Eiben

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Dieser Artikel befasst sich mit der Gattung der Eiben; zu weiteren Bedeutungen siehe Eibe (Begriffsklärung) bzw. Eiben (Begriffsklärung).
Eiben
Europäische Eibe (Taxus baccata), Illustration

Europäische Eibe (Taxus baccata), Illustration

Systematik
Abteilung: Gefäßpflanzen (Tracheophyta)
Unterabteilung: Samenpflanzen (Spermatophytina)
Klasse: Coniferopsida
Ordnung: Koniferen (Coniferales)
Familie: Eibengewächse (Taxaceae)
Gattung: Eiben
Wissenschaftlicher Name
Taxus
L.

Die Eiben (Taxus) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Eibengewächse (Taxaceae). Die etwa zehn Arten sind hauptsächlich in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel verbreitet; in Europa ist die Europäische Eibe (Taxus baccata) als einzige Art heimisch.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weibliche Eibenblüten mit Bestäubungstropfen
Der rote Samenmantel umhüllt den Samen becherförmig
Diese Europäische Eibe wurde auf etwa 1400 Jahre geschätzt und wird Eibe von Henryków genannt. Sie galt bis 1945 als ältester Baum Deutschlands; heute gilt sie als ältester Baum Polens

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eiben-Arten sind immergrüne Sträucher oder kleine bis mittelgroße Bäume. Junge Zweige besitzen anfangs eine grüne bis gelblich-grüne Rinde; an ihrem unteren Bereich kann man einige Knospenschuppen beobachten. Später wird die Rinde rötlich-braun, an älteren Ästen entwickelt sich eine schuppige, rötlich-braune Borke.[1][2]

Die Nadeln sind spiralig am Zweig angeordnet, sind aber gescheitelt, so dass sie zweireihig angeordnet zu sein scheinen. Die linealischen, biegsamen Nadeln können gerade oder gebogen sein, vorne enden sie mit einer kleinen aufgesetzten, aber nicht stechenden Spitze. Auf der Oberseite der Nadeln tritt die Mittelader hervor, auf der Unterseite befinden sich zwei helle Streifen mit den Stomata.[1][2]

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eiben-Arten sind meist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch): Männliche und weibliche Blüten stehen auf separaten Pflanzenexemplaren, gelegentlich sind sie einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch). Die männlichen Zapfen sind kugelig, gelblich mit vier bis 16 Sporophyllen, die jeweils zwei bis neun Sporangien besitzen.[1][2]

Die Samen reifen im Jahr der Befruchtung. Weibliche Pflanzen tragen im Herbst rote „Früchte“, die in der Mitte einen einzelnen Samen enthalten. Das den Samen umgebende rote, fleischige Gewebe, der Samenmantel (Arillus) entwickelt sich nicht aus der Samenschale (Testa), sondern aus dem Stielbereich der Samenanlage (Funiculus). Der becherförmige Arillus weist je nach Art unterschiedliche Rottöne auf. Man spricht in diesem Fall nicht von einer Frucht (im botanischen Sinne), sondern von einem Samenmantel (Arillus), da es Früchte per definitionem nur bei Bedecktsamigen Pflanzen geben kann.[1][2]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verbreitung des Pollens erfolgt über den Wind (Anemophilie). Die Samen werden hauptsächlich von Vögeln verbreitet, die den fleischigen Samenmantel verzehren und den Samen später wieder ausscheiden (Endochorie).[3] Die Keimung erfolgt epigäisch, es sind zwei Keimblätter vorhanden.[1]

Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Eibenarten, wie die Europäische Eibe (Taxus baccata), enthalten sehr giftige Inhaltsstoffe wie Taxin B. Insbesondere die Pazifische Eibe (Taxus brevifolia) enthält Paclitaxel (Taxol), das zur Behandlung von Brust- und Eierstockkrebs eingesetzt wird. Giftig sind Rinde, Nadeln und Samen. Der rote Samenmantel enthält jedoch keine Giftstoffe. Fälle von tödlichen Vergiftungen durch Eiben sind von Menschen, Rindern und Pferden bekannt; Hirsche und Elche dagegen fressen gelegentlich Eibennadeln.[2][4] Das Vorkommen von Ecdysteron wurde mehrfach beschrieben.[5][6]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eiben-Arten sind hauptsächlich in der gemäßigten Zone der Nordhalbkugel verbreitet. In der Neuen Welt erreichen sie südwärts noch Mexiko, Guatemala und El Salvador. In Südostasien sind sie in tropischen Gebirgswäldern vertreten und überschreiten auf Celebes den Äquator. Während sie im Norden ihres Verbreitungsgebietes in tieferen Lagen vorkommen, erreichen sie in den Tropen Höhenlagen von 3000 Meter.[3]

Eiben waren ursprünglich in Deutschland rund um die Bergregionen weit verbreitet. Im Jahr 1568 unterrichtete Herzog Albrecht den Kaiserlichen Rat in Nürnberg, dass sich in ganz Bayern keine hiebreife Eibe mehr befinde. Der Grund dafür war, dass aus dem Holz der Eiben die englischen Langbögen hergestellt wurden. Von Nürnberg aus wurden sie zu Tausenden als früher Exportschlager nach Antwerpen verschifft. Der Paterzeller Eibenwald hat sich als kleines Eibenwaldrelikt im ehem. Klosterforst von Wessobrunn bis heute erhalten, ebenso ein Naturwaldreservat Eibenwald in Gößweinstein.[7]. Weitere größere Vorkommen befinden sich in Süd-Niedersachsen nahe Bovenden nördlich von Göttingen sowie in Thüringen im Ibengarten bei Dermbach in der Rhön sowie am Lengenberg westlich Lutter (Eichsfeld) im Kreis Heiligenstadt.

Eiben wachsen in der Strauchschicht feuchter Wälder oder bilden einen Teil der Kronenschicht.[3]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pazifische Eibe (Taxus brevifolia)

Die systematische Abgrenzung der Arten und Varietäten innerhalb der Gattung ist schwierig und bei den Autoren teils unterschiedlich.[3][8][9] Aljos Farjon unterscheidet folgende Arten:[10]

Der wissenschaftliche Name der Gattung, lateinisch taxus, wird etymologisch über neupersisch taχšArmbrust, Pfeil‘ und altgriechisch τόξον ‚Pfeilbogen‘ (für deren Herstellung sich Eibenholz offenbar besonders eignet) mit (vielleicht beiden Wörtern zugrundeliegendem) skythisch *taχša- verbunden, sowie mit dem nicht näher bestimmbaren altindischen Baumnamen takṣaka-.[14][15]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt zahlreiche Kreuzungen. Die bekannteste Kreuzung ist die Hybrid-Eibe (Taxus ×media Rehder), eine 1900 in Massachusetts entstandene Kreuzung aus Taxus baccata und Taxus cuspidata. Ihre breit säulenförmig wachsende Zuchtform ‘Hicksii’ wird relativ häufig in Parks und Gärten gepflanzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aljos Farjon: A Handbook of the World’s Conifers. Band 2. Brill, Leiden-Boston 2010, ISBN 978-90-04-17718-5, S. 969–985.
  • Fred Hageneder et al.: Die Eibe in neuem Licht. Eine Monographie der Gattung Taxus mit Fotos von Andy McGeeney, Verlag Neue Erde, Saarbrücken 2007, ISBN 978-3-89060-077-2.
  • Jürg Hassler-Schwarz: Die Eibe. Eine Beschreibung der physischen und mythischen Eigenschaften sowie der kulturellen Bedeutung in Graubünden. Calven Verlag, Chur, 2015, 2. erweiterte Auflage, ISBN 978-3-905261-39-4.
  • Petra Mensing et al.: Monographie der Familie Taxaceae. Wissenschaftliche Gehölzmonographien, Band 4, Verlag Gartenbild Hansmann, Rinteln, 2005.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Liguo Fu, Nan Li, Robert R. Mill: Taxus. In: Wu Zhengyi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Bd. 4. Missouri Botanical Garden Press, St. Louis, S. 89 (eFloras.org 1994+).
  2. a b c d e Matthew H. Hils: Taxus. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Bd. 2. Oxford University Press, New York und Oxford (eFloras.org 1993+).
  3. a b c d Eiben bei conifers.org – The Gymnosperm Database. (englisch)
  4. R. Hänsel, K. Keller, H. Rimpler, G. Schneider: Hagers Handbuch Der Pharmazeutischen Praxis. Band 6. Springer Verlag, 1994 (Google Books).
  5. Hoffmeister H, Heinrich G, Staal GB, van der Burg WJ: On the occurrence of ecdysterone in yews., Naturwissenschaften. 1967 Sep; 54(17):471, German, PMID 5586986
  6. De Souza NJ, Ghisalberti EL, Rees HH, Goodwin TW: Studies on insect moulting hormones: biosynthesis of ponasterone A and ecdysterone from [2-14C] mevalonate in Taxus baccata., Biochem J. 1969 Oct;114(4):895-6, PMID 5343810
  7. http://www.br.de/radio/br-heimat/bilder/bayerische-botanische-randnotizen-100.html
  8. Systematik und Bestimmungsschlüssel bei worldbotanical.com. (engl.).
  9. David J. de Laubenfels: Coniferales. Seiten 337-453 in Flora Malesiana, Series I, Vol. 10, Dordrecht: Kluwer Academic, 1988.
  10. Aljos Farjon: A Handbook of the World's Conifers. Band 2, S. 970.
  11. Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.
  12. Jürg Hassler-Schwarz: Die Eibe (Taxus baccata L.): Eine Beschreibung unter besonderer Berücksichtigung des Kantons Graubünden. Ein Versuch zur Beschreibung der Baumart mit ihren physischen und mythischen Eigenarten…, Verlag: Jürg Hassler-Schwarz, 1999.
  13. Beiträge zur Eibe / Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Freising (Hrsg.): Berichte aus der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. Nr. 10. Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. 1996.
  14. Helmut Genaust: Etymologischen Wörterbuch der Botanischen Pflanzennamen. 3. Auflage. Birkhäuser, Basel/Boston/Berlin 1996, ISBN 3-7643-2390-6 (taxícola, S. 631sq.).
  15. Alois Walde, Johann Baptist Hofmann: Lateinisches Etymologisches Wörterbuch. 3. Auflage. Carl Winter, Heidelberg 1954 (taxus, S. 653).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Eiben (Taxus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien