Haus Lerbach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Schloss Lerbach)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Haus Lerbach
Koordinaten: 50° 58′ 55″ N, 7° 9′ 18″ O
Haus Lerbach (Bergisch Gladbach)
Haus Lerbach

Lage von Haus Lerbach in Bergisch Gladbach

Hotel Schloss Lerbach
Hotel Schloss Lerbach

Haus Lerbach ist ein Ortsteil im Stadtteil Sand von Bergisch Gladbach. Dort steht auch ein ehemaliges Herrenhaus im Neorenaissancestil mit Englischem Landschaftspark als Hotel mit dem Namen Schloss Lerbach.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich stand hier eine Wasserburg in der Nähe des Lerbachs. Das Wort Ler ist vermutlich aus dem mittelhochdeutschen „lei/leie“ (= Fels, Schiefergestein) herzuleiten, wonach Lerbach als Felsbach zu deuten ist. Im Mai 1384 wird die Burg erstmals urkundlich als Rittergut erwähnt, das in den Besitz von Johann von Hoenen überging.[2]

1893 verkaufte Graf Levin von Wolff-Metternich das Gut an den Papierfabrikanten Richard Zanders und seine Ehefrau Anna Zanders, eine Tochter des Erfinders und Unternehmers Werner von Siemens. Das Ehepaar ließ von Ludwig Bopp nach Plänen von Gabriel von Seidl ein Herrenhaus im englischen Landhausstil erbauen, das 1898 fertiggestellt war. Anschließend wurde die baufällige alte Wasserburg im Jahr 1900 abgerissen. Seitdem war das Anwesen Wohnsitz der Eheleute Zanders. 1939 erbte es nach Anna Zanders' Tod ihr Neffe Hermann von Siemens; seither sind Gut und Schloss im Besitz dieser Familie.[3]

Bis 1918 trug das Anwesen fälschlich den Namen Leerbach. Zusammen mit der Korrektur des Namens erhielt das gesamte Anwesen den Namen Haus Lerbach.[1]

Zwischen 1961 und 1987 war es unter dem Namen Europäische Akademie Lerbach der Sitz des Gustav-Stresemann-Institutes. 1988 diente es u.a. als Kulisse für die Fernsehserie Forstinspektor Buchholz.

Seit 1992 wurde das Herrenhaus nach aufwendigen Sanierungsarbeiten als Hotel genutzt. Gleichzeitig erhielt das Gebäude den Namen Schloss Lerbach. Von 1992 bis 2008 war dort das Gourmet-Restaurant Dieter Müller beheimatet, das 2008 von Nils Henkel übernommen wurde und 2010 in Gourmetrestaurant Schloss Lerbach umbenannt wurde. Von 1998 bis 2011 war es mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet, seitdem nur noch mit zwei.[4]

Seit Ende Januar 2015 sind sowohl das Hotel als auch das Restaurant geschlossen. Die gesamte Anlage wird restauriert und neu gestaltet. Eine Wiedereröffnung wird noch einige Zeit auf sich warten lassen.[5]

Der Landschaftspark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Berliner Gartendirektor Albert Brodersen gestaltete im Lerbachtal einen Landschaftspark, der in die umgebende Auen- und Waldlandschaft eingebettet ist. [6] Die Anlage des Parks nahm mehrere Jahre in Anspruch; vorhandene Teile des alten Parks wurden übernommen, während Neuanpflanzungen und – heute nicht mehr sichtbare – umfangreiche Erdbewegungen die Landschaft umgestalteten.[7] Bauleiter des Parks war wohl Oskar Lindemann.

Der Park ist von meist „natürlich“ geschwungenen Wegen durchzogen, die die inszenierte Landschaft mit ihren Kleinbauten, besonderen Pflanzen und Blickachsen erlebbar machen. An der tiefsten Stelle liegt ein Teich, der aus dem Graben der alten Wasserburg Lerbach hervorging. Der Blick von Süden über diesen Teich auf die Südfassade von Haus Lerbach ist eines der zentralen Parkbilder und das vielfach abgebildete Markenzeichen des Anwesens. Vom südlichen Parkeingang steigt ein in regelmäßigen Abständen von beschnittenen Taxuswürfeln rythmisierter Fußweg in gerader Linie aufwärts zum Herrenhaus, während die Hauptzufahrt sich im Osten befindet und zum Hauptportal und weiter in den Wirtschaftshof führt.

Das um 1900 nach Plänen Gabriel von Seidls errichtete neue Haus Lerbach wurde durch verschiedene Terrassen mit formalen Gärten, Brunnen und Schmuckbeeten an Süd- und Westseite als den Hauptschauseiten, sowie einem ebenfalls gärtnerisch streng gestalteten Innenhof in das Parkkonzept eingebunden. Diese Parkteile vermitteln ästhetisch und funktional zwischen Haus und Natur bzw. Architektur und Landschaft. Im nördlichen Teil des Geländes, im Anschluss an das Herrenhaus, befindet sich der ebenfalls neu errichtete Wirtschaftshof mit Reitstall, der einen – auch für die Betreuung der Parkanlage – unverzichtbaren funktionalen und zugleich gestalterischen Teil des Anwesens bildet.

Im Laufe seiner Geschichte hat der Park zahlreiche Veränderungen und Verluste erfahren. Nicht mehr vorhanden ist etwa der geometrisch gestaltete Nutzgarten westlich des Herrenhauses. Teile der Terrassenanlage wurden umgestaltet, ebenso des Innenhofs. Leider sind auch die ehemals im Park verteilten Skulpturen überwiegend nicht mehr vorhanden.

Erst kürzlich wurde der Lerbach am südlichen Teichrand entlanggeführt. Die dabei gepflanzten Erlen beeinträchtigen leider die ikonische Südansicht des Herrenhauses empfindlich.

Der Park von Haus Lerbach gilt als einer der besterhaltenen und bedeutendsten späthistoristischen Parkanlagen im Rheinland.[8] Er macht die Sonderstellung der Familie Zanders durch ihre Verbindung mit der hauptstädtischen Berliner Kunstszene deutlich. Die noch weitgehend nachvollziehbare Einheit von Haus und Park als zentrales Charakteristikum späthistoristischer, vom englischen Country House geprägter Herrensitze hebt Lerbach ebenfalls über viele kleinere Anwesen hinaus und stellt es in eine Reihe mit den bedeutendsten erhaltenen barocken und romantischen Schlossparks im Rheinland wie Brühl und Dyck.

Laut Medienberichten [9] soll der Park in Zukunft mehr vom Hotel genutzt werden.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Lerbach steht unter Denkmalschutz und wurde unter Nr. 78 in die Liste der Baudenkmäler in Bergisch Gladbach eingetragen. Das Denkmal Haus Lerbach umfasst Herrenhaus und Park einschließlich aller Wirtschafts- und Nebengebäude wie Toranlagen, Pförtner(wohn)häusern und Reithalle.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Andree Schulte, Bergisch Gladbach, Stadtgeschichte in Straßennamen, herausgegeben vom Stadtarchiv Bergisch Gladbach, Band 3, und vom Bergischen Geschichtsverein Abteilung Rhein-Berg e. V., Band 11, Bergisch Gladbach 1995, S.176, ISBN 3-9804448-0-5
  2. Andree Schulte Bergisch Gladbach, Stadtgeschichte in Straßennamen, Bergisch Gladbach 1995, ISBN 3-9804448-0-5, S. 165 f.
  3. Herbert Stahl (Redaktion): Gronau, Bergisch Gladbach 2007, ISBN 978-3-932326-51-6, S. 178
  4. Zwei Sterne im Guide Michelin 2012
  5. Althoff gibt Hotel ab, Zukunft des Gourmetrestaurants ist offen (Memento vom 15. Dezember 2014 im Internet Archive) abgerufen am 20. Dezember 2015
  6. siehe Kuhnle 1988
  7. siehe Brodersen 1910
  8. Hombach, Rita: Landschaftsgärten im Rheinland. Die Erfassung des historischen Bestands und Studien zur Gartenkultur des „langen“ 19. Jahrhunderts (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern im Rheinland, Band 37), Worms 2010 (Lerbach: S. 244–248); siehe auch zuletzt: Pufke, Andrea (Hg.) 20 Jahre Gartendenkmalpflege – Standortbestimmung. Dokumentation zum 20. Kölner Gespräch zu Architektur und Denkmalpflege in Köln, 11. Mai 2015 (Mitteilungen aus dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege, Landschaftsverband Rheinland, Heft 23), Pulheim 2015, digital unter: http://www.denkmalpflege.lvr.de/media/denkmalpflege/publikationen/online_publikationen/15_3268-Heft_23_Gartendenkmalpflege-inhalt.pdf, S. 34/35
  9. http://www.rundschau-online.de/region/rhein-berg/umbau-in-bergisch-gladbach-schloss-lerbach-verwandelt-sich-1016972

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Lerbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien