Sekem

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SEKEM (gemäß einer altägyptischen Hieroglyphe Lebenskraft aus der Sonne) ist eine ägyptische Entwicklungsinitiative, das 1977 von Ibrahim Abouleish gegründet wurde. Ibrahim Abouleish und seine Unterstützer erschlossen ca. 60 km nordöstlich von Kairo ein Wüstengebiet von ca. 70 ha mit Methoden der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Es folgten mehrere Unternehmensgründungen die unter dem Dach der SEKEM Holding zugefasst wurden. SEKEM versteht sich selbst als soziales Unternehmen, das einen Teil seiner Gewinne in Projekte einfließen lässt, die der Allgemeinheit zugutekommen sollen. Hierzu zählen diverse Schulen, ein Berufsbildungszentrum und ein medizinisches Zentrum.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ibrahim Abouleish wurde 1937 in Ägypten geboren und wanderte 1956 nach Graz aus, wo er Chemie und Medizin studierte. 1975 reiste er in seine alte Heimat Ägypten und sah sich mit den dringenden Probleme des Landes konfrontiert: Armut, Überbevölkerung und Umweltverschmutzung. Beeinflusst von diesen Eindrücken kehrte er 1977 mit seiner Familie nach Ägypten zurück und gründete die SEKEM-Initiative auf einem Grundstück in der Wüste, was er für sein Vorhaben erworben hatte. Seine Vision von SEKEM schilderte er als: „Nachhaltige Entwicklung zu einer Zukunft, in der jeder Mensch sein individuelles Potenzial entfalten kann, in der die Menschheit in sozialen Formen lebt, welche die Würde des Menschen widerspiegeln; und in der alle wirtschaftlichen Tätigkeiten nach ökologischen und ethischen Prinzipien durchgeführt werden.“

Die SEKEM Initiative gründete nach und nach mehrere Unternehmen, um die landwirtschaftlichen Produkte weiterzuverarbeiten. So entstanden ATOS Pharma (Phytopharmazeutika), Lotus (Verarbeitung von Kräutern und Gewürzen), NatureTex (Herstellung von Kleidung aus organischer Baumwolle), El Mizan (Veredelung von Pflanzen und Aufzucht von jungen Obst- und Gemüsepflanzen), Libra (Export von Obst und Gemüse) und ISIS Organic (Produktion von Bio-Lebensmitteln). Im Jahr 2000 wurden diese Unternehmen unter dem Dach der SEKEM Holding zusammengefasst.

SEKEM hat verschiedene Verbände gegründet, um die Idee der biodynamischen Landwirtschaft in Ägypten weiterzuverbreiten. Die Egyptian Biodynamic Association (EBDA) wurde von SEKEM ins Leben gerufen, um Bauern bei der Umstellung von konventioneller auf biodynamische Landwirtschaft zu beraten und unterstützen. Das Centre of Organic Agriculture in Egypt (COAE) wurde von SEKEM aufgebaut, um landwirtschaftliche Betriebe zu zertifizieren und Trainingskurse anzubieten.

Neben den wirtschaftlichen Aktivitäten, engagiert sich SEKEM auch stark im sozialen Bereich. Die Initiative gründete eine Schule, eine Universität, ein Berufsbildungszentrum, ein medizinisches Zentrum und eine gemeinnützige Stiftung. SEKEM unterstützt seine weiblichen Mitarbeiter in dem Bestreben Beruf und Karriere miteinander zu verbinden, indem es Kindergartenplätze und Kindertagesstätten zur Verfügung stellt.

SEKEM bekennt sich zu einem ganzheitlichen Entwicklungsansatz, der sich aus einem anthroposophischen Weltbild speist, weswegen die Landwirtschaft ausschließlich auf biodynamischen Methoden beruht. Auch die Schule und die Universität orientieren sich an der Waldorfpädagogik.

Unternehmensphilosophie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SEKEM hat für seine Geschäftstätigkeiten ein eigenes Konzept, dass sich „Wirtschaft der Liebe“ nennt: „Mit dem Begriff “Wirtschaft der Liebe” bringt SEKEM zum Ausdruck, dass es nicht nur darum geht, bei der Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern höchstmöglichen Gewinn zu erzielen, sondern vielmehr um einen gesellschaftlichen und respektvollen Umgang miteinander.“ Die Initiative arbeitet mit Fairtrade International zusammen und setzt auf langfristige Partnerschaften entlang seiner Wertschöpfungskette, was dazu führen soll, dass alle Beteiligten einen gerechten Anteil generieren können und so maßgeblich einen Entwicklungsimpuls geben soll.

Das ägyptische Unternehmen begreift nachhaltige Entwicklung als einen Prozess, der auf vier Ebenen verläuft: Wirtschaft, Soziales Leben, Kultur und Ökologie. Diese Dimensionen sind miteinander verwoben, weswegen eine nachhaltige Entwicklung nach SEKEMs Verständnis nur erreicht werden kann, wenn auf allen Ebenen Fortschritte erzielt werden.

Um Erfolge und Fortschritte zu messen, hat das Unternehmen ein Bewertungs- und Managementinstrument entwickelt, dass alle Ebenen der Nachhaltigkeit abdecken sollen (Wirtschaft, Soziales Leben, Kultur und Ökologie). Das Instrument wird „Nachhaltigkeitsblume“ genannt und soll die Entwicklung in den genannten Dimensionen messen. SEKEM hat dieses Instrument in Kooperation mit anderen Partnern entwickelt.

Um die Transparenz in allen Aktivitäten zu gewährleisten, veröffentlicht die Initiative jedes Jahr einen Nachhaltigkeitsbericht. Der Bericht ist für alle Interessierten auf der Webseite frei einsehbar und ist in die vier Dimensionen unterteilt.

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die SEKEM Initiative pflegt Partnerschaften mit Institutionen und Unternehmen weltweit. Die GLS Bank, die Triodos-Bank und Oikocredit sind Aktionäre bei SEKEM. Unterstützt wird die ägyptische Initiative ebenfalls von der Deutschen Entwicklungsgesellschaft (DEG).

In Deutschland, Österreich, den Niederlanden, der Schweiz und in Skandinavien gibt es Vereine der SEKEM-Freunde, die laut eigener Aussage die SEKEM Vision nach Europa tragen und als eine Brücke zwischen Orient und Okzident fungieren möchten.

SEKEM ist Mitglied und Mitbegründer der Internationalen Vereinigung für Partnerschaft für Ökologie und Handel (IAP). Dieses Netzwerk wurde 1996 von SEKEM und seinen europäischen Partnern ins Leben gerufen, um über Strategien und Marktentwicklungen zu beraten, mit dem Ziel dem Verbraucher noch bessere Bio-Produkte anbieten zu können.

SEKEM ist in mehreren internationalen Verbänden und Organisationen Mitglied, oder engagiert sich in deren Rahmen. Darunter finden sich: DEMETER International, der Globale Pakt der Vereinten Nationen (UNGC), der World Future Council, die Internationale Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen (IFOAM) und die Global Reporting Initiative (GRI).

Erfolge und Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SEKEM hat sich für ein Verbot von Pestiziden beim Anbau von Baumwolle eingesetzt. Ibrahim Abouleish und sein Team konnten 1991 beweisen, dass Schädlinge auf natürliche Art und Weise bekämpft werden können. Dieser Beweis veranlasste die ägyptische Regierung zu einem Verbot der chemischen Schädlingsbekämpfung beim Baumwollanbau. Es war vorher gängige Praxis chemische Pestizide per Flugzeug über den Feldern zu versprühen. Durch SEKEMs Einsatz konnte diese Praxis beendet werden und der Gebrauch von Pestiziden um 90 % verringert werden, was etwa 35.000 t entspricht.

SEKEMs Businessmodell erntete weltweit viel Anerkennung und wurde mehrfach prämiert und gewürdigt. 2003 erhielt Ibrahim Abouleish für sein Engagement den Right Livelihood Award, der auch oft als „Alternativer Nobelpreis“ bezeichnet wird. Im selben Jahr erhielten der SEKEM Gründer und sein Sohn Helmy Abouleish den Preis als „Social Entrepreneur des Jahres“ von der Schwab Foundation. 2015 wurde SEKEM für seinen Einsatz von der Konferenz der Vereinten Nationen zur Bekämpfung von Wüstenbildung (UNCCD) mit dem „Land for Life Award“ ausgezeichnet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ibrahim Abouleish: Die SEKEM-Vision. Eine Begegnung von Orient und Okzident verändert Ägypten. Mayer-Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-932386-77-9
  • Daniel Baumgartner & Michael Bader: SEKEM. Im Puls der Zukunft. Wie eine Vision Ägypten verändert. Pforte-Verlag, Dornach 2007, ISBN 3-85636-177-4
  • Daniel Baumgartner: Der arabische Frühling zwischen Zorn und Zukunft. Futurum-Verlag, Basel 2012, ISBN 978-3-85636-233-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Koordinaten: 30° 9′ 10″ N, 31° 25′ 46″ O