Staatsverschuldung

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Als Staatsverschuldung bezeichnet man die zusammengefassten Schulden eines Staates, also die Verbindlichkeiten des Staates gegenüber Dritten. Die Staatsverschuldung wird in der Regel brutto ausgewiesen, das heißt, die Verbindlichkeiten werden nicht mit Forderungen des Staates an Dritte saldiert.

Nach Eurostat ist der öffentliche Schuldenstand im Vertrag von Maastricht definiert als Brutto-Gesamtschuldenstand des Staatssektors zum Nominalwert am Jahresende nach Konsolidierung, also Verrechnung von Forderungen und Verbindlichkeiten innerhalb des Staatssektors. Der Staatssektor umfasst Zentralstaat und Extrahaushalte, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung.[1][2] Für EU-Mitglieder (und hier insbesondere Mitglieder des Euro-Systems) gilt gemäß den Maastrichter Konvergenzkriterien, dass der öffentliche Schuldenstand im Verhältnis zum nominalen Bruttoinlandsprodukt (sog. Schuldenquote) einen Wert von 60 % nicht überschreiten soll.

Weltkarte der Staatsschulden 2012 in Prozent des jeweiligen Bruttoinlandproduktes

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Staatsverschuldung ist nicht nur ein Thema der Volkswirtschaftslehre, sondern beschäftigt auch die Finanzwissenschaft, Wirtschaftsethik, Rechtswissenschaft, Politikwissenschaft oder Öffentliche Betriebswirtschaftslehre. Als eines der Erkenntnisobjekte der Volkswirtschaftslehre befasst sich diese mit der Rolle des Wirtschaftssubjektes Staat als Schuldner. Geraten im Staatshaushalt die Staatseinnahmen und Staatsausgaben in ein Ungleichgewicht und führen zu einem Haushaltsdefizit, so kann dieses nur durch die Kreditaufnahme (etwa über Staatsanleihen) ausgeglichen werden, wenn entsprechende Ausgabenkürzungen kurzfristig nicht möglich und Einnahmesteigerungen kurzfristig nicht zu erwarten sind.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Staatsverschuldung verursachte in ihrer bis auf das Römische Reich zurückzuverfolgenden Geschichte immer wieder Krisen der Staatsfinanzen. Der römische Politiker Marcus Tullius Cicero forderte bereits 55 v. Chr., dass der Staatshaushalt ausgeglichen sein muss. „Der Staatshaushalt muss ausgeglichen sein. Die öffentlichen Schulden müssen abgebaut, … die Unterstützungen an ausländische Regierungen müssen verringert werden, wenn der Staat nicht Bankrott gehen soll. Die Leute sollen wieder lernen zu arbeiten, statt auf öffentliche Rechnung zu leben.“[3][4] Er verband eine zu hohe Staatsverschuldung mit der Gefahr des Staatsbankrotts und berichtet in seiner Schrift „Über den Staat“ davon, dass die Plebejer 494 v. Chr. wegen der hohen Staatsverschuldung aus Rom wegzogen, da sie nicht ohne staatliche Goldzahlung Kriegsdienst leisten wollten. Während des römischen Reichs nahmen Regierungen jedoch nur ausnahmsweise Schulden auf, im Mittelalter hingegen begann die Hochphase der Staatsverschuldung. Insbesondere Kriegsausgaben trieben die Staatsschulden in die Höhe.

Bereits im 12. Jahrhundert entwickelte sich der öffentliche Kredit, als im Jahre 1121 der italienische Stadtstaat Genua Darlehen von Bankiers zu einem Kreditzins von 25 % erhielt, der 1169 sogar auf 100 % anstieg.[5] Eduard III. nahm im Mai 1340 einen Staatskredit von einem Konsortium der Hanse gegen Verpfändung der Wollzölle aller englischen Häfen auf.[6] Der Gründung eines Marktes für Staatsschulden in Florenz im Jahre 1345 ging der Staatsbankrott der Stadt voraus. Spanien wandelte 1557 krisenbedingt seine Staatskredite einseitig in Staatsanleihen um und trieb dadurch mehrere Banken in den Konkurs.[7] Philipp II. erklärte am 29. November 1596 den Staatsbankrott Spaniens wegen übermäßiger Zinszahlungen und stellte die Zahlungen ein.[8]

Der Merkantilismus stand spätestens seit 1689 wegen seiner positiven und umfassenden Einstellung zur Staatstätigkeit der Staatsverschuldung positiv gegenüber und betrieb eine systematische langfristige Staatsverschuldung.[9] Die merkantilistische Lehre verstand die Kreditaufnahme als legitimes staatliches Deckungsmittel, weil die auf Expansion ausgerichtete Wirtschaftspolitik nur mit Hilfe von Krediten zu finanzieren war. Merkantilist Jean Bodin zählte 1583 zwar den Staatskredit nicht zu seinen sieben Quellen der Staatseinnahmen,[10] auch wenn er den öffentlichen Kredit im Zusammenhang mit den Staatsschulden behandelte. Bereits Veit Ludwig von Seckendorff als Vertreter des Kameralismus - der deutschen Version des Merkantilismus - hielt 1655 den Staatskredit bei „richtigem Gebrauch“, nicht jedoch bei „chronischer Defizitwirtschaft“ für angebracht und trat für geordnete Staatsfinanzen ein. Er lehnte die Staatsanleihe nicht völlig ab. Der französische Theologe Jean-François Melon de Pradou behauptete 1734, dass die Schulden des Staats die Schulden der rechten Hand in die linke Hand seien, deren Körper nicht der Schwachpunkt sein dürfe (französisch les dettes d'un Etat sont des dettes de la main droite à la main gauche, dont les corps ne se trouvera point affaibli).[11]

Die Physiokraten wandten sich vom schuldenfreundlichen Merkantilismus ab und bezogen die Gegenposition. In der Folge kam David Humes Staatsschulden-Pessimismus im Jahre 1752 zum Ausdruck, denn „entweder die Nation muss die Staatschulden vernichten oder die Staatsschulden werden die Nation vernichten“ (englisch either the nation must destroy public credit, or public credit will destroy the nation).[12] Auch bei den klassischen Ökonomen gab es eine Abkehr von der merkantilistischen Schuldenpolitik. Für Adam Smith unterstützte der Staat mit seinen Schulden nur unproduktive Arbeit, wie er 1776 in seinem Buch Der Wohlstand der Nationen schildert. Er gilt als Begründer des Crowding-out, durch das private Nachfrage durch staatliche kreditfinanzierte Nachfrage verdrängt werde, weil der Staat durch sein zinsunempfindliches Verhalten private Marktteilnehmer vom Kapitalmarkt und Gütermarkt verdränge.[13] „Die enorme Zunahme der Staatsverschuldung, die gegenwärtig alle größeren Staaten erdrückt und wahrscheinlich ihren Ruin herbeiführen wird, ist überall von gleicher Gestalt“.[14] Am 6. September 1789 schrieb der spätere US-Präsident Thomas Jefferson an James Madison: „Keine Generation darf mehr Schulden aufnehmen, als sie während der Zeit ihrer Existenz zurückzahlen kann“ (englisch Then no generation can contract debts greater then maybe paid during the course of it’s own existance).[15] Immanuel Kant forderte in seiner Schrift Zum ewigen Frieden vom September 1795, „es sollen keine Staatsschulden in Beziehung auf äußere Staatshändel gemacht werden“, weil er im Staatskredit die Ursache für Kriege sah. Denn Staaten könnten mit dem Kredit Kriege führen und Staaten, die durch Kredit bankrottgingen, würden besiegt werden.[16]

David Ricardo sah 1817 in Staatsschulden die schrecklichste Geißel, die je zur Plage der Nationen erfunden wurde.[17] Er lieferte eine kreislauftheoretische Erklärung für die Äquivalenz von Steuer- und Kreditfinanzierung, da die vom Staat zu bezahlenden Kreditzinsen durch Steuern finanziert werden, denn die Steuer „geht nur von denen, die sie bezahlen, auf diejenigen über, die sie empfangen, d. h. vom Steuerzahler zum Staatsgläubiger“.[18] Die Nichtigkeit von Staatsschulden (Repudiation) tauchte erstmals im Mai 1841 als Folge der Baumwollkrise von 1839 in Mississippi auf, weil die betroffene Staatsanleihe parlamentarisch nicht genehmigt worden sei.[19] In Deutschland hielt Friedrich List 1841 das Staatskreditsystem für eine „der schönsten Schöpfungen der neueren Staatskunst und ein Segen für die Nationen“.[20] Jahre später vertrat Karl Marx 1867 die Ansicht, dass ein Volk mit zunehmender Staatsverschuldung reicher würde.[21] Lorenz von Stein schrieb 1875 in seinem Lehrbuch der Finanzwissenschaft: „Ein Staat ohne Staatsschuld ist entweder zu wenig für seine Zukunft oder er fordert zu viel von seiner Gegenwart“.[22] Auch Adolph Wagner befürwortete im Jahre 1879 die Staatsverschuldung, weil der Staat investieren solle und die hieraus resultierenden Staatsausgaben zu finanzieren habe.[23]

Die schuldenfreundlichen Vertreter übersahen jedoch die negativen Auswirkungen, die zu Moratorien oder Staatsbankrott führen konnten. Argentinien stellte den Schuldendienst zwischen 1829 und 1857 ein, es folgte ein weiteres Moratorium im April 1987, im Januar 2001 schließlich rief das Land den Staatsnotstand aus, verbunden mit der Zahlungsunfähigkeit für Staatsanleihen im Februar 2001. Italiens Staatshaushalt ist seit Staatsgründung im Mai 1861 fast ununterbrochen durch eine hohe Staatsverschuldung gekennzeichnet.[24] Im Oktober 1861 kündigte Mexiko wegen der hohen Verschuldung ein Moratorium an, das Napoleon III. den Vorwand für eine französische Intervention im Dezember 1861 lieferte. Kolumbien erklärte zwischen 1820 und 1916 nicht weniger als 13 Staatbankrotte.[25]

John Maynard Keynes war 1936 in seinem Buch Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes davon überzeugt, dass der Staat eine Rezession mit erhöhten Staatsausgaben zu Lasten einer temporären Staatsverschuldung begegnen müsse und dadurch eine Konjunkturbelebung durch antizyklisch erhöhte staatliche Nachfrage (Defizitfinanzierung, englisch Deficit spending) bewirken könne.[26]

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Staatsverschuldung Ausmaße an, die die Ratingagenturen 1982 bewogen, die steigenden Länderrisiken mit einem Staatsrating zu bewerten. Exzessive Ausmaße erreichte die Staatsverschuldung zunächst ab März 1997 in Asien (Asienkrise), dann ab Mai 1998 während der Russlandkrise und schließlich in Europa. Sie erhöhte damit die Finanzrisiken für Gläubiger und beschwor die Gefahr von Finanzkrisen herauf. Somit waren Finanzkrisen nicht nur das Ergebnis von zunehmender Staatsverschuldung, sondern auch ihre Ursache: Die Staatsverschuldung stieg nach Finanzkrisen im Durchschnitt um 86 %.[27] Das traf auch auf die PIIGS-Staaten zu, die während der Eurokrise ab April 2010 infolge der nationalen Bankenrettung und struktureller Probleme am Rande der Zahlungsunfähigkeit standen (siehe Griechenlandkrise).

Volkswirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bewertung der Staatsverschuldung ist in den Wirtschaftswissenschaften kontrovers: Während David Ricardo und viele seiner Zeitgenossen sie missbilligten, lässt sich aus keynesianischer Sicht eine vorübergehende Staatsverschuldung zur Glättung des Konjunkturverlaufs rechtfertigen.

Wirtschaftliche Grenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staaten können sich nur begrenzt verschulden, da ab einem bestimmten Verschuldungsgrad Investoren und Gläubiger an der Rückzahlungsfähigkeit zu zweifeln beginnen. Die Einschätzung der Bonität hängt in erster Linie von der Primärüberschussquote ab, also dem Haushaltssaldo ohne Berücksichtigung der Zinszahlungen, bezogen auf das BIP. Bei hoher Verschuldung sind vergleichsweise hohe Steuereinnahmen bzw. niedrige Staatsausgaben erforderlich, um die Zinszahlungen finanzieren zu können.

Für Staaten mit hoher Staatsverschuldung erhöhen sich im Allgemeinen nicht nur die Zinssätze, die die Investoren für ihre Kredite verlangen, sondern es verringert sich auch die Anzahl derjenigen Investoren, die überhaupt noch bereit sind, Geld zur Verfügung zu stellen. Ein hoch verschuldeter Staat kann in einen Teufelskreis aus immer höheren finanziellen Verpflichtungen (Zinsen und Tilgung bereits bestehender Schulden) und einem immer begrenzteren Zugang zum Finanzmarkt geraten. Dies kann mit dem Verlust der Kreditwürdigkeit oder gar mit der Zahlungsunfähigkeit des Staates (Staatsbankrott) enden, insbesondere wenn die Verschuldung in fremder Währung oder einer Gemeinschaftswährung wie dem Euro vorliegt.

Monetäre Staatsfinanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verfügt ein Staat oder Staatenverbund über eine eigene Währung und ist die Notenbank - anders als in Ländern mit unabhängigen Zentralbanken - verpflichtet, die Entscheidungen der Exekutive auszuführen, kann die Regierung geldpolitische Entscheidungen treffen, also beispielsweise die Geldmenge vermindern oder erhöhen. Durch staatlich gesteuerte Geldmengenerhöhung wurden wirtschaftsgeschichtlich gesehen häufig Schulden getilgt und Konjunktur- oder auch Rüstungsprogramme finanziert, etwa in der Wirtschaftspolitik der Weltwirtschaftskrise oder in Kriegszeiten. In extremen Ausnahmesituationen, die die Existenz eines Staates bedrohen, sind inflationäre Risiken durch Erhöhung der Geldmenge unvermeidbar (Reparationsforderungen nach dem 1. Weltkrieg, Finanzierung von Kriegs- und Kriegsfolgekosten) und die Bezahlung von Kreditschulden aus Steuereinnahmen ist nach Kriegen meist unmöglich, die Bonität für neue Kredite für durch Kriegseinwirkung wirtschaftlich geschwächte Volkswirtschaften ist kaum gegeben.

Diese "Finanzierung über die Notenpresse" kann zu einem Verlust an Glaubwürdigkeit und Kreditwürdigkeit führen. Außerdem kann eine Inflation neben einer vielleicht gewünschten Wirkung der Abwertung des Außenwertes auch zu einer unerwünschten Entwertung des Geldvermögens in der betreffenden Währung führen. Wegen der inflationären Risiken ist nach Artikel 123 des EU-Vertrages die monetäre Staatsfinanzierung in der Europäischen Union verboten, so wie seit dem 2. Weltkrieg allgemein Zentralbanken mehr und mehr als unabhängige Institutionen gestaltet wurden, die die Stabilität der Währung zu schützen haben.

Auch die seit 2013 eingeführte Politik des "Quantitative Easing" wird von Kritikern als eine Form der indirekten monetären Staatsfinanzierung betrachtet, die sich kaum noch von der direkten Finanzierung unterscheidet. Außerdem verfolgt die Geldpolitik der EZB seit 2013 das Ziel, bei Zinsen gegen Null eine moderate Inflation, also auch die langsame Entwertung des Geldvermögens, zu erzeugen.

Im Zusammenhang mit der Thematik der direkten Staatsfinanzierung durch Zentralgeld steht auch das Konzept des direkten Zentralgeldtransfers an die Bürger, das seit 2013 unter der Bezeichnung "Helikoptergeld" bekannt geworden ist.

Seit 2013 hat auch das Thema der direkten Staatsfinanzierung an Aktualität gewonnen und wird zunehmend kontroverser diskutiert.

Klassifizierungen der Staatsverschuldung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Staatsverschuldung kann unterschieden werden:

Nach internen und externen Gläubigern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man kann die Verschuldung eines Staates danach klassifizieren, ob die Gläubiger inländische oder ausländische Wirtschaftssubjekte (Personen, Haushalte, Banken, Firmen) sind, auch interne und externe Verschuldung genannt.[28] Hinter dieser Klassifizierung steht der stark vereinfachende Gedanke, dass interne Schulden des Staates Schulden an sich selbst nahekommen. „Vereinfachend“ ist der Gedanke deswegen, weil nur bei einer theoretischen Gleichverteilung – also wenn ein Staat jedem seiner Bürger oder Haushalte den gleichen Betrag an Staatsverbindlichkeiten schulden würde und auch jeder Bürger oder Haushalt Steuerverbindlichkeiten in Höhe mindestens dieses gleichen Betrags an den Staat hätte – die Staatsschulden in der Art und Weise nur gegen sich selbst gerichtet wären, dass eine Konsolidierung oder Verrechnung möglich wäre und praktisch gar keine Staatsverschuldung bestünde. Eine externe Verschuldung belastet jedoch einen Staat, ohne dass der Staat diese mit seinen Bürgern oder Haushalten verrechnen könnte, weil tatsächliche Dritte die Gläubiger sind.[29]

Nach eigener und fremder Währung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man kann die Verschuldung eines Staates nach der Währung klassifizieren, in der die Kapitaldienste (Zins und Tilgung) an die Gläubiger zu leisten sind. Hinter dieser Klassifizierung steht der Gedanke, ob ein Staat eventuell selbst die Währung beeinflussen kann, in der er seine Kapitaldienste zu leisten hat. Bei Schulden in einer nationalen Währung und einer hohen Abhängigkeit der nationalen Zentralbank von den Staatsregierungen wäre das der Fall. Schon bei einer Unabhängigkeit der Zentralbank nimmt dieses Beeinflussungspotential ab. Bei einer Gemeinschaftswährung wie dem Euro besteht nur ein schwacher Einfluss, während bei einer Verschuldung in einer wirklichen Drittwährung von keinem Einfluss mehr auszugehen ist.

Nach Abgrenzung der staatlichen Schuldnerinstitutionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pro-Kopf-Verschuldung der baden-württembergischen Stadt- und Landkreise

Insbesondere in einem föderalen Staat kann es verschiedene Körperschaften, z. B. Bund, Länder, Städte und Gemeinden geben, die eine Verschuldung aufgenommen haben. Genauso können mit mehreren Staaten gemeinschaftlich Schulden aufgenommen werden, wie dies auch für Projekte in der EU der Fall ist. Des Weiteren ist zu unterscheiden, ob Schulden im Kernhaushalt einer Gebietskörperschaft oder in einem Extrahaushalt aufgenommen worden sind. In diesem Kontext kann differenziert werden zwischen der Staatsverschuldung der öffentlichen Kernhaushalte sowie der Staatsverschuldung des öffentlichen Gesamthaushalts (Kernhaushalte + Extrahaushalte).

Nach unterschiedlichen Messkonzepten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu unterscheiden sind etwa in Europa die veröffentlichten Kreditmarktschulden der öffentlichen Haushalte in finanzstatistischer Abgrenzung, der Maastricht-Schuldenstand und der umgangssprachliche Schuldenstand. In Abhängigkeit vom praktizierten Rechnungsstil kann das angewendete Messkonzept grundsätzlich auf kameralen (Höhe der Verbindlichkeiten) oder doppischen Daten (Verbindlichkeiten + Rückstellungen) basieren. Nicht zuletzt aufgrund fehlender gesamtstaatlicher Daten können doppische Schuldenstände i. d. R. jedoch nur für einen Teil der Gebietskörperschaften bestimmt werden.

Nach der Entstehungsursache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hier wird zumeist nach der Finanzierung der konjunkturellen und der strukturellen Haushaltsdefizite durch Staatsverschuldung klassifiziert. Konjunkturelle Defizite halten sich per Definition langfristig mit konjunkturellen Überschüssen in der Waage, das heißt konjunkturellen Defiziten im Konjunkturabschwung stehen konjunkturelle Überschüsse im Konjunkturaufschwung gegenüber. Ist das Bruttoinlandsprodukt gleich dem Produktionspotenzial, ist also die Produktionslücke null, dann ist das konjunkturelle Defizit gemäß seiner Definition null.[30][31] Im Einzelnen ist das strukturelle Defizit in Prozent des potenziellen Bruttoinlandsprodukts definiert als das Gesamtdefizit abzüglich des konjunkturellen Defizits. Das konjunkturelle Defizit ist die Produktionslücke multipliziert mit der Differenz der Elastizitäten der Staatseinnahmen und der Staatsausgaben bezüglich der automatischen Stabilisatoren.[32] Die Unterscheidung zwischen konjunkturellem und strukturellem Staatsdefizit geht in die Regelungen zur Schuldenbremse und zum Europäischen Fiskalpakt ein.

Nach expliziter und impliziter Staatsverschuldung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Schattenverschuldung

Bei der bisher dargestellten Staatsverschuldung handelt es sich um die explizite Staatsverschuldung. Das sind sämtliche aus dem Staatshaushalt unmittelbar erkennbaren Verbindlichkeiten wie etwa Staatsanleihen. Es gibt jedoch erst künftig entstehende Ausgaben und Verbindlichkeiten, die aus dem aktuellen Staatshaushalt nicht ersichtlich sind, jedoch spätere Haushalte belasten können oder werden (implizite Staatsverschuldung oder Schattenverschuldung). Hierdurch entstehen künftige Zahlungsverpflichtungen, für die kein Ausweis im staatlichen Kernhaushalt der Entstehungsperiode erfolgt. Diese Intransparenz wird durch die Kameralistik der meisten Staatshaushalte begünstigt, weil der Substanzverzehr des Staatsvermögens nur bei der Veränderung des Kapitalvermögens abgebildet wird, während der weitaus größere Abschreibungsbedarf bei der öffentlichen Infrastruktur unberücksichtigt bleibt. Dagegen verlangt die Doppik, dass für künftig entstehende Ausgaben und für übernommene Eventualverbindlichkeiten unter bestimmten Voraussetzungen in der Bilanz Rückstellungen zu bilden sind.

Die Europäische Zentralbank (EZB) warnt inzwischen vor den Folgen der Schattenverschuldung in den Euroländern. Die Garantien für andere EU-Mitgliedstaaten und eigene Kreditinstitute könnten die Schulden Deutschlands um 11,2 % auf eine Staatsschuldenquote von rund 90 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) anwachsen lassen.[33]

Kritik am Messkonzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritisiert wird an den amtlichen Darstellungen der Staatsschuld, dass neben der veröffentlichten Verschuldung weitere Verbindlichkeiten existieren können, die nicht, nur begrenzt oder in anderen Zusammenhängen veröffentlicht werden, obwohl sie wirtschaftlich in vollem Umfang vom Staat zu tragen sind. Solch eine Verschuldung, die von einem staatlichen Haushalt veranlasst wird, aber nicht in diesem Haushalt (z.B. Auslagerung in Nebenhaushalte) ausgewiesen wird, wird als verdeckte Staatsverschuldung bezeichnet.

Daneben wird teils der Begriff der impliziten Staatsschuld verwendet, der vor allem künftige Pensions- und Rentenzahlungen umfasst. Bernd Raffelhüschen vertritt die Auffassung, dass die veröffentlichten Staatsschulden im Gegensatz zu dem der Privatwirtschaft auferlegten Vorsichts- und Vollständigkeitsprinzip in der Regel eine zu günstige Darstellung der tatsächlichen Verschuldungslage ergeben, da in der Messung der Staatsschuld keine zukünftigen Pensionsausgaben (als Pensionsrückstellung) ausgewiesen werden.[34]

Grundsätzlich werden staatliche Extrahaushalte und Sondervermögen nach dem Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen als Teil der staatlichen Gesamthaushalte diesen zugerechnet.[2] Doch auch hier wird von einigen Fachleuten bezweifelt, ob dabei in der Praxis alle Extrahaushalte insbesondere mit eigener Verschuldung und Risiken tatsächlich berücksichtigt werden. Zudem zählen die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen Unternehmen auch dann nicht zum Staatssektor, wenn sie sich in staatlichem Mehrheits- oder Alleinbesitz finden. Daher kann der Staat die gemessene Verschuldung mindern, indem er Unternehmen gründet und diesen die Schulden aufbürdet. Diese Möglichkeit nutzen in Deutschland namentlich die Kommunen.

Kritische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wirkung der Staatsverschuldung auf nationale und internationale Volkswirtschaften kann an folgendem Beispiel abgelesen werden. Erreichen beispielsweise die Staatsschulden (brutto) die Höhe des Bruttoinlandsprodukts (Staatsschuldenquote mithin 100 %) und liegen - bei einem angenommenen Zinsniveau von 6 % - die Steuereinnahmen bei 30 % des Bruttoinlandsprodukts, so sind die Steuereinnahmen bereits mit 18 % Zinsaufwand belastet (Zinsdeckungsgrad). Nach dem Schuldendienst verbleiben dem Staat dann lediglich etwa 80 % der Steuereinnahmen für seine eigentlichen Aufgaben der Staatsfinanzierung.[35]

Verteilung der Schulden auf die Generationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Ricardianische Äquivalenz

Kritiker einer Verschuldungspolitik argumentieren, dass durch die Staatsverschuldung die jetzige Generation auf Kosten zukünftiger Generationen lebe (Generationenbilanz). Danach seien Staatsschulden auf die Zukunft verschobene Steuererhöhungen, die dann von den „nachfolgenden Generationen zu tragen sind“.

Dieser Zusammenhang ist in der makroökonomischen Theorie als Barro-Ricardo-Äquivalenzproposition bekannt und beinhaltet als Kernaussage, dass sich das permanente Einkommen der Haushalte durch die Neuverschuldung (=Steuersenkung) nicht verändert und damit keine Auswirkung auf die Ausgaben (=Nachfrage) der Haushalte hat, da die Haushalte die zukünftigen Steuerzahlungen, die durch die gegenwärtige Verschuldung bedingt sind, schon in der Gegenwart durch Sparen antizipieren. In diesem Zusammenhang wird die Frage diskutiert, ob die vom Staat ausgegebenen Wertpapiere Vermögen darstellen oder einer laufenden Besteuerung entsprechen, da die Wirtschaftssubjekte erkennen, dass die Wertpapiere mit den zukünftigen Steuererhöhungen zurückgezahlt werden müssen. Aus diesem Grund sollte ein nicht von Ausgabenkürzungen des Staates begleiteter Anstieg des Budgetdefizits zu einem Anstieg der Sparquote in gleicher Höhe folgen.

Die keynesianischen Kritiker dieser neoklassischen Theorie argumentieren hingegen, dass eine Steuersenkung durchaus nachfragewirksam sein kann, da sie die Liquiditätsbeschränkung (Unfähigkeit zur Aufnahme von Krediten) vieler Haushalte entschärft, weil ihnen mehr liquide Mittel zur Verfügung stehen. Empirische Untersuchungen zeigen, dass die Barro-Ricardo-Äquivalenz nicht uneingeschränkt gültig sein kann, da die Anfang der 1980er Jahre in den USA durchgeführte Steuersenkung nicht zu einem Anstieg der Sparquote führte (die Sparquote sank von ca. neun Prozent im Jahr 1981 auf unter fünf Prozent 1990).

Sparmaßnahmen und Rationalitätenfalle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einsparen, Ausfälle – weiter rigide Einsparungen und/oder Neuverschuldung
Hauptartikel: Austerität

Die Beurteilung der Bekämpfung der Staatsverschuldung durch Sparmaßnahmen kann einer sogenannten Rationalitätenfalle unterliegen. Was auf den ersten Blick plausibel klingt und jedem Privathaushalt einleuchtet („Ich habe zu hohe Schulden, also muss ich sparen.“), kann für die Volkswirtschaft unerwartete Folgen haben: Wenn der Staat seine Ausgaben kürzt, indem er beispielsweise Transferzahlungen an die Industrie und Haushalte in Form von Förderungen und Subventionen kürzt, hat dies zwar zwangsläufig Auswirkungen auf die Ausgabenseite des Staatshaushaltes: Auf die tatsächliche und/oder wahrgenommene Einkommensminderung der Haushalte können diese mit einer Verminderung des Konsums und einer Erhöhung der Sparneigung reagieren. Dies hat zur Folge, dass die aggregierte oder gesamtwirtschaftliche Nachfrage sinkt und zu einem sinkenden oder negativen Wirtschaftswachstum führt, wodurch sich gleichzeitig die Steuereinnahmen des Staates vermindern, was effektiv zu einem negativen Spareffekt führen kann. Die Individualrationalität (Sparen vermindert Schulden) steht somit im Konflikt zur Kollektivrationalität (Wenn alle sparen, könnte dies keine oder negative Auswirkungen auf den Staatshaushalt haben).[36]

Gläubiger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verschuldung des Staates verteilt sich auf inländische und ausländische Gläubiger. Die Verschuldung gegenüber diesen beiden Gläubigergruppen ist unterschiedlich zu beurteilen. Während Inlandsschulden zu einer Vermögensumverteilung innerhalb der Volkswirtschaft führen (siehe Umverteilungs- und Generationenproblematik in diesem Artikel), fließt bei Zins- und Tilgungszahlungen bei Auslandsverschuldung Liquidität in eine andere Volkswirtschaft ab. Die Rückzahlung von Auslandsschulden wird der Volkswirtschaft in der Zukunft liquide Mittel zwar entziehen, jedoch lässt sich hier argumentieren, dass Staaten wie Deutschland (der deutsche Staat und die deutschen Haushalte zusammen) in globaler Sicht Netto-Gläubiger sein könnten (abhängig von der Bonität der Schuldenstaaten), weswegen ein weltweiter Schuldenabbau zu einem Zufluss an liquiden Mitteln beitragen könnte. Die Argumente der Steuererhöhung/Verteilungsproblematik und die wirtschaftstheoretisch abgestützte Warnung vor einer zu hohen Auslandsverschuldung von Netto-Schuldnerländern können somit von dem Argument der Belastung von Generationen getrennt werden.

Wenn Kreditinstitute ihrerseits das Geld bei einer Zentralbank aufnehmen, leiht mittelbar die Zentralbank dem Staat Geld.[37]

Verdrängung privater Investitionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor allem, wenn davon ausgegangen wird, dass es einen begrenzten Vorrat an Geld oder Kredit gebe und insofern verstärkte Nachfrage nach Kredit das jeweilige Kapitalangebot verknappe – damit also den Preis für Kreditgewährung, den Kreditzins erhöhe – verteuere eine erhöhte Nachfrage des Staates nach „Geld“ die Finanzierungskosten der Unternehmen und verdränge deren geplante Investitionen, weshalb Wettbewerbsfähigkeit wie Wirtschaftswachstum litten. Dieser volkswirtschaftlich-negative Effekt steigender Staatsverschuldung wird als Crowding-out-Effekt bezeichnet. Allerdings wies beispielsweise Wilhelm Lautenbach bereits 1936 darauf hin, dass wesentliche Grundannahmen zu diesem Gedankenmodell nur beschränkt Gültigkeit aufweisen.[38]

Inflationswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um Ausgaben der Regierung zu finanzieren,[39] besteht in Ländern mit einer nicht unabhängigen Zentralbank häufig der Anreiz, dies allein durch Geldschöpfung der Zentralbank erfolgen zu lassen. Sofern zusätzliche Geldmittel an anderer Stelle nicht wieder entzogen werden (siehe auch Bilanzverkürzung), Güterproduktion sowie -Angebot stagniert oder in Relation sogar sinkt, resultiert daraus eine Inflationstendenz. Vor allem, wenn Kriegsfinanzierung mittels Geldschöpfung durch die jeweilige Zentralbank getätigt wurde, wie dies beispielsweise durch die Reichsbank erfolgte, führte dies häufig zu Hyperinflation (siehe Deutsche Inflation 1914 bis 1923) und folgender Währungsreform (wie 1924 und 1948).[40]

Die Wirtschaftsentwicklung Japans in den 30er Jahren zeigt dagegen auf, dass die Finanzierung der Staatsausgaben über Geldschöpfung und Ausweitung der Geldmenge auch zu einer Überwindung der Krise bei mäßiger Inflation führen kann. Die Einkommen wuchsen zwischen 1931 und 1936 um 60 Prozent, die Binnen-Inflation betrug 18 % innerhalb desselben Zeitraums, der Außenwert des Yen fiel um 40 %. [41]

Umgekehrt kann eine zu restriktive Geldpolitik einer zu unabhängigen Zentralbank auch zu Deflation,[42] Kreditklemme und Bankenkrise (wie zu der deutschen Bankenkrise 1931) führen.

Keynesianische Begründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keynesianisch wird staatliche Verschuldung als wirtschaftspolitisches Mittel sowohl gegen Deflationen als auch zur Überwindung von Nachfragelücken gesehen. Wolfgang Stützel zeigte mit seiner volkswirtschaftlichen Saldenmechanik wie eine umfassende Schuldentilgung durch Einnahmeüberschüsse des Staates eine entsprechende Verschuldung des privaten Sektors erzwingen würde, die mit einem negativen Keynes-Multiplikator in Krise und Deflation führt.[43] Daher wird von verschiedenen keynesianischen Ökonomen der Staat dazu aufgefordert, sich zur Vermeidung von Rezession und Deflation langfristig zu verschulden, um dem privaten Sektor eine entsprechende Geldvermögensbildung zu ermöglichen.

Das Deficit Spending kommt für eine richtig verstandene keynesianische Politik erst nach einer Lockerung oder Aufgabe der in vielen Fällen für eine Wirtschaftskrise verantwortlichen restriktiven Geldpolitik. Vor Ausbruch der Weltwirtschaftskrise argumentierte John Maynard Keynes heftig gegen eine absehbare Deflationspolitik[44] der Zentralbanken und gegen den Goldstandard.[45] Im Jahr 1930 forderte Keynes von den Verantwortlichen der Zentralbanken eine expansive Geldpolitik zur Überwindung der Krise.[46] Erst nach der Aufgabe des Goldstandards und mit dem Beginn einer expansiven Geldpolitik der Notenbanken plädierte Keynes zusätzlich für eine Politik des Deficit-Spending des Staates zur Überwindung der Massenerwerbslosigkeit, weil in einer schweren Deflation keine durchführbare Senkung der Zinsen ausreichend sein wird, die Krise zu beenden.[47]

Nach Meinung keynesianischer Theoretiker solle der Staat eine antizyklische Haushaltspolitik betreiben. Zum Schließen einer Nachfragelücke könne der Staat mittels höherer Staatsausgaben oder mittels Steuersenkungen einen Konjunkturaufschwung herbeiführen (Anschubfinanzierung), womit der private Konsum gefördert werden könne und die industriellen Investitionen insofern (in nachfolgender Abhängigkeit) ebenso steigen könnten. Im Gegenzug würden sich die Einkünfte und folglich die Steuereinnahmen erhöhen. Unter Umständen träte das Schuldenparadoxon ein: Die zusätzlichen Steuereinnahmen überträfen die Kosten zur Tilgung der Staatsschulden.

Ob eine zusätzliche Erhöhung der Staatsschulden zu haushaltskonsolidierendem Wachstum führen kann, ist in Fachkreisen umstritten. Im Falle Japans etwa konnten trotz jahrelanger keynesianischer Wirtschaftspolitik keine nennenswerten Wachstumsraten erzielt werden. Denn sind bei hoher Staatsverschuldung die Zinsforderungen seitens der Gläubiger höher als die jährliche Neuverschuldung, tut sich eine Liquiditätslücke auf, die der Staat nur schließen kann, indem er zusätzliche Schulden aufnimmt, staatliche Vermögenspositionen auflöst, laufende Staatsausgaben reduziert oder die Steuern erhöht; siehe Zinseszins. Somit würden die ursprünglichen Ziele der Schuldenpolitik [entweder a) keynesianische Ankurbelung oder b) Finanzierung aktueller Staatstätigkeit, ohne dafür Steuern erheben zu müssen] ad absurdum geführt, falls die staatlich induzierte Ankurbelung der Nachfrage nicht zum erwünschten Wirtschaftswachstum und damit höheren Steuereinnahmen führt oder der Staat seine Ausgabenpolitik im Aufschwung nicht korrigiert.

Inwieweit hohe Staatsschulden zu volkswirtschaftlichen Verwerfungen führen können, hängt davon ab, in welchen Größenverhältnissen die Staatsschulden von inländischen und ausländischen Gläubigern getragen werden. Den Inlandsschulden kann ein Staat notfalls finanzpolitisch begegnen; Auslandsschulden entziehen sich hingegen unmittelbarer finanzpolitischer Einflussnahme.[48]

Siehe auch: Keynesianismus

Verteilungspolitische Wirkungen der Staatsverschuldung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kontrovers diskutiert wird die verteilungspolitische Wirkung der Staatsverschuldung. Hierbei sind mehrere Aspekte zu unterscheiden:

Die Zinslast, die vom Staat durch Steuern oder Ausgabenkürzungen aufgebracht werden muss und an die Gläubiger bezahlt wird, mindert den Spielraum des Staates und verlangt somit politische Entscheidungen. Sollen die Steuern nicht erhöht werden, sinken damit die Anteile des Haushaltes, die zur Umverteilung beitragen, sofern nicht andere Ausgaben noch stärker zu deren Gunsten gekürzt werden.

Sind jedoch schuldenfinanzierte Investitionen des Staates zum Beispiel in Infrastruktur oder die zeitweise Stützung von Unternehmen sinnvoll, um nachhaltige Steuereinnahmen zu begünstigen oder zu sichern und so den oben genannten Effekt mehr als ausgleichen, steigert diese Maßnahme den Verteilungsspielraum des Staates. Diese Idee findet sich auch in den Begründungen für Konjunkturpakete in Krisenzeiten. Die Bewertung der Erfolgsaussichten der jeweiligen Maßnahmen oder deren Unterlassung ist in vielen Fällen offensichtlich schwierig und wird in Politik und Wissenschaft ausgiebig diskutiert.

Zwillingsdefizit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn in einem Land sowohl ein Haushaltsdefizit des Staates als auch ein Leistungsbilanzdefizit besteht, spricht man von einem Zwillingsdefizit. Die zunehmende Staatsverschuldung wird in dieser Situation teilweise über Auslandskredite finanziert. Dies ist nur möglich, solange die ausländischen Investoren Vertrauen darin haben, dass der Wechselkurs der Währung des Staates stabil ist. Fällt das Vertrauen weg, so ist es notwendig, entweder die Zinsen zu erhöhen oder den Inlandskonsum einzuschränken, was wiederum Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum hat. Im Extremfall trägt die Staatsverschuldung damit zum Entstehen von Finanzkrisen bei.

Rechtliche Begrenzung der Staatsverschuldung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Schuldenbremse

Verschiedene Länder haben in den letzten Jahren gesetzliche Begrenzungen für staatliche Neuverschuldung implementiert:

Staatsverschuldung im internationalen Vergleich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentliche Bruttoverschuldung in Prozent des Bruttoinlandsprodukts (2010). Forderungen gegenüber Dritten, z. B. aus Staatsfonds, sind nicht gegen die Staatsschulden aufgerechnet.
Staatsverschuldung europäischer Länder in % des BIP im Jahr 2010 (laut IWF)
Entwicklung der Schuldenquote einiger Staaten in % des BIP

Um die Staatsverschuldung verschiedener Länder vergleichen zu können, muss berücksichtigt werden, dass die Volkswirtschaften unterschiedlich groß sind. Deshalb setzt man die Gesamtverschuldung in Bezug zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Beispiel: Deutschlands Staatsverschuldung beträgt rund 75 % des BIP (30. September 2014).[49]

Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds vom September 2011 lag bei 46 von 171 Ländern die Schuldenquote über der Grenze von 60 % vom BIP (Maastrichtkriterien), unterhalb derer im Allgemeinen die Staatsschulden als unkritisch gelten. Bei 13 Ländern davon lag sie sogar über 100 %. Bei der Hälfte der 171 vom Internationalen Währungsfonds gelisteten Länder lag die Schuldenquote bei unter 44 %.

Während in den Jahren von 2000 bis 2007 in 91 Ländern die Schuldenquote reduziert werden konnte, stieg sie in 24 Ländern an, in 30 Ländern blieb sie etwa gleich (weniger als fünf Prozentpunkte Veränderung). Von 2007 bis 2011 stieg die Schuldenquote weltweit dagegen in 83 Ländern an, während sie in 39 Ländern reduziert werden konnte und in 48 Ländern etwa gleich blieb. Diese Unterschiede in der Schuldenentwicklung lassen sich auf die Finanzkrise ab 2007 und die anschließende Eurokrise zurückführen, von denen weltweit viele Länder direkt oder indirekt betroffen sind.

Es gibt – wenige – Länder ohne Staatsverschuldung, eines davon ist Liechtenstein.

Staatsverschuldung in entwickelten Ländern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Geschichte waren Kriege und Wirtschaftskrisen die wesentlichen Antriebskräfte für steigende Verschuldung. Die Phase des Wirtschaftswachstums vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis Anfang der 1970er-Jahre ermöglichte den meisten Industrieländern einen Schuldenabbau. Danach stieg die Verschuldung in fast allen OECD-Ländern bis 1996 rasant an; danach sank sie wieder leicht. Wichtigster Grund für den starken Anstieg deutscher Staatsschulden in den 1990er Jahren war die Wiedervereinigung. Der Durchschnitt der OECD-Staaten lag 2001 bei 64,6 % (bei starken Unterschieden: Australien 20,9 %, Japan 132,6 %, Deutschland 60,2 % nach OECD-Kriterien). Die Finanzkrise ab 2007 hat die Verschuldung in den Euro-Ländern im Schnitt auf knapp 85 Prozent des BIP in die Höhe getrieben (vor der Krise: 70 Prozent).[50]

Die Tabelle gibt den staatlichen Schuldenstand (brutto, ohne Gegenrechnung von staatlichen Forderungen an Dritte) relativ zum jeweiligen BIP für die Jahre 2008 bis 2011 wieder. Rot und orange markierte Zahlen liegen über der durch die Maastrichtkriterien festgelegten Defizitgrenze von 3 % (Neuverschuldung) bzw. der Gesamtverschuldungsgrenze von 60 %.

EZ18
EU28, aber nicht EZ18
nicht EU28
BIP zu Marktpreisen
in Mrd. Euro[Q 1]
Staatsdefizit(−)/ Überschuss(+)
<−6 % <−3 % <0 % ≥0 %
Staatlicher Schuldenstand
>90 % >60 % >30 % ≤30 %
in Mrd. Euro im Verhältnis zum BIP[Q 2] in Mrd. Euro im Verhältnis zum BIP[Q 3] pro Einwohner in Euro[Q 4]
Staat 2008 2009 2010 2011 2008 2009 2010 2011 2008 2009 2010 2011 2008 2009 2010 2011 2008 2009 2010 2011 2008 2009 2010 2011
Europäische Union (EU28) 11.852,6 11.343,7 11.580,9 11.759,6 −284,5 −782,7 −752,8 −517,4 −2,4 −6,9 −6,5 −4,4 7.764,0 8.764,6 9.827,0 10.433,9 62,2 74,6 80,0 82,5 15.600,1 (17.540,2) (19.611,4) (20.769,4)
Eurozone (EZ18) 8.694,7 8.313,3 8.480,0 8.602,6 −182,6 −523,7 −525,8 −352,7 −2,1 −6,3 −6,2 −4,1 6.490,0 7.135,5 7.833,3 8.227,8 70,2 80,0 85,4 87,3 19.757,1 (21.624,4) (23.673,5) (24.785,3)
Deutschland 2.407,9 2.284,5 2.379,4 2.451,5 −2,4 −70,8 −97,6 −19,6 −0,1 −3,1 −4,1 −0,8 1.652,3 1.768,6 2.059,0 2.088,0 66,8 74,5 82,5 80,5 20.096,1 21.567,5 25.169,9 25.540,8
Frankreich 1.799,2 1.742,6 1.771,6 1.801,6 −59,4 −130,7 −125,8 −93,7 −3,3 −7,5 −7,1 −5,2 1.318,6 1.493,4 1.595,0 1.717,0 68,2 79,2 82,3 86,6 20.600,8 (23.208,0) (24.668,5) (26.416,9)
Italien 1.475,4 1.394,3 1.418,4 1.423,7 −39,8 −75,3 −63,8 −55,5 −2,7 −5,4 −4,5 −3,9 1.671,0 1.769,2 1.851,2 1.906,7 106,1 116,4 119,2 120,7 28.027,7 29.465,0 30.679,6 31.450,6
Spanien 988,0 951,0 948,0 951,9 −44,5 −106,5 −92,0 −89,5 −4,5 −11,2 −9,7 −9,4 437,0 565,1 644,7 736,5 40,2 53,9 61,5 69,3 9.650,0 12.330,5 14.018,4 15.957,1
Niederlande 561,6 541,0 549,8 555,3 2,8 −30,3 −28,0 −25,0 0,5 −5,6 −5,1 −4,5 347,5 348,3 371,8 394,2 58,5 60,8 63,1 65,5 21.183,6 21.126,3 22.430,4 23.667,3
Belgien 323,7 314,7 322,3 328,0 −3,2 −17,3 −12,2 −12,1 −1,0 −5,5 −3,8 −3,7 309,0 326,0 340,2 361,6 89,2 95,7 95,5 97,8 28.964,3 30.319,0 31.387,1 32.873,1
Österreich 267,5 257,3 262,6 269,7 −2,4 −10,6 −11,8 −6,7 −0,9 −4,1 −4,5 −2,5 180,5 191,1 206,1 217,8 63,8 69,2 72,0 72,4 21.695,4 22.868,1 24.606,5 25.913,3
Griechenland (210,4) (203,8) (193,8) (180,0) (−20,6) (−31,8) (−20,7) (−16,9) −9,8 −15,6 −10,7 −9,4 263,3 299,7 329,5 355,7 112,9 129,7 148,3 170,6 23.478,6 26.613,8 29.147,2 31.446,7
Irland 177,4 167,7 166,4 168,8 −13,1 −23,3 −51,4 −22,6 −7,4 −13,9 −30,9 −13,4 79,6 104,6 144,2 169,2 44,5 64,9 92,2 106,4 18.087,2 23.512,4 32.281,0 (37.025,2)
Finnland 173,7 158,8 164,1 168,7 7,6 −4,0 −4,1 −1,0 4,4 −2,5 −2,5 −0,6 63,0 75,0 87,0 92,8 33,9 43,5 48,6 49,0 11.888,5 14.080,5 16.252,5 17.273,3
Portugal 160,2 155,5 158,5 156,1 −5,8 −15,9 −15,5 −6,9 −3,6 −10,2 −9,8 −4,4 123,3 140,2 161,5 184,7 71,7 83,2 93,5 108,1 11.613,0 13.194,9 15.184,6 (17.470,4)
Slowakei 48,7 46,3 48,4 49,9 −1,0 −3,7 −3,7 −2,4 −2,1 −8,0 −7,7 −4,9 18,6 22,3 27,0 29,9 27,9 35,6 41,0 43,3 3.448,2 4.126,1 4.976,7 5.546,9
Luxemburg 33,6 32,2 33,2 33,7 1,1 −0,3 −0,3 −0,1 3,2 −0,8 −0,8 −0,3 5,4 5,5 7,7 7,8 14,4 15,3 19,2 18,3 11.151,1 11.200,0 15.281,9 15.247,1
Slowenien 33,6 31,0 31,4 31,6 −0,6 −1,9 −1,8 −2,0 −1,9 −6,0 −5,7 −6,4 8,2 12,4 13,7 17,0 22,0 35,0 38,6 46,9 4.069,2 6.125,6 6.710,7 8.269,7
Zypern 15,4 15,1 15,3 15,4 0,1 −0,9 −0,8 −1,0 0,9 −6,1 −5,3 −6,3 8,4 9,9 10,7 12,8 48,9 58,5 61,3 71,1 10.627,8 12.379,0 13.033,9 15.215,7
Lettland 15,2 12,5 12,4 13,1 −0,6 −1,2 −1,0 −0,4 −4,2 −9,8 −8,1 −3,4 4,5 6,8 8,0 8,6 19,8 36,7 44,5 42,2 1.978,5 2.994,4 3.570,3 4.154,0
Estland 12,7 10,9 11,3 12,2 −0,4 −0,2 0,0 0,1 −2,9 −2,0 0,2 1,1 0,7 1,0 1,0 1,0 4,5 7,2 6,7 6,1 549,9 739,5 713,9 727,3
Malta 5,5 5,3 5,5 5,6 −0,3 −0,2 −0,2 −0,2 −4,6 −3,9 −3,6 −2,7 3,6 4,0 4,3 4,6 62,0 67,6 68,3 70,9 8.853,5 9.580,5 10.275,1 11.080,0
Vereinigtes Königreich 1.944,4 1.867,2 1.900,8 1.918,2 −99,2 −214,7 −193,9 −149,6 −5,1 −11,5 −10,2 −7,8 791,2 1.070,7 1.352,9 1.546,7 52,3 67,8 79,4 85,0 12.929,6 17.382,2 21.811,5 (24.741,4)
Schweden 319,5 303,5 323,3 335,3 7,0 −2,1 1,0 1,3 2,2 −0,7 0,3 0,4 114,4 129,0 146,9 151,0 38,8 42,6 39,5 38,4 12.455,6 13.934,0 15.723,2 16.035,4
Polen 291,5 296,2 307,7 321,0 −10,8 −21,9 −24,3 −16,0 −3,7 −7,4 −7,9 −5,0 144,7 166,7 195,4 192,7 47,1 50,9 54,8 56,4 3.795,3 4.370,3 5.120,3 5.001,4
Dänemark 216,1 203,8 207,1 209,4 6,9 −5,5 −5,2 −3,8 3,2 −2,7 −2,5 −1,8 78,5 91,0 101,0 111,8 33,4 40,6 42,9 46,6 14.342,3 16.510,4 18.248,8 20.105,7
Tschechien 122,1 116,6 119,5 121,7 −2,7 −6,8 −5,7 −4,0 −2,2 −5,8 −4,8 −3,3 41,1 48,6 57,3 60,8 28,7 34,2 37,8 40,8 3.958,3 4.639,2 5.455,7 (5.797,9)
Rumänien 98,3 91,8 90,7 92,7 −5,6 −8,3 −6,2 −5,1 −5,7 −9,0 −6,8 −5,5 17,2 28,0 37,4 44,7 13,4 23,6 30,5 33,4 797,0 1.300,3 1.743,8 (2.086,3)
Ungarn 93,1 86,8 88,0 89,4 −3,4 −4,0 −3,9 3,8 −3,7 −4,6 −4,4 4,3 72,6 75,6 78,3 72,1 73,0 79,8 81,8 81,4 7.230,2 7.538,3 7.823,0 7.223,1
Bulgarien 28,0 26,5 26,6 27,1 0,5 −1,1 −0,8 −0,5 1,7 −4,3 −3,1 −2,0 4,8 5,1 5,9 6,3 13,7 14,6 16,2 16,3 634,5 671,6 774,2 852,7
Litauen 25,5 21,8 22,1 23,4 −0,8 −2,0 −1,6 −1,3 −3,3 −9,4 −7,2 −5,5 5,0 7,8 10,5 11,9 15,5 29,3 37,9 38,5 1.494,8 2.332,9 3.143,0 3.886,3
USA
(in USD)[Q 5]
14.291,6 13.973,7 14.498,9 15.075,7 −797,5 −1.237,9 −1.321,4 (−1.246,0) −5,5 −8,4 −8,7 (−7,9) 10.881,1 12.528,1 14.298,4 (15.517,4) 76,1 89,7 98,6 (102,9) 35.708,8 40.758,6 46.163,7 (49.743,8)
China
(in RMB)[Q 5]
31.404,5 34.090,3 40.151,3 47.156,4 −121,3 −839,9 −293,4 −8,4 −0,4 −2,4 −0,7 −0,0 5.327,2 6.023,8 13.465,8 12.186,8 17,0 17,7 33,5 25,8 4.011,4 4.513,9 10.042,3 9.045,0
Japan
(in JPY)[Q 5]
501.209,3 471.138,6 481.784,5 468.191,1 −17.794,7 −37.526,3 −39.229,0 (−40.246,6) −3,5 −7,4 −7,9 (−8,3) 961.380,3 990.554,0 1.037.243,1 (1.075.015,5) 191,8 210,2 215,3 (229,6) 7.506.971,5 7.735.621,0 8.100.424,1 (8.405.387,8)
Brasilien
(in BRL)[Q 5]
3032,2 3239,4 3.770,1 4.143,0 −61,4 −85,4 −141,0 −136,3 −2,1 −2,6 −3,8 −3,3 1.926,8 2.167,9 2.456,4 2.690,6 63,5 66,9 65,2 64,9 10.161,7 11.321,5 12.710,6 (13.802,8)
Russland
(in RUB)[Q 5]
41.276,8 38.808,7 45.166,0 54.369,1 1.546,4 −1.314,0 −861,7 1.101,8 3,9 −3,2 −1,8 2,0 3.250,8 4.399,9 5.337,7 6.503,2 7,9 11,3 11,8 12,0 22.909,1 31.007,0 37.352,3 45.665,3
Indien
(in INR)[Q 5]
54.955,9 61.306,8 75.052,6 86.465,0 −5.764,9 −6.623,9 −7.616,4 −8.491,4 −10,6 −10,7 −10,2 −9,9 40.702,4 45.518,2 51.067,2 57.932,7 74,1 74,2 68,0 67,0 35.148,9 38.771,9 42.894,8 (48.000,6)
Schweiz
(in CHF)[Q 5]
567,9 554,4 574,3 586,8 6,3 4,7 0,4 (1,0) 1,2 0,8 0,1 (0,2) 286,5 287,2 275,9 (274,8) 50,5 51,8 48,0 (46,8) 37.734,9 36.982,6 35.057,1 (34.545,3)

Die Staaten sind innerhalb ihrer „Farbzugehörigkeit“ (EU28, EZ18, sonstige) absteigend nach dem BIP 2011 sortiert. Bei eingeklammerten Werten handelt es sich um vorläufige Angaben bzw. aus vorläufigen Angaben berechnete Werte.

Quellen:

  1. Eurostat-Datenbank: BIP und Hauptkomponenten – Volumen, BIP zu Marktpreisen, Einheit: „Mio. Euro“. – Stand 27. März 2013
  2. Eurostat-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten, Einheit: Prozent des BIP. – Stand 27. März 2013
  3. Eurostat-Tabelle: Bruttoverschuldung des Staates, Einheit: „Mio. Euro“ und „Prozent des BIP“. – Stand 27. März 2013
  4. Eurostat-Datenbank: Bevölkerung am 1. Januar – Stand 27. März 2013
  5. a b c d e f g International Monetary Fund: World Economic Outlook Database, Oktober 2012

Staatsverschuldung in Entwicklungsländern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staatsverschuldung und Ratings[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rückzahlungswahrscheinlichkeit der umlaufenden Staatsanleihen eines Landes kommt in dessen Bonität oder Kreditwürdigkeit zum Ausdruck. Bei hoher Staatsverschuldung kann die Rückzahlungswahrscheinlichkeit sinken. Zur Einstufung der Verschuldung eines Staates als relativ hoch oder niedrig gibt es mehrere Schuldenkennzahlen. Eine Reihe entwickelter Länder wird von den privaten internationalen Rating-Agenturen als sehr kreditwürdig eingestuft, weil ihre im Bruttosozialprodukt ausgedrückte Wirtschaftsleistung als schuldenadäquat angesehen wird. Einige Industrieländer erhalten deshalb für ihre Staatsanleihen von den Rating-Agenturen den höchstmöglichen Ratingcode Aaa (Moody’s), AAA (Standard & Poor’s) und AAA (Fitch Ratings). Aber auch hier können wegen teilweise exzessiver Schuldenpolitik und möglicherweise weniger dynamisch verlaufender Wirtschaftsleistung Herabstufungen des Ratings drohen.

Dabei wird insbesondere die Schuldentragfähigkeit untersucht, die die Schulden in Relation zum Bruttoinlandsprodukt oder den Staatseinnahmen sieht. Schuldentragfähigkeit ist gerade noch vorhanden, wenn folgende Kriterien nachgewiesen werden können:

Für Entwicklungsländer wird die Schuldenaufnahme zusätzlich zur tendenziell geringeren Bonität noch durch das Problem des Original Sin erschwert.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Staatsverschuldung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Government debt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Staatsschulden – Quellen und Volltexte

International:

Deutschland:

Österreich:

Schweiz:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Eurostat, Staatsschuldenstand in Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die einschlägigen Definitionen enthält die Ratsverordnung 479/2010, geändert durch die Ratsverordnung 679/2010.
  2. a b Statistisches Bundesamt: Begriffserläuterungen für den Bereich Finanzen, Steuern, Öffentlicher Dienst
  3. Bodo Leibinger/Reinhard Müller/Herbert Wiesner, Öffentliche Finanzwirtschaft, 2014, S. VI
  4. FAZ vom 28. Dezember 1990, S. 3
  5. Alfred Manes, Staatsbankrotte, 1919, S. 26
  6. Institut für Bankhistorische Forschung/Ernst Klein, Deutsche Bankengeschichte: Von den Anfängen bis zum Ende des alten Reiches (1806), Band 1, 1982, S. 73
  7. Gerald Braunberger/Benedikt Fehr, Crash: Finanzkrisen gestern und heute, 2008, S. 18
  8. Alfred Manes, Staatsbankrotte, 1919, S. 55
  9. Fernand Braudel, Sozialgeschichte des 15. bis 18. Jahrhunderts, Band III, 1985, S. 338 f.
  10. Jacob Peter Mayer, Fundamental Studies on Jean Bodin, 1979, S. 33
  11. Jean-François Melon de Pradou, Economistes Financiers du 18me Siecle, 1734, S. 95
  12. David Hume, Essay on Public Credit, 1752, S. 360 f.
  13. Adam Smith, Der Wohlstand der Nationen, Buch V, Kapitel 3: On Public Debts, 1776/1974, S. 798
  14. Adam Smith, Der Wohlstand der Nationen, Buch V, Kapitel 3: On Public Debts, 1776/1974, S. 911
  15. Thomas Jefferson/Lyman Henry Butterfield/Charles T. Cullen, The Papers of Thomas Jefferson: March 1789 to 30 November 1789, 1958, S. 393
  16. Immanuel Kant, Zum ewigen Frieden, 1795, S. 7 f.
  17. David Ricardo, Grundsätze der Politischen Ökonomie, Band 1, 1817/1959, S. 233 ff.
  18. David Ricardo, Grundsätze der Politischen Ökonomie, Band 1, 1817/1959, S. 233 ff.
  19. Alfred Manes, Staatsbankrotte, 1919, S. 57
  20. Friedrich List, Das nationale System der Politischen Ökonomie, S. 265
  21. Karl Marx, Das Kapital, Band 1, 1867, S. 782 f.
  22. Lorenz von Stein, Lehrbuch der Finanzwissenschaft, 1875, S. 716
  23. Adolph Wagner, Finanzwissenschaft, 1890, S. 229
  24. Peter Lippert, Staatsverschuldung in Deutschland, Italien und Griechenland, 2014, S. 36
  25. Ernst Löschner, Souveräne Risiken und internationale Verschuldung, 1983, S. 44 ff.
  26. John Maynard Keynes, The General Theory of Employment, Interest, And Money, 1936, S. 211
  27. Carmen Reinhart/Kenneth Rogoff, This Time is different, 2009, S. 232
  28. Gareth D. Myles: Public Economics. Cambridge University Press, 2008, ISBN 9780521497695, S. 486 ff.
  29. Hugh Dalton: Principles of Public Finance. Allied Publishers, 1997, 4. Auflage, ISBN 9788170231332, S. 180 ff.
  30. Eine Verordnung dazu findet sich bei Bundesministerium der Justiz: „Verordnung über das Verfahren zur Bestimmung der Konjunkturkomponente nach § 5 des Artikel 115-Gesetzes (Artikel 115-Verordnung – Art115V)“
  31. Bundesministerium der Finanzen:Öffentliche Finanzen – Produktionspotential und Konjunkturkomponenten – Berechnungsergebnisse und Datengrundlagen vom 24. April 2012
  32. Vgl. Achim Truger, Henner Will, Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (Januar 2012): „Gestaltungsanfällig und pro-zyklisch: Die deutsche Schuldenbremse in der Detailanalyse“
  33. Franz Schuster, Europa im Wandel, 2013, S. 89
  34. Handelsblatt 19. Mai 2010:„Verdeckte Schulden – Dem Staat fehlen Billionen“; NZZ, 25. Jan. 2013 „Der Staatsschulden-Eisberg“
  35. Pascal Gantenbein/Klaus Spremann, Zinsen, Anleihen, Kredite, 2014, S. 25
  36. Peter Bofinger: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. Pearson Studium, 2010, ISBN 978-3827373540, S. 8ff
  37. „Renditen im Sinkflug“, Handelsblatt 5. August 2010
  38. Wilhelm Lautenbach: Über Kredit und Produktion. Frankfurt 1937. (erstveröffentlicht 1936 im Vierteljahresheft: Die Wirtschaftskurve. Heft III.) S. 18:
    „Wie funktioniert der Kreditapparat, wenn der Staat große Ausgaben durch Kredit finanziert? Woher kommen die Mittel?“
    „Die meisten, die die Frage stellen, und es sind keineswegs nur Laien, haben dabei die Vorstellung, als gäbe es irgendeinen begrenzten Vorrat an Geld oder Kredit. Mit dieser Vorstellung verknüpft sich gewöhnlich die besorgte Frage, ob der Staat durch seine Kreditansprüche nicht der Wirtschaft den Kredit verknappe. In Wahrheit verhält es sich aber genau umgekehrt. Wenn der Staat in großem Stil Kredit nimmt, wird die ganze Kreditwirtschaft aufgelockert. Die Geld- und Kreditmärkte werden flüssig, die Unternehmer werden liquide, ihre Bankkredite nehmen ab, die Geschäftsdepositen steigen […].“
  39. Olivier Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie. (5. Auflage) München 2009. (online) S. 26.
  40. Deutsche Bundesbank: Geld und Geldpolitik S. 146.
  41. Carsten Germis: Die Weltverbesserer: Der japanische Keynes. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 26. August 2013, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 23. April 2016]).
  42. Hans Gestrich: Neue Kreditpolitik. Stuttgart und Berlin 1936. S. 73-95:
    „Man kann es nicht den Gutdünken einer noch so qualifizierten Bankleitung überlassen, ob sie der nationalen Volkswirtschaft die Opfer einer Deflation auferlegen oder die Wechselkursparität herabsetzen will. In solchen Schicksalsfragen kann nur die Staatsführung, die auch die sozialen und politischen Folgen zu tragen hat, die Entscheidung treffen. Allzusehr sind heute die Wirkungs- und Erfolgsmöglichkeiten der allgemeinen Wirtschaftspolitik von Kreditpolitik abhängig ...“
  43. Wolfgang Stützel: Volkswirtschaftliche Saldenmechanik Tübingen : Mohr Siebeck, 2011, Nachdr. der 2. Aufl., Tübingen, Mohr, 1978, S. 86
  44. John Maynard Keynes: The Economic Consequences of Mr. Churchill In: Essays in Persuasion. W. W. Norton & Company, 1991, S. 259
  45. John Maynard Keynes: The Return to the Gold Standard In: Essays in Persuasion. W. W. Norton & Company, 1991, S. 208
  46. John Maynard Keynes: The Great Slump of 1930 In: Essays in Persuasion. W. W. Norton & Company, 1991, S. 146
  47. John Maynard Keynes: Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes. Duncker & Humblot, München/Leipzig 1936, S. 268
  48. Vgl. Prof. Dr. Philipp Bagus – Die Gefahr der Auslandsverschuldung
  49. Eurostat: Drittes Quartal 2014 gegenüber dem zweiten Quartal 2014 Öffentlicher Schuldenstand im Euroraum auf 92,1 % des BIP gefallen
  50. Größter Schuldenberg der Bundesrepublik. (Memento vom 13. März 2010 im Internet Archive) tagesschau, 11. März 2010.
  51. IWF und Weltbank: Debt Sustainability Analysis for the Heavily Indebted Poor Countries (PDF; 1,5 MB), Januar 1996, S. 2 (S. 4 im PDF)