Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen

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Der deutsche Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen macht in alle zwei oder drei Jahre publizierten Gutachten der Gesundheitspolitik Vorschläge für Reformen im Gesundheitswesen. Er wurde erstmals am 19. Dezember 1985 berufen, damals unter dem Namen Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen. Nachdem die konzertierte Aktion im Gesundheitswesen durch das Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung von 2003 abgeschafft wurde, erhielt der Sachverständigenrat am 1. Januar 2004 seinen heutigen Namen. Der jetzige Sachverständigenrat wurde am 6. Januar 2015 von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe ernannt.

Das Gremium ist interdisziplinär besetzt und umfasst sieben Mitglieder. Seine Geschäftsstelle, in der die Arbeiten des Rates koordiniert wird, befindet sich im Bundesministerium für Gesundheit. Seine Aufgabe ist die Erstellung von Gutachten zur Entwicklung der gesundheitlichen Versorgung mit ihren medizinischen und wirtschaftlichen Auswirkungen. Die Gutachten werden dem Bundesministerium für Gesundheit sowie dem Bundestag und dem Bundesrat vorgelegt. Bisher sind sechzehn Gutachten erschienen. Eine Reihe von Vorschlägen und Empfehlungen wurde von der Gesundheitspolitik aufgegriffen, wie zum Beispiel die Kassenwahlfreiheit oder die Einführung eines Risikostrukturausgleichs zwischen den gesetzlichen Krankenkassen.

Nach § 142 SGB V, Fünftes Kapitel entwickelt der Sachverständigenrat "unter Berücksichtigung der finanziellen Rahmenbedingungen und vorhandener Wirtschaftlichkeitsreserven Prioritäten für den Abbau von Versorgungsdefiziten und bestehenden Überversorgungen und zeigt Möglichkeiten und Wege zur Weiterentwicklung des Gesundheitswesens auf; er kann in seine Gutachten Entwicklungen in anderen Zweigen der Sozialen Sicherung einbeziehen. Das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung kann den Gegenstand der Gutachten näher bestimmen sowie den Sachverständigenrat mit der Erstellung von Sondergutachten beauftragen."

Ratsmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die sieben Ratsmitglieder wurden zuletzt am 6. Januar 2015 neu berufen.[1]

Frühere Mitglieder waren Doris Schaeffer, Gregor Thüsing, Matthias Schrappe, Gerd Glaeske, Adelheid Kuhlmey, Rolf Rosenbrock, Martin-Michael Arnold (Vorsitzender 1988–1992), Wilhelm van Eimeren, Gisela C. Fischer, Astrid Franke, Peter Helmich, Karl W. Lauterbach, Heinz Losse (verst.), Paul Lüth (verst.), Friedrich-Wilhelm Schwartz (Vorsitzender von 1999 bis 2002), Peter C. Scriba, Ernst Eberhard Weinhold, Klaus-Dirk Henke (Vorsitzender 1992–1998), Günter Neubauer, Martin Pfaff, Hans-Konrad Selbmann, Detlev Zöllner (verst.) und Rosemarie Scheurlen (Vorsitzende von 1986 bis 1988).

Wichtige Gutachten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gutachten mit dem Titel Kooperation und Verantwortung. Voraussetzungen einer zielorientierten Gesundheitsversorgung aus dem Jahre 2007 sollte die weitere Entwicklung von Patientensicherheits-Indikatoren, die verpflichtende Veröffentlichung von Qualitätsdaten sowie den Ausbau von finanziellen Anreizsystemen zur qualitätsbezogenen Vergütung fördern. Dabei ging es um eine stärkere eigenständige Leistungserbringung von nicht-ärztlichen Gesundheitsberufen und die integrierte Versorgung. Vorgeschlagen wurde ein Präventionsgesetz für besonders benachteiligte Personengruppen - wie zum Beispiel Arbeitslosen, sozial benachteiligten alten Menschen, Obdachlosen und Menschen mit HIV/Aids.

2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zentrum des am 30. Juni 2009 an die damalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt überreichten Sondergutachtens standen Koordinationsdefizite der Gesundheitsversorgung. Nachdem der Sachverständigungrat schon in seinem vorhergehenden Gutachten die Integration der bis dahin weitgehend segmentierten Leistungssektoren des ambulanten und stationären Bereichs sowie der Rehabilitation und Pflege empfohlen hatte, ergänzt er dies um nun die generationenspezifische Perspektive: Die absehbare demografische Entwicklung führe zu einer spürbaren Alterung der Gesellschaft und in diesem Kontext insbesondere zu einem stark anwachsenden Anteil hochbetagter, chronisch und mehrfach chronisch erkrankter Menschen. Infolge der Verschiebung der Alterskohorten stehe zudem künftig einer steigenden Nachfrage nach Gesundheitsleistungen ein schrumpfendes Arbeitskräftepotenzial gegenüber, das die in Prävention und Krankenversorgung erforderlichen Leistungen zu erbringen vermöge. Diese Herausforderungen setzten das Versorgungssystem unter zusätzlichen Druck.

2012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Sondergutachten mit dem Titel "Wettbewerb an der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Gesundheitsversorgung" wurde dem damaligen Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr am 20. Juni 2012 übergeben. Die Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung sei eine der wichtigsten Schwachstellen des deutschen Gesundheitssystems. Der Sachverständigenrat plädierte hier für eine Steigerung der Kompetenz der Nutzer, ein verbessertes Schnittstellenmanagement, die Stärkung eines populationsorientierten Qualitätswettbewerbs, eine weitere Vereinheitlichung der Wettbewerbsbedingungen an dieser Schnittstelle sowie eine deutliche Ausweitung der Leistungen, die im Rahmen der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung erbracht werden könnten. Überdies schlug der Rat eine Ausweitung von Selektivverträgen und ein Kreditmodell zur Finanzierung von innovativen Versorgungskonzepten vor.

2014[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 2014 schlug der Sachverständigenrat in seinem 629-seitigen Gutachten vor, die Vergütung für Landärzte um 50 Prozent zu erhöhen, um einen Anreiz für Mediziner zu schaffen, in bisher schlecht versorgten Gebieten tätig zu werden; er regte an, doppelt so viele Ärzte zu Fachärzten im Bereich Allgemeinmedizin und Innere Medizin fortzubilden.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gutachten sind im Buchhandel oder beim Bundesanzeiger-Verlag erhältlich. Die Kurzfassungen können auf der Webseite des Sachverständigenrats heruntergeladen oder als Buch bestellt werden. Dort kann auch die Bundestagsdrucksachen unter http://dip21.bundestag.de/dip21.web/searchDocuments.do verfügbar.

  • Gutachten 2014: Bedarfsgerechte Versorgung – Perspektiven für ländliche Regionen und ausgewählte Leistungsbereiche. Download der Kurz- [1] (PDF-Datei; 1,9 MB) und Langfassung [2] (PDF-Datei; 15,4 MB). Das Gutachten kann auch als Bundestagsdrucksache 18/1940 beim Bundestag [3] bezogen werden.
  • Gutachten 2012: Wettbewerb an der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Gesundheitsversorgung. Download der Kurz- [4] (PDF-Datei; 955 kB) und Langfassung [5] (PDF-Datei; 2,98 MB). Das Gutachten kann auch als Bundestagsdrucksache 17/10323 beim Bundesanzeiger Verlag [6] bezogen werden.
  • Gutachten 2009: Koordination und Integration - Gesundheitsversorgung in einer Gesellschaft des längeren Lebens. Download der Lang- [7] und Kurzfassung [8]. Das Gutachten kann auch als Bundestagsdrucksache 16/13770 beim Bundesanzeiger Verlag [9] bezogen werden.
  • Gutachten 2007: Kooperation und Verantwortung. Voraussetzungen einer zielorientierten Gesundheitsversorgung. Download der Kurzfassung: [10] (PDF 444kb), Langfassung: [11] (PDF 3,6 MB)
  • Gutachten 2003: Finanzierung, Nutzerorientierung und Qualität
  • Gutachten 2000/2001: Bedarfsgerechtigkeit und Wirtschaftlichkeit
    • Bd. I: Zielbildung, Prävention, Nutzerorientierung und Partizipation, Baden-Baden 2002, ISBN 3-7890-8097-7.
    • Bd.II: Qualitätsentwicklung in Medizin und Pflege, Baden-Baden 2002, ISBN 3-7890-8098-5.
    • Bd. III: Über-, Unter- und Fehlversorgung
      • III.1: Grundlagen, Übersichten, Versorgung chronisch Kranker, Baden-Baden 2002, ISBN 3-7890-8099-3.
      • III.2: Ausgewählte Erkrankungen: ischämische Herzkrankheiten, Schlaganfall und chronische, obstruktive Lungenkrankheiten, Baden-Baden 2002, ISBN 3-7890-8100-0.
      • III.3: Ausgewählte Erkrankungen: Rückenleiden, Krebserkrankungen und depressive Störungen, Baden-Baden 2002, ISBN 3-7890-8101-9.
      • III.4: Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten, Baden-Baden 2002, ISBN 3-7890-8102-7.
  • Addendum zum Gutachten 2000/2001: Bedarfsgerechtigkeit und Wirtschaftlichkeit - Band I bis III: Zur Steigerung von Effizienz und Effektivität der Arzneimittelversorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Baden-Baden 2002, ISBN 3-7890-8103-5.
  • Sondergutachten 1997: Gesundheitswesen in Deutschland. Kostenfaktor und Zukunftsbranche, Bd. II: Fortschritt, Wachstumsmärkte, Finanzierung und Vergütung, Baden-Baden 1998, ISBN 3-7890-5228-0.
  • Sondergutachten 1996: Gesundheitswesen in Deutschland. Kostenfaktor und Zukunftsbranche, Bd. I: Demographie, Morbidität, Wirtschaftlichkeitsreserven und Beschäftigung, Baden-Baden 1996, ISBN 3-7890-4576-4.
  • Sondergutachten 1995: Gesundheitsversorgung und Krankenversicherung 2000. Mehr Ergebnisorientierung, mehr Qualität und mehr Wirtschaftlichkeit, Baden-Baden 1995, ISBN 3-7890-3945-4.
  • Sachstandsbericht 1994: Gesundheitsversorgung und Krankenversicherung 2000. Eigenverantwortung, Subsidiarität und Solidarität bei sich ändernden Rahmenbedingungen, Baden-Baden 1994, ISBN 3-7890-3376-6.
  • Jahresgutachten 1992: Ausbau in Deutschland und Aufbruch nach Europa, Baden-Baden 1992 - mit Sondergutachten 1991, ISBN 3-7890-2650-6.
  • Jahresgutachten 1991: Das Gesundheitswesen im vereinten Deutschland, Baden-Baden 1991, ISBN 3-7890-2293-4.
  • Jahresgutachten 1990: Herausforderungen und Perspektiven der Gesundheitsversorgung, Baden-Baden 1990, ISBN 3-7890-1995-X.
  • Jahresgutachten 1989: Qualität, Wirtschaftlichkeit und Perspektiven der Gesundheitsversorgung, Baden-Baden 1989, ISBN 3-7890-1750-7.
  • Jahresgutachten 1988: Medizinische und ökonomische Orientierung, Baden-Baden 1988, ISBN 3-7890-1575-X.
  • Jahresgutachten 1987: Medizinische und ökonomische Orientierung, Baden-Baden 1987, ISBN 3-7890-1382-X.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pressemitteilung des BMG: Sachverständigenrat neu berufen vom 6. Januar 2015
  2. Mitglieder des Sachverständigenrates, abgerufen am 9. Januar 2015
  3. Nicola Kuhrt: Gutachter benennen Fehler im deutschen Gesundheitswesen. spiegel.de, 23. Juni 2014, abgerufen am 23. Juni 2014.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]