Schmitz Cargobull

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schmitz Cargobull AG
Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1892
Sitz Altenberge, Deutschland

Leitung

  • Andreas Schmitz, Vorstandsvorsitzender
  • Jürgen Kluge, Vorsitzender des Aufsichtsrates
Mitarbeiter 5.678 (Geschäftsjahr 2015/2016)
Umsatz 1.779 Mrd. Euro (Geschäftsjahr 2015/2016)
Website www.cargobull.com

Die Schmitz Cargobull AG ist ein deutscher Hersteller von Sattelaufliegern, Aufbauten und Anhängern. Die Unternehmenszentrale befindet sich in Horstmar, der Sitz der Gesellschaft im benachbarten Altenberge. Das Familienunternehmen beschäftigte im Geschäftsjahr 2015/2016 rund 5.678 Mitarbeiter bei einem Umsatz von 1,779 Mrd. Euro und ist damit Marktführer in Europa im Nutzfahrzeugbau. Anteilseigner sind zu gleichen Teilen die Familien Dr. Heinz Schmitz, Peter Schmitz und Bernd Hoffmann.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung und Aufstieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schmitz Cargobull Zentrale in Horstmar

Die Ursprünge des Unternehmens reichen bis in das Jahr 1892 zurück. Damals begann der Firmengründer Heinrich Schmitz, in der sich seit über 100 Jahren in Familienbesitz befindlichen Schmiede in Altenberge bei Münster Wagen zu bauen. Eine erste Aufwärtsentwicklung nahm der neue Geschäftszweig der Schmiede mit der zunehmenden Motorisierung Ende der 1920er Jahre. In dieser Zeit wandelte sich das Unternehmen vom Handwerksbetrieb zum industriellen Fahrzeugbauer. 1928 wurde der erste, mit Vollgummireifen ausgestattete, Kraftfahrzeuganhänger ausgeliefert. Ab 1935 wurden Sattelauflieger und Kofferfahrzeuge mit Stahl-Außenhaut auf Holzgerippe gefertigt. 1950 produzierte Schmitz seinen ersten isolierten und temperierten Aufbau.

Expansion, Krisen und Neuausrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wuchs in den sechziger Jahren und besonders nach der ersten Ölkrise zu Beginn der siebziger Jahre, als Großaufträge aus den Förderländern im Nahen Osten zweistellige Zuwachsraten brachten. 1969 wurde ein Zweigwerk in Vreden eröffnet. 1980 wurden ein neues Stammwerk in Altenberge auf einem größeren Gelände am Ortsrand gebaut und eine zusätzliche Produktionsstätte in Berlin eingerichtet. Mit dem Beginn des Ersten Golfkriegs brachen in den achtziger Jahren die Aufträge aus den arabischen Ländern weg, und Schmitz Cargobull geriet in eine erste große Krise.[1]

Die Reformpolitik in Osteuropa und die Deutsche Wiedervereinigung verschafften dem Unternehmen vorübergehend neuen Aufschwung, bis Mitte der neunziger Jahre die Aufträge erneut ausblieben. Daraufhin folgte ein rigoroser Umbau der Produktion: Die Produktpalette wurde auf vier Grundtypen beschränkt, die Zahl der benötigten Bauteile stark verringert, die Produktions- und Lieferzeiten verkürzt und der Lohnkostenanteil gesenkt.[2] Darüber hinaus wurde ein Unternehmenskonzept eingeführt, bei dem die Kernproduktionsstätten Altenberge, Vreden und Gotha um sogenannte Satelliten ergänzt wurden, in denen die Endstufe der Produktion nah beim Kunden erfolgt.

Im März 1999 scheiterte ein Börsengang des Unternehmens wegen schwacher Nachfrage nach den Aktien. Pläne für einen erneuten Börsengang gab es seitdem nicht mehr.[3]

Im Geschäftsjahr 2004/2005 (01.04. bis 31.03.) vermeldete Schmitz Cargobull erstmals einen Umsatz von über 1 Mrd. Euro (1,21 Mrd. Euro, 36.000 produzierte Fahrzeuge). Innerhalb von fünf Jahren waren der Umsatz verdoppelt und 1.500 neue Arbeitskräfte eingestellt worden.[4] Im Geschäftsjahr 2007/2008 wurde erstmals ein Umsatz von über 2 Mrd. erzielt (2,14 Mrd. Euro, 66.500 produzierte Fahrzeuge).[5] Infolge der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise ging der Umsatz im Folgejahr um 70 Prozent auf 660 Mio. Euro zurück. Ab 2010/2011 wurde die Milliardengrenze wieder überschritten.[6]

Aktuelle Geschäftsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schmitz Cargobull schloss im November 2012 einen Joint-Venture-Vertrag mit der chinesischen Dongfeng Motor Company, Ltd., einem der weltweit größten Lastwagenhersteller. [7] Die Fertigung in China wurde 2014 in der Stadt Wuhan aufgenommen.[8] Seit 2013 produziert Schmitz Cargobull auch in St. Petersburg in Russland.[9] Das Unternehmen plant für die nächste Zukunft, auch auf die Märkte in Indien und Südamerika vorzudringen und unter anderem im Nahen und Mittleren Osten weiter zu expandieren. [10]

Als neues Geschäftsfeld soll der Paket-Verteilerverkehr erschlossen werden. Schmitz Cargobull hat angekündigt, ab 2017 in die Produktion von Kofferaufbauten für Zustellfahrzeuge bis 3,5 Tonnen Gewicht einzusteigen.[11]

Produkte und Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Produktpalette von Schmitz Cargobull umfasst:

Schmitz Cargobull bietet über Tochterunternehmen folgende Dienstleistungen an:

  • Schmitz Cargobull Finance: Leasing und Mietkauf
  • Schmitz Cargobull Parts & Services: Ersatzteile und Servicedienste
  • Schmitz Cargobull Cool: Transportkältemaschinen
  • Schmitz Cargobull Telematics: Trailer-Telematik
  • Schmitz Cargobull Trailer Stores: Gebrauchtfahrzeughandel

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Großteil der Produktion erfolgt in Deutschland und wird in das Ausland vertrieben. Hauptabsatzmärkte sind Mittel- und Osteuropa, sowie der Nahe und Mittlere Osten.

Fertigungsstätten befinden sich in Deutschland in Altenberge, Vreden, Gotha, Berlin und Toddin, im Ausland in Zaragoza (Spanien), Panevėžys (Litauen), St. Petersburg (Russland) sowie seit Mitte 2014 als Joint-Venture in Wuhan (China).

Schmitz Cargobull ist mit eigenem Vertrieb bzw. Vertriebspartnern in fast allen europäischen Ländern vertreten und unterhält europaweit ein Netz von rund 1.200 autorisierten Werkstätten.

Marke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Markenname Schmitz Cargobull mit dem blauen Elefanten als Markenzeichen wurde Ende der achtziger Jahre eingeführt. Bis dahin firmierte das Unternehmen als Schmitz-Anhänger Fahrzeugbau GmbH und Co. KG.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schmitz Cargobull – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Münsterland goes Europe – die Firma Schmitz Cargobull. 2007. LWL. Geographische Kommission für Westfalen. Westfalen Regional; abgerufen am 16. Oktober 2012
  2. Wachstum durch Verzicht. Wie Schmitz Cargobull mit intelligenter Standardisierung komplexe Kundenwünsche erfüllt. Absatzwirtschaft 9/2006; abgerufen am 16. Oktober 2012
  3. Das Glück des gescheiterten Börsengangs. Manager Magazin online. 17. Mai 2005; abgerufen am 16. Oktober 2012
  4. Schmitz Cargobull schafft über eine Milliarde Umsatz. Verkehrsrundschau 26. September 2005; abgerufen am 16. Oktober 2012
  5. Umsatzsprung bei Schmitz Cargobull. Transport 11. Juni 2008; abgerufen am 16. Oktober 2012
  6. Trailerbauer Schmitz Cargobull: Gut vorbereitet in die Krise. (Memento vom 8. September 2012 im Internet Archive) Financial Times Deutschland 6. September 2012; abgerufen am 16. Oktober 2012
  7. Schmitz Cargobull: Joint Venture mit Dongfeng unterzeichnet. Verkehrsrundschau 20. November 2012; abgerufen am 17. Dezember 2012
  8. Neubau in China. Westfälische Nachrichten vom 4. Dezember 2013; abgerufen am 12. Dezember 2013
  9. Schmitz Cargobull setzt auf Russland. Business in Russland. Nr. 1, 2013. S. 30–31; abgerufen am 12. Dezember 2013
  10. "Wir wollen Global Player werden". (Auszug). KFZ-Anzeiger 7. April 2016. S. 17 (Printausgabe); abgerufen am 13. Juli 2016
  11. Schmitz Cargobull geht auf den Paketmarkt. (Auszug). F.A.Z. vom 22. Dezember 2015; abgerufen am 13. Juli 2016
  12. Der Elefant auf dem Lkw. IHK Nord Westfalen. Wirtschaftsspiegel 12, 2010; abgerufen am 16. Oktober 2012

Koordinaten: 52° 4′ 41″ N, 7° 18′ 29″ O