U 9 (U-Boot, 1910)

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U 9
U 9 auf einer Vorkriegspostkarte
U 9 auf einer Vorkriegspostkarte
Schiffsdaten
Flagge Deutsches Reich Deutsches Reich
Schiffstyp U-Boot
Klasse U 9 – U 12
Bauwerft Kaiserliche Werft, Danzig
Stapellauf 22. Februar 1910
Indienststellung 18. April 1910
Schiffsmaße und Besatzung
Länge 57,38 m (Lüa)
Breite 6,00 m
Tiefgang (max.) 3,13 m
Verdrängung aufgetaucht: 493 t
getaucht: 611 t
 
Besatzung 29 Mann, davon 4 Offiziere[1]
Maschinenanlage
Maschine jeweils 2 × Körting Sechs- und Achtzylinder-Zweitakt Petroleum-Motoren
2 × SSW-Elektromotoren[1]
Maschinen­leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat Petroleum: 735 kW = 1000 PS
Elektro: 853 kW = 1160 PS[2]
Einsatzdaten U-Boot
Aktionsradius aufgetaucht: 3250 NM bei 9 kn
getaucht: 80 NM bei 5 kn[1] sm
Tauchtiefe, max. 50[2] m
Höchst-
geschwindigkeit
getaucht
8,1 kn (15 km/h)
Höchst-
geschwindigkeit
aufgetaucht
14,2 kn (26 km/h)
Bewaffnung

jeweils 2 Torpedorohre am Bug und Heck ∅ 45 cm (6 Torpedos)
1 × 3,7 cm Revolverkanone
ab 1915 zusätzlich: 1 × 5 cm Geschütz
März bis Dezember 1916 mit Seeminen bestückt[1]

U 9 war ein U-Boot, das für die deutsche Kaiserliche Marine gebaut wurde. Es war das Typschiff einer Klasse von vier U-Booten – U 9 bis U 12.[3]

Vor- und Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

U 9 war ein sogenanntes Zweihüllenboot, welches als Hochseeboot konzipiert wurde. Es war von der Torpedoinspektion geplant eine Mindestgeschwindigkeit bei Überwasserfahrt von 15 kn und bei Unterwasserfahrt von 10,5 kn zu erreichen was allerdings nicht erreicht wurde. Die Reichweite sollte mindestens 2000 NM betragen. Ebenso sollte ein Festpropeller, Großoberflächenakkus und eine Luftreinigungsanlage verbaut werden[2]

Bau und Indienststellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

U 9 wurde als erstes U-Boot seiner Klasse (U 10, U 11 und U 12) am 15. Juli 1908 in Auftrag gegeben und auf der Kaiserlichen Werft in Danzig auf Kiel gelegt. Der Stapellauf erfolgte am 22. Februar 1910. Die Auslieferung und Indienststellung erfolgte am 18. April 1910 unter dem Kommando von Kapitänleutnant Waldemar Kophamel. Am 16. Juli 1914 gelang es der Mannschaft von U 9 − zum ersten Mal überhaupt – während einer Tauchfahrt Torpedos nachzuladen.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es war 57,38 m lang, 6,00 m breit, hatte einen Tiefgang von 3,13 m sowie eine Verdrängung von 493 Tonnen über und 611 Tonnen unter Wasser. Der Durchmesser des Druckkörpers betrug 3,65 m. Damit konnte es in 50–90 Sekunden auf maximal 50 m abtauchen.

Der Antrieb erfolgte über Wasser mit 735 kW starken Körting Sechs- und Achtzylinder-Zweitakt Petroleummotoren und unter Wasser mit SSW-Elektromotoren mit 853 kW. Damit waren Geschwindigkeiten von 14,2 kn (über Wasser) bzw. 8,1 kn (unter Wasser) möglich.[2]

Die sechs mitgeführten Torpedos konnten über zwei Bug- und zwei Heckrohre verschossen werden. Bis Ende 1914 war nur eine 3,7 cm Revolverkanone verbaut, welche ab 1915 zusätzlich durch eine 5 cm Geschütz ergänzt wurde. Im März 1916 wurde diese wieder entfernt und das Boot zum Tragen von Seeminen bis Dezember 1916 umgerüstet.[1]

Einsätze und Verbleib[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besatzung von U 9, 1914
Versenkung der Panzerkreuzer Cressy, Houge und Aboukir durch U 9 (nach einer Originalzeichnung von Hans Bohrdt)
Die Versenkung der Aboukir (zeitgenössische Postkarte)
Wilhelm Malchin: Nordsee, 22. IX. 1914, britische Kreuzer HOGUE, CRESSY, ABOUKIR werden vom U-Boot U9 versenkt

Am 20. September 1914 lief U 9 von Helgoland zu einer Aufklärungsfahrt aus.[4] Am 22. September 1914 versenkte das Boot unter dem Kommando von Kapitänleutnant Otto Weddigen etwa 50 km nördlich von Hoek van Holland nacheinander die drei britischen Panzerkreuzer Aboukir, Hogue und Cressy. Dabei verloren 62 Offiziere und 1.405 Menschen ihr Leben, 837 konnten gerettet werden.[4]

Auf der nächsten Feindfahrt konnte das Boot am 15. Oktober vor Aberdeen den britischen Geschützten Kreuzer Hawke versenken.

Am 12. Januar 1915 wurde der bisherige Erste Wachoffizier Johannes Spieß Weddigens Nachfolger. Unter seinem Kommando wurde U 9 in die Ostsee verlegt und wurde dort zum Minenleger umgebaut.

Am 16. August 1915 versenkte U 9 den britischen Dampfer Serbino durch Torpedo-Beschuss nahe der Ostseeinsel Worms.[5]

Am 5. November 1915 wurde ein russisches Minensuchboot versenkt. Dies war der fünfte Kriegsschiffserfolg von U 9. Spieß kommandierte U 9 bis zum 19. April 1916. Anschließend wurde das Boot bis zum Kriegsende in Kiel als Schulboot eingesetzt.

Am 26. November 1918 wurde das Boot an Großbritannien ausgeliefert und 1919 in Morecambe, Lancashire, abgewrackt.

Insgesamt unternahm U 9 sieben Feindfahrten und versenkte dabei fünf Kriegsschiffe mit 44.173 Tonnen und 13 Handelsschiffe mit 8.636 BRT. Kein anderes Boot versenkte während des Ersten Weltkrieges mehr Kriegsschiffe.

Versenkte Kriegsschiffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Britische Panzerkreuzer Aboukir, Hogue und Cressy am 22. September 1914
  • Britischer Geschützter Kreuzer Hawke am 15. Oktober 1914
  • Britischer Dampfer Serbino am 16. August 1915
  • Russisches Minensuchboot Nr. 4 am 5. November 1915

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Weddigen und seiner Besatzung bekam nun auch das Boot selbst eine Auszeichnung, indem es fortan ein Eisernes Kreuz am Turm führen durfte. Außer U 9 wurde im Ersten Weltkrieg nur dem Kleinen Kreuzer Emden diese Ehrung zuteil.

Kommandanten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommandanten von U 9[6]
Dienstgrad Name von bis
Kapitänleutnant Waldemar Kophamel 18. April 1910 30. September 1911
Kapitänleutnant Otto Weddigen 1. Oktober 1911 11. Januar 1915
Oberleutnant zur See Johannes Spieß 12. Januar 1915 19. April 1916

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Spieß: Sechs Jahre U-Bootfahrten. R. Hobbing, Berlin 1925.
  • Johannes Spieß: U-Boot-Abenteuer. 6 Jahre U-Boot-Fahrten. Verlag Tradition Kolk, Berlin 1932 (Unter dem Stahlhelm 6, ZDB-ID 1157399-5), (Neubearbeitete Auflage: Wir jagten Panzerkreuzer. Kriegsabenteuer eines U-Boot-Offiziers. Steiniger, Berlin 1938).
  • Bodo Herzog, Günter Schomaekers: Ritter der Tiefe, graue Wölfe. Die erfolgreichsten U-Bootkommandanten der Welt. 2. erweiterte, ergänzte und berichtigte Auflage. Verlag Welsermühl, Wels u. a. 1976, ISBN 3-85339-136-2.
  • Bodo Herzog: Deutsche U-Boote 1906–1966. Lizenzausgabe. Pawlak Verlag, Herrsching 1990, ISBN 3-88199-687-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Eberhard Möller/Werner Brack: Enzyklopädie deutscher U-Boote Von 1904 bis zur Gegenwart, Motorbuch Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-613-02245-1, S. 23.
  2. a b c d Ulf Kaack: Die deutschen U-Boote Die komplette Geschichte, GeraMond Verlag GmbH, München 2020, ISBN 978-3-96453-270-1, S. 21.
  3. Hugh und David Lyon: Kriegsschiffe von 1900 bis heute Technik und Einsatz. Buch und Zeit Verlagsgesellschaft mbH, Köln 1978, S. 127.
  4. a b Ulf Kaack: Die deutschen U-Boote Die komplette Geschichte, GeraMond Verlag GmbH, München 2020, ISBN 978-3-96453-270-1, S. 22.
  5. SS Serbino (+1915) auf www.wrecksite.eu (englisch)
  6. uboat.net, englisch, abgerufen am 10. Oktober 2023.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: U 9 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]