World Future Council

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Stiftung World Future Council

(WFC)

World Future Council.jpg
Rechtsform: gemeinnützige Stiftung
Zweck: Völkerverständigung, Nachhaltige Entwicklung, Umweltschutz,
ethische Stimme für die Bedürfnisse und Rechte von zukünftigen Leben“,
Politikberatung
Vorsitz: vakant[1]
Geschäftsführung: Alexandra Wandel
Bestehen: seit 2004, seit 2005 Stiftung
Stifter: u. a. Freie und Hansestadt Hamburg, Michael Otto
Mitarbeiterzahl: etwa 25
Sitz: Hamburg
Deutschland
(Generalsekretariat)
Website: worldfuturecouncil.org
Jahreshauptversammlung des World Future Council in Hamburg 2011

Der World Future Council (WFC) ist eine deutsche gemeinnützige Stiftung. Sie versteht sich als „Stimme zukünftiger Generationen“. Ihr Zweck ist es, die Rechte kommender Generationen ins Bewusstsein von Entscheidungsträgern zu heben und eine Politik der Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit zu fördern. Die Organisation besteht seit 2007 und hat ihren Hauptsitz in Hamburg.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation wurde im Jahr 2000 von Jakob von Uexküll angeregt und 2004 von ihm zusammen mit Herbert Girardet als „Stiftung zur Förderung des Welt-Zukunftsrates“ ins Leben gerufen. Die Grundsätze der Erd-Charta dienten dabei als Anregung. 2005 wurde der WFC als rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts genehmigt. Seit 2006 hat er seinen Hauptsitz in Hamburg. Seit 2007 gilt die aktuelle Satzung mit einem Rahmen für eine global aktive gemeinnützige Stiftung mit Mitgliedern aus allen Teilen der Welt. Weitere Büros bzw. Vertretungen befinden sich in London, Genf und Windhoek (Stand 2018)[3]. Der Rat wurde im Mai 2007 auf Initiative von Jakob von Uexküll in Hamburg zum ersten Mal einberufen. Die Grundfinanzierung wurde durch die Freie und Hansestadt Hamburg sowie Spenden des Unternehmers Michael Otto und zahlreicher anderer Geber sichergestellt.

Tätigkeitsfeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung betrachtet sich selbst als globale Fürsprecherin für die Interessen zukünftiger Generationen in der internationalen Politik, mit dem Schwerpunkt auf Umwelt- und Klimaschutz, nachhaltige Energieversorgung, Stadtentwicklung und Landwirtschaft sowie Rechte von Kindern und Jugendlichen. Der Rat mit seinen bis zu 50 ehrenamtlichen Mitgliedern tagt einmal jährlich und legt das Arbeitsprogramm fest. Die Entscheidungen und Empfehlungen des Rates werden in Abstimmung mit Expertenkommissionen und externen Beratern vorbereitet und verbreitet.

Nach Ansicht der Stiftung sind die Lösungen für viele globale Zukunftsprobleme bereits vorhanden. Der Rat fordert Entscheidungsträger weltweit auf, die Handlungsdefizite, die eine nachhaltige und friedliche Zukunft der Menschheit behindern, zu überwinden und neue Wege einzuschlagen. Der Schwerpunkt der Arbeit des WFC liegt in der Politikberatung. Dabei orientiert sich der WFC an dem Grundsatz, das zu fordern, was nach seiner Überzeugung notwendig ist, und nicht nur das, was politisch zu einem bestimmten Zeitpunkt möglich erscheint. Die Organisation setzt sich für eine Weltgemeinschaft ein, die auf den Werten Gewaltfreiheit, Nachhaltigkeit, Respekt und Gerechtigkeit basieren soll.[4]

Future Policy Award[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Future Policy Award

Der Future Policy Award[5], welcher gelegentlich auch als "Polit-Oscar" bezeichnet wird[6], prämiert Gesetze, die bessere Lebensbedingungen für heutige und zukünftige Generationen fördern. Der Preis zeichnet zukunfts-gerechte Politik auf internationaler Ebene nach Ansicht der Organisation aus. Die erste Verleihung ging 2009 an das Programm für Nahrungssicherheit der brasilianischen Stadt Belo Horizonte. Mit dem Preis 2010 wurden herausragende Gesetze zur Erhaltung der Artenvielfalt auf der 10. Konferenz der Vertragsstaaten der UN-Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) in Nagoya (Japan) prämiert. Der Preis 2011 ehrte drei vorbildhafte politische Strategien zur Erhaltung von Wäldern. Die Preisverleihung fand in New York gemeinsam mit dem Waldforum der Vereinten Nationen (UNFF) und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO statt. 2013 wurde er an den Vertrag von Tlatelolco über das Verbot von Kernwaffen in ganz Lateinamerika und der Karibik für die damit verbundene nachhaltige Abrüstung verliehen. 2017 wurden die besten Gesetze ausgezeichnet, die erfolgreich die Ausbreitung von Wüsten bekämpfen.[7]

2018 wurden die besten Gesetze und Maßnahmen prämiert, die Agrarökologie stärken und so nachhaltige Entwicklung, Umwelt- und Klimaschutz fördern. Der indische Bundesstaat Sikkim gewann den Future Policy Award in Gold, weitere Preise gingen an Gesetze aus Ecuador, Brasilien, Los Angeles (USA) und Dänemark. Sikkim hat 2016 als erster Staat der Welt komplett auf eine ökologische Landwirtschaft umgestellt.[8]

Datenbank für nachhaltige Gesetze: FuturePolicy.org[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Website FuturePolicy.org stellt die Stiftung Empfehlungen und Praxisbeispiele für nachhaltige, zukunftsgerechte Gesetzgebung in englischer Sprache zusammen. Auf der Online-Datenbank befinden sich etwa 80 Gesetze zu 7 Themengebieten, wie etwa "Equity & Dignity", "Climate Stability" oder "Healthy Ecosystems".[9]

Kinderrechte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2015 hat die Stiftung die besten politische Initiativen geehrt, die dazu beitragen, die Rechte von Mädchen und Jungen zu schützen und zu stärken.[10] Der Future Policy Award 2015 zum Thema Kinderrechte wurde gemeinsam mit UNICEF und der Interparlamentarischen Union vergeben. Gold gewann Sansibars Kindergesetz, welches (sexualisierte) Gewalt gegen Kinder verhindert und die Opfer schützt. Im Dezember 2017 wurde eine internationale Kinderschutz-Konferenz abgehalten, die mit der "Sansibar-Erklärung zur Sicherung von Kinderrechten" schloss. Die Erklärung wurde von Vertretern aus Ghana, Indonesien, Liberia, Nigeria, Seychellen, Somaliland, Südafrika, Süd-Sudan, Sudan, Tansania, Tunesien und Sansibar sowie internationale Kinderrechtsrechtsexperten unterzeichnet.[11] Das Konzept soll nun in anderen Ländern verbreitet werden, beispielsweise in Ghana.[12] Nach einem Workshop des WFC mit Vertretern ghanaischer Ministerien, staatlicher Einrichtungen und Akteuren des Kinderschutzes wird nun die Erarbeitung eines Fahrplans für ein Pilotprogramm in Accra angestrebt.[13]

Förderung erneuerbarer Energien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Thema Klima und Energie hat die Stiftung Studien, Bücher und Kurzfilme veröffentlicht und organisierte Workshops mit Experten aus mehr als 50 Ländern und berät Regierungen, Parlamentarier und internationale Organisationen wie die IRENA, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und das Programm der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen (UN-Habitat). Dass mehr als 140 Länder gesetzliche Maßnahmen zur Förderung erneuerbarer Energien verabschiedet haben, führt der WFC auch auf seine Expertise und Informationsarbeit über wirksame Einspeisegesetze zur Förderung erneuerbarer Energien zurück.[14]

Im Jahr 2018 arbeitet die Stiftung verstärkt daran, einen Wandel hin zu 100 % erneuerbarer Energie zu fördern. Hierfür werden beispielhafte Gesetze und politische Initiativen identifiziert, die zu einem Ausbau der Erneuerbaren Energien und einer höheren Energieeffizienz führen und die damit zu einer nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung beitragen. Dazu zählen ein Projekt, das auf die Implementierung von 100 % erneuerbaren Energien in Tansania zur Armutsbekämpfung und nachhaltiger Entwicklung hinarbeitet[15], sowie die Kampagne “Global 100 % RE”.[16]

Finanzierung des Klimaschutzes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein weiterer Arbeitsbereich der Stiftung ist nachhaltige Wirtschaft. Der WFC erarbeitet Vorschläge zur zukünftigen Rolle von Zentralbanken, um die Erderwärmung auf unter 1,5 °C zu begrenzen, sowie zur Finanzierung einer umfassenden Energiewende.[17] Im Jahr 2018 brachte die Stiftung, analog zum Banken-Bailout in der globalen Finanzkrise 2007, den Begriff "Klima-Bailout" ins Spiel mit dem Argument, der Kampf gegen den Klimawandel falle unter das Mandat der Zentralbanken, da die Stabilität des Klimas ähnlich system-relevant sei wie die der Banken.[18] Anfang November 2018 machte Benoît Cœuré, Direktoriums-Mitglied der EZB, während einer Konferenz ein ähnlich lautendes Statement.[19]

Netzwerk Afrikanische Allianz für erneuerbare Energie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Afrikanischen Allianz für erneuerbare Energien (African Renewable Energy Alliance, AREA), die im Oktober 2009 auf Initiative der Organisation gegründet wurde, gehören 1.400 Mitglieder aus 90 Ländern an (Februar 2014). Das Netzwerk will den Erfahrungsaustausch und damit die Rahmenbedingungen für die Verbreitung von erneuerbaren Energien in Afrika verbessern. Um erneuerbare Energien in Afrika zu fördern, hat AREA internationale Konferenzen und Tagungen zum Thema "Erneuerbare Energien für eine nachhaltige Entwicklung Afrikas" in Südafrika, Ghana, Kap Verde, Nigeria und Marokko mitorganisiert.[20]

Methodologie für zukunftsgerechte Gesetzgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung hat eine Methodologie für zukunftsgerechte Gesetzgebung entwickelt, die Gesetzgeber bei der Konzeption, Auswertung und Änderung von Gesetzen unterstützt. Die Methodologie basiert auf den sieben Prinzipien für nachhaltige Entwicklung, die von der International Law Association vorgestellt und auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung im Jahr 2002 verabschiedet wurden. Die Prinzipien sollen dazu beitragen, dass wichtige allgemeingültige Standards von Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit, menschlichen Rechten und Freiheiten sowie die Achtung der Umwelt berücksichtigt werden. Die Methodologie wird auch bei der Bewertung der zum Future Policy Award des WFC eingereichten Gesetze verwendet.[21]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiker werfen der Organisation vor, zu wenig praxisorientiert zu arbeiten. Die Wirksamkeit der Aktivitäten sei zudem schwer messbar und somit schwer nachweisbar.

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Ratsmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Stand: November 2018)

Ehrenratsmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: World Future Council – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Weltzukunftsrat-Gründer Jakob von Uexküll tritt zurück
  2. World Future Council. Abgerufen am 27. November 2018.
  3. World Future Council. Abgerufen am 27. November 2018.
  4. Struktur und Organisation des WFC (Memento vom 12. April 2010 im Internet Archive), abgerufen am 26. Januar 2014.
  5. World Future Council / Future Policy Award. Abgerufen am 20. November 2018.
  6. ZDF - Erst die "planet e."-Doku im ZDF, dann der "Polit-Oscar". Abgerufen am 20. November 2018.
  7. Hamburger Stiftung verleiht in China internationalen Preis für erfolgreiche Maßnahmen gegen Wüstenbildung. Abgerufen am 20. November 2018.
  8. „Polit-Oscar“ für nachhaltige Landwirtschaft: Das „100%-Bio“-Gesetz aus Sikkim, Indien, gewinnt Future Policy Award In: worldfuturecouncil.org, 12. Oktober 2018, abgerufen am 15. Oktober 2018.
  9. FuturePolicy.org. Abgerufen am 11. November 2018.
  10. World Future Council - Future Policy Award 2015. Abgerufen am 11. November 2018.
  11. Sansibar-Erklärung zur Sicherung von Kinderrechten. Abgerufen am 28. November 2018.
  12. World Future Council - Kinderschutz-Arbeitstagung in Ghana. Abgerufen am 28. November 2018.
  13. Ghana auf dem Weg sein Kinderschutzsystem effektiver zu gestalten. In: World Future Council. 3. Dezember 2018, abgerufen am 24. Januar 2019.
  14. World Future Council - unsere Erfolge. Abgerufen am 11. November 2018.
  15. World Future Council - 100% renewable energy and poverty reduction in Tanzania. Abgerufen am 11. November 2018 (englisch).
  16. Kampagnen-Website "Go100RE". Abgerufen am 11. November 2018 (englisch).
  17. World Future Council - Nachhaltige Wirtschaft. Abgerufen am 11. November 2018.
  18. Tagesspiegel - Standpunkt: Bailout für das Klima. Abgerufen am 27. November 2018.
  19. Rede von Benoît Cœuré auf der EZB-Website. Abgerufen am 27. November 2018 (englisch).
  20. African Renewable Energy Alliance (AREA), abgerufen am 27. Januar 2014.
  21. World Future Council - Seven Principles of Future Just Law-Making. Abgerufen am 11. November 2018.