Sandwig

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Strand von Sanwig (2006)
Die Seebrücke im Jahr 2016

Sandwig (dänisch: Sandvig) ist ein Stadtteil der Stadt Glücksburg in Schleswig-Holstein. Er liegt nordwestlich von Alt-Glücksburg, direkt an der Flensburger Förde.[1][2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name des Ortes setzt sich offenkundig aus den Wort „Sand“ sowie -wik, was Bucht bedeutet, zusammen. Das älteste bauliche Objekt stellt offensichtlich ein bei Sandwig liegendes Großsteingrab dar (vgl. Großsteingräber bei Glücksburg). Bei der Straße Am Thingplatz, soll des Weiteren ein Thingplatz bestanden haben.

Im 19. Jahrhundert begann schrittweise der touristische Ausbau an der Flensburger Förde. Friedrich Mommse Bruhn stellte im Jahre 1866 mit der Seemöwe den ersten Fördedampfer in Dienst und wurde damit der Begründer der Fördeschifffahrt.[3] Neben den Ausflugszielen Mürwik und Quellental, direkt südlich von Sandwig, entstand 1872/73 im Norden der Stadt Flensburg, auf dem gegenüberliegenden Fördeufer, das Ostseebad. Zeitgleich legten achtzig Aktionäre aus Flensburg und Glücksburg ihr Geld zusammen, mit dem sie noch im Jahr 1872 ein Kurhaus am Strand von Sandwig errichten ließen, das im Juni des Jahres eröffnen konnte. Es besaß sechs Gästezimmer, eine ganzjährige Restauration sowie ein Festzelt für 500 Personen. Stündlich legten Dampfer an der eingerichteten Seebrücke an. An Sonntagen war der Besucherandrang besonders groß. Im Folgejahr wurde an das Kurhaus der zweistöckige Südwestflügel des neuen Strandhotels gebaut. Bald danach wurde offenbar das Kurhaus abgerissen und ein optisch identischer Nordostflügel dem Strandhotel hinzugefügt. Das vollständige Strandhotel wurde schließlich am 18. Juni 1875 eingeweiht. Es besaß 70 Zimmer, einen großen Saal und einen Salon. Es besaß zudem als erstes Haus in Glücksburg einen Telefonanschluss. Auch der Badestrand von Sandwig wurde in Folge des Hotelbaus belebt und dessen Infrastruktur verbessert.[4]

1882 wurde südwestlich, in direkter Nachbarschaft vom Strandhotel, ein zweites Hotel errichtet, das „Logirhaus“.[5][6] 1890 besuchte Kaiser Wilhelm II. Glücksburg.[7][8] Seine Yacht legte direkt vor dem Strandhotel an.[9][10] Zu Ehren des Kaisers wurde im Strandhotel ein Kaiser-Menü mit 12 Gängen und 10 Weinen ausgerichtet.[11][12] Der Kaiser besuchte mehrfach in seinem Leben das weiter südöstlich gelegene Schloss Glücksburg (im Stadtteil Alt-Glücksburg) sowie das benachbarte Mürwik, wo er Anfang des 20. Jahrhunderts den Stützpunkt Flensburg-Mürwik einrichten ließ.[13]

Im 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 20. August 1912 wurde das Strandhotel durch einen Brand weitgehend zerstört.[14] Im Jahr 1914 konnte das Strandhotel wieder eröffnet werden.[15] Im Jahr 1919 genossen der Dichter Thomas Mann und sein Verleger Samuel Fischer für einige Wochen die Sommerfrische im Strandhotel.[16] 1937 ging das „Logirhaus“ in den Besitz der Stadt über und wurde seitdem unter dem Namen „Kurhotel“ geführt.[17]

Im Jahr 1956 kam das Strandhotel in den Besitz der Evangelische Kirche. Es diente seitdem unter dem Namen Matthias-Claudius-Heim als ein bekanntes Erholungsheim für Mutter und Kind.[18][19][20] In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden im Stadtteil an verschiedenen Stellen Einzel- und Mehrfamilienhäuser. In den Jahren 1962 bis 1964 wurde im nördlichen Teil die katholische Kirche St. Laurentius errichtet. Am Strand angrenzenden Kurpark wurde 1968 das „Haus im Kurgarten“ errichtet. Dort zog 1979 das Restaurant „Opatija“ ein.[21] 1971 wurde unweit des Strandes ein Meerwasserwellenbad eingeweiht.[22] Anfang der siebziger Jahren wurde zudem das „Kurhotel“, das ehemalige „Logirhaus“, abgerissen. 1974 konnte das größere „Intermar“ schließlich eröffnen.[23][24] Da das Hotel die Vollauslastung nicht erreichen konnte, wurden einzelne Hotelzimmer in dem 160-Zimmer-Komplex dauerhaft verkauft.[25] Das benachbarte Strandhotel blieb bis 1996 im Besitz der Evangelischen Kirche.[26]

Seit dem Jahr 2000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2000 wurde das Strandhotel von der Albrecht Vermögensberatung grundlegend modernisiert und erweitert.[27] 2006 übernahm der gebürtige Däne Olav Damkiær-Classen das Glücksburger Strandhotel und eröffnete es wieder als Hotel.[28] Im selben Zeitraum wurde das Wellenbad abgerissen. 2007 wurde an dessen Stelle als Ersatz das Schwimmbad „Fördeland Therme“ eröffnet.[29][30] Die hohen Betriebskosten des neuen Schwimmbades führten in der Folgezeit dazu, dass der Haushalt der Stadt Glücksburg erheblich stärker belastet wurde.[31] Das Hotel Intermar musste im Jahr 2010 seinen Betrieb einstellen.[32] Die notwendige Sanierung des Hotels gestaltete sich auf Grund der komplexen Eigentumsverhältnisse als sehr schwierig. Im Mai 2011 wurde Herman Densch zum Haupteigentümer des Gebäudes, der nach und nach die Probleme, welche den Hotelbetrieb verhinderten, löste.[33][34][35]

Im Mai 2013 wurde die Promenade, die entlang des Strandes in Richtung Quellental führt, neu gestaltet.[36] 2017 musste die Seebrücke, nach einer starken Sturmflut, erneuert werden.[37] Im Juli 2017 konnte die Seebrücke, nach erfolgter Renovierung, wieder genutzt werden.[38] Zur Wiedereröffnung der Glücksburger Seebrücke wurde am 3. Oktober ein U-förmiges Hot-Dog entlang der Seebrücke geschaffen, das eine Gesamtlänge von 218,7 Metern besaß. Nach Festststellung des Weltrekordes durch lokale Autoritäten wurde das „längste Hot-Dog der Welt“ portioniert und von den Anwesenden Bürgern verspeist.[39]

Sandwig heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geplante Hoteleröffnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 2018 wurde das neue Restaurant Nobus im Hotel Intermar eröffnet.[40] Im Juli/August 2018 oder etwas später soll der Hotelbetrieb, nach erfolgter Renovierung, wieder aufgenommen werden. Die Vollbetrieb ist erst wieder ab 2019 vorgesehen.[41]

Strandgebühren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Nutzung des Strandes werden Strandgebühren erhoben. Der Eintritt ist an einem Automaten zu entrichten, der seit Jahren defekt ist. Stattdessen muss man jetzt am Kiosk des Strandhotels bezahlen. Im Jahr 2015 wurden die folgenden Gebühren erhoben: Strandnutzung für den ganzen Tag betrug 2,60 Euro. Nach 15 Uhr musste nur der halbe Preis bezahlt werden. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren hatten freien Eintritt. Glücksburger können im Rathaus eine Saisonkarte mit Lichtbild für 15 Euro erwerben, die auch für den Strand in Holnis gilt. Ein Strandkorb kostete 13 Euro am Tag, ab 15 Uhr 7 Euro.[42]

Heutige Fährschiffsverbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Seebrücke legt in der Saison das Fährschiff Viking an, das zum Flensburger Hafen fährt.[43][44]

Das Menke-Planetarium (2015)

Verschiedenes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadtplan-Logistik, Glücksburg beziehungsweise Stadtplan Glücksburg. So können Sie sich in Glücksburg nicht verlaufen; jeweils abgerufen am: 3. August 2018
  2. LG Flensburg: „sandwig.de“ (Memento des Originals vom 14. April 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.jurawelt.com, vom: 8. Januar 2002; abgerufen am: 3. August 2018
  3. Flensburger Tageblatt: 50 Jahre Flensburger Tageblatt: Leinen los für die Fördeschifffahrt, vom 27. Januar 2015, abgerufen am 2. August 2018
  4. Flensburger Tageblatt: 150 Jahre Flensburger Tageblatt: Als Glücksburg ein Seebad wurde, vom: 17. Februar 2015; abgerufen am: 3. August 2018 beziehungsweise: Flensburger Tageblatt: 150 Jahre Stadtgeschichte aus Zeitungsperspektive Kiel/Hamburg 2016, S. 20 f.
  5. Flensburger Tageblatt: 150 Jahre Flensburger Tageblatt: Als Glücksburg ein Seebad wurde, vom: 17. Februar 2015; abgerufen am: 3. August 2018 beziehungsweise: Flensburger Tageblatt: 150 Jahre Stadtgeschichte aus Zeitungsperspektive Kiel/Hamburg 2016, S. 20 f.
  6. Zur damaligen Bausituation vgl. Postkarte vom Strandhotel und Logierhaus beziehungsweise dort
  7. Ostseeheilbad Glücksburg. Geschichte, abgerufen am: 3. August 2018
  8. Heiraten im weißen Schloss am Meer. Der schönste Tag in Ihrem Leben. Eine feine Adresse – damals wie heute, S. 5, abgerufen am: 3. August 2018
  9. Ich hatte einen Balkon vor den Ochseninseln: Glücksburg im Herbst. Das weiße Schloss am Meer: Strandhotel Glücksburg, vom: 25. Oktober 2017; abgerufen am: 3. August 2018
  10. Glückspilz sein an der Flensburger Förde. Strandhotel Glücksburg, Schleswig-Holstein, Deutschland, abgerufen am: 3. August 2018
  11. Strandhotel Glücksburg, Geschichte, abgerufen am: 3. August 2018
  12. Gourmet Report. Strandhotel Glücksburg, vom: 13. März 2009; abgerufen am: 4. August 2018
  13. Das Strandhotel wird heute offenbar auch analog dem Roten Schloss am Meer in Mürwik auch „Weiße Schloss am Meer“ genannt; offenbar auf Grund des erwähnten geschichtlichen Bezuges zu Kaiser Wilhelm II. der das besagte Schloss in Mürwik offiziell am 21. November 1910 einweihte, dabei aber offenbar nicht erneut das Strandhotel besuchte. Vgl. Strandhotel Glücksburg, Geschichte, abgerufen am: 3. August 2018
  14. Flensburger Tageblatt: 150 Jahre Flensburger Tageblatt: Als Glücksburg ein Seebad wurde, vom: 17. Februar 2015; abgerufen am: 3. August 2018 beziehungsweise: Flensburger Tageblatt: 150 Jahre Stadtgeschichte aus Zeitungsperspektive Kiel/Hamburg 2016, S. 20 f.
  15. Gourmet Report. Strandhotel Glücksburg, vom: 13. März 2009; abgerufen am: 4. August 2018
  16. Gourmet Report. Strandhotel Glücksburg, vom: 13. März 2009; abgerufen am: 4. August 2018
  17. Flensburger Tageblatt: 150 Jahre Flensburger Tageblatt: Als Glücksburg ein Seebad wurde, vom: 17. Februar 2015; abgerufen am: 3. August 2018 beziehungsweise: Flensburger Tageblatt: 150 Jahre Stadtgeschichte aus Zeitungsperspektive Kiel/Hamburg 2016, S. 20 f.
  18. Strandhotel Glücksburg, Geschichte, abgerufen am: 3. August 2018
  19. Strandhotel Glücksburg, abgerufen am: 3. August 2018
  20. Gourmet Report. Strandhotel Glücksburg, vom: 13. März 2009; abgerufen am: 4. August 2018
  21. Flensburger Tageblatt: Glücksburg: Was wird aus dem „Haus im Kurgarten“?, vom: 1. Februar 2017; abgerufen am: 3. August 2018
  22. Ostseeheilbad Glücksburg. Geschichte, abgerufen am: 3. August 2018
  23. Flensburger Tageblatt: 150 Jahre Flensburger Tageblatt: Als Glücksburg ein Seebad wurde, vom: 17. Februar 2015; abgerufen am: 3. August 2018 beziehungsweise: Flensburger Tageblatt: 150 Jahre Stadtgeschichte aus Zeitungsperspektive Kiel/Hamburg 2016, S. 20 f.
  24. Flensburger Tageblatt: Glücksburg: Intermar: Eigentümer ziehen vor Gericht, vom: 2. September 2017; abgerufen am: 3. August 2018
  25. Flensburger Tageblatt: Glücksburg: Intermar: Eigentümer ziehen vor Gericht, vom: 2. September 2017; abgerufen am: 3. August 2018
  26. Gourmet Report. Strandhotel Glücksburg, vom: 13. März 2009; abgerufen am: 4. August 2018
  27. Gourmet Report. Strandhotel Glücksburg, vom: 13. März 2009; abgerufen am: 4. August 2018
  28. Gourmet Report. Strandhotel Glücksburg, vom: 13. März 2009; abgerufen am: 4. August 2018
  29. Ostseeheilbad Glücksburg. Geschichte, abgerufen am: 3. August 2018
  30. Fördeland Therme Glücksburg. Erlebnisbad und Wellnesszentrum, vom: 28. März 2007; abgerufen am: 3. August 2018
  31. Flensburger Tageblatt: Glücksburg: Fördeland-Therme feiert Geburtstag, vom: 5. April 2017; abgerufen am: 3. August 2018
  32. Hotellerie. "Aus" für Intermar-Hotel Glücksburg, vom: 6. April 2010; abgerufen am: 3. August 2018
  33. Flensburger Tageblatt: Glücksburg: Intermar muss wieder Hotel werden, vom: 23. Mai 2015; 3. August 2018
  34. Flensburger Tageblatt: Glücksburg: Intermar soll Hotel bleiben – Eigentümer drohen mit Klage, vom: 29. Mai 2016; abgerufen am: 3. August 2018
  35. Flensburger Tageblatt: Tourismus in Glücksburg: Altes Intermar: Das Hotel wird wiederbelebt, vom: 24. Februar 2017; abgerufen am: 3. August 2018
  36. Flensburger Tageblatt: Neue Strand-Promenade wird im Mai eröffnet. Neue Promenade wird am 18. Mai in Glücksburg eröffnet, vom: 30. März 2013; abgerufen am: 3. August 2018
  37. Flensburger Tageblatt: Glücksburg: Ist die Seebrücke noch zu retten?, vom: 10. Februar 2017; abgerufen am: 3. August 2018
  38. Flensburger Tageblatt: Seebrücke in Sandwig wieder da: Flensburg mit Kurstrand-Anschluss, vom: 25. Juli 2017; abgerufen am: 4. August 2018
  39. Flensburger Tageblatt: Der Weltrekord steht, vom: 4. Oktober 2017 und n-tv: In Glücksburg geht's um die WurstRekordjäger bauen 218 Meter langen Hotdog, vom: 4. Oktober 2017 und NDR: Glücksburg feiert mit dem längsten Hotdog, vom 3. Oktober 2017; jeweils abgerufen am: 4. August 2018
  40. Flensburger Tageblatt: Glücksburg: Neues Leben im Intermar, vom: 24. Mai 2018; abgerufen am: 3. August 2018
  41. Flensburger Tageblatt: Glücksburg: Luftbuchung im Intermar: Apartment ist Baustelle, vom: 2. Juli 2018; abgerufen am: 3. August 2018
  42. Flensburger Tageblatt: Flensburgs Strände im Test: Der Vorzeigestrand in Sandwig, vom: 8. August 2015; abgerufen am: 3. August 2018
  43. Flensburger Tageblatt: Flensburgs Strände im Test: Der Vorzeigestrand in Sandwig, vom: 8. August 2015; abgerufen am: 3. August 2018
  44. Früher existierten noch weitere Routen, beispielsweise nach Gråsten: Die Zeit: Atmen als Vergnügen (Seite 3), vom: 1. November 1974; abgerufen am: 3. August 2018
  45. Flensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005, ISBN 3-925856-50-1, Artikel: Ewoldtweg

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sandwig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 54° 50′ 28,4″ N, 9° 31′ 50,9″ O