Rudolf Halaczinsky

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Rudolf Halaczinsky

Rudolf Halaczinsky (* 31. Juli 1920 in Emmagrube; † 28. Juli 1999 in Bensberg) war ein deutscher Komponist und Maler.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Halaczinsky wurde als Sohn eines Grubenbeamten im oberschlesischen Emmagrube (Kreis Rybnik) geboren und verbrachte Halaczinsky seine ersten 14 Lebensjahre im Grenzgebiet zwischen Polen und Deutschland. Die Musik hatte in der Familie einen hohen Stellenwert. Als Achtjähriger begann er mit dem Klavierspiel. 1934 zog die Familie von Polen nach Oppeln ins damals deutsche Reichsgebiet. Prägend für Halaczinsky war die tiefe Religiosität der Oberschlesier. 1939 begann Halaczinsky ein Musikstudium in Graz. Im Oktober 1940 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen.

Nach einer kurzen Zwischenstation als Organist und Chorregent der oberbayrischen Kirchengemeinde Waidhofen (nahe Ingolstadt) nahm Halaczinsky eine Stellung als Hauskomponist, Kapellmeister und Korrepetitor am Augsburger Stadttheater an. Seine Orchestermesse Dona nobis Pacem (1946) schrieb er – wie er später erläuterte – „aus tiefstem Herzen Gott dankend und bittend, dass er uns dauerhaften Frieden schenke“.

1952 nahm er an der Musikhochschule München sein Musikstudium wieder auf. 1954 zog er mit seiner Familie nach Rheydt am Niederrhein, wo er als Organist und Chorleiter an der Herz-Jesu-Kirche eine Anstellung fand. Zusätzlich war er als Musiklehrer am örtlichen Gymnasium tätig. Nach verschiedenen kleineren Auszeichnungen kam 1969 der Durchbruch als Komponist, als er als einziger Deutscher beim internationalen Kompositionswettbewerb Concours Reine Elisabeth in Brüssel mit dem dritten Preis in der Sparte „Sinfonische Musik“ ausgezeichnet wurde. Unter der Leitung von Michael Gielen erfolgte die Uraufführung in Brüssel.

1971 wurde Halaczinsky an die Pädagogische Hochschule nach Köln berufen, wo er bis 1984 Komposition und Harmonielehre unterrichtete. Klang und Farbe als Ausdruckselemente der Kunst traten immer stärker in den Vordergrund. In Orchesterwerken wie Lumière Sonnante (1971), Nachtklang (1986) und Apokalypse (1984) begab er sich auf die Suche nach dem Wesen des Seins, nach dem Ursprung der Schöpfung. Höhepunkt dieser Phase war das Poème für Klavier Tönende Sonne, das er 1977 fertigstellte – verknüpft mit einem gleichnamigen Bild, das in dieser Einheit als eines seiner Hauptwerke gilt.

1981 erhielt Halaczinsky von der Künstlergilde Esslingen den Johann-Wenzel-Stamitz-Preis als „Anerkennung für sein Lebenswerk“. Weitere Auszeichnungen folgten: 1985 der erste Preis beim Kompositionswettbewerb der Gerhard-Maasz-Stiftung, und 1987 der zweite Preis aus gleichem Hause für sein Werk L'umiere d' Eternité sowie 1995 für das Poème Nacht über Endenich.

Die Jahre nach seiner Pensionierung waren für den Maler und Komponisten, der sich selbst als „optimistischen Pessimisten“ bezeichnete, ausgefüllte Jahre. Von 1984 bis zu seinem Tod 1999 entstanden rund 30 Kompositionen. Ein Großteil seines Klavierwerkes wurde von dem deutschen Pianisten Marcus Kretzer eingespielt.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1946 heiratete er Ilse Palm, mit der er fünf Söhne hatte: Raimund (* 1947), Matthias (* 1948), Manfred (* 1949), Lothar (* 1952) und Thomas Halaczinsky (* 1958).

Bedeutende Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Poème Tönende Sonne op. 59 schuf Rudolf Halaczinsky im Zusammenhang mit seinem gleichnamigen Gemälde: Hintergrund bildete die Idee der Verschmelzung von Licht und Klang, von Hören und Sehen – eine Manifestation der synästhetischen Wahrnehmung des Maler-Komponisten. Das Werk lebt von einer crescendoartigen Rotationsbewegung, die sich zu akkordischen Komplexen verdichtet. Letztendlich ist dieses Poème auch ein Zeichen der Überzeugung des Komponisten, dass die Nacht des Seins in der Kraft des Lichtes ihre Überwindung findet. Lucian Schiwietz “Tönende Sonne” op. 59 / 1977 Uraufführung: 31. Juli 1980 im WDR, Köln Besetzung: Klavier Tonträger: CD:Real Sound RS 051-0031 Rudolf Halaczinsky, Marcus Kretzer

Drei Orchesterwerke aus dem Zeitraum 1969–1987. Lumière imaginaire op. 35 Uraufführung 27. November 1969 in Brüssel unter dem damaligen Leiter des Belgischen Nationalorchesters Michael Gielen. 3. Preis in der Sparte Symphonische Musik des internationalen Kompositionswettbewerbes „La Reine Elisabeth“ Lumière sonnante op. 53 Lumière d’eternité op. 74 3. Preis im Kompositionswettbewerb der Gerhard-Maasz Stiftung

Die Synästhesie von Musik und Malerei ergibt sich aus ihrer Gleichberechtigung und wechselseitigen Befruchtung in seinem künstlerischen Lebensweg: Farbe und Klang, Klangfarbe und Farbklänge. Sie und das von ihm immer wieder angesprochene Licht spiegeln sich beispielhaft in den drei Orchesterwerken wieder. Die Uraufführung des Poème für großes Orchester und Tonband “Lumière sonnante” am 13. April 1972 in der Mönchengladbacher Kaiser-Friedrich Halle stand unter der musikalischen Leitung des polnischen Dirigenten Robert Satanowski. Die Grundidee zu “Lumière sonnante” fand Halaczinsky im Anfang des Schöpfungsberichtes der Genesis, wo es heißt: “Die Erde aber war wüst und leer. Finsternis lag über dem Abgrund, und der Geist Gottes schwebte über den Wassern”. Da sprach Gott: “Es werde Licht!” Und es ward Licht. Rudolf Halaczinsky sieht in diesem schöpferischen Urprozess das Urbild jedes künstlerischen Tuns.

Aus dem Nichts, aus der Finsternis, von Magnetband beklemmend charakterisiert, erhebt sich das Orchester in einem immer neu aufgenommenen Crescendo zu gewaltigen Klangflächen und Eruptionen. Ein Tonband Zitat aus dem Schlusschor von Beethovens 9. Die Sinfonie stellt die direkte Verbindung zur göttlichen Schöpfung her. Danach kehrt das klanglich faszinierende, vom Publikum einhellig positiv aufgenommene Werk zu derselbe Stille zurück, aus der es entstanden ist.

...und die Sonne wurde schwarz wie ein härenes Trauergewand Ecclesiastische Aktion für Sopransolo, Sprecher, gemischten Cor, Orgel, Instrumentalensemble und Tonband op. 66 / 1983 / 1984 Ein bedeutsames Werk, basiert im Wesentlichen auf dem Text der “Apokalypse” von Ernesto Cardenal: “Und die Sonne wurde schwarz wie ein härenes Trauergewand”; der Titel ist der Offenbarung des Johannes entnommen. Ein Sprecher trägt den Text vor, begleitet von Schlagzeuggruppen, Orgel, Blasinstrumenten, Chor und Tonband; Solostellen sind einem Sopran zugewiesen. Eine Aufführung kann wegen der kompliziert angelegten Partitur nur nach langwierigen Proben erfolgen; das Werk stellt sozusagen eine “zeitgenössische Form des Melodrams” dar, bei dem im 19. Jahrhundert Texte zu einer begleitenden Musik gesprochen wurden.

Ernesto Cardenal, ein katholischer Priester aus Nicaragua, Befreiungstheologe und einmal Kultusminister der Regierung seines Landes, schrieb ein Gedicht mit dem Titel „Apokalypse“, eine Vision, wie die Welt durch atomare und biologische Waffen untergeht und danach neu entsteht. Diese Vision der Zukunft endet mit dem Satz: „Und die Erde war fröhlich und da war ein Neuer Gesang und all die anderen bewohnten Planeten hörten die Erde singen und es war ein Lied der Liebe.“ Die Liebe hört niemals auf; die Liebe wird sie- gen. Möge Gott uns helfen, die biblischen Visionen am Leben zu erhalten, die für uns lebensnotwendig sind.

“Nachtklang” op. 71 Uraufführung am 21. November 1985 in Tübingen, mitgeschnitten vom Rundfunk. Das Tübinger Kammerorchester hat bei der Uraufführung die ungemein schwierig realisierbare Partitur mit ihren vielfältigen Anforderungen wie polyrhythmische Schichtungen, Vierteltonschwebungen, Improvisiato-Passagen, Pizzicato-Zwölftonfelder und mehrfaches Saitenumstimmen sehr genau zum Klingen gebracht.

Bei allem Widerspiel der aktzentuierenden Vorschläge und Klänge. Tonkleckse und Farbbänder, bei aller Bedrohung und Gefährdung der Musik, lässt doch, so Musikwissenschaftler Prof. Ulrich Siegele, der “Nachtklang” auch den “Tagklang” sich durchsetzen. Vor der Werkanalyse und der Wiederholung der Aufführung bekam der anwesende Komponist den 1. Preis der Gerhard-Maasz Stiftung vom Vorsitzenden des Interessenverbandes Deutscher Komponisten Gustav Kneip überreicht.

Nachtklang ist nicht als romantische Hingabe oder Träumerei gedacht, sondern soll nach der Intention des Komponisten und Malers auch das Unbestimmte, Verrottete unserer Empfindungswelt voller Ängste und Sehnsüchte einfangen. Der “Nachtklang” Halaczinskys beherbergt das Grauen in der Nacht, Albträume, aber auch eine Erinnerung an die “Nachtgeweihten” im musikalischen Tristan-Zitat.

Das gesamte Werkverzeichnis umfasst insgesamt 106 Werke und ist im Verlag Christoph Dohr Köln erhältlich.

Kompositionen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke für Orchester, Orchester und Soloinstrumente

  • Lumière imaginaire. Poème symphonique für großes Orchester und Tonband op. 35, 1965 Uraufführung 27. November 1969 in Brüssel
  • Konzert für Klavier und Orchester op. 58 1974–1976 Uraufführung 26./27. August 1982 in Herford

Werke für Gesang (und Begleitung)

  • Missa Regina Pacis op. 27, 1957/1958 Uraufführung 25. Oktober 1959 in Mönchengladbach-Rheydt
  • Verirrte Vögel op. 57, 1967–1995 Poème für eine Singstimme und Orchester Texte: Aphorismen von Rabindranat Tagore Uraufführung 28. Januar 1996 in Hannover
  • Sieben Hesse Lieder op. 14b, 1947–1953 Für Sopran / Mezzosopran oder hohen Bariton Uraufführung 21. November 1991 in Köln

Orgel / Klavier

  • Zwei Sonaten op. 11b für Klavier 1986 Uraufführung 24. Oktober 1986 in Königswinter Toccata op. 12 Uraufführung 12. Dezember 1951 in Augsburg Reflexionen op. 79, 1991 Uraufführung 19. Oktober 1991 in Leipzig Nacht über Endenich op. 83, 1995 Uraufführung 13. April 1996 in Hamburg
  • Schönster Herr Jesus op. 34, 1964 Partita für Orgel Uraufführung 5. Juni 1996 in München Wer nur den lieben Gott lässt walten op. 24, 1958 Uraufführung 27. Mai 1962 in Esslingen
  • Sechs Meditationen op. 37, 1967 Über bekannte Kirchenlieder Uraufführung 10. August 1969 in Regensburg Regina Coeli op. 64, 1983 Marianische Antiphon Uraufführung März 1984 in Oppeln

Kammermusik

  • Quadratum mobile op. 45, 1969 Klarinette Solo Uraufführung 2. Dezember 1969 in Mönchengladbach Et lux perpetua luceat eis op. 76, 1988 Streichquartett Uraufführung 30. Januar 1994 in Hannover
  • Sieben kleine Stücke op. 85, 1996 Altblockflöte und Klavier (Widmung: Meiner Enkelin Anna-Lena Halaczinsky zugeeignet.) Uraufführung 2001 in Altenberg

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1943: 1. Preis im Wettbewerb “Komposition an der Eismeerfront” 1962 Förderpreis zum Johann-Wenzel-Stamitz-Preis der Künstlergilde Esslingen e.V.
  • 1964: 2. Preis des Gereon-Jansen-Preises im Kompositionswettbewerb des Verbandes der Katholischen Kirchenangestellten in Essen
  • 1969: 3. Preis in der Sparte Symphonische Musik des internationalen Kompositionswettbewerbes “La Reine Elisabeth” in Brüssel für “Lumière imaginaire, Poème symphonique”, op. 35
  • 1978: Preiswürdige Empfehlung zur Aufführung des Konzertes für Klavier und Orchester, op. 58 im 17. internationalen Kompositionswettbewerb der Stadt Triest
  • 1981: Hauptpreis des Johann-Wenzel-Stamitz Preises der Künstlergilde Esslingen e. V. für das kompositorische Gesamtwerk
  • 1984: 3. Preis im 2. Kompositionswettbewerb der Stiftung Ostdeutscher Kulturrat, Bonn für das Chorwerk “Gott ist das Licht” op. 65
  • 1984: Preiswürdige Empfehlung zur Aufführung des Werkes “Und die Sonne wurde schwarz wie ein härenes Trauergewand” op. 66 im Kompositionswettbewerb der Stadt Neuss
  • 1985: Erstmals verliehener Kompositionspreis der Gerhard-Maasz-Stiftung der IDK für “Nachtklang”, Poème für Kammerorchester, op. 71
  • 1987: 3. Preis im Kompositionswettbewerb der Gerhard-Maasz Stiftung der IDK für “Lumière d’Eternité”, Poeme symphonique, op. 74
  • 1996: 1. Preis des 6. Kompositionswettbewerbes der Gerhard-Maasz Stiftung für die Komposition “Nacht über Endenich” op. 8

Wirken als Maler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musik und Malerei verschmolzen unter seiner Hand mehr und mehr zu einer Einheit. Töne sehen und Farben hören können – diese einzigartige Fähigkeit, zwei physisch getrennte Wahrnehmungsbereiche im Gehirn verarbeiten und miteinander verknüpfen zu können ("Synästhesie") – das war Halaczinskys Stärke. Hatte er sich anfangs in Anlehnung an die Aquarelle seines Vaters eher mit gegenständlichen Motiven (hauptsächlich zarte Landschafts-Aquarelle) beschäftigt, so wuchs später parallel dazu die Freude am Experimentieren mit unterschiedlichen Materialien, Farben und Mischtechniken.

Das Licht als Symbol des Alls und des Göttlichen, das Licht als Ausdruck des mentalen und supramentalen Bewusstseins, der Tag und die Nacht, die Sonne und der Mond sowie die Wechselbeziehung dieser Gegensätze prägten fortan sein Werk und sein Denken – sowohl als Komponist als auch als Maler. Die Malerei wurde zur zweiten Ebene, in der Halaczinsky sich künstlerisch ausdrückte. Der Kosmos und die Suche nach der Harmonie der Töne rückten mehr und mehr in den Mittelpunkt seines Schaffens. Seine Bilder zeigen die Vorliebe für das Phantastische, die Verschmelzung von realer und irrealer Welt. Das starke künstlerische Gefühl des Musikers wird ins Malerische übertragen. Ein wesentliches Anliegen des Malers Halaczinsky ist es „Licht- und Klangräume“ darzustellen sowie in „kosmische Bereiche“ vorzudringen. Die Bilder „Tagklang“ und „Nachtklang“ sind typische Werke aus diesem Zyklus. Die Bilder zeigen Landschaften als musikerfüllte Räume, die in der Welt Halaczinskys in surrealen und abstrakten Sphären liegen. Eine besondere Verbindung zwischen Musik und Malerei besteht bei „musique visible“ einer Reihe von Tuschezeichnungen und Collagen. Herausragend aus diesem Zyklus ist die Zeichnung „Quadratum mobile“ die eine Komposition enthält. Eines der bedeutendsten Bilder von Halaczinsky ist die „Tönende Sonne“ gleichzeitig auch der Titel der Komposition op. 59. Hier – im Bild und der Musik, versucht der Künstler die Vorstellung auszudrücken, nach der die sichtbare und greifbare Welt aus einem Urklang hervorgegangen sein soll.

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1966 Kunsthandlung Heil, Mönchengladbach
  • 1969 Studio Krüll, Krefeld
  • 1973 Kreishaus Bergisch Gladbach
  • 1975 Haus Oberschlesien, Ratingen
  • 1975 Kreissparkasse Dorsten
  • 1977 Haus Lörick, Düsseldorf
  • 1979 Wandelhalle des Kurhauses, Bad Oynhausen
  • 1980 Kunststube bei Doris Appelt, Gevelsberg
  • 1982 Torhaus Wellingsbüttel, Hamburg
  • 1983 Deutsche Bank, Hamburg
  • 1984 Praxis Dr. Abele, Köln
  • 1985 Bedburger Schloß, Bedburg
  • 1985 Sandbauernhof, Mönchengladbach
  • 1986 Bibliothek der VHS, Düsseldorf
  • 1986 Schloß Mittersil, Mittersill
  • 1986 Haus Schlesien, Königswinter
  • 1987 Stadttheater, Darmstadt
  • 1987 Planetarium, Stuttgart
  • 1991 Diözesanmuseum, Oppeln
  • 1995 Ars ad Astra, Raumstation Mir
  • 1998 Galerie Funk, Bensberg
  • 2009 Privatausstellung Johannes Flosbach, Bensberg

Beteiligung an zahlreichen Gruppenausstellungen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]