Sacharow-Zentrum

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Музей и общественный центр имени Андрея Сахарова
Museum und gesellschaftliches Zentrum „Andrei Sacharow“
Zweck: Menschenrechte
Vorsitz: S. M. Lukaschewski
Gründungsdatum: 1996
Sitz: Moskau, Semljanoj wal 57/6
Website: [1]
Sacharow-Zentrum

Das Sacharow-Zentrum (russisch Музей и общественный центр им. Андрея Сахарова) ist ein Museum und Kulturzentrum in Moskau in der Nähe des Kursker Bahnhofes. Es zeigt Ausstellungen zu den Themenbereichen Menschenrechte, Repressionen und GULAG in der UdSSR und das Gedenken an Andrei Sacharow. Es ist von Montag bis Samstag geöffnet, der Eintritt ist frei.

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel des Zentrums ist das Wachhalten der Erinnerung an „mehrere zehn Millionen Opfer politischer Unterdrückung und Verbrechen begangen von dem Sowjetregime.“ Im gegenwärtigen Russland will man die „Werte einer offenen demokratischen Gesellschaft und eines offenen demokratischen Staates, für die Sacharow eingetreten ist“ festigen und setzt sich insbesondere ein für intellektuelle und politische Freiheit und offenen Meinungsaustausch in einer Zivilgesellschaft.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1989 wurde die Sacharow-Stiftung (Gesellschaftliche Kommission für den Erhalt des Erbes von Andrei Sacharow) von Jelena Bonner gegründet. 1994 konnte ein Archiv mit 100.000 Dokumenten eröffnet werden.

1996 wurde das Museum und gesellschaftliche Zentrum für Frieden, Fortschritt und Menschenrechte „Andrei Sacharow“ in Moskau geschaffen. Sein Sitz wurde ein zweigeschossiges Haus mit einer Gesamtfläche von 500 m², das die Moskauer Stadtadministration für 25 Jahre zur Verfügung stellte. Zum Ausstellungssaal wurde eine ehemalige Garage umgebaut, mit einer Fläche von 140 m².

Am 25. Dezember 2014 wurde die Stiftung in das Register für ausländische Agenten beim Justizministerium eingetragen. Dagegen laufen zurzeit gerichtliche Verfahren.

Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Museum gibt es eine ständige Ausstellung sowie wechselnde Ausstellungen. Das Archiv enthält Dokumente zur Geschichte des politischen Widerstands in der UdSSR und zur Repression mit dem GULAG-System. Die Bibliothek umfasst etwa 15.000 Bücher und andere Medien.

Es finden täglich Vorträge, Diskussionen, Lesungen und andere Veranstaltungen statt.

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ständige Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mythologie und Ideologie der UdSSR
  • Politische Repressionen in der UdSSR
  • Der Weg durch den GULAG
  • Andrei Sacharow – Persönlichkeit und Schicksal

„Achtung! Religion“ (2003)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. Januar 2003 wurde die Ausstellung „Achtung! Religion“, eröffnet. Sie zeigte zeitgenössische Kunst, die sich kritisch und teilweise provozierend zu religiösen Inhalten positionierte. Vier Tage später wurden Exponate von militanten Besuchern beschädigt oder zerstört. Danach wurde die Ausstellung entgegen dem Wunsch der Künstler geschlossen.[1]

Am 12. Februar 2003 forderte das russische Parlament (die Duma) die Generalstaatsanwaltschaft auf, gegen die Organisatoren der Ausstellung tätig zu werden.[2] Gegen die Duma-Resolution und die Anweisung des Strafverfahrens stimmten lediglich 2 der 267 anwesenden Abgeordneten. Einer von ihnen, Sergei Juschenkow, der am Rednerpult erklärt hatte, man erlebe soeben die Geburt des totalitären Staates unter der Führung der Orthodoxen Kirche, wurde einige Wochen später in Moskau ermordet.[3] Der Direktor des Sacharow-Zentrums und Hauptangeklagte, Juri Samodurow, sah davon ab, eine Zivilklage gegen die Eindringlinge wegen des Schadens anzustrengen, die dem Museum durch diese Tat entstanden war. Dies hatte zur Folge, dass die Anwälte des Museums den Gerichtssaal nicht betreten durften.[4] Die gesellschaftlichen Verteidiger der Angeklagten waren die bekannten Menschenrechtler Alexander Podrabinek, Lew Ponomarjow und Jewgeni Ichlow, ebenso Sergei Kowaljow.[5] Samodurow und die für Ausstellungen zuständige Mitarbeiterin des Sacharow-Zentrums, Ljudmila Wassilowskaja, wurden am 28. März 2005 zu einer Geldstrafe von je 100.000 Rubeln (ca. 2900 EUR) verurteilt.[6]

Der Prozess sowie die Gerichtsverhandlung im Rahmen des sogenannten „Punk−Gebetes“ gegen Marija Aljochina, Jekaterina Samuzewitsch und Nadeschda Tolokonnikowa wurden im Spielfilm Die Moskauer Prozesse aufgegriffen – die Dreharbeiten fanden im Sacharow-Zentrum statt.[7][8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michail Ryklin: Mit dem Recht des Stärkeren. Russische Kultur in Zeiten der „gelenkten Demokratie“ Suhrkamp 2006, S. 45, 12, 45, 49, 24. ISBN 3-518-12472-2
  2. Michail Ryklin: Mit dem Recht des Stärkeren. Russische Kultur in Zeiten der „gelenkten Demokratie“ Suhrkamp 2006, S. 21.
  3. Svetlana Boym: Die Paradoxien der Freiheit im postsowjetischen Russland. In: Zurück aus der Zukunft. Osteuropäische Kulturen im Zeitalter des Postkommunismus. Hg. von Boris Groys, Anne von der Heiden, Anja Herrmann, Peter Weibel, Julia Warmers. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 2006, S. 168–192, S. 187–188. ISBN 3-518-12452-8
  4. Michail Ryklin: Mit dem Recht des Stärkeren. Russische Kultur in Zeiten der „gelenkten Demokratie“ Suhrkamp 2006, S. 24.
  5. Michail Ryklin: Mit dem Recht des Stärkeren. Russische Kultur in Zeiten der „gelenkten Demokratie“ Suhrkamp 2006, S. 27, 23.
  6. Michail Ryklin: Mit dem Recht des Stärkeren. Russische Kultur in Zeiten der „gelenkten Demokratie“ Suhrkamp 2006, S. 35, 37.
  7. Frida Thurm: Die Moskauer Prozesse – Putin gegen Pussy Riot 1:1. Zeit Online. 18. März 2014. Abgerufen am 23. März 2014.
  8. Freche Frauen und die Unzucht. Die Welt. 23. März 2014. Abgerufen am 23. März 2014.

Koordinaten: 55° 45′ 4,2″ N, 37° 39′ 31,7″ O