Thomas Struth

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Thomas Struth, 2016

Thomas Struth (* 11. Oktober 1954 in Geldern, Niederrhein) ist ein deutscher Fotograf der Düsseldorfer Photoschule.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Struth, geboren 1954 in Geldern, studierte von 1973 bis 1980 an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf – zuerst Malerei bei Gerhard Richter und Peter Kleeman, ab 1976 Fotografie bei Bernd Becher. Im Jahr 1978 erhielt er von der Kunstakademie Düsseldorf ein Stipendium für die Stadt New York City, das er mit einer Einzelausstellung im P.S.1 abschloss. Von 1993 bis 1996 hatte Struth eine Professur an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung (HfG) in Karlsruhe inne. Struth lebt und arbeitet in Berlin. Er ist mit der amerikanischen Autorin Tara Bray Smith verheiratet.[1]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bezeichnend für Struths künstlerische Praxis ist die Arbeit an aufeinander folgenden Werkgruppen, die sich mit Themen wie Straßenzügen, Menschen, Museen und Natur beschäftigen. Trotzdem bleibt ersichtlich, dass er sich konsequent und konzeptuell der Fortsetzung einer übergreifenden Werkidee widmet. Meist fotografiert Struth mit einer Großformatkamera und in Farbe, wobei er im Unterschied zu beispielsweise Andreas Gursky oder Thomas Ruff seine Bilder kaum digital bearbeitet.

Sowohl in der Kunstkritik als auch auf dem Kunstmarkt hat sich Thomas Struth mit den in den 1970er und 1980er Jahren konzipierten Werkgruppen Unbewusste Orte und Porträts durchgesetzt. Die Teilnahme an der Biennale in Venedig (1990) und an der Documenta IX (1992) haben seine Position international gefestigt.

Im Zentrum von Struths Interesse steht das „präzise Sehen“ und insbesondere die Beziehung zwischen Betrachter und Betrachtetem. Struth stellt in seinen Werkgruppen regelmäßig Sichtweisen auf überkommene fotografische Sujets in Frage, unterläuft Sehgewohnheiten und erweitert auf diese Weise den fotografischen Kunstbegriff.

So zeigen Thomas Struths Architekturaufnahmen Plätze und Straßenzüge, die die städtische Entwicklung sensibel dokumentieren. Die Werkgruppe Unbewusste Orte, die in Städten auf der ganzen Welt entstanden ist, bildet einen eigenständigen Beitrag zur Stadtanthropologie. Ähnlich arbeitete der Künstler in der Serie der Landschaften: Durch die Abwesenheit von Menschen wird auf ihre Anwesenheit und Gestaltung der ländlichen Umgebung hingewiesen. Einen quasi dokumentarischen Charakter haben auch weitere Projekte von Struth wie z. B. die Porträts, in denen die Möglichkeiten der Darstellbarkeit eines Individuums bzw. einer Gemeinschaft untersucht werden. Der Prozess des Betrachtens wird im Zyklus der Museumsbilder zu einem Vehikel, das den Betrachter jeweils in andere Zeit-Räume versetzt – andere Museen, fiktive Welten. 2007 war Struth der erste zeitgenössische Künstler, der im Museo del Prado in Madrid ausgestellt hat. Für diese Ausstellung hat Struth Museumsbesucher im Prado fotografiert.

Seit 2008 setzt sich der Fotograf mit den strukturell elementaren Themen der Menschheit wie Industrie, Forschung, Energie und Globalisierung auseinander. Seine Abbildungen zeigen hochmoderne Anlagen wie Kernfusionsreaktoren oder Space Shuttles, die der Öffentlichkeit gewöhnlich nicht zugänglich sind. Struth wurde 2011 beauftragt, das offizielle Jubiläumsphoto des britischen Königspaars anzufertigen. 2013 zeigte Thomas Struth seine Werkgruppe Paradise in der Fundación Helge Achenbach, MIAC-Castillo de San José in Arrecife, Lanzarote.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gruppenausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kataloge (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Struth. Composition '19. Schirmer/Mosel, München, 2019, ISBN 9783829608749.
  • Thomas Struth. Schirmer/Mosel, München 2017, ISBN 978-3-8296-0798-8, ISBN 978-3-8296-0810-7.
  • Thomas Struth. New Pictures from Paradise, Schirmer/Mosel, München 2017, ISBN 9783829607599.
  • Thomas Struth. Nature & Politics, MACK, London 2016, ISBN 9781910164471, ISBN 9781910164532.
  • Thomas Struth. MACK, London 2014, ISBN 978-1910164129.
  • Thomas Struth. Walking, Ivorypress, Madrid 2013, ISBN 978-84-941462-2-0.
  • Thomas Struth. Unconscious Places, Schirmer/Mosel, München 2012, ISBN 978-3-8296-0617-2
  • Thomas Struth. Fotografien 1978–2010, Düsseldorf, 2010.
  • Thomas Struth. hrsg. von Hans Rudolf Reust und James Lingwood. [Hans Belting …], Schirmer Mosel, München 2009.
  • Thomas Struth. Stadt- und Straßenbilder. Architektur und öffentlicher Raum in der Fotografie der Gegenwartskunst, Marburg 2008.
  • Thomas Struth. Making Time, Madrid 2007.
  • Photographien 1977–2002, München 2002.
  • Thomas Struth. New Pictures from Paradise, München 2002.
  • Einblicke. Das 20. Jahrhundert in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen Düsseldorf, Ostfildern-Ruit 2000.
  • Thomas Struth. Still, München 1998.
  • Thomas Struth. Portraits, München 1997.
  • Thomas Struth. Straßen. Fotografie 1976 bis 1995, Köln 1995.
  • Thomas Struth. Museum photographs, München 1993.
  • Thomas Struth. Unbewusste Orte, Bern 1987.

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dirk Baecker: Fotografierte Komplexität oder Die Technik hält es nicht auf ihrer Seite. In Nature & Politics, MACK, London 2016
  • Thomas Struth: Unconscious Places, mit einem Essay von Richard Sennett; in englischer Sprache. Schirmer Mosel, München 2012, ISBN 978-3-8296-0618-9.
  • Annette Emde: Thomas Struth – Stadt- und Straßenbilder. Architektur und öffentlicher Raum in der Fotografie der Gegenwartskunst, Marburg, Jonas Verlag 2008, ISBN 978-3-8944-5403-6.
  • Hans Rudolf Reust, James Lingwood (Hrsg.): Texte zum Werk von Thomas Struth, München (Schirmer/Mosel) 2009, ISBN 978-3-8296-0386-7.
  • Steffen Siegel: Auf dem Weg zum Meisterwerk. Thomas Struths fotografische Museologie. In: Stefan Börnchen, Georg Mein (Hrsg.): Weltliche Wallfahrten. Auf der Spur des Realen, Wilhelm Fink, München 2010, ISBN 978-3-7705-4898-9, S. 203–220.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tara Smith, Thomas Struth. In: The New York Times. 8. April 2007, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 31. März 2020]).
  2. Centenary Medal. Abgerufen am 2. März 2020 (britisches Englisch).
  3. Honorary Members: Thomas Struth. American Academy of Arts and Letters, abgerufen am 24. März 2019.
  4. Adrian Welch: RIBA Honorary Fellowships 2018: Winners. 22. September 2017, abgerufen am 3. März 2020 (britisches Englisch).
  5. Stipendiaten Details - VATMH (de). Abgerufen am 3. März 2020.
  6. kulturkreis.eu: Namhafte ars viva-Preisträger / 1987 Thomas Struth (Memento des Originals vom 5. Oktober 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kulturkreis.eu (abgerufen am 13. August 2015)
  7. Thomas Struth | Guggenheim Bilbao Museoa. Abgerufen am 2. März 2020 (spanisch).
  8. Exhibition: THOMAS STRUTH. Abgerufen am 2. März 2020 (englisch).
  9. Thomas Struth at Fondazione MAST. Abgerufen am 2. März 2020 (italienisch).
  10. Thomas Struth: Nature & Politics. Abgerufen am 2. März 2020.
  11. Thomas Struth. 4. Mai 2017, abgerufen am 2. März 2020 (englisch).
  12. Es herrscht als Souverän der Bildraum in FAZ vom 2. August 2017, Seite 12
  13. High Museum of Art Presents New Work by Photographer Thomas Struth. Abgerufen am 2. März 2020 (amerikanisches Englisch).
  14. Martin Gropius BauArchivierte Kopie (Memento des Originals vom 28. August 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.berlinerfestspiele.de
  15. museum-folkwang.de
  16. Hörst du nicht das Summen der Zukunft? in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 28. Februar 2016, Seite 44
  17. badische-zeitung.de, 15. April 2016, Jürgen Reuß: Die Idee hinter den Luftballons (13. Mai 2016)
  18. Marian Goodman Gallery New York Exhibitions, abgerufen am 12. Januar 2014
  19. Fotografien werden Bilder. Abgerufen am 2. März 2020.