Schweizerischer Gewerkschaftsbund

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Schweizerischer Gewerkschaftsbund
(SGB)
Zweck: Dachverband, Gewerkschaft
Vorsitz: Pierre-Yves Maillard; interim bis Mai/Juni 2019: Vania Alleva, Giorgio Tuti (Vizepräsidenten)[1]
Gründungsdatum: 1880
Mitgliederzahl: 368'762 (2011)[2]
Sitz: Bern, Schweiz
Website: www.sgb.ch

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB, französisch Union syndicale suisse, italienisch Unione sindacale svizzera) ist die grösste Arbeitnehmerorganisation der Schweiz. Er ist der Dachverband von 16 Einzelgewerkschaften, die insgesamt knapp 370'000 Mitglieder vertreten. Der SGB wurde 1880 im Bahnhofbuffet Olten gegründet.

Präsident ist der Waadtländer Staatsrat Pierre-Yves Maillard. Er wird sein Amt zwischen Mai und Juni 2019 antreten. Bis dahin leiten die Vizepräsidentin Vania Alleva und der Vizepräsident Giorgio Tuti den SGB. Maillard tritt die Nachfolge des Ende November 2018[3] zurückgetretenen St. Galler Ständerats Paul Rechsteiner an.

Der SGB ist Mitglied des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) und des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB)[4]. In der Mitgliederliste des IGB wird die Mitgliedschaft mit 269.065 angegeben (Stand: November 2017).[5]

Politische Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vollbeschäftigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wirtschaftspolitik soll Vollbeschäftigung zum Ziel haben. Darin inbegriffen ist nicht nur das Recht auf Arbeit, sondern auch das Recht auf eine Berufsausbildung. Arbeitslose, Ausgesteuerte und Sozialhilfeempfänger sollen möglichst rasch wieder in die Erwerbswelt integriert werden.

Faire Löhne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. Januar 2011 hat der Schweizerische Gewerkschaftsbund die Mindestlohn-Initiative lanciert.[6] Die Initiative will alle Löhne über Mindestlöhne schützen. Sie schreibt einen untersten Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde vor (für das Jahr 2011). Der gesetzliche Mindestlohn wird regelmässig an die Lohn- und Preisentwicklung angepasst (gemäss AHV-Rentenindex), die Kantone können regional höhere Mindestlöhne festlegen. Damit alle Löhne geschützt sind, müssen Bund und Kantone Mindestlöhne in Gesamtarbeitsverträgen fördern. Am 18. Mai 2014 wurde die Initiative vom Stimmvolk abgelehnt.[7]

1:12[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schweizer Gewerkschaftsbund unterstützte die Eidgenössische Volksinitiative «1:12 – Für gerechte Löhne», die verlangte, dass niemand mehr als zwölfmal soviel verdienen darf wie der schlechtestbezahlte Mitarbeiter im selben Unternehmen.

Bessere Arbeitsbedingungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gesetzlichen wöchentlichen Höchstarbeitszeiten (50 Stunden/Woche) sollen reduziert, die Überstunden begrenzt und die Arbeitszeit somit planbarer werden. Weiter sollen die Kontrollen gegen Missbrauch bei Temporärarbeit verstärkt und der Gesundheitsschutz der Arbeitnehmenden verbessert werden.

Chancengleichheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zugang zur Erwerbswelt und die Karrieremöglichkeiten sollen nicht abhängig sein von Herkunft oder Geschlecht einer Person. Durch kostenlose und flächendeckende Tagesschulen und einen Elternurlaub soll Frauen ein gleichberechtigter Zugang zur Arbeitswelt ermöglicht werden.

Soziale Sicherheit für alle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sozialversicherungen sollen erhalten und wo nötig ausgebaut werden. Am Kongress vom 5. und 6. November 2010 hat der SGB das Modell AHVplus vorgestellt, das die Rentenlücke bei tiefen Einkommen schliessen soll[8]. Während das Leistungsziel bisher eine Ersatzquote von 60 % des letzten Einkommens vorsah, soll dieses Leistungsziel für die Altersvorsorge künftig nach Einkommen differenziert werden. Für Einkommen unter 5000 Franken fordert der SGB eine Ersatzquote von 80 %, erst ab einem Einkommen von mehr als 7000 Franken pro Monat soll die Ersatzquote wie bisher 60 % betragen. So soll sichergestellt werden, dass die Rente auch für tiefere Einkommen ein würdiges Leben im Ruhestand ermöglicht. Weiter soll ein flexibler Altersrücktritt mit 62 für alle möglich sein.

Starker Service public[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die staatliche Grundversorgung – wie Bildung, Gesundheit, öffentlicher Verkehr, Post usw. – soll nicht weiter privatisiert und liberalisiert werden. Der Staat soll dafür sorgen, dass alle Menschen in der Schweiz einen direkten und kostengünstigen Zugang zu seinen Dienstleistungen haben. Weiter soll er für vorbildliche Arbeitsbedingungen besorgt sein.

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Gewerkschaften bilden den SGB:

Vollmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Assoziierte Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglieder im Beobachterstatus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • BCH, Berufsbildung Schweiz
  • impressum – die Schweizer Journalistinnen
  • SBK - Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner

Historische Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pierre-Yves Maillard ist neuer SGB-Präsident. SGB, 1. Dezember 2018.
  2. SGB-Dossier Nr. 89: Zur Mitgliederentwicklung der Gewerkschaften im Jahr 2011
  3. https://www.sgb.ch/themen/gewerkschaftspolitik/artikel/details/paul-rechsteiner-gibt-sgb-praesidium-per-ende-november-ab/
  4. Liste der nationalen Mitgliedsverbände im EGB, abgerufen am 23. Mai 2018
  5. Mitgliederliste des IGB, abgerufen am 23. Mai 2018
  6. mindestlohn-initiative.ch
  7. Eidgenössische Volksinitiative «Für den Schutz fairer Löhne (Mindestlohn-Initiative)». Schweizerische Bundeskanzlei, 18. Mai 2014.
  8. Bessere Renten – AHVplus., SGB, 11. Mai 2012 (Medienmitteilung), abgerufen am 29. Juni 2018