Sean Rainbird

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Sean Rainbird (* 1959 in Hongkong) ist ein englischer Kunsthistoriker. Er leitete von 2006 bis 2012 die Staatsgalerie Stuttgart und seither die National Gallery of Ireland in Dublin.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sean Rainbird studierte Kunstgeschichte und Deutsch am University College London, an der Universität Freiburg und an der Freien Universität Berlin. 1996 erwarb er ein Klavierlehrerdiplom und 2001 ein Diplom der Kingston University im Fach Verwaltungsmanagement. Rainbird unterrichtete Kunstgeschichte am University College in London, bevor er 1987 seine Tätigkeit als Kurator für die Tate Gallery in London aufnahm. Dort beschäftigte er sich schwerpunktmäßig mit der deutschen Kunst des frühen 20. Jahrhunderts sowie mit zeitgenössischer britischer und internationaler Kunst.[1] Ab 1990 organisierte er zahlreiche Ausstellungen, z. B. zu Wassily Kandinsky, Max Beckmann, Joseph Beuys, Gerhard Richter und Per Kirkeby. Rainbird sorgte für den Ankauf bedeutender Werke von Künstlern wie etwa Jeff Wall, Bill Viola, Rachel Whiteread, Thomas Struth und Georg Baselitz. In seinen Aufgabenbereich als Kurator der Tate Gallery fiel außerdem die Ausrichtung der jährlichen Ausstellung des jeweiligen Gewinners des Turner-Preises, der zuvor von einer namhaften, international besetzten Jury[2] bestimmt worden war.

Direktor der Staatsgalerie Stuttgart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 2005 gab der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger bekannt, dass Sean Rainbird als Nachfolger von Christian von Holst (* 1941) die Leitung der Staatsgalerie Stuttgart übernehmen werde.[3] Rainbird trat sein Amt am 1. November 2006 an.[4]

Rainbird sah sich bei seinem Amtsantritt mit zahlreichen Aufgaben konfrontiert, die die Kapazitäten für die Museumsarbeit einschränkten: Die Sanierung des Erdgeschosses der Alten Staatsgalerie, die von 2006 bis Ende 2008 andauerte,[5] der wirtschaftliche Wandel der Staatsgalerie in einen Landesbetrieb[6] und der Umgang mit einem über einen längeren Zeitraum entwickelten Überhang an ungenehmigten Stellen.[7] Gleichwohl konnte Rainbird bereits 2006 bei seinem Amtsantritt über ein Startkapital von knapp 1,6 Millionen Euro verfügen, welches noch sein Vorgänger Christian von Holst mit seiner sehr publikumswirksamen Monet-Ausstellung an Mehreinnahmen für die Staatsgalerie erwirtschaftet hatte.

Im Zusammenhang mit deutlich gesunkenen Besucherzahlen[8] schlug Rainbird im Januar 2008 den kostenlosen Eintritt zu den Sammlungen der Staatsgalerie Stuttgart vor.[9] Mit Unterstützung von Sponsoren konnte nach der Wiedereröffnung der Alten Staatsgalerie im Dezember 2008 der freie Eintritt in die Sammlung des Museums für ein halbes Jahr umgesetzt werden. Dadurch wurden die Besucherzahlen in der Sammlung für diesen Zeitraum verdreifacht.[10]

Rainbirds Konzept, sich zunächst auf die Neuordnung der ständigen Ausstellung zu konzentrieren,[11] führte zu kontroversen Stellungnahmen des deutschen Feuilletons. Vom „Verfall einer Attraktion“[12] und vom „Stuttgarter Schüttelprinzip“[13] wurde ebenso geschrieben wie über eine „Neue Übersicht, neue Sicht“.[14] Allzu spärliche Ausstellungsideen ließen aber die Kunstszene in Stuttgart gegenüber Städten wie Frankfurt und München immer mehr ins Hintertreffen geraten.[15]

Seit seinem Amtsantritt wurden zahlreiche Ausstellungsprojekte aus Sammlungsbeständen realisiert,[16] wie 2011 Kollwitz – Beckmann – Dix – Grosz. Kriegszeit und Offenes Depot 01 – The Empty Plan.

Eduard Beaucamp würdigte die Arbeit Rainbirds in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 6. Mai 2011: „Ein besonderer Glücksfall ist Sean Rainbird, der englische Direktor der Staatsgalerie in Stuttgart, der sensibel, eindringlich und mit einer historischen Dimension mit der Sammlung arbeitet und aus ihr heraus große Ausstellungen entwickelt.“[17]

Direktor der National Gallery of Ireland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2012 verließ Rainbird Stuttgart und wechselte zur National Gallery of Ireland in Dublin.[18] Dort stand Rainbirds Amtsantritt bereits von Beginn an unter keinem guten Stern: Am 29. Juni 2012 kam ein Gemälde Claude Monets infolge eines Vorfalls mit einem Besucher zu erheblichem Schaden.[19] Wegen irregulärer Honorarzahlungen, die der irischen Öffentlichkeit im November 2013 bekannt wurden, geriet Rainbird als Direktor der National Gallery erneut in die Schlagzeilen der Presse.[20] Gemeinsam mit der Vorsitzenden des Aufsichtsrates der National Gallery (Chair of the Board of Governors & Guardians), Dr. Olive Braiden, hatte sich Sean Rainbird vor einer Prüfungskammer der staatlichen Finanzaufsicht (Committee of Public Accounts) einzufinden und persönlich zu verantworten.[21]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Clare Henry: Sean Rainbird - Art curator, Tate Modern, London, England (Memento vom 10. Juli 2012 im Webarchiv archive.is), Artforum, April 2000
  2. The Turner Prize Year by Year
  3. Sean Rainbird wird Chef der Staatsgalerie Stuttgart, Pressemitteilung des MWK Baden-Württemberg, 22. Juni 2005
  4. Sean Rainbird: Will auch verstärkt junges Publikum ansprechen, Pressemitteilung des MWK Baden-Württemberg, 6. November 2006.
  5. [1]@1@2Vorlage:Toter Link/content.stuttgarter-zeitung.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Stuttgarter Zeitung, 11. Dezember 2008, abgerufen 23. Januar 2009.
  6. [2]@1@2Vorlage:Toter Link/www.landtag-bw.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 40 kB) Landtag von Baden-Württemberg, 14 Wahlperiode, Drucksache 14/6629 vom 15. Juli 2010, abgerufen 4. Mai 2011.
  7. [3] Denkschrift zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Landes Baden-Württemberg mit Bemerkungen zur Haushaltsrechnung für das Haushaltsjahr 2004, Rechnungshof Baden-Württemberg, 2006, S. 186, abgerufen 5. April 2011.
  8. Staatsgalerie klagt über Besucherschwund (Memento vom 14. September 2012 im Webarchiv archive.is), Stuttgarter Zeitung, 31. Januar 2008.
  9. Direktor will freien Eintritt in die Sammlung@1@2Vorlage:Toter Link/www.stuttgarter-nachrichten.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Stuttgarter Nachrichten, 31. Januar 2008.
  10. Gratiseintritt: Staatsgalerie verdreifacht Besucherzahlen (Memento vom 18. September 2012 im Webarchiv archive.is), Stuttgarter Zeitung, 25. Juni 2009.
  11. Nikolai B. Forstbauer: „Ich lege meine Karten noch nicht auf den Tisch“ (Memento vom 10. September 2012 im Webarchiv archive.is), Stuttgarter Nachrichten, 13. März 2008.
  12. Bernhard Schulz: Vom Witz zum Treppenwitz, Tagesspiegel, 15. Januar 2008.
  13. Hans-Joachim Müller: Das Stuttgarter Schüttelprinzip, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. Juli 2008.
  14. Christian Gampert: Neue Übersicht, neue Sicht, Deutschlandradio Kultur, 25. Juli 2008.
  15. Georg Leisten: Pläne für 2010 – Die Staatsgalerie setzt ganz auf Grau. (Memento vom 11. Februar 2010 im Internet Archive) In: Stuttgarter Zeitung vom 5. Februar 2010, abgerufen am 14. Juli 2011.
  16. [4] Staatsgalerie Stuttgart, Rückblick Ausstellungen
  17. Viele Kuratoren, keine Qualität Kunststücke, www.faz.net, abgerufen 17. Mai 2011.
  18. Sean Rainbird: „Es ist Zeit für mich, weiterzuziehen“ in: Stuttgarter Zeitung, 1. Dezember 2011.
  19. Man accused of damaging €10m Monet in bail bid in: Independent.ie, 6. Dezember 2013.
  20. Squeals of outrage at porkies over who gets the bacon in: Irish Examiner, 23. November 2013.
  21. Committee of Public Accounts Staff Appointments in the National Gallery of Ireland (youtube.com)