Santur

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Kioomars Musayyebi, iranischer Santurspieler, auf dem Festival Essen.Original. 2015

Die[1] Santur (arab.-pers. santūr سنتور) ist verwandt mit dem Psalterium und hat die Form eines gleichschenkligen Trapezes. Das Instrument wird in der irakischen klassischen Musik (al-maqām al-‘irāqī) und in der persischen Musik, aber auch in Kaschmir (sūfiyāna kalām) und von dort ausgehend in der indischen Kunstmusik gespielt. Der Name leitet sich vom altgriechischen psalterion (Psalterium) her und gelangte über das aramäische psantrīn ins Arabische: sanṭīr/sanṭūr/santūr.[2] Es gehört einer Instrumentenfamilie an, die von Westeuropa (Hackbrett) über den Vorderen Orient bis China (Yang Qin) verbreitet ist.

Die Wirbel der santur sind an den Seiten des trapezförmigen, mit 72 Metallsaiten bespannten Resonanzkastens angebracht.[3] Für jeden Ton gibt es im Allgemeinen vier[4] Saiten aus Stahl („Melodiesaiten“)[5] oder Messing („Basssaiten“), die über eingeritzte Rillen auf den Seitenkanten des Instruments von den Stimmwirbeln über die einzelnen Stege zu den Saitenhaltern verlaufen.[6] Dadurch ist es möglich, Einzeltöne für den zu spielenden Modus umzustimmen. Die santur, welche heute einen Tonraum von drei Oktaven umfasst, wird mit leichten Holzschlägeln (meist aus Buchsbaumholz oder Eichenholz), die zur Erzeugung eines weicheren Tons mit Samt oder Filz bezogen sein können[7], gespielt.

Die santur wird im Ensemble oder solistisch gespielt. Im Irak wie im Iran ist sie ein wichtiges Instrument in der klassischen hochvirtuosen Kunstmusik. Es handelt sich um eine kammermusikalische, sehr intime Tradition.

In Indien wurde sie erst im 20. Jahrhundert in die Kunstmusik Nordindiens eingeführt und stammte ursprünglich aus der persisch beeinflussten Musik Kaschmirs. Diese Variante der santur hat 15 Stege und Chöre auf jeder Seite. Die Saiten werden, im Gegensatz zu anderen Hackbretttypen, nur auf einer Seite des Stegs gespielt. Das Instrument umfasst also 30 Töne. Diese werden meist diatonisch im gewählten Raga gestimmt. Der bedeutendste indische Santurspieler ist Shiv Kumar Sharma (* 1938).

Einige Santur-Spieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hassan Khan
  • Majid Kiani
  • Hoseyn Malek
  • Parviz Meshkatian
  • Majid Nedjahi
  • Pooyan Nassehpour
  • Hoseyn Saba
  • Mansur Saremi
  • Mirza Ali-Akbar Shahi (1857–1923)
  • Ḥabib Sāma’i (1905–1946)
  • Reza Varzandeh (1926–1979)
  • Faramarz Payvar (1933–2009)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eckart Wilkens: Künstler und Amateure im persischen Santurspiel. Studien zum Gestaltungsvermögen in der iranischen Musik. Gustav Bosse, Regensburg 1967
  • Mehdi Setayeschgar: Wizhegi-e Santur dar Mussiqi-e Sonnati-e Iran. (‚Die Bedeutung der Santur in der traditionellen persischen Kunstmusik‘), Teheran 1985
  • Nasser Kanani: Traditionelle persische Kunstmusik: Geschichte, Musikinstrumente, Struktur, Ausführung, Charakteristika. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Gardoon Verlag, Berlin 2012, S. 173–176

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Santur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. seltener: der oder auch das Santur (im Persischen gibt es kein Genus)
  2. in Originalschrift: سنطير –> سنطور –> سنتور
  3. Dies gilt für die heute übliche „santur mit neun Stegen“ (pers. santūr-e noh-ḫarakī), was bedeutet, dass die „Melodie“- und „Bass“-Saiten jeweils über neun Einzelstege geführt werden.
  4. Es gibt traditionell auch einzelne Instrumente mit nur drei Saiten pro Saitenchor.
  5. Für die ein- und zweigestrichenen Oktaven.
  6. Die Einzelstege teilen die Melodiesaiten – bis auf bestimmte modusbedingte Ausnahmen – im Oktavverhältnis 2:1, wohingegen die Stege der Basssaiten reine Stützfunktion besitzen.
  7. Nasser Kanani: Die persische Kunstmusik. Geschichte, Instrumente, Struktur, Ausführung, Charakteristika (Mussighi'e assil'e irani). Förderkreis der Freunde Iranischer Kunst und Traditioneller Musik, Berlin 1978, S. 22 f.