Schiffswerft Laubegast

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Elbdampfschiffahrtsgesellschaft (und Nachfolger) und ihre Werften
Blick von der Elbe auf die Slipanlagen der Schiffswerft
Seitenraddampfer Dresden, gebaut 1926 von der Werft Laubegast.
Der Raddampfer Leipzig, 1929 auf der Schiffswerft Laubegast gebaut.

Die Schiffswerft Laubegast entstand von 1895 bis 1898 im heutigen Dresdner Stadtteil Laubegast, nachdem die als Elbdampfschiffahrts-Gesellschaft gegründete Sächsisch-Böhmische Dampfschiffahrtsgesellschaft ihre 1855 in Blasewitz errichtete Werft auf Betreiben der aufstrebenden Villengemeinde verlegen sollte.

Sie ist die letzte verbliebene Schiffswerft in Dresden.

Gründung bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dampfschifffahrt auf der Oberelbe begann im Jahr 1835, als ein Heckraddampfboot von Heinrich Wilhelm Calberla, Besitzer der Calberlaschen Zuckersiederei, am 7. Mai 1835 von Hamburg kommend mit zwei Kähnen im Schlepp in Dresden eintraf. Die am 25. März 1836 mit einer konstituierenden Sitzung gegründete Elbdampfschiffahrts-Gesellschaft erhielt am 8. Juli 1836 das Privileg zur Dampfschifffahrt im Königreich Sachsen durch König Friedrich August II. Da der 1851 für sechs Jahre gepachtete Werftplatz in Krippen zu weit ab lag, erwarb die Sächsisch-Böhmische Dampfschiffahrtsgesellschaft 1855 das Naumannsche Stadtgut in Blasewitz und baute es zur Werft aus. Die ersten Neubauten, die Raddampfer Friedrich August und König Johann, entstanden hier ab 1855, wurden jedoch weitgehend in Krippen vormontiert. Auch die nächsten Neubauten (Pillnitz (1857), Meissen (1857), Aussig(1858), Waldschlößchen (1863)) wurden weitgehend auf anderen Werften vorgefertigt. Die 1858 gebaute Kronprinz war das erste Schiff eigener Konstruktion.

Ab 1858 entstanden hier die kompletten Neubauten für die Gesellschaft, die im Verkehr der Oberelbe eingesetzt wurden. Bis 1900 waren es 42 Raddampfer, die ausschließlich an die Sächsisch-Böhmische Dampfschiffahrtsgesellschaft abgeliefert wurden. Im Jahr 1911 besaß die Gesellschaft 33 Dampfschiffe. Neun davon, z. B. die Pillnitz (1886), sind noch heute im Einsatz und zeigen die erstaunliche Qualität der Werft im Bau und Erhalt der Schiffe. Ein Schiff, die 1881 vom Stapel gelaufene Meissen, die ab 1907 als Kronprinz Wilhelm auf der Weser fuhr, befindet sich seit 1968 teilweise im Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven (Mittelschiff mit Kessel, Maschine und Schaufelrädern).

Im Jahr 1898 wurde die Werft nach Laubegast verlegt, wo neben Seitenraddampfern zunehmend auch andere Schiffe wie Motorschuten, Motorfähren und Schleppkähne entstanden. Bis 1945 entstanden insgesamt rund 125 Schiffe.

Schiffsreparaturwerft Laubegast[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach anfänglichen Demontagen der Werften in der SBZ von 1945 bis 1948 folgte 1948 SMAD-Befehl Nr. 103, der anordnete, die Kapazitäten im Schiffbau und in der Schiffsreparatur zu erhöhen. Daraufhin wurden an Flüssen im Inland und an der Küste vorhandene Werften erweitert, neue Werften gebaut und eine eigene Schiffbauzulieferindustrie aufgebaut. Die VEB Schiffsreparaturwerft Laubegast beschäftigte sich anfangs mit der Schiffsreparatur und begann etwa ab 1958 mit dem Bau neuer Schiffe. Vorwiegend wurden Fährschiffe, Stoßboote und Motorkähne gefertigt. Bis zur Privatisierung umfasste die Bauliste 165 Schiffe.

Privatisierung 1991 und Insolvenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Privatisierung durch die Treuhand wurde die Werft Laubegast in den Werftverbund Deutsche Binnenwerften integriert. Sinkende Aufträge führten in den Folgejahren zum Insolvenzantrag.[1] Im Jahr 2000 wurde die Werft von Dresdner Investoren übernommen und als eigenständige Werft betrieben. 2005 wurde die Schiffswerft Laubegast verkauft und in Schiffs- und Yachtwerft Dresden GmbH (SYWD) umbenannt. Sie war weiterhin für die Wartung und Reparatur sowie Umbauten und Modernisierungen der Dampfer der Sächsischen Dampfschiffahrt (Weiße Flotte) und anderer Schiffe zuständig.

Nach einem Großauftrag für die Fähren Kwale und Likoni für Kenia, die nicht kostendeckend gebaut werden konnten, meldete die Schiffs- und Yachtwerft Dresden im Januar 2011 Insolvenz an.[1] Am 28. März 2013 wurde die Werft zunächst geschlossen.[2] Im April des Jahres verhandelte zunächst eine von sechs Handwerksunternehmen aus Sachsen gegründete Genossenschaft um die Übernahme der Werft.[3] Im Frühsommer des Jahres wurde die Werft an den Siegener Unternehmer Reinhard Saal verkauft.[4][5][6] Der Schiffbau wurde aufgegeben und Teile der Werft an die Sächsische Dampfschiffahrts-Gesellschaft vermietet, die dadurch über eine eigene Reparaturwerkstatt verfügt.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • DDR Schiffbau: Tradition und Gegenwart – Schiffbaumuseum auf dem Traditionsschiff. Schiffbaumuseum Rostock-Schmarl, Rostock 1972.
  • D. Strobel, G. Dame: Mit MTW zur See: Schiffbau in Wismar. Hinstorff, Rostock 1996, ISBN 3-356-00660-6.
  • D. Strobel, G. Dame: Schiffbau zwischen Elbe und Oder. Koehler, Herford 1993, ISBN 3-7822-0565-0.
  • E. Müller, R. Schlott, K. Wietasch: Technische Innovationen in der Binnenschifffahrt. In: 100 Jahre Schiffbautechnische Gesellschaft. Springer, Berlin 2001.
  • R. Schönknecht, A. Gewiese: Binnenschiffahrt zwischen Elbe und Oder. Hamburg 1996.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Werft Laubegast – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Tobias Wolf: Laubegaster Werft ist pleite, Sächsische Zeitung, 11. Januar 2011.
  2. Tobias Wolf: Das unvollendete Ende, Sächsische Zeitung, 30. März 2013.
  3. Bettina Klemm: Genossenschaft will Laubegaster Werft retten, Sächsische Zeitung, 30. April 2013.
  4. Frischekur für Laubegaster Werft, Sächsische Zeitung, 24. Dezember 2013.
  5. Tobias Wolf: Ärger um fehlende Werft-Akten, Sächsische Zeitung, 21. Oktober 2013.
  6. Siegener kauft Werft in Dresden, Siegener Zeitung.
  7. Tobias Wolf: Aus für Schiffsbau in Laubegast, in: Sächsische Zeitung, 28. März 2015.

Koordinaten: 51° 1′ 8″ N, 13° 50′ 38″ O