Gesundheitskompetenz

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Gesundheitskompetenz ist die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, um im Alltag angemessene Entscheidungen zur Gesundheit treffen zu können. Gesundheitskompetenz gehört zur Bildung und umfasst Wissen, Motivation und Handlungskompetenz. Sie wird in den Bereichen der Krankheitsbewältigung, der Prävention und der Gesundheitsförderung für sich selbst, für seine Nächsten und für Menschen, für die man Verantwortung trägt, benötigt. Eine gute Gesundheitskompetenz ermöglicht, die Lebensqualität während des ganzen Lebens zu erhalten oder zu verbessern.[1] Im englischen Sprachraum ist das Konzept unter dem Begriff der Health literacy bekannt.[2]

Folgen geringer Gesundheitskompetenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studien zeigen, dass bis zur Hälfte der Patienten nicht in der Lage sind, grundlegende Gesundheitsinformationen zu verstehen und den Behandlungsanweisungen zu folgen. Geringe Gesundheitskompetenz reduziert den Behandlungserfolg und erhöht das Risiko medizinischer Fehler. Laut einem Bericht des Institute of Medicine IOM von 2004 wirkt sich geringe Gesundheitskompetenz negativ auf die Behandlungsergebnisse und die Sicherheit der Versorgung aus.[3] Diese Patienten haben ein höheres Risiko ins Krankenhaus zu kommen und dort länger bleiben zu müssen,[4] sie befolgen die Behandlungsanweisungen weniger und machen öfter Fehler bei der Einnahme von Medikamenten[5] und sind stärker krank, wenn sie zum ersten Mal einen Arzt aufzusuchen.[6]

Möglichkeiten zur Verbesserung der Gesundheitskompetenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesundheitskompetenz muss in verschiedensten Bereiche gefördert werden, im Gesundheitswesen, im Bildungsbereich, in der Arbeitswelt, in Familie und Freizeit sowie in den Medien und durch Kommunikation.[7][8]

Geschichte des Konzepts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Erwähnung des Begriffs "Health literacy", findet sich in einer Publikation von 1974.[9] Im Jahr 1978 untersuchten Leonard und Cecile Doak die Lesefähigkeiten der Patienten im Krankenhaus. Die Doaks veröffentlichten 1985 zusammen mit Jane Root das damals wegweisende Buch "Teaching Patients with Low Literacy Skills" (Patienten mit geringer Lesekompetenz unterweisen).

Diese anfängliche biomedizinische Sichtweise der Gesundheitskompetenz gilt heute als zu kurz gegriffen und überholt; sie war aber in den USA bis in die 1980er und 1990er Jahre dominant: Die Individuen wurden oft dargestellt als an geringer Gesundheitskompetenz leidend, davon ausgehend, dass die Empfänger passiv sind und in der Annahme, dass Gesundheitsinformationen gesellschaftlich neutral und universell einsetzbar sind.

Heute wird Gesundheit im Zusammenhang mit der Umwelt und Kultur gesehen. Wo ein angemessenes Niveau an Gesundheitskompetenz vorhanden ist, das heißt, wo die Bevölkerung über ausreichende Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, und wo die Mitglieder einer Gemeinschaft Vertrauen ihre eigene Gesundheit haben, sind die Menschen besser in der Lage, gesund zu bleiben, sich von Krankheit zu erholen und mit Krankheit oder Behinderung zu leben.[10]

1986 wurde an der ersten internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung in Ottawa die programmatische Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung verabschiedet, die mit den Worten beginnt: „Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen.“ Damit ist das umfassende Konzept der Gesundheitskompetenz bereits angedacht.

Das Projekt zur Messung der Gesundheitskompetenz in acht europäischen Länder von 2009 bis 2012 hat gezeigt, dass fast die Hälfte der Erwachsenen in diesen Ländern über unzureichende oder problematische Fähigkeiten im Bereich der Gesundheitskompetenz verfügte. Die Resultate aus Deutschland und Österreich zeigten schlechtere Resultate in Vergleich zum europäischen Durchschnitt.[11] In der Schweiz wurde der Survey im Jahr 2015 nachgeholt. Das Thema wurde 2015 in Österreich[12] und in der Schweiz[13] auf die politische Agenda gesetzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • WHO. Health Literacy. The Solid Facts. Hrsg. Ilona Kickbusch, Jürgen M. Pelikan, Franklin Apfel und Agis D. Tsouros. Kopenhagen, WHO Regionalbüro für Europa, 2013. ISBN 978 92 890 00154 (erscheint 2016 in deutscher Sprache: Gesundheitskompetenz. Die Fakten)
  • Comparative report on health literacy in eight EU member states. The European Health Literacy Project 2009–2012. Maastricht, HLS-EU Consortium, 2012 [www.health-literacy.eu]
  • Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften. Gesundheitskompetenz in der Schweiz – Stand und Perspektiven. swiss academies reports Vol. 10, Nr. 4, 2015. ISSN 2297-1564 (Print); ISSN 2297-1572 (online)
  • Allianz Gesundheitskompetenz. Gesundheitskompetenz fördern – Ansätze und Impulse. Ein Action Guide. Action Guide

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sørensen K, Pelikan JM et al. für das European Health Literacy Consortium. Health literacy in Europe: comparative results of the European health literacy survey (HLS-EU). Eur J Public Health. 2015 Apr 5. PMID 25843827
  2. WHO Health literacy. The solid facts PDF 3 MB
  3. The Institute of Medicine: Health Literacy: A Prescription to End Confusion (2004)
  4. Comparative report on health literacy in eight EU member states. The European Health literacy project 2009-2012 Webseite des Projekts
  5. Terry C. Davis, PhD; Michael S. Wolf, PhD, MPH; Pat F. Bass III, MD; Jason A. Thompson, BA; Hugh H. Tilson, MD, DrPH; Marolee Neuberger, MS; and Ruth M. Parker, MD (2006). "Literacy and Misunderstanding Prescription Drug Labels". Annals of Internal Medicine 145 (12): 887–94. doi:10.7326/0003-4819-145-12-200612190-00144. PMID 17135578
  6. M. V. Williams; et al. (1995). "The test of functional health literacy in adults: a new instrument for measuring patients' literacy skills.". J Gen Intern Med. 10 (10): 537–41. doi:10.1007/BF02599568. PMID 8576769.
  7. Allianz Gesundheitskompetenz. Gesundheitskompetenz fördern – Ansätze und Impulse. Ein Action Guide. Action Guide
  8. D’Eath M, Barry MM, Sixsmith J.: A rapid evidence review of interventions for improving health literacy. Stockholm, European Centre for Disease Prevention and Control, 2012
  9. S.K. Simonds. "Health Education As Social Policy" Health education monographs 01/1974; 2(1):1-10. doi:10.1177/10901981740020S102
  10. Anne McMurray (2007). Community Health and Wellness: A Sociological Approach (3rd ed.). Brisbane: Elsevier. ISBN 978-0-7295-3788-9.
  11. Comparative report on health literacy in eight EU member states. The European Health literacy project 2009-2012 Webseite des Projekts
  12. Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Empfehlungen zur Einrichtung der Österreichischen Plattform Gesundheitskompetenz (ÖPGK). Bundesministerium für Gesundheit, Wien 2015 Plattform
  13. Gesundheit 2020 Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.bag.admin.chGesundheit2020