Sender Moosbrunn

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Sender Moosbrunn
Drehstandantenne, 360° drehbar für weltweite Kurzwellenausstrahlung
Drehstandantenne, 360° drehbar für weltweite Kurzwellenausstrahlung
Basisdaten
Ort: Moosbrunn
Bundesland: Niederösterreich
Staat: Österreich
Verwendung: Rundfunksender
Zugänglichkeit: Sendeanlage nach Voranmeldung zugänglich
Besitzer: Österreichische Rundfunksender GmbH (ORS)
Daten der Sendeanlage
Wellenbereiche: MW-Sender, KW-Sender
Rundfunk: MW-Rundfunk, KW-Rundfunk
Sendetyp: DRM
Positionskarte
Sender Moosbrunn (Österreich)
Sender Moosbrunn
Sender Moosbrunn
Koordinaten: 48° 0′ 24,1″ N, 16° 27′ 43,4″ O

Der Sender Moosbrunn ist eine Großsendeanlage der Österreichischen Rundfunksender GmbH (ORS) in unmittelbarer Nachbarschaft zur Ortschaft Moosbrunn in Niederösterreich. Die Sendeanlagen gehören zu den leistungsstärksten Mittel- und Kurzwellensendern in Europa.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kontrollraum der Sendeanlage

Ende der 1950er-Jahre kaufte der Österreichische Rundfunk (ORF) in Moosbrunn ein ca. 80 Hektar großes Gelände zum Bau einer Kurzwellensendeanlage. Moosbrunn liegt etwa rund 25 km südlich von der ORF-Zentrale in Wien. Das Gelände südlich des Ortes Moosbrunn ist sumpfig mit einer Reihe von Feuchtwiesen. Für die Ausbreitung von Kurzwellensignalen ist dieser Umstand ideal.

Zunächst erfolgte die Verlegung von fünf alten Kleinsendern, über die seit ca. 1950 Kurzwellensendungen ausgestrahlt wurden, vom bisherigen Standort Bisamberg nach Moosbrunn. Die Sender waren zunächst in einer provisorischen Baracke untergebracht, nahmen aber kurz vor Weihnachten 1959 den regulären Programmbetrieb auf.

Ein neu bestellter 100 kW-Sender ging am 4. September 1960 in Betrieb. Zunächst wurde dieser Sender allerdings gedrosselt auf 50 kW betrieben, da die örtliche Stromversorgung noch nicht für höhere Leistungen ausgelegt war. Der neue Sender wurde an einer ebenfalls neu errichteten Reusenantenne für Rundabstrahlung betrieben. Ab 1961 kamen Rhombusantennen für Richtungsabstrahlung mit fünf Abstrahlrichtungen nach Übersee in das Antennen-Repertoire hinzu.

Im Herbst 1964 begannen die Bauarbeiten für ein dauerhaftes Sendergebäude. Nach langfristiger Planung sollte das Gebäude für einen späteren Ausbau der Anlage bis zu zehn Sender fassen können. Die Betriebsaufnahme der ersten beiden Sender von je 100 kW Leistung in diesem Gebäude erfolgte schließlich am 1. Mai 1966. Der 50 kW-Sender aus dem Provisorium übersiedelte ebenfalls in das neue Haus und wurde auf 100 Kilowatt aufgerüstet. Er ging am 5. März 1967 in Betrieb. Zu Jahresbeginn 1969 nahm ein vierter Sender mit 100 kW Leistung den Betrieb auf. Die fünf alten Sender aus dem Provisorium wurden abgebaut.

In den 1980er Jahren erfolgte ein weiterer Ausbau: Drei neue leistungsstarke Antennenanlagen (Drehstandantenne, Doppelwandantenne, Quadrantantenne) sowie der erste 300/500 kW-Sender von Telefunken gingen 1983 in Betrieb. Damit wurden die Empfangsmöglichkeiten von Radio Österreich International erheblich verbessert.

1984 wurde der in Aldrans bei Innsbruck demontierte 10 kW-Sender nach Moosbrunn gebracht und aufgebaut. Ein zweiter 300/500 kW-Sender von AEG-Telefunken vervollständigte im Dezember 1987 die Aufrüstung der Sendeanlage.

Zu Jahresbeginn 1993 wurden die vier alten 100 kW-Sender (von 1966, 1967 und 1969) mit neuen Steuersendern ausgerüstet. Zwei der alten 100 kW-Sender standen jedoch ab diesem Zeitpunkt nur als Ersatz bei Wartungsarbeiten und als Reserve im Störungsfall zur Verfügung. Im September 2000 erfolgte die letzte große Renovierung der Anlage und zwei neue Sender des Herstellers Thomcast gingen in Betrieb. Diese Sender sind mit einer Pulse-Step-Modulation ausgestattet und erlauben digitale Ausstrahlungen in Digital Radio Mondiale (DRM).

Die örtliche „Bürgerliste Moosbrunn“ erwog 2012 eine „Initiative gegen den ORF-Sender“ zu starten.

Aktuelle Ausstrahlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem der Österreichische Rundfunk (ORF) 2009 ein straffes Sparprogramm vorlegte, sollten zunächst alle Kurzwellenausstrahlungen gestrichen werden. Tatsächlich wurden 2010 und 2013 einige der Ausstrahlungen beendet und Frequenzen eingestellt, jedoch wird folgende Frequenz nach wie vor bedient:

  • Richtung Europa auf 6155 kHz, morgens in AM (300 kW)

Diese Ausstrahlung ist eine Übernahme des Inlandsprogramms „Ö1“. Sendezeit wird an verschiedene Programmproduzenten vermietet. Dabei handelt es sich überwiegend um religiöse Programmveranstalter.

Seit dem 2. Mai 2005 wurden Sendungen in DRM (Digital Radio Mondiale) ausgestrahlt. Ein Sender mit 50 kW im 31 m-Band in Richtung UK (295°) kam mit Programmen von Fremdanbietern zum Einsatz. Überdies wurde das ORF-Programm abends auf 6155 kHz in Rundstrahlung digital ausgestrahlt. Heute nutzt die BBC täglich diesen Digitalsender für eine morgendliche Digitalsendung auf 7325 kHz.

Seit März 2015 bedient sich der DARC (Deutscher Amateur-Radio-Club) der Kurzwellensendeanlage Moosbrunn, um Sonntags von 11:00 bis 12:00 MEZ sein Rundfunkprogramm "Radio DARC" auf 6070kHz mit einer effektiven Strahlungsleistung von 100kW auszusenden.

Sendetechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moosbrunn I[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sender Moosbrunn I besteht aus zwei THOMCAST TSW2100D Sendern mit einer Leistung von 100 kW die auch für digitale Rundfunkausstrahlung im Modus Digital Radio Mondiale verwendet werden können und bis auf die Endstufe volltransistoriert sind.

Moosbrunn II[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moosbrunn II besteht bzw. bestand aus folgenden, älteren Sendeanlagen:

  1. Vier 100 kW-Sender vom Typ AEG-Telefunken SV2375 (Baujahr 1960/1966/1968, alle mittlerweile demontiert)
  2. Zwei 300/500 kW-Sender vom Typ AEG-Telefunken S4005, wie in nebenstehender Abbildung. Baujahr 1983 bzw. 1987, betriebsbereit und noch in Benutzung u.a. für die morgendliche ORF-Ausstrahlung auf 6155 kHz.
  3. Ein 10 kW-Sender vom Typ Continental 416D (bis 1984 beim Sender Aldrans im Einsatz, Baujahr 1975, nicht mehr betriebsbereit)

Antennen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Große Reusenantenne für Rundstrahlung

Den flächenmäßigen größten Teil am Areal nehmen verschiedene Sendeantennen unterschiedlichen Typs ein. Je nach Sendefrequenz, gewünschter Ausbreitungsrichtung, Leistung und Abstrahlcharakteristik werden die Antennen mit den jeweiligen Sendeendstufen über Antennenumschalter verbunden. Die Umschaltungen können per Hand oder üblicherweise automatisch im Rahmen der Programmsteuerung erfolgen.

Die Antennenanlage umfasst mit Stand 2006 folgende Antennen:[1]

  1. Kleine Reusenantenne für Rundstrahlung
  2. Große Reusenantenne für Rundstrahlung
  3. Drehbare logarithmisch-periodische Antenne
  4. Quadrantantenne (2 Systeme für 49 m bzw. 41/31 m)
  5. Doppelwandantenne 85° und 265°
  6. Drehstandantenne
  7. Vier Rhombusantennen für Richtstrahlung nach 56°, 90°, 123°, 175° 236°, 270° und 303°

Die vier Rhombusantennen wurden Ende 2008 wegen der Kürzung des Programms seitens des ORF überflüssig und wurden abgebaut. Im Folgenden sind einige der Antennen näher beschrieben.

Rhombusantenne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die mittlerweile demontierten vier Rhombusantennen wurden bereits zu Anfangszeiten der Sendeanlage aufgebaut und waren für das 31 bis hin zum 13 Meterband geeignet. Diese zu dieser Zeit am häufigsten verwendete Antennenform stellte eine kostengünstige Methode dar, mit hohen Sendeleistungen und hoher Richtwirkung zu senden. Die eigentlichen, ca. 260 m langen Antennendrähte waren an abgespannten Stahlfachwerkmasten befestigt. Pro Antennenanlage waren zwei unterschiedliche Richtstrahlungen möglich.

Drehbare logarithmisch-periodische Antenne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drehbare logarithmisch-periodische Antenne

Die logarithmisch-periodische Antenne ist auf einem um 360° drehbaren Stahlmast montiert, Hersteller war die Firma Rohde & Schwarz. Die Antennen ist auf eine maximale Sendeleistung von 100 kW ausgelegt und kann die Wellenlängen von 13 m bis 49 m durchgehend bedienen. Wegen der etwas steileren Abstrahlcharakteristik wird sie zur Ausstrahlung in die Regionen Osteuropa, Nahost, Nordafrika und den Osten von Nordamerika verwendet.

Quadrantantenne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Quadrantantennen, in der Mitte der Antennenumschalter

Die Sendeanlage besteht aus zwei Quadrantantennen welche jeweils eine fast gleichmäßige Rundstrahlung ermöglichen. Die beiden Antennen sind für unterschiedliche Wellenlängen mit 49 m bzw. 41/31 m und für eine maximale Sendeleistung von 100 kW ausgelegt.

Doppelwandantenne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Doppelwandantenne

Die Doppelwandantenne, eine Bauform der Vorhangantenne, besteht aus zwei je 60 m hohen Stahlmasten zwischen denen ein 72,5 m langes Reflektornetz aufgespannt ist. Auf beiden Seiten des Reflektornetzes ist ein gleichartiges Antennenfeld bestehend aus jeweils 4 × 4 Halbwellen-Faltdipolen aufgespannt. Die Senderichtung kann wahlweise mit 85° oder 265° erfolgen, die Antenne ist auf maximal 300 kW ausgelegt. Die Doppelwandantenne kann im 25 m-, 19 m-, 16 m- und dem 13 m Band eingesetzt werden.

Drehstandantenne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Tragwerk der Drahstandantenne. In Bildmitte der zentrale Lagerpunkt

Die Drehstandantenne ist eine drehbar gelagerte Doppelwandantenne mit zwei 76 m hohen Masten, Reflektornetz und auf einer Seite angebrachten 4 × 4 Halbwellen-Faltdipolen, auf der anderen Seite ein 3 × 2 Halbwellen-Faltdipolfeld. Der Durchmesser des Schienenkreises beträgt 85 m, die gesamte Antennen ist 320 Tonnen schwer. Für einen vollen Umlauf um 360° werden ca. 8 min benötigt.

Die Drehstandantenne kann auf einer Seite für die Wellenlängen 49 m, 41 m und 31 m benutzt werden. Auf der anderen Seite des Reflektornetzes sind die Wellenlängen 25 m, 19 m, 16 m und 13 m verfügbar. Die maximale Sendeleistung beträgt 500 kW.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sender Moosbrunn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.wabweb.net/radio/sender/moosbrunn2006a.htm Stand 2006