Robert Sinsheimer

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Robert Louis Sinsheimer, im wissenschaftlichen Schrifttum oft als Robert L. Sinsheimer angesprochen, (* 5. Februar 1920 in Washington, D.C.; † 22. April 2017 in Santa Barbara) war ein US-amerikanischer Biophysiker und Molekularbiologe.[1][2]

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sinsheimer wurde in Washington, D.C. geboren.[1][2] Er besuchte die Sekundarschule in Chicago.[1][2] Ab 1936 studierte er am Massachusetts Institute of Technology zunächst Chemieingenieurwesen.[2] Er wechselte dann aber seinen Studienschwerpunkt in Richtung quantitative Biologie und Biotechnologie.[2] Er machte 1941 seinen Abschluss.[2] Während des Zweiten Weltkrieges wurde er Mitglied des MIT Radiation Laboratory und entwickelte Flugzeugradargeräte mit.[2] Nach dem Krieg schrieb er sich am Biophysik-Graduiertenkolleg des MITs ein und promovierte dort 1949.[2]

MIT, Iowa State College und Caltech[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sinsheimer übernahm zunächst eine Fakultätsstelle am MIT, wechselte jedoch 1949 als Professor für Biophysik an das Iowa State College.[1] 1957 wechselte er im gleichen Fachbereich als Professor für Biophysik ans California Institute of Technology (Caltech).[1][2] Von 1968 bis 1977 leitete er die Division of Biology am Caltech.[1][2]

In dieser Zeit führte er Untersuchungen zu den physikalischen und genetischen Eigenschaften des Bakteriophagen Phi X 174.[1] In diesen Arbeiten beleuchtete er virale genetische Prozesse.[1] Sinsheimer und Kollegen gelang es erstmals, virale DNA zu isolieren, zu reinigen und synthetisch zu replizieren.[1][2] Der Phage Phi X 174 war ein ideales Modell für diese Studien, da er nur einen DNA-Einzelstrang aus ungefähr 5500 Nukleotiden innehatte.[1] Diese Nukleotide codieren elf Gene.[1] Außerdem konnte man bei diesem Modell einfach Proben der Bakteriophagen-DNA extrahieren.[1]

UC Santa Cruz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1977 verließ Sinsheimer das Caltech, um Kanzler an der University of California, Santa Cruz zu werden.[1][2] Die Position des Kanzlers bot ihm dabei die Möglichkeit, Risiken und Chancen der rekombinanten DNA-Technologien und Klonierungstechniken mit der Gesellschaft im Dialog zu klären.[1][2] Er trat explizit für eine Rechenschaftspflicht der Wissenschaft gegenüber der Gesellschaft ein.[2] Weiterhin engagierte sich Sinsheimer für die Förderung von wissenschaftlicher Kompetenz und wissenschaftlichem Verständnis bei Nicht-Naturwissenschaftlern.[1] Die ersten Jahre an der Universität in Santa Cruz waren besonders herausfordernd.[1] In dieser Zeit etablierte sich diese Institution unter den Randbedingungen von knappen Bildungsbudgets[2] in Forschung und Lehre wieder als Exzellenz-Universität.[1] Sinsheimer konnte unter anderem das Keck-Observatorium[1] mit in Betrieb nehmen, Programme für Agrarökologie[1][2], angewandte Ökonomie[1][2], für seismische Studien[1][2] und im Bereich der Hochenergiephysik[2] einrichten. Zudem wurde unter seiner Leitung Computerwissenschaft als Studiengang eingerichtet.[1][2]

Genomprojekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 1985 organisierte Sinsheimer eine Konferenz in Santa Cruz, um die Möglichkeiten der Sequenzierung des gesamten menschlichen Genoms zu untersuchen.[1][2] Unter anderem aus diesen Vorarbeiten heraus wurde das Humangenomprojekt etabliert,[1][2] das im Jahr 2000 sein Ziel erreichte. Sinsheimer brachte immer wieder die sozialen und ethischen Implikationen dieses Projektes zur Sprache.[2]

UC Santa Barbara[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner Amtszeit an der UC Santa Cruz wechselte er 1987 als Professor für Molekular-, Zell- und Entwicklungsbiologie an die biologische Fakultät der University of California in Santa Barbara.[2] Sein Nachfolger wurde Robert Bocking Stevens. 1990 ging er in den Ruhestand, blieb aber viele Jahre darüber hinaus in der Laborforschung aktiv.[2]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sinsheimer wurde 1965 in die American Academy of Arts and Sciences[3] und 1967 in die National Academy of Sciences aufgenommen.[4] 1968 wurde er zum California Scientist of the Year gewählt.[2] 2001 erhielt er die Presidential Medal der University of California für seine herausragenden Leistungen in der höheren Bildung.[2] Der damalige Präsident der UC Richard C. Atkinson würdigte seine Verdienste als Lehrer, Forscher sowie bei der Leitung des Campus der UC Santa Cruz und der Initiierung des Humangenomprojektes.[2]

Sinsheimer schrieb mehr als 200 wissenschaftliche Artikel.[1][2] Seine Biografie „The Strands of a Life: The Science of DNA and the Art of Education“ (Die Stränge des Lebens.: Die Wissenschaft der DNA und die Kunst der Erziehung) veröffentlichte er 1994.[1][2]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z Sinsheimer, Robert Louis. In: encyclopedia.com. 2003, abgerufen am 22. Juli 2019 (englisch).
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad Tim Stephens: Pioneering biologist Robert L. Sinsheimer dies at age 97. In: news.ucsc.edu. UC Santa Cruz, 24. April 2017, abgerufen am 22. Juli 2019 (englisch).
  3. Members of the American Academy: Listed by election year, 1950–1999. Abgerufen am 22. Juli 2019 (englisch).
  4. Robert Sinsheimer. National Academy of Sciences, abgerufen am 22. Juli 2019 (englisch).