Schuldenbeteiligungstausch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Ein Schuldenbeteiligungstausch[1], englisch Debt Equity Swap, ist eine Transaktion, bei der eine Forderung eines Gläubigers gegenüber einem Schuldner­unternehmen zugunsten einer entsprechenden Beteiligung an diesem erlischt. Der Schuldner verfügt dabei oft nur noch über eine geringe Bonität.[2]

Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Praxis verläuft ein Schuldenbeteiligungstausch meist so, dass die Forderung des Gläubigers mit einem Abschlag an einen Dritten, zum Beispiel einen Hedgefonds oder eine Investmentbank, verkauft wird. Die Anteile am Unternehmen gehen demnach nicht auf den Gläubiger, sondern auf den Erwerber der Forderung über.[2]

In Deutschland hat sich mittlerweile ein Markt für diese zweifelhaften oder auch notleidenden Forderungen gebildet, auf dem Hedgefonds oder Investmentbanken solche Forderungen mit teilweise sehr hohen Abschlägen auf den Nennwert kaufen, in Eigenkapital umwandeln und sich somit an einem in Schieflage geratenen Unternehmen beteiligen.[3]

Betrachtung aus Sicht des Schuldners[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Unternehmenssicht ist die Einschränkung oder komplette Verhinderung der Überschuldung des Unternehmens der Hauptvorteil eines Schuldenbeteiligungstausches. Im Zuge der Restrukturierung wird die Eigenkapitalquote verbessert und zusätzlich Liquidität geschaffen, da Belastungen durch Zinsen und Tilgung wegfallen. Dies hat zur Folge, dass durch die nun verbesserte Bonität und das damit bessere Rating neue Möglichkeiten für eine Fremdkapital­finanzierung geschaffen werden. Dies ist insbesondere in der Sanierung von Wichtigkeit, da Banken, die bereits Forderungen gegenüber dem Unternehmen haben, eher bereit sind, weitere Kredite zu gewähren.[4]

Es ergeben sich weiterhin durch den Wandel eines Gläubigers zum Gesellschafter Chancen für das angeschlagene Unternehmen. So kann vom neuen Gesellschafter unternehmerische Verantwortung übernommen sowie Sanierungs- und Restrukturierungsarbeit geleistet werden. Es kann ein eigener Sanierungsberater als Geschäftsführer berufen werden oder eine Steuerung über die Aufsichtsratsmandate erfolgen. Dies kann günstigenfalls der erste Schritt zu einem erfolgreichen Turnaround für das Unternehmen sein.[5]

Betrachtung aus Sicht des Gläubigers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Gläubigersicht – häufig handelt es sich um Banken – ist ein Schuldenbeteiligungstausch umso sinnvoller, je weniger werthaltig die Forderung ist. Ist die Forderung aufgrund der drohenden Insolvenz praktisch wertlos geworden, kann ein Schuldenbeteiligungstausch den Schaden für den Gläubiger begrenzen.[6]

Betrachtung aus Sicht des Investors[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Investorensicht ist der Schuldenbeteiligungstausch eine riskante Form der Unternehmensbeteiligung. Liegt der Investor bei der Einschätzung der Turnaround-Möglichkeit falsch und die Sanierung verläuft nicht nach Plan, so ist das Investment verloren – abgesehen von einem möglichen Rückfluss aus der Insolvenzmasse gemäß der Insolvenzquote. Sollte die Restrukturierung gelingen, so wird sich der erworbene Unternehmensanteil im Wert erhöhen und es kann enormes wirtschaftliches Potenzial freigesetzt werden. Insbesondere bei frei handelbaren Anteilen von Aktiengesellschaften (sogenannte „Free Floats“) sind Kursgewinne möglich, die weit über den Betrag der früheren Forderung hinausgehen. Behält der Investor nach erfolgter Sanierung seine Anteile, bleibt ihm ein Einfluss auf die Unternehmensführung, da durch die Kapitalerhöhung der Anteil der Altgesellschafter sank.[2]

Besonderheiten in der Insolvenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) vom 7. Dezember 2011 wurde in § 225a InsO für Gläubiger die Möglichkeit geschaffen, auch gegen den Willen der an einer schuldnerischen Gesellschaft beteiligten Personen Forderungen in Anteile am Unternehmen umzuwandeln. Dieser weitreichende Eingriff in die Stellung der bisherigen Gesellschafter lässt sich mit dem Insolvenzziel der bestmöglichen Gläubigerbefriedigung (§ 1 Satz 1 InsO) rechtfertigen, da die Gesellschafter im Rahmen einer Gesellschaftsinsolvenz nachrangig, das heißt erst nach allen anderen Gläubigern, befriedigt werden. Die bisherigen Gesellschafter müssen daher hinnehmen, dass die Gläubiger sich den Unternehmenswert nutzbar machen, um so im Rahmen einer Sanierung des Unternehmens ihre Forderungen erfüllt zu bekommen. Dies kann in letzter Konsequenz auch dazu führen, dass die Altgesellschafter infolge eines Kapitalschnitts auf Null gänzlich aus dem Unternehmen ausscheiden.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marcel Streeck: Die Situation der Schuldnerin im englischen und im deutschen Insolvenzrecht. In: Ulrich Magnus, Peter Mankowski (Hrsg.): Internationalrechtliche Studien. Band 72 (Einleitung [PDF; 220 kB]).
  2. a b c Ann-Kathrin Schleusener: Der Debt-Equity-Swap. Lang, Frankfurt am Main 2012, ISBN 978-3-631-62289-6.
  3. Christoph Schalast, Christian Daynes: Distressed Debt – Investing in Deutschland – Geschäftsmodelle und Perspektiven. HfB – Business School of Finance and Management, Frankfurt 2005.
  4. Norbert Mückl: Der Debt-Equity-Swap als Sanierungsinstrument im Steuerrecht. In: Finanz-Rundschau Ertragssteuerrecht. 91, 2009, Band 11
  5. School of Finance and Management. 2005.
  6. Bernhard Schellenberg: Sanierungsmanagement: Sofortmaßnahmen in der Unternehmenskrise. Berlin 2008, ISBN 978-3-503-10645-5.
  7. Tobias Gutowski: Der Debt-Equity-Swap als Sanierungsinstrument in der Insolvenzordnung nach dem ESUG. (= Insolvenzrecht in Forschung und Praxis. Band 87). Hamburg 2014, ISBN 978-3-8300-7996-5.