Schule für Erwachsenenbildung (Berlin)

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Schule für Erwachsenenbildung e. V.
Im oberen Stockwerk ist die Schule
Gründung 1973
Adresse

Gneisenaustraße 2a
10961 Berlin

Ort Berlin-Kreuzberg
Land Berlin
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 29′ 31″ N, 13° 23′ 19″ OKoordinaten: 52° 29′ 31″ N, 13° 23′ 19″ O
Schüler etwa 200 (2016)[1]
Leitung 13 (2016)[1]
Website sfeberlin.de

Die Schule für Erwachsenenbildung e. V. (SFE) ist eine 1973 in West-Berlin gegründete Einrichtung des zweiten Bildungswegs zur Prüfungsvorbereitung auf die allgemeine Hochschulreife (Abitur) sowie den mittleren Schulabschluss. Die SFE ist die einzige selbstverwaltete demokratische Schule im deutschsprachigen Raum, die von Schülern und Lehrern basisdemokratisch organisiert wird.

Zur Entstehung der SFE[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1972 gab es an der privaten Gabbe-Lehranstalt einen Schulstreik, der sich gegen einen überautoritären Schulleiter, eine reaktionäre Schulordnung, überfüllte Klassen, Leistungsdruck und Kündigungen von Schülern und Lehrern aus politischen Gründen richtete. Nach einem massiven Polizeieinsatz gegen die Streikenden und nach weiteren Kündigungen wurde der Entschluss gefasst, eine neue Schule zu gründen, selbstverwaltet und mit emanzipatorischem Anspruch. Über Mundpropaganda, Plakate und Hinweise in Jugendsendungen des Rundfunks fanden sich 500 Interessenten sowie 70 Lehrer, die bereit waren, an der neuen Schule zu unterrichten. 1973 wurde die SFE als gemeinnütziger Verein gegründet und erhielt als private Ergänzungsschule des zweiten Bildungswegs die BAföG-Würdigkeit. 1974 bezog man eine 950 m² große Büroetage in der Burgemeisterstraße 30–32 im Ortsteil Tempelhof.[2] 1980 kaufte die SFE mit mehreren anderen Projekten ein ehemaliges Fabrikgebäude, den heutigen Mehringhof im Ortsteil Kreuzberg.

Schulstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Je nach persönlichen Voraussetzungen erfolgt der Unterricht in den Kollegklassen, den Klassen des Gymnasialen Zweigs oder der Mittlere-Reife-Klasse.

  • Kollegklassen:
    Ein Mindestalter von 19 Jahren, mittlere Reife und eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine dreijährige, den Unterhalt sichernde Erwerbstätigkeit sind erforderlich (allgemeine Voraussetzungen des zweiten Bildungswegs).
    Die Ausbildung dauert einschließlich Prüfungen 6 Semester.
    Eine elternunabhängige Förderung nach dem BAföG ist möglich.
  • Gymnasialer Zweig:
    Ein Mindestalter von 18 Jahren sowie die mittlere Reife sind die Voraussetzungen. Ein Berufsabschluss ist nicht erforderlich.
    Die Ausbildung dauert einschließlich Prüfungen 5–6 Semester.
    Eine elternabhängige Förderung nach dem BAföG ist unter Umständen möglich.
  • Mittlere-Reife-Klasse:
    Das Mindestalter beträgt 18 Jahre (in Ausnahmefällen auch 16). Die allgemeine Schulpflicht muss erfüllt sein, ein Hauptschulabschluss ist allerdings nicht erforderlich.
    Die Ausbildung dauert einschließlich Prüfung zehn Monate.
    Eine Förderung nach dem BAföG ist nicht möglich.

Selbstbestimmtes Lernen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Unterricht richtet sich – angelehnt an den Rahmenplan – nach den Interessen der Schüler. Sie legen Schwerpunkte und Lehrmaterialien gemeinsam mit den Lehrern fest. Die Entwicklung einer eigenen Lernmotivation sowie die Lernerfahrung stehen dabei im Vordergrund. Eine Benotung im Unterricht erfolgt nicht.

Selbstverwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schule für Erwachsenenbildung ist ein (basis-)demokratisches Schulprojekt in Selbstverwaltung, ohne klassische Schulleitung. Dies bedingt, dass der Alltag der Schule von Schülern und Angestellten gemeinsam organisiert wird. Der zentrale „Verwaltungsort“ der SFE ist die Schulversammlung (auch Forum oder Vollversammlung genannt). Sie findet alle zwei Wochen statt und ist eine Versammlung von allen interessierten Schülern und Angestellten. Hier werden alle Dinge besprochen und diskutiert, die aktuell für die Schule von Belang sind. Klassen organisieren ihre internen Belange, sofern sie nicht die Schule als Ganzes betreffen, in „Klassenkonferenzen“. Sie finden erfahrungsgemäß einmal im Monat bzw. nach Bedarf mit oder ohne Lehrer statt. Regelmäßige organisatorische Aufgaben werden von allen gemeinsam bzw. abwechselnd erledigt, so übernimmt z. B. jede Woche eine andere Klasse bzw. die Angestellten den Reinigungsdienst für die ganze Schule.

Fächerangebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vorbereitung auf die Abiturprüfung erfolgt in den Fächern Deutsch, Mathematik, Kunst, Biologie, Geschichte, Politik, Englisch, Französisch und Spanisch.

Der Unterricht in der Mittlere-Reife-Klasse umfasst die Fächer Deutsch, Mathematik, Biologie, Erdkunde, Englisch und Geschichte.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich in selbstorganisierten Lerngruppen und Arbeitsgemeinschaften auf weitere zugelassene Prüfungsfächer vorzubereiten.

Prüfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die SFE ist eine Schule ohne staatliche Prüfungszulassung. Deshalb werden die Prüfungen an staatlichen Schulen abgelegt (sogenannte Fremdenprüfung bzw. Nichtschülerabitur). Da im Vorfeld keine Noten gegeben werden, erfolgt die Prüfung zum mittleren Schulabschluss in sechs Fächern, die Abiturprüfung in acht Fächern.

Mediale Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2017 wurde der Dokumentarfilm Berlin Rebel High School veröffentlicht.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2016 hat die SFE beim Deutschen Schulpreis den 2. Preis gewonnen.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Über die SFE, abgerufen am 3. Dezember 2016
  2. Schule für Erwachsenenbildung: Betr.: Bewerbung um 2000 m² Nutzungsfläche des PRAKMA - Gebäudes, 11. Juni 1979
  3. Robert Bosch Stiftung: Der Deutsche Schulpreis – Schule für Erwachsenenbildung e. V. in Berlin. In: schulpreis.bosch-stiftung.de. Abgerufen am 9. Juni 2016.