Schacht und Hütte

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Schacht und Hütte, Band 72 von Karl May's Gesammelten Werken des Karl-May-Verlages ist ein Sammelband mit Texten aus der Redakteurszeit des Autors beim Verlag H. G. Münchmeyer.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Titelblatt von 1876

1875 verlässt der Redakteur Otto Freitag den Münchmeyer-Verlag, für den er die Zeitschriften Der Beobachter an der Elbe. Unterhaltungsblätter für Jedermann. und Der Nachtwächter an der Elbe. herausgegeben hatte. Trotz der erst kurz zurückliegenden Haftstrafe Karl Mays und der noch laufenden Polizeiaufsicht engagieren die Brüder Münchmeyer den damals 33-Jährigen als neuen Redakteur. Dieser bringt seine Novelle Wanda und die Kurzgeschichte Der Gitano. Ein Abenteuer unter den Carlisten. (heute im Band 48 Das Zauberwasser) als eigene Beiträge in die letzte Ausgabe des Beobachters an der Elbe ein. Wanda ist die erste unter seinem Namen erscheinende Erzählung, in Der Gitano schreibt May erstmals in der „Ich“-Form. Zu dieser Zeit hat er bereits das Konzept für eine neue Zeitschrift fertig: Schacht und Hütte. Blätter zur Unterhaltung und Belehrung für Berg- Hütten- und Maschinenarbeiter. Im ersten und einzigen ab September 1875 erscheinenden Jahrgang publiziert er neben vielen Beiträgen anderer Autoren seine Geographischen Predigten, zahlreiche populärwissenschaftliche Beiträge und Statistiken, einige Gedichte und moralische Abhandlungen. Als zweite Zeitschrift gibt er das Deutsche Familienblatt heraus, das ebenfalls nur einen Jahrgang erlebt.[1]

1968 erschien im Karl-May-Verlag der Sammelband Schacht und Hütte mit folgenden Werken:

  • Das Gewissen (aus Schwarzes Buch, Münchmeyer-Verlag 1871–1874, Mays Autorenschaft unsicher)
  • Wanda (aus Der Beobachter an der Elbe, 1874/1875)[2]
  • Die Fastnachtsnarren (aus Deutsches Familienblatt, 1875)[3]
  • Gesammelte Aufsätze (aus Schacht und Hütte, 1875)
  • Geographische Predigten (aus Schacht und Hütte, 1875/1876)[4]
  • Fundgrube Vater Abraham (aus Schacht und Hütte, 1875/1876, von E.v.T.)
  • Ein Fang (aus Feierstunden am häuslichen Heerde, 1876)

Aus der Neuauflage des Bandes 1996 wurden die beiden letzten Beiträge entfernt. Hatte der Herausgeber Roland Schmid ursprünglich angenommen, die Autorenangabe bei Fundgrube Vater Abraham, E.v.T. bedeute „Ernst von Thal“ (Mays Geburtsort „Ernstthal“!), so stellte schon 1969 Manfred Hecker zweifelsfrei fest, dass es sich dabei um den Schriftsteller August Peters (Pseudonym „Elfried von Taura“) handelt.[5] Die anonyme Humoreske Ein Fang wurde lange Karl May als literarische Abrechnung mit dem Ernstthaler Gendarmen Frenzel zugeschrieben. Aus stilistischen Gründen ist dies von der Karl-May-Forschung angezweifelt worden und darum ist die Kurzgeschichte ebenfalls nicht mehr in der Neuauflage enthalten.[6][7]

Wanda[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wanda von Chlowicki, die „wilde Polin“, ist das begehrteste Mädchen eines erzgebirgischen Städtchens. Der Schornsteinfeger und Dichter Emil Winter kann eine Intrige ihres Verlobten Baron Säumen, eines Banknotenfälschers, vereiteln, der aus finanzieller Not entweder eine Heirat erzwingen oder ihren Tod herbeiführen will. Alle Bösewichte - ein korrupter Polizeibeamter, ein falscher Ballonfahrer und auch der Baron selbst - kommen ums Leben und Winter verlobt sich mit Wanda.

Deutliche Anklänge an die Kolportageromane, die May später für Münchmeyer schrieb, sind in dieser Novelle schon vorhanden. Die hier vorkommenden Szenen einer Rettung aus Bergnot, eines Brandes und eines tödlichen Sturzes sind auch in Mays späteren Werken immer wieder vorhanden. Der zweite Teil der Erzählung weist so starke Schwächen auf, dass die Autorenschaft Mays für diese Kapitel von manchen Literaturforschern bezweifelt wird.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Heermann: Winnetous Blutsbruder. Karl-May-Biografie. Lothar und Bernhard Schmid (Herausgeber), Karl-May-Verlag, Bamberg/Radebeul 2003, ISBN 3-7802-0161-5.
  • Wolfgang Hermesmeier/Stefan Schmatz: Entstehung und Ausbau der Gesammelten Werke. Eine Erfolgsgeschichte seit 110 Jahren. In: Lothar und Bernhard Schmid (Herausgeber): Der geschliffene Diamant. Die Gesammelten Werke Karl Mays. Karl-May-Verlag, Bamberg/Radebeul 2003, ISBN 3-7802-0160-7, S, 463/464.
  • Roland Schmid (Herausgeber): Schacht und Hütte. Frühwerke aus der Redakteurzeit von Karl May. Band 72, Karl-May-Verlag, Bamberg 1968, ISBN 3-7802-0072-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christian Heermann: Winnetous Blutsbruder. Karl-May-Biografie. Lothar und Bernhard Schmid (Herausgeber), Karl-May-Verlag, Bamberg/Radebeul 2003, ISBN 3-7802-0161-5, S. 134-140.
  2. Wanda. Bei Zeno.org..
  3. Die Fastnachtsnarren. Bei Zeno.org..
  4. Geographische Predigten. Bei Zeno.org..
  5. Roland Schmid (Herausgeber): Schacht und Hütte. Frühwerke aus der Redakteurzeit von Karl May. Band 72, Karl-May-Verlag, Bamberg 1968, ISBN 3-7802-0072-4, S. 572/573.
  6. Wolfgang Hermesmeier/Stefan Schmatz: Entstehung und Ausbau der Gesammelten Werke. Eine Erfolgsgeschichte seit 110 Jahren. In: Lothar und Bernhard Schmid (Herausgeber): Der geschliffene Diamant. Die Gesammelten Werke Karl Mays. Karl-May-Verlag, Bamberg/Radebeul 2003, ISBN 3-7802-0160-7, S, 463/464.
  7. Roland Schmid (Herausgeber): Schacht und Hütte. Frühwerke aus der Redakteurzeit von Karl May. Band 72, Karl-May-Verlag, Bamberg 1968, ISBN 3-7802-0072-4, S. 574.
  8. Roland Schmid (Herausgeber): Schacht und Hütte. Frühwerke aus der Redakteurzeit von Karl May. Band 72, Karl-May-Verlag, Bamberg 1968, ISBN 3-7802-0072-4, S. 38/39.