nach Vikariaten in Öhringen und Kuchen 1891 Stadtpfarrer in Forchtenberg. In dieser Zeit beschäftigte er sich mit der Botanik und veröffentlichte Aufsätze zur Flora Württembergs. Auf Anregung von Eugen Nägele, dem Vorsitzenden des Schwäbischen Albvereins, begann er, einen Pflanzenführer der Schwäbischen Alb zu verfassen: Mit dem daraus entstandenen Werk „Das Pflanzenleben der Schwäbischen Alb“ wurde Gradmann 1898 an der Universität Tübingen ohne Botanik-Studium promoviert.

1909 habilitierte sich Gradmann in Geographie. Thema: „Getreidebau im Römischen und Deutschen Altertum“.[2] In dieser Zeit arbeitete er als Bibliothekar in der Universitätsbibliothek Tübingen. Sein wissenschaftliches Interesse galt unter anderem den Zusammenhängen zwischen Boden, Klima, Vegetation und Siedlungsgeschichte, woraus er seine Steppenheidetheorie“ entwickelte, die für die historische Kulturlandschaftsforschung richtungsweisend war.

1919 erhielt Gradmann drei Rufe auf Lehrstühle der Geographie. Er wählte den Lehrstuhl an der Universität Erlangen, wo seine Forschungsschwerpunkte in den Arbeitsrichtungen Pflanzengeographie, Siedlungsgeographie und der Geomorphologie lagen. Seine 1931 erschienene Landeskunde von Süddeutschland gilt als mustergültig und wurde bis in die 1980er-Jahre mehrfach unverändert nachgedruckt.[3] In Erlangen betreute Gradmann die Doktorarbeit von Walter Christaller über Die Zentralen Orte in Süddeutschland. Im Jahr 1925 wurde Gradmann zum Mitglied der Leopoldina gewählt.

Von 1922 bis 1929 war Gradmann Vorsitzender der Zentralkommission für wissenschaftliche Landeskunde in Deutschland sowie Herausgeber der „Forschungen zur Deutschen Landes- und Volkskunde“. Zudem war er von 1931 bis 1933 Vorsitzender des Zentralausschusses des Deutschen Geographentages.

An der Universität Erlangen war Gradmann unter anderem auch Dekan der Philosophischen Fakultät und von 1925 bis 1926 Rektor. Gradmann wurde 1934 emeritiert. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Tübingen und Sindelfingen. Er ist der Vater des Botanikers Hans Gradmann und der Großvater des Biophysikers Dietrich Gradmann sowie von Hans Hirzel und Susanne Hirzel, die zur Zeit des Nationalsozialismus zur Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ gehörten.

1935 wurde er Ehrenmitglied des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg.[4]

Aus Anlass seines 100. Geburtstages wurde 1965 als Wissenschaftspreis die Robert-Gradmann-Medaille gestiftet.

Stadtfriedhof Tübingen

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Online verfügbare Aufsätze:

  • Pfahlbauten und Klimaschwankungen, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 69. Jg. 1949/50, S. 11–26 (Digitalisat)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ausschnitt (PDF; 1,5 MB) aus der Publikation „Alumni Portraits“ der Dillmann-Stiftung
  2. Robert Gradmann: Der Getreideanbau im deutschen und römischen Altertum. Jena 1909.
  3. vgl. DNB 550926461
  4. Ehrenmitglieder des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg