Roberto Yáñez

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Roberto Yáñez Honecker (* 10. Oktober[1] 1974 in Ost-Berlin als Roberto Leonardo Yáñez Betancourt[2][3]) ist ein deutsch-chilenischer Kunstmaler, Dichter und Songwriter. Er lebt seit 1990 in Chile.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roberto Yáñez beim Spaziergang mit seiner Mutter Sonja (r.) und seinen Großeltern Erich und Margot Honecker, 1977

Roberto Yáñez wuchs als Sohn von Sonja Honecker (1952–2022[4]), der Tochter von Erich und Margot Honecker, und des chilenischen Dissidenten Leonardo Yáñez Betancourt in Ost-Berlin auf. Er hat eine jüngere Schwester. Eine weitere Schwester, Mariana, starb zweijährig im Jahr 1988 an einer seltenen Virusinfektion.[5][6] Roberto besuchte von 1981 bis 1989[7] die Polytechnische OberschuleReinhold Huhn“ in Berlin-Mitte.[8] Im März 1990 emigrierte der Fünfzehnjährige mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester nach Santiago de Chile. Die Familie lebte nach seiner Darstellung in einem bescheidenen Holzhaus und hatte oft finanzielle Probleme. Nach nur einem Jahr trennten sich seine Eltern. Roberto zog zu seinem Vater, während seine Schwester Vivian bei der Mutter blieb.[3][5]

Nach seinem Schulabschluss 1993 an der Deutschen Auslandsschule in Santiago de Chile betätigte er sich als Künstler. Er lebte zeitweilig in einer Hippie-Kolonie in der Atacamawüste, schrieb Gedichte und malte. Nach dem Tod Erich Honeckers zog Roberto zu seiner Großmutter Margot, die in einem Haus in La Reina lebte. Wegen seines Drogenkonsums musste er sich 1994 in einer Klinik auf Kuba behandeln lassen, wo ihm Margot Honecker dank ihrer Kontakte mit Fidel Castro und dessen Ehefrau Dalia Soto del Valle einen Therapieplatz besorgt hatte. Eine Behandlung in Chile hätte er sich finanziell nicht leisten können.[3] Neben seiner künstlerischen Tätigkeit hielt er sich unter anderem als Kellner, Immobilienhändler, Bibliotheksgehilfe, Straßenmusikant und Übersetzer über Wasser. Unterstützt wurde er in dieser Zeit weiterhin von seiner Großmutter, bei der er auch überwiegend wohnte.

1999 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband. Bis 2011 folgten in Chile zwei weitere Gedichtbände.[8] Yáñez ist Mitglied der Surrealisten-Gruppe Derrame.[8] Von 2000 bis 2002 lebte er auf Kuba. Anschließend nahm er mit Texten und Bildern an verschiedenen surrealistischen Veranstaltungen in Spanien, Portugal und Chile teil.

2013 besuchte er anlässlich einer Ausstellung seiner Bilder mit dem Titel Metamorphosen: Roberto Yáñez in der Berliner Galerie Kornfeld erstmals das wiedervereinigte Deutschland.[9] Er lebt in Valparaíso und vertreibt seine Kunst seit 2021 auch über das Internet.[10]

Yáñez ist Vater einer 1997 geborenen Tochter[11] und eines Sohnes.[12]

Ruhestätte Erich Honeckers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod Erich und Margot Honeckers setzte sich Yáñez entgegen den Absichten der übrigen Familie und besonders gegen den Widerstand seiner Mutter über Jahre dafür ein, die Asche seiner Großeltern in der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin beizusetzen. Das Vorhaben stieß auf erbitterte Ablehnung vonseiten der Vertreter der PDS bzw. Die Linke und wurde nicht realisiert. Auch Erich Honecker selbst soll nach dem Zeugnis seines Dolmetschers Daniel Aguirre, der ihn während seiner Krankheit in Chile kontinuierlich begleitete, Beisetzungsfeierlichkeiten in Deutschland ausgeschlossen haben.[13] Der genaue Verbleib seiner sterblichen Überreste nach der Einäscherung auf dem Hauptfriedhof von Santiago de Chile ist bis heute nicht völlig geklärt. Im Herbst 2018 schloss der Senat von Berlin eine Beisetzung der Honeckers in der Berliner Gedenkstätte endgültig aus.[14]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Poemas encontrados en San Pedro de Atacama („Gedichte gefunden in San Pedro de Atacama“). 1999.
  • Espejo ultrasombra („Der tiefe Schattenspiegel“). Editoral Caligrafía Azul, Santiago de Chile 2001.
  • El Objeto del Vértigo („Gegenstand des Zaubers“). Brazo de Cervantes Ediciones, 2004.
  • mit Alois Gmeiner (Hrsg.): Gegenstand des Zaubers. Gedichte. Verlag Ideen-Manufaktur, 2011, ISBN 978-3-8423-7088-3.
  • Frühlingsregen – Gedichte und Bilder (= Insel-Bücherei, Nr. 1384). Insel-Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-458-19384-5.
  • El reino inestable. Ediciones Derrame, Santiago de Chile 2015.
  • mit Thomas Grimm: Ich war der letzte Bürger der DDR. Mein Leben als Enkel der Honeckers. Insel Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-458-17748-7.
  • Poemas trizados. Editorial Ultramarina Cartonera & Digital, Mexiko 2019 (Gedichtband).

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2005: Internationale surrealistische Ausstellung „Derrame Cono Sur“, Fundación Eugenio Granell in Santiago de Compostela, Spanien
  • 2005: Internationale surrealistische Ausstellung „Phases“ in Arthium Galerie, Santiago de Chile
  • 2008: Teilnahme an der Internationalen Surrealistischen Ausstellung „Poesie und Malerei“ in Coimbra, Portugal
  • 2009: Teilnahme an der Internationalen Surrealistischen Ausstellung „Die geheime Tür“ in Santiago de Chile
  • November 2013 bis Februar 2014: „Metamorphosen. Roberto Yáñez“ in der Galerie Kornfeld in Berlin[15]
  • April 2019: „Roberto Yáñez – Die surrealistische Situation des Gegenstandes“ im Kunstraum Schwalbe in Frankfurt am Main[16]

Dokumentarfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Grimm: Honeckers Enkel Roberto. Eine Rückkehr nach Deutschland (2013, 90 Minuten)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Roberto Yáñez, Thomas Grimm: Ich war der letzte Bürger der DDR. Insel, Berlin 2018, ISBN 978-3-458-75812-9, S. 239.
  2. Autorenprofil auf der Website des Suhrkamp Verlages, abgerufen am 19. August 2021.
  3. a b c Nicolás Guzmán: Las revelaciones del nieto de Erich Honecker. In: El Mercurio, 16. September 2018, abgerufen am 19. August 2021 (spanisch).
  4. Honecker-Tochter Sonja Yáñez gestorben. In: junge Welt. 12. April 2022, S. 2, abgerufen am 20. Dezember 2022.
  5. a b Karim Saab: Honeckers Enkel ist Surrealist und liebt Coca Cola. In: Märkische Allgemeine. 4. Oktober 2018, abgerufen am 19. September 2021.
  6. Geheimakte Honecker. In: ZDF-History. 12. Oktober 2014, abgerufen am 11. März 2022 (ab Min. 32:59).
  7. Eintrag auf www.zeitzeugen-tv.com. Archiviert vom Original am 4. Mai 2014; abgerufen am 21. August 2018.
  8. a b c Marian Blasberg: Honeckers Enkel: „Ein Rebell bin ich erst heute“. Zeit Online, 4. März 2011, abgerufen am 8. Mai 2016.
  9. Roberto Yañez: Honeckers Enkel will als Künstler wahrgenommen werden. In: Mitteldeutsche Zeitung, 13. November 2013, abgerufen am 30. Juni 2021.
  10. Ossi-Honecker-Enkel Roberto Yáñez verkauft jetzt Kunst auf Ösi-Kunstplattform Galartery.com. Abgerufen am 21. März 2022 (englisch).
  11. Roberto Yáñez, Thomas Grimm: Ich war der letzte Bürger der DDR. Insel, Berlin 2018, ISBN 978-3-458-75812-9, S. 75.
  12. Hartmut Kascha: Urenkel von Erich Honecker zum ersten Mal in Berlin. In: B.Z. 27. August 2018, abgerufen am 19. August 2021.
  13. Patrick Moreau: Erich Honecker, le Grand Timonier de la République démocratique allemande. In: Olivier Guez (Hrsg.): Le Siècle des dictateurs. Perrin, Paris 2019, ISBN 978-2-262-07710-5, S. 309–330 (hier: S. 311 f.).
  14. Honeckers werden nicht in Berliner Gedenkstätte beigesetzt. In: Nordkurier, 25. Oktober 2018, abgerufen am 23. Dezember 2022.
  15. Ich habe mich nicht erziehen lassen. In: Nordkurier, 13. November 2013, abgerufen am 19. August 2021.
  16. Veranstaltungspräsentation, abgerufen am 19. August 2021.