Schwendtag

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Unter einem Schwendtag (bairisch; auch: verworfener Tag, Unglückstag, elsässisch Nöttelestag) versteht der Volksglaube einen Tag, an dem nichts Neues (z. B. Urlaub, Reise, Arbeit, Operation, Heirat, Verlobung, Geschäftsabschlüsse) begonnen werden soll. Während an den Schwendtagen bestimmte Tätigkeiten unterlassen werden sollen, empfehlen die Lostage bestimmte Arbeiten oder weisen auf kommende Ereignisse hin (z. B. Wetterumschwung).

Bereits im antiken Rom waren Unglückstage kalendarisch benannt, als dies atri (sing. dies ater „Schwarzer Tag“).

Wortherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der bairische Begriff Schwendtag leitet sich von mhd. swende, ahd. swendi „Vernichtung, Verbannung“ ab (modern noch Schwende „durch Rodung gewonnenes Land“[1]), zum Verb schwinden (mhd. swinden, ahd. swintan „abmagern, welken, vergehen“). Im Sundgau hießen Schwendtage Nöttelestage[2]

Kalendarische Zuordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es existieren z. T. erheblich abweichende kalendarische Auflistungen von Unglückstagen.

Kuhn und Schwartz (1848) zitieren eine „Handschrift aus Stendal“, die als „unglückliche Tage“ kennt: 1., 3., 6., 17., 18. Januar; 8., 16., 17. Februar; 1., 12., 13., 15. März; 3., 15., 17., 18. April; 8., 10., 17., 30. Mai; 1. und 7. Juni; 1., 5., 6., Juli; 1., 3., 18., 20. August; 15., 18., 30. September; 15. und 17. Oktober; 11. und 17. November; 1., 7., 11. Dezember; davon sind als besonders unglücklich genannt: 13. März, 1. April, 1. und 18. August, 1., 3. und 30. September, sowie 1. Dezember (sic, 1. April, 1. und 3. Sept. fehlen in der ersten Liste).[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. schweizerisch hat Schwändtag bloss die Bedeutung „Tag für gemeinsame Fronarbeit zur Säuberung der Alpen, Allmenden von Gestrüpp, Steinen usw.“ Schweizerisches Idiotikon 12.1036.
  2. Karl Simrock, Handbuch der Deutschen Mythologie, 1864, S. 590; schweiz gnötelig „notleidend“ (Schweiz. Idiotikon 4.864).
  3. Adalbert Kuhn und Wilhelm Schwartz, Norddeutsche Sagen, Märchen und Gebräuche (1848), S. 460. „Welches Kind an diesen Tagen geboren wird, bleibt selten lange leben, und wenn es grschieht, bleibt es armselig und elend. In diesen Tagen ist auch keine Heirat gut; wer darin reiset, kömmt gewiss ungesund nach Hause. Von ihnen sind die fünf unglücklichsten, wo man nicht reisen soll: 13. März, 18. August, 1. 3. 30. September. Noch sind drei Tage zu bemerken, welche gar unglücklich sind, und welcher Mensch darin Blut lässt, stirbt gewiss in 7 oder 8 Tagen: 1. April, an dem Judas der Verräther geboren, 1. August, an dem der Teufel vom Himmel geworfen, 1. December, da Sodom und Gomorrha mit Feuer und Schwefel vom Himmel verderbt worden. Wer an diesen Tagen geboren wird, stirbt eines bösen Todes und entgeht schwerlich der Welt Schande, wird auch selten alt.“