Geldmarktpapier

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Ein Geldmarktpapier (auch Liquiditätstitel oder Schatzwechsel) ist ein spezielles Wertpapier, das zur Beschaffung kurzfristiger Gelder ausgegeben (emittiert) wird. Es handelt sich um ein Instrument des Geldmarktes; die Laufzeit beträgt in der Regel bis zu einem Jahr[1]

In aller Regel handelt es sich bei Geldmarktpapieren um abgezinste Schuldverschreibungen: Der Kauf- bzw. Verkaufspreis ergibt sich aus dem Nominalwert abzüglich der für die Laufzeit insgesamt anfallenden Zinsen. Er ist folgendermaßen zu errechnen:

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geldmarktpapiere können nach der Art des Emittenten (Öffentliche Hand, kurz „Staat“, oder Unternehmen) unterschieden werden:

Staat als Emittent[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland sind Schatzwechsel – vom Staat ausgegebene Geldmarktpapiere mit einer Laufzeit von maximal 3 Monaten – unüblich, da der Staat seinen Kassenkreditbedarf anderweitig deckt.[2]

Der Staat begibt unverzinsliche Schatzanweisungen („Bubills“, „U-Schätze“), die bis 2004 mit einer Mindeststückelung von 1 Million Euro, seitdem mit einer Mindeststückelung von 0,01 Euro von der Bundesrepublik Deutschland ausgegeben werden. Es gibt sie mit Laufzeiten von sechs oder zwölf Monaten.[3]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geldmarktbuchforderungen (GMBF) werden von der Schweizerischen Eidgenossenschaft und anderen öffentlichen Gebietskörperschaften in der Schweiz ausgegeben. Sie wurden erstmals 1979 von der Eidgenossenschaft emittiert und nehmen seither einen festen Platz am Schweizer Geldmarkt ein. GMBF weisen in der Regel eine Laufzeit zwischen drei und zwölf Monaten auf und werden auf Diskontbasis verzinst. Als Ergänzung zu ihrem geldpolitischen Instrumentarium führte die Schweizerische Nationalbank 2008 eigene Geldmarktbuchforderungen, sogenannte SNB Bills, ein. Diese haben eine Laufzeit zwischen einer Woche und einem Monat.

USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den USA gibt es die Schatzwechsel in Form der Treasury Bills, die seit 7. April 2008 mit einer Mindeststückelung von 100 US-Dollar[4] (davor 1.000 US-Dollar) und abgezinst durch die US-Regierung ausgegeben werden.

Unternehmen als Emittent[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Certificates of Deposits (abgekürzt CD) oder Einlagenzertifikate sind von Banken als Inhaberpapieren emittierte Geldmarktpapiere. Ihr Vorteil liegt darin, dass sie auf Sekundärmärkten gehandelt werden können. Ein Anleger kann damit ein CD vor Fälligkeit wieder veräußern und damit einen unvorhergesehenen Kapitalbedarf decken.

Commercial Papers (abgekürzt CP) werden vornehmlich durch erstklassige Industrieadressen oder in Form besicherter Geldmarktpapiere (englisch asset-backed commercial paper, Abkürzung ABCP) durch spezielle Emissionsgesellschaften (Conduits) begeben. In der Regel ist ein ausgezeichnetes Rating des Emittenten Voraussetzung für die Platzierung und den Handel. Commercial Papers werden zur Deckung eines kurzfristigen Kreditbedarfs ausgegeben.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Bundesbank: Geldmarktpapier. Glossareintrag. Abgerufen am 21. Oktober 2015.
  2. Cordula Heldt: Schatzwechsel. In: Gabler Wirtschaftslexikon. Abgerufen am 17. September 2017.
  3. Unverzinsliche Schatzanweisungen ("Bubills"). Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur GmbH, abgerufen am 21. Oktober 2015.
  4. Sarah Siddons: How Treasury Bills Work. In: HowStuffWorks.com. 16. Juli 2008, abgerufen am 27. Juni 2013 (englisch).