Rodenstock (Unternehmen)

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Rodenstock GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1877
Sitz München, DeutschlandDeutschland Deutschland

Leitung

  • Oliver Kastalio (CEO)
  • Michael Kleer (COO)
  • Antonio Arrigoni (CFO)
  • Hans Berndl (CSO)
Mitarbeiter ca. 4500 Mitarbeiter (Stand: Juli 2015)
Umsatz 408 Mio. EUR (Stand: März 2015)[1]
Branche Augenoptik
Website www.rodenstock.com
Stand: 15. Februar 2014 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2014

Die Rodenstock GmbH mit Hauptsitz in München ist ein deutscher Hersteller für Brillengläser und -fassungen. Das Unternehmen wurde 1877 von Josef Rodenstock gegründet und ist mit etwa 4500 Mitarbeitern und 15 Produktionsstätten in 13 Ländern vertreten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Optische Werke Rodenstock, um 1928

Gründungsjahre (1877–1920)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1877 wurde das Unternehmen in Würzburg von Josef Rodenstock unter dem Namen Optisches Institut G. Rodenstock gegründet. In der dort angesiedelten feinmechanischen Werkstatt wurden zunächst Barometer, Brillengläser und -fassungen, Waagen sowie verschiedene Messinstrumente produziert. 1880 entwickelte Rodenstock mit den Diaphragma-Brillengläsern seine ersten patentierten Produkte und exportierte zwei Jahre später nach Österreich, in die Schweiz, in die Niederlande, nach Dänemark, Italien und Russland. Ab 1883 wurde der Firmensitz nach München verlegt und 1898 in Regen im Bayerischen Wald ein Schleifereibetrieb errichtet. 1899 fertigte Rodenstock die ersten Korrektions-Sonnenschutzgläser mit UV-Schutz. Bereits 1886 wurde das Rodenstock Firmengrundstück an der Isartalstraße erworben, bis 1905 mit dem Einstieg Josefs Sohn Alexander Rodenstock die gesamte Fabrikation nach München umsiedelte.

Einstieg in die Objektiv- und Rüstungsproduktion (1920–1953)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab den 1920er Jahren produzierte Rodenstock in Großserie Objektive für zahlreiche Kamerahersteller. Eine eigene Kameraproduktion wurde auf Druck der Abnehmer dieser Objektive eingestellt. 1930–1939 baute Rodenstock Vertretungen und Büros in allen wichtigen Märkten weltweit auf.

Während des Zweiten Weltkrieges stellte Rodenstock Rüstungsgüter her, unter anderem Panzerfernrohre und Ausblickprismen für Panzer. Die Brillenproduktion wurde jedoch beibehalten, da sie ebenfalls als „kriegswichtig“ galt. In der Nachkriegszeit konzentrierte man sich wieder stärker auf die als Kernkompetenzen gesehenen Geschäftsfelder der Brillenfassungen und Brillengläser.

Rodenstock Brillenmodell, 1940er

Bundesdeutsches Großunternehmen in Familienhand (1953–2000)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1953 übernahm Alexander Rodenstocks Sohn Rolf Rodenstock die Unternehmensleitung. Der Aufstieg zu einem weltbekannten Großunternehmen der optischen Industrie begann. Seit etwa 1954 investierte der Konzern neben Anzeigen in Fachzeitschriften für Augenoptiker und Augenärzte verstärkt in Publikumswerbung. 1955 wurden fünf Millionen Brillenfassungen produziert. Neben Brillen wurden auch weiterhin andere Optiken gefertigt, beispielsweise Projektionsobjektive für Diaprojektoren (Splendar). 1968 wurden die ersten selbsttönenden Brillengläser Europas eingeführt und ab 1975 produzierte Rodenstock die weltweit ersten Brillengläser aus Kunststoff.

Rodenstock Splendar-Objektive, 1960er Jahre

Währenddessen wurde zwischen 1972 und 1983 das Netz ausländischer Vertriebsgesellschaften weiter ausgebaut. Nicht im Namen der Firma, sondern als Privatmann mitgründete Rolf Rodenstock bereits 1950/51 in Chile den optisch-feinmechanischen Betrieb Industria Optica Rodenstock – Chile S.A., welches erst nach und nach von der Optische Werke G. Rodenstock KG übernommen wurde und das bis heute Marktführer bei Brillen in Chile ist. 1983 trat Randolf Rodenstock als persönlich haftender Gesellschafter (Komplementär) in den Gesellschafterkreis der Optischen Werke G. Rodenstock ein und leitete das Unternehmen gemeinsam mit seinem Vater Rolf Rodenstock.

1989 verlagerte Rodenstock einen Großteil der Münchener Produktion in den neu aufgebauten Serienstandort nach Thailand und den Produktionsstandort Ebersberg nach Malta.[2] Der Umsatz, 1988 rund 700 Millionen Mark, war 1989 um etwa 10 Prozent zurückgegangen.[3] 1991 wurde das Logo und Markenzeichen R eingeführt.

1995–1996 baute das Unternehmen in Klattau (Tschechien) ein neues Werk für Rezeptgläser. 2000 wurde der Geschäftsbereich Präzisionsoptik (Fertigung von Objektiven für analoge Fachkameras, bekannt u. a. unter den Markennamen Sironar, Apo-Ronar, Grandagon), Vergrößerungsgeräte (z. B. das Rodagon) und digitale Fachkameras mit hochauflösenden Digitalrückteilen (z. B. das 1997 vorgestellte Apo-Sironar digital) an die Linos AG, Göttingen verkauft.

Rodenstock GmbH (2000–2012)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der verbleibende Unternehmensbereich Brille wurde 2002 von den Optischen Werken G. Rodenstock in das neu gegründete Unternehmen Rodenstock GmbH überführt. 2003 kam es auf Grund geschäftlicher Schwierigkeiten in den USA zu einer schweren Unternehmenskrise.[4] Im gleichen Jahr stieg die Investorengruppe Permira mit 49 % bei Rodenstock ein.[5] 2004 stockte Permira seine Anteile an Rodenstock auf 85 % auf, 10 % hielt weiterhin die Familie Rodenstock. Die übrigen 5 % hielt das Management.[6] Mit Permira wurde eine umfassende Restrukturierung eingeleitet.[7]

2006 verkaufte Permira seine 85-%-Anteile von Rodenstock an die Beteiligungsgesellschaft Bridgepoint;[8] auch die Familie Rodenstock verkaufte 2007 die restlichen 10 % ihrer Anteile an Bridgepoint. Bridgepoint hält somit 95 % an Rodenstock. Die restlichen 5 % blieben bei den Geschäftsführungen.[9] Im selben Jahr erschloss man neue Vermarktungsfelder für den Augenoptiker mit dem Service-Terminal ImpressionIST®. Seit 2009 führt Rodenstock Portfolios für Nahkomfortgläser. Im Juni 2010 hatte das Bundeskartellamt gegen den Zentralverband der Augenoptiker (ZVA) und gegen mehrere Brillenglashersteller – u. a. gegen Rodenstock – wegen Kartellabsprachen Bußgelder in Höhe von insgesamt 115 Millionen Euro verhängt[10].

Rodenstock – nach 2012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2012 wurde mit der Eye Lens Technologie[11] ein Brillenglas auf den Markt eingeführt, bei welchem der Einstellastigmatismus und die Listingsche Regel für die Nähe berücksichtigt und die physiologisch korrekten Nahrefraktionswerte berechnet werden, so dass das Sehvermögen des Brillenträgers ausgeschöpft werden kann.

Rodenstock zog nach 126 Jahren an der Isar Anfang Mai 2012 in die Elsenheimerstraße im Westen Münchens.[12]

Aktuelles Produktsortiment[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegenwärtig befasst sich das Unternehmen mit der Entwicklung, Herstellung und dem Verkauf von Brillengläsern, Brillenfassungen sowie Sonnen-, Sport-, Lese- und Kinderbrillen.

Die Vermarktung erfolgt über die Eigenmarke Rodenstock als auch über einige Lizenzmarken (Bogner und Porsche Design).[13]

Im Sortiment sind Einstärkengläser, Gleitsichtgläser, Nahkomfortgläser sowie getönte Gläser und selbsttönende Gläser. Außerdem nimmt das Unternehmen Spezialanfertigungen vor, unter anderem für antike Lorgnetten, Monokel, Vorhalter, Zwicker oder Tauchmasken.

Brille mit Rodenstock-Logo im Glas

Markenzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rodenstock Logo R wurde erstmals 1991 eingeführt. Als sichtbarer Herkunftsnachweis wird das R-Markenzeichen mit Laser-Technologie seit 2011 oben in der Ecke im rechten Brillenglas für Endkunden integriert.

Produktionsstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rodenstock verfügt neben München über 15 Produktionsstätten in 13 Ländern. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 4500 Mitarbeiter.[14]

Auszeichnungen und Designpreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1994 wurden 52 Brillenmodelle mit diversen Designpreis-Auszeichnungen bewertet: 22-mal gewannen Rodenstock und Porsche Design Brillen einen iF Product Design Award. 11-mal wurden Brillenfassungen mit dem RedDot Award ausgezeichnet.

2012 wurde dem Videozentriersystem ImpressionIST 3 der iF Product Design Award vom Industrie Forum Design Hannover verliehen. [15] Im Glassektor konnte Rodenstock im Jahr 2012 drei Silmo d’Or Auszeichnungen einstreichen.[16]

Die Brillenfassung „Rodenstock Perfection R8005“ gewinnt in der Kategorie Lifestyle des German Design Award 2014 die Auszeichnung „Special Mention“ für besondere Design Qualität.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Zeiten des Wilhelminischen Kaiserreiches war Josef Rodenstock Hof-Optiker des deutschen Kaisers.[17] Neben der Produktinformation wurde Werbung ab den 1950er Jahren auch zur Imagepflege der Marke eingesetzt. So engagierte Rodenstock als Erster der Branche international bekannte Stars, wie Brigitte Bardot, Carl Möhner, Curd Jürgens, Gina Lollobrigida, Hildegard Knef, Senta Berger, Toni Sailer oder Roy Black, als prominente Werbeträger.

In den 1990er Jahren erfolgte erstmals die Einführung einer Garantiezusage auf Brillengläser.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dirk Reder, Severin Roeseling: AugenBlicke. Die Geschichte der Optischen Werke G. Rodenstock. Piper, München u. a. 2003, ISBN 3-492-04482-4.
  • Martin Schäfer: Josef Rodenstock (= Ullstein 35942). Ullstein Buchverlage, Berlin 1999, ISBN 3-548-35942-6.
  • Rat für Formgebung (Hrsg.): Designkultur. 1953–1993. Philosophie, Strategie, Prozess. rat für Formgebung, Frankfurt am Main 1993.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rodenstock – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.rodenstock.de/de/de/presse-news/pressDetail.html?docId=1628861&checkbox0=true&checkbox1=true&checkbox2=true&checkbox3=true
  2. Personen + Perspektiven | Beatrice Rodenstock, IHK-Tischgespräch 09/2010, abgerufen am 7. November 2015
  3. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13497347.html
  4. Franziska Brüning: Der Name der Brille – Das Familienunternehmen Rodenstock stand seit dem 19. Jahrhundert für hochwertige Gläser. In: Süddeutsche Zeitung, vom 12. Juni 2012.
  5. http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,431595,00.html
  6. http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,431595,00.html
  7. http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,459502,00.html
  8. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/permira-verkauft-rodenstock-wieder;1191743
  9. Rodenstock: Manchmal geht man so ganz“ – Manager Magazin vom 12. Jan. 2007
  10. http://www.bundeskartellamt.de/wDeutsch/archiv/PressemeldArchiv/2010/2010_06_10.php
  11. http://visionplusmag.fourplusmedia.com/?p=1446
  12. http://www.tz-online.de/aktuelles/muenchen/rodenstock-zieht-nach-laim-910336.html
  13. Firmenwebseite, abgerufen am 20. Dezember 2016
  14. Über Rodenstock. Website der Rodenstock GmbH, abgerufen am 14. Januar 2017.
  15. http://exhibition.ifdesign.de/entrydetails_de.html?beitrag_id=84533
  16. http://www.euro-focus.de/index.php/netnews/comments/rodenstock-bestnoten-fuer-servicequalitaet.
  17. Berlin und die Berliner. Leute – Dinge – Sitten – Winke. outlook Verlag, Bremen 2011, ISBN 978-3-86403-088-8, S. 501 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).