Schlacht von Fromelles

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Schlacht von Fromelles
Deutscher Bunker in Fromelles 2007
Deutscher Bunker in Fromelles 2007
Datum 19. Juli 1916 bis 21. Juli 1916
Ort nahe Fromelles
Ausgang Sieg des Deutschen Kaiserreichs
Territoriale Änderungen Keine
Folgen Abnutzungsschlacht ohne große Geländegewinne
Konfliktparteien
Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich
Deutsches Kaiserreich
FrankreichFrankreich Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland
Entente
Befehlshaber
Gustav Scanzoni von Lichtenfels Richard Haking
Colin John Mackenzie
James McCay
Truppenstärke
10.000–15.000 30.000+
Verluste
1500 5.533 Australier und 1.500 tote, verwundete oder gefangen genommene Briten
Das RIR 16 mit seinen Schwesterregimentern besteht einen Überraschungsangriff der Gegner bei Lille

Die Schlacht von Fromelles war eine im Jahre 1916 stattfindende Schlacht im Ersten Weltkrieg, die in einem Desaster für die First Australian Imperial Force endete.

Ausgangslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fromelles befindet sich im Département Nord, 16 km westlich der französischen Großstadt Lille, in der Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie in Frankreich. Das Bayerische Reserve-Infanterie-Regiment 16 und seine Schwesterregimenter befanden sich als Bestandteil der 6. Bayerischen Reserve-Division zu diesem Zeitpunkt in Fromelles. Es galt mit einem zwar motivierten, aber schlecht ausgebildeten Kriegsfreiwilligenanteil von 30 Prozent als schwacher Gegner. Für die Aufgabe, den damals ruhigen Abschnitt bei Lille zu sichern, hielt es der deutsche Generalstab unter dem Oberkommandierenden Prinz Rupprecht von Bayern jedoch für geeignet. Die ganze Aufmerksamkeit der Stäbe richtete sich auf die Schlacht um Verdun und die Schlacht an der Somme. Der Feindaufklärung war aber nicht entgangen, dass sich dieser schwach ausgestattete Frontabschnitt für einen kleinen Entlastungsangriff mit eventuellem Durchbruch zu obig genannten Schlachten eignen würde.

Verlauf der Schlacht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

General Richard Haking
Lage am 19. Juli

Gegenüber den Truppen der 6. Bayerischen Reserve-Division lagen die gering eingeschätzte 61st (2nd South Midland) Division und die unerfahrene 5. australische Division, ein Teil der Australian Imperial Force, unter dem gemeinsamen Befehl von General Officer Commanding (GOC) Richard Haking (XI Corps). Sein Gegenüber war der Würzburger Generalleutnant Gustav Scanzoni von Lichtenfels. Nach dreitägigem schwerem Artilleriefeuer auf den Abschnitt griffen die Briten und Australier am Abend des 19. Juli 1916 die Stellungen der Deutschen an. Der Sturmangriff wurde wider Erwarten zu einem Desaster. Unter relativ geringen Verlusten konnten die Bayern, in ihren gut gesicherten Gräben, Bunkern und MG-Ständen, bei zunächst geringfügigen Gebietsverlusten den Angriff stoppen. Am nächsten Tag gelang es mit Handgranatentrupps das verlorene Terrain zurückzuerobern. Die 6. Bayerische Reserve-Division mit dem List-Regiment war der eindeutige Sieger der Schlacht.

Nachspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gefallene britische Soldaten nach deutschen Angriff mit Giftgas während der Schlacht von Fromelles
2010 angelegter Friedhof für die gefallenen Australier der AIF

Nie zuvor und danach in der Geschichte der Australischen Streitkräfte hatte diese Armee so hohe Verluste in einer Schlacht zu beklagen. Von einer Untersuchungskommission wurde die Schuld zu einem großen Teil dem britischen General Richard Haking gegeben. Die Australier nannten den General später abwertend „Butcher Haking“ (Schlächter Haking). Die Australische Armee hatte in ihren Feldzügen im Burenkrieg, Koreakrieg und in Vietnam insgesamt ungefähr 5300 gefallene Soldaten zu beklagen. Bei der Schlacht von Fromelles wurde diese Zahl innerhalb von 24 Stunden erreicht.

In dem Reserve-Infanterieregiment 16 diente zur damaligen Zeit auch Adolf Hitler als Ordonnanz und Meldegänger beim Regimentsstab.

Verletzungen der Genfer Konvention[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Schlacht beanstandeten beide Kriegsparteien Verstöße gegen die Genfer Konvention.[1] Die Australier behaupteten, dass bayerische Soldaten teilweise auf offensichtlich verwundete Australier geschossen hätten. In einem weiteren Fall hätten die Bayern einen erblindeten Australier zur Belustigung im Kreis laufen lassen und ihn anschließend erschossen. Die Bayern wiederum behaupteten, dass sie bei der Bergung der vielen toten und verwundeten australischen Soldaten beschossen wurden. In einem weiteren Fall am 20. Juli 1916, der bestätigt wurde, ergab sich ein Offizier der 14. Australischen Infanteriebrigade zunächst zwei Soldaten der 6. Reserve-Division und befahl dann seinen Männern, dasselbe zu tun. Die Australier missachteten aber seinen Befehl oder verstanden ihn nicht und erschossen die beiden bayerischen Soldaten.

In einem Fall beschwerten sich zwei Unteroffiziere der 10. Kompagnie des Reserve-Infanterieregiments 16 über ihren Leutnant und Kompanieführer dahingehend, dass er während des Gefechts in seinem befestigten Unterstand geblieben sei. Einer von ihnen erklärte dem in Santes weilenden Kommandeur: „Jetzt könnt ihr mich am Arsch lecken, jetzt mache ich was ich mag.“[2]

Denkmal, Friedhof und Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nähe von (bzw. in) Fromelles befinden sich folgende von der Commonwealth War Graves Commission unterhaltenen Einrichtungen:

  • V.C. Corner Australian Cemetery and Memorial, bis 2010 der einzige CWGC-Friedhof, auf dem nur Australier liegen, und gleichzeitig der einzige, in dem es keine Grabstelen gibt, denn es handelt sich ausschließlich um die Reste von 1918 eingesammelten, unidentifizierbaren Körperteilen ungefähr tausend australischer Soldaten;
  • der nur ein paar hundert Meter von 1. entfernte, aber jenseits der Grenze im Département Pas de Calais befindliche kleine, sehr schöne Friedhof der rue Pétillon (Le Trou Aid Post Military Cemetery), in welchem auch Australier liegen;
  • der neue Friedhof Fromelles (Pheasant Wood) Military Cemetery; und
  • ein Museum (in Fromelles) für die gefallenen Söhne Australiens in der Schlacht von Fromelles im Ersten Weltkrieg.

Das Pheasant Wood Military Cemetery der Commonwealth Graves Commission wurde am 19. Juli 2010, dem 94. Jahrestag des Beginns der Schlacht, eingeweiht. Gleichzeitig wurden die sterblichen Überreste des letzten der 250 von den bayerischen Gegnern in mehreren, vor dem Pheasant Wood quasi im Schatten der Pfarrkirche ausgehobenen, Bruderschaftsgräbern inhumierten australischen Soldaten im Beisein von Charles, Prince of Wales sowie christlicher Geistlicher, eines Rabbi und der damaligen australischen Generalgouverneurin mit militärischen Ehren beigesetzt, wobei der Thronfolger mit entblößtem Haupte hinter der Lafette herschritt. Die bis dahin identifizierten Toten erhielten, wie üblich, eine Grabstele mit dem Abzeichen der australischen Streitkräfte und darunter Namen, Dienstgrad, Lebensdaten und einer Widmung ihrer Hinterbliebenen. Bei Zugehörigkeit zu einer christlichen Glaubensgemeinschaft trägt der Stein auch das Kreuzzeichen. Die Stelen der nicht identifizierten Toten tragen, ebenfalls wie üblich, die Aufschrift „Known unto God“.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Cobb: Fromelles 1916. The History Press, Stroud 2010, ISBN 978-0-7524-5601-0.
  • Thomas Weber: Hitler’s First War: Adolf Hitler, the Men of the List Regiment, and the First World War. Oxford University Press, 1. Auflage 2010, ISBN 978-0-19-923320-5.
  • Thomas Weber: Hitlers erster Krieg. Der Gefreite Hitler im Weltkrieg – Mythos und Wahrheit. List Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-548-61110-5.
  • Friedrich Wiedemann: Das Gefecht bei Fromelles am 19. und 20. Juli 1916. In: Solleder, Fridolin (Hg.): Vier Jahre Westfront. Geschichte des Regiments List R.I.R. [=Reserve Infanterie Regiment] 16. München: Max Schick Verlag 1932. (= Erinnerungsblätter deutscher Regimenter. Bayerische Armee. Hg. vom Bayerischen Kriegsarchiv. Bd. 76). S. 214–236.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Battle of Fromelles – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Übersetzung: Hitlers Erster Krieg: Der Gefreite Hitler im Ersten Weltkrieg – Mythos und Wahrheit, Propyläen Verlag, Berlin 2011, S. 198.
  2. Deutsche Übersetzung: Hitlers Erster Krieg: Der Gefreite Hitler im Ersten Weltkrieg – Mythos und Wahrheit, Propyläen Verlag, Berlin 2011, S. 201.