Digital Radio Mondiale

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Digital Radio Mondiale (DRM) ist ein schmalbandiges digitales Rundfunksystem zur Verbreitung weltweiter, nationaler, überregionaler und lokaler/regionaler Hörfunkprogramme sowie Datendienste und Videoformate. Der DRM-Standard umfasste ursprünglich nur die digitale Verbreitung von Rundfunkdiensten im AM-Bereich, also auf Lang-, Mittel- und Kurzwelle (genannt „DRM30“) mit den vier Übertragungsmodi A-D. Zur Nutzung des Systems in den VHF-Bereichen wurde der DRM-Standard um einen Modus E, genannt „DRM+“, erweitert. Damit kann DRM im UKW-Bereich und gemeinsam mit DAB/DAB+ auch im VHF-Band III eingesetzt werden.

DRM ist ein offener ETSI-Standard.[1] Er beschreibt die Audiocodierung, die mittels MPEG-4 HE-AAC v2 (oder einem der beiden Sprachcodecs HVXC bzw. CELP) erfolgt, den Contentserver und die Multiplexbildung mit bis zu vier Angeboten (Audio, Video und/oder Datendiensten), die Schnittstellen und Protokolle sowie die Kanalcodierung und die Modulation per OFDM/COFDM mit den verschiedenen Übertragungsmodi A-E.

Entstehung[Bearbeiten]

Das DRM-Projekt wurde im September 1996 bei einem informellen Treffen einiger großer internationaler Rundfunkanstalten in Paris aus der Taufe gehoben. Vertreten waren Deutsche Telekom, Deutsche Welle, Radio France Internationale, Telefunken (heute: Transradio), Thomcast (heute: THOMSON BROADCAST GmbH) und Voice of America.

Die offizielle Gründung des DRM-Konsortiums erfolgte am 5. März 1998 in Guangzhou, Volksrepublik China.[2]

Systemeigenschaften von DRM[Bearbeiten]

Multiplex: In einem DRM-Kanal können bis zu vier Programme oder Datendienste gleichzeitig gesendet werden. Dadurch reduziert sich die mögliche Bitrate der einzelnen Programme. Das Deutschlandradio nutzt zum Beispiel einen Datenstrom, der aktuelle Nachrichten oder interne Informationen („Wir über uns“) ausstrahlt, diese jedoch mit sehr reduzierter Bitrate und Tonqualität.

Datendienste: Auch die Ausstrahlung von Texten und Daten ist möglich. Der vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen und anderen Firmen für DRM und DAB entwickelte textbasierte Nachrichtendienst NewsService Journaline ermöglicht eine menübasierte Themenaufbereitung, so dass zum Beispiel aktuelle Nachrichten, Informationen zum Sender bzw. Programm oder regionale Verkehrsinformationen gezielt abgerufen werden können. Der Dienst ist darauf optimiert, auch auf einfachen Radiogeräten decodiert und genutzt werden zu können.

Video-/Bildübertragung: Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen entwickelte eine Videoerweiterung für DRM „Diveemo“, mit dem z. B. Bildungs- und Informationsinhalte übertragen werden können. Diveemo ist für sehr niedrige Datenraten optimiert, um Videoinhalte einfach und kostengünstig ausstrahlen zu können. Die Standardisierung bei ETSI läuft zurzeit (Stand März 2012).

Automatic Frequency Switching (AFS): Alternativfrequenzen können wie bei RDS mitgeschickt werden, bei DRM können aber sogar versorgtes Gebiet, Uhrzeit und Wochentag genauer angegeben werden.

Elektronischer Programmführer (EPG): Ähnlich wie bei DVB kann auch über DRM ein EPG angeboten werden, der jedoch aufgrund der geringen Bandbreite nur sehr einfach gehalten ist.

Textmeldungen: Ähnlich dem Radiotext bei RDS können auch Informationen über die aktuelle Sendung, dem eingesetzten Sendestandort, Programmhinweise, Nachrichten usw. übertragen werden. Auch Unterstreichungen und Fettschrift sind möglich.

Uhrzeit: Über DRM kann die aktuelle Uhrzeit übertragen werden.

Programmartkennung (PTY): Ähnlich wie bei RDS können Programmartkennungen ausgestrahlt werden.

Simulcast: Technisch ist es möglich, gleichzeitig AM und DRM auf einer Frequenz auszustrahlen. Das Verfahren wird als Singlechannel-Simulcast-Verfahren (SCS) bezeichnet. Hörer mit AM-Geräten können diese somit weiter nutzen. DRM-Hörer kommen in den Genuss eines verzerrungsfreien Signals. Der DRM-Klang ist in diesem Fall jedoch dumpf, da nur geringe Datenraten verwendet werden. Leider muss im SCS-Betrieb das AM-Signal deutlich stärker sein als der digitale DRM-Anteil des Signals, um das Hintergrundrauschen bei analogem Empfang erträglich zu halten, da in den meisten kommerziellen Empfängern die ZF-Bandbreite nicht schmal genug ist. Dadurch reduziert sich natürlich das DRM-Versorgungsgebiet gegenüber einer rein digitalen Aussendung ganz deutlich. Diese Lösung ist somit nur ein Kompromiss und wird nach einigen Tests gegenwärtig kaum benutzt.

Gleichwellenbetrieb: Zur Erhöhung der Zuverlässigkeit des Empfangssignals erlaubt es das DRM-System, mehrere Sender an verschiedenen Standorten auf der gleichen Frequenz (Single Frequency Network – SFN) zu betreiben.

DRM bis 30 MHz (DRM30, Modus A-D)[Bearbeiten]

Ausbreitungsbedingungen und -wege[Bearbeiten]

Langwelle[Bearbeiten]

Die Langwelle verbreitet sich tagsüber als Bodenwelle und passt sich in gewissem Maße an die Erdkrümmung an. Dadurch sind, je nach abgestrahlter Leistung, Reichweiten um 1000 km möglich. Abgestrahlte Raumanteile werden nachts an der E-Schicht reflektiert und können in weiten Entfernungen gedämpft die Erde erreichen. In Europa sind maximal 15 Langwellenkanäle möglich, so dass nicht jeder Staat einen eigenen Langwellensender störungsfrei betreiben kann.

Mittelwelle[Bearbeiten]

Die Mittelwelle verbreitet sich ebenfalls tagsüber als Bodenwelle, die Reichweite ist jedoch durch die Bodenwellendämpfung geringer als bei der Langwelle und kann bis etwa 500 km betragen. In den Abend- und Nachtstunden werden die Raumwellenanteile an der ionosphärischen E-Schicht reflektiert. Durch diese zusätzliche Raumwelle können Reichweiten von mehr als 1000 km auftreten. Allerdings ist diese Reflexion nicht immer gleichmäßig: Das Signal der Raumwelle wird von der Ionosphäre in größeren Abständen immer mal wieder geschluckt, manchmal bis zur Unkenntlichkeit. Diesen Effekt bezeichnet man als Fading oder Schwund. Zur Vermeidung von Gleichkanalstörungen ist es daher notwendig, die Senderleistungen abends und nachts der jeweiligen Störsituation anzupassen, also zu reduzieren. Im Mittelwellen-Rundfunkband stehen innerhalb Europas 121 Kanäle zur Verfügung. Abhängig von der weiteren Belegung der jeweiligen Frequenz muss in den Nachtstunden aufgrund der Raumwellenausbreitung die Leistung reduziert oder ganz abgeschaltet werden. Ansonsten kann die jeweilige Frequenz zur Versorgung des gesamten europäischen Raumes dienen.

Kurzwelle[Bearbeiten]

Bei der Kurzwelle spielt die Bodenwelle bei der Ausbreitung kaum eine Rolle. Die Übertragung zum Zielgebiet erfolgt in erster Linie über die Raumwelle. In Abhängigkeit von Jahreszeit, Tageszeit und Sonnenfleckenzahl – die die Reflexionsfähigkeit der Ionosphäre wesentlich beeinflusst – kann man bestimmte Rundfunkbänder der Kurzwelle für verschiedene Zielreichweiten benutzen. Dabei kann eine Kurzwellenausstrahlung durchaus auch mehrere Sprünge (Hops) zwischen Ionosphäre und Erdoberfläche machen und dabei mehrere 1000 km überbrücken, um im Zielgebiet gehört zu werden. Dabei entsteht aber neben dem bei der Mittelwelle erwähnten Fading, welches auf Kurzwelle weniger stark ausgeprägt ist, vor allem sogenanntes selektives Fading, welches das Sendesignal abhängig von der Frequenz stellenweise stört. Auf der Kurzwelle stehen abhängig von der Entfernung und den oben erwähnten Variablen mehrere hundert Übertragungskanäle zur Verfügung.

Zur Realisierung lokaler Versorgungen über Kurzwelle kann das 11-m-Band (25,67 MHz bis 26,1 MHz) genutzt werden. Dieses Frequenzband ist in Mitteleuropa relativ frei und umfasst 43 Kanäle. Weltweite Tests und Untersuchungen haben ergeben, dass bereits mit geringen Leistungen (bis zu einigen 100 Watt) regionale Versorgungen und Versorgungen von Städten portabel indoor, outdoor und mobil möglich sind. In Zeiten hoher Sonnenfleckenzahl können jedoch auch bei relativ geringen Sendeleistungen Überreichweiten entstehen, die Störungen in weit entfernten Gebieten hervorrufen können. Die Nutzung von DRM im 11-m-Band fokussiert sich daher nicht auf den werbegetragenen Rundfunk, sondern eher auf den nichtkommerziellen Rundfunk und das Hochschulradio.

Bandbreitenbedarf[Bearbeiten]

Ein DRM-Kanal belegt auf Lang- und Mittelwelle

Auf Kurzwelle sind weltweit 10 kHz Bandbreite vorgesehen.

Daneben sind noch Übertragungen machbar mit

  • 4,5 oder 5 kHz Bandbreite (für besonders schmalbandige Übertragungen)
  • 18 oder 20 kHz Bandbreite (wenn eine hohe Audio-Qualität gefordert ist oder auch mehrere Programme gleichzeitig in einem Datenstrom mit hoher Qualität ausgestrahlt werden sollen)

Im Amateurfunk wird ein modifiziertes DRM mit 2,5 kHz Bandbreite benutzt, um die IARU-Bandpläne einhalten zu können. Dabei wird aufgrund der sehr geringen Bandbreite als Audiokompressionsverfahren Speex oder Linear Predictive Coding verwendet.

OFDM-Übertragungsmodi[Bearbeiten]

Für DRM30 sind vier Übertragungsmodi (A-D) spezifiziert, die sich in ihren OFDM-Systemparametern und daraus resultierend in den Datenübertragungsraten unterscheiden:

Mode Trägerabstand in Hz Anzahl der Träger Symboldauer in ms Schutzintervall in ms Symbole pro Rahmen Datenrate Robustheit gegen Dopplereffekt und Mehrwegeausbreitung
9 kHz 10 kHz 18 kHz 20 kHz
A 41,66 204 228 412 460 26,66 2,66 15 ++ −−
B 46,88 182 206 366 410 26,66 5,33 15 +
C 68,18 * 138 * 280 20,00 5,33 20 +
D 107,14 * 88 * 178 16,66 7,33 24 −− ++

(*) Modus auf Lang- und Mittelwelle nicht vorgesehen (nur Kurzwelle)

Mode A ist hauptsächlich für lokale Sendungen auf der Lang- und Mittelwelle vorgesehen, bei denen die Übertragung durch die Bodenwelle überwiegt und es dementsprechend praktisch kein Fading gibt. In letzter Zeit entdecken aber immer mehr Anbieter, dass auch unter bestimmten Voraussetzungen Kurzwellenübertragungen in Mode A (bei Nutzung von QAM16) möglich sind, um auch die Datenrate und damit die Tonqualität zu verbessern.

Mode B ist vor allem bei Kurzwellen-Übertragungen mit nur einer Reflexion an der Ionosphäre (sogenannter „single hop“) beliebt. Es handelt sich um Sender, die zum Beispiel nur innerhalb Europas empfangen werden sollen. Einige Lang- und Mittelwellensender bevorzugen nachts auch eher Mode B, da nachts auch in diesen Bändern die Raumwelle an der Wellenausbreitung beteiligt ist.

Mode C kann für Kurzwellensendungen über Kontinente hinweg verwendet werden. Da bei diesen Entfernungen die Wellen mehrfach zwischen Ionosphäre und Erde hin und her reflektiert werden (sogenannter „multi hop“), kommt es hier verstärkt zur Überlagerung von Wellen mit verschiedenen Laufzeiten und somit zu Signalverstärkungen und Signalauslöschungen. In der Regel nutzt man auch zur Überseeversorgung trotzdem Mode B, da er eine höhere Datenrate bietet.

Mode D ist der störungsunempfindlichste Übertragungsmodus und wird hauptsächlich für NVIS-Übertragungen (Near Vertical Incidence Skywave) verwendet. Diese Sendeart wird sich in Europa wohl kaum verbreiten, sie soll in den tropischen Regionen auf den entsprechenden Frequenzbändern verwendet werden. Da hierbei die Wellen nahezu senkrecht gen Himmel gestrahlt werden, kommt es neben den bereits genannten Fading-Effekten noch zusätzlich zu Doppler-Verschiebungen, da die Höhe der reflektierenden Luftschichten über dem Boden ständig schwankt.

In der Praxis setzen die meisten Anbieter in den AM-Bändern den Mode A oder B ein, nur einige wenige (zum Beispiel die Deutsche Welle) nutzen unter ungünstigen Voraussetzungen den Mode D; damit verringert sich auch die Audioqualität. Ausstrahlungen im Mode C sind sehr selten.

Mode B findet in letzter Zeit immer häufiger im Amateurfunk Verwendung.

Fehlerschutzklassen[Bearbeiten]

Innerhalb der vier OFDM-Modi gibt es jeweils vier verschiedene Fehlerschutzklassen, die unterschiedlich hohe Übertragungsraten aufweisen. Je höher der Schutz, desto geringer ist die nutzbare Datenrate. Durch diese Fehlerschutzmaßnahmen (Redundanz) können AM-typische Effekte wie Fading, selektives Fading, Atmosphärenstörungen sowie Störungen durch benachbarte Sender ausgeglichen werden. Aufgrund der begrenzten Datenrate müssen im Falle kritischer Ausbreitungsbedingungen u. U. Kompromisse zwischen einem höheren Fehlerschutz für eine gute Empfangssicherheit und der damit einhergehenden geringeren Nettobitrate für die Audioübertragung gefunden werden.

Die Tabelle zeigt typische Bitraten in den jeweiligen Modi und Schutzklassen bei der Verwendung von EEP (equal error protection) in kbit/s.

Schutzklasse Mode/Bandbreite/QAM-Modus Robustheit
A B C D
9 kHz 10 kHz
64-QAM 16-QAM 64-QAM 16-QAM 64-QAM 16-QAM 64-QAM 16-QAM 64-QAM
0 19,6 7,6 15,2 11,6 17,4 9,1 13,7 6,0 9,1 ++
1 23,5 10,2 18,3 14,5 20,9 11,4 16,4 7,5 10,9 o
2 27,8 - 21,6 - 24,7 - 19,4 - 12,9 -
3 30,8 - 24,0 - 27,4 - 21,5 - 14,3 --

Beim überwiegenden Teil der DRM-Sendungen wird heutzutage Mode A oder B in der Schutzklasse 1 verwendet, wobei Mode B am häufigsten auf Kurzwelle anzutreffen ist.

Durch die Verwendung von AAC in Verbindung mit der sog. „Spectral Band Replication“ (kurz: SBR) erreicht man eine Audio-Bandbreite von 15 kHz (ab 22 kbit/s) bei einem Bandbreitenbedarf von lediglich 9 oder 10 kHz im Funkfrequenzspektrum. Die Spektralanteile zwischen 6 kHz und 15 kHz werden aber nicht mit der Transparenz oder Brillanz einer CD- oder UKW-Übertragung empfunden.

Die Moden C und D dienen momentan nur der Vorführung des Verhältnisses aus Unempfindlichkeit gegenüber Fading-Effekten und der erreichbaren Bitrate.

Die Audio-Qualität der Moden C und D ist bei Verwendung von AAC relativ bescheiden und nur wenig besser als die herkömmlicher AM-Sendungen. Wird zudem noch eine hohe Schutzklasse eingesetzt, kann sie sogar als schlechter empfunden werden als die analoger Aussendungen, weil die Art der Störungen ungewohnt ist. Auch wenn dieser Punkt die letzten beiden Modi zunächst unattraktiv erscheinen lässt, gilt dennoch (bei ausreichendem Rausch- und Störsignalabstand) wie bei allen digitalen Rundfunksendungen in Bezug auf die Ton-(Bild)-Qualität: Sendersignal=empfangenes Signal, der Ton ist also frei von Rauschen, Knacken und Pfeifen. Zudem kann zusammen mit einem der für DRM standardisierten Sprach-Encoder (HVXC und CELP) eine gute bis sehr gute Sprachqualität erreicht werden, so dass diese Moden zumindest für Informationsprogramme durch ihre Robustheit wieder attraktiv sein können.

Audioqualität[Bearbeiten]

Das DRM-System wurde ursprünglich für die Randbedingungen der Verbreitung auf Kurz-, Mittel- und Langwelle konzipiert (DRM30). Trotz der schmalen HF-Bandbreite von 9 oder 10 kHz bietet DRM30 eine bessere Audioqualität als analoger AM-Rundfunk, die zudem frei von Störungen ist.

Die Audioqualität ist bei Verwendung von SBR (HE-AAC) mit den Datenraten von 16–26 kbit/s über DRM30 wesentlich besser als über AM-Sender.

Hörfunkprogramme[Bearbeiten]

Aktuell strahlen einige Sender täglich weltweit Sendungen in DRM aus.[3]

Die Deutsche Welle und die BBC, beide Gründungsmitglieder des DRM-Konsortiums, haben im Herbst 2010 ihren gemeinsamen DRM-Dienst für Europa eingestellt. Das BCE (Broadcasting Center Europe), technisch verantwortlich für RTL Radio von Luxemburg aus über die Mittelwelle 1440 kHz und Kurzwelle 6095 kHz, reduzierte die Ausstrahlungen im DRM-Modus (im Februar 2011 auf der Kurzwelle nur noch in der Größenordnung 1 h/Tag). Aus Berlin-Britz sendet das Deutschlandradio sein digitales Programm DRadio Wissen auf der Mittelwelle 855 kHz rund um die Uhr für den Raum Berlin-Brandenburg. Parallel zu diesem Programm werden ein Non-Stop-Nachrichtenkanal sowie Nachrichten in Textform auf der Frequenz angeboten.

OldieStar Radio war der erste deutsche Privatsender, der sein Programm auch im DRM-Modus ausstrahlte. Ab 2005 wurde das Programm in Berlin auf der Mittelwelle 1485 kHz verbreitet. Auch Stationen aus Osteuropa wie der Auslandsdienst des polnischen Rundfunks, Radio Rumänien International oder die Stimme Russlands strahlen ihre Programme im DRM-System aus, meist jedoch nur für einige Stunden am Tag. Seit dem 26. Mai 2008 sendet auch Radio Bulgarien sein Inlandsprogramm in Bulgarisch und seit 2009 auch verschiedene Fremdsprachenprogramme europaweit in DRM aus, darunter die Gemeinschaftsproduktion mit anderen Sendern „Euranet“.

Ende März 2009 wurde der reguläre DRM-Sendebetrieb in Russland und bei All India Radio auf Kurzwelle aufgenommen.

Insgesamt konnte DRM allerdings bislang – wohl vor allem aufgrund der geringen Anzahl von Empfängern – noch keine große Marktbedeutung erlangen.

DRM in den VHF-Bändern ab 30 MHz (DRM+, Mode E)[Bearbeiten]

Im Jahr 2009 kam im ETSI-Standard des DRM-Systems ein Modus E (DRM+) hinzu. Damit ist eine Übertragung in den VHF-Bändern (bis 300 MHz) machbar. Nach erfolgreichen Untersuchungen der FH Kaiserslautern und der Leibniz Universität Hannover aus den Jahren 2009/2010 liegt das Ergebnis vor, dass DRM+ auch im VHF-Band III (174–230 MHz) technisch umsetzbar ist. Nach der Aufnahme von DRM+ bei der ITU Ende 2011 als „System G“[4][5][6] für die Übertragung in den Frequenzbereichen 30–300 MHz wird nun auch der ETSI-Standard für DRM daran angepasst. Damit kann das DRM-System nicht nur im UKW-Hörfunkbereich (87,5–108 MHz) eingesetzt werden, sondern positioniert sich auch als künftige Ergänzung zum digitalen Hörfunkstandard DAB/DAB+ im VHF-Band III (174-230 MHz), insbesondere für die Verbreitung von digitalen Hörfunkprogrammen in regionalen bzw. lokalen Verbreitungsgebieten und für Programme, die einen sehr hohen Regionalberichtfaktor aufweisen.

Zur frequenztechnischen Realisierung gibt es genug freie Kapazitäten für DRM+ im VHF-Band III ohne Beeinträchtigung der geplanten Abdeckung für DAB+. Ein DAB+-Block (mit 1,5 MHz Breite) könnte grundsätzlich in rund 15 DRM+-Blöcke unterteilt werden. Das heißt, in einer DAB+-Abdeckung können rund 15-30 DRM+-Hörfunkprogramme und zusätzlich Datendienste für die jeweilige Region verbreitet werden. Die Nutzung von DRM+ im VHF-Band III hätte gegenüber den DRM+-Planungen im UKW-Frequenzband den Vorteil, dass keine aufwändigen Nutzungs- und Übergangsszenarien analog-digital für das UKW-Band II entwickelt werden müssten und im VHF-Band III gem. RRC-06 auch andere digitale Systeme als DAB koordiniert werden könnten, sofern sie die Störkriterien von Eureka 147 einhalten. Das Band III steht für eine solche Nutzung sofort zur Verfügung, die nebenbei auch einen Beitrag zur „Sicherung“ des Bandes III gegenüber anderen, rundfunkfremden Nutzungen leisten würde.

Anforderungen und technische Parameter[Bearbeiten]

Die wesentlichen Anforderungen, die DRM+ erfüllt, sind
  • Realisierung von Datenraten, die den Empfang mindestens eines Hörfunk-Programms in CD-Audio-Qualität ermöglichen;
  • Versorgungsreichweite und -sicherheit mindestens wie die derzeitige UKW-FM-Versorgung mit der Möglichkeit des mobilen Empfangs bei hohen Geschwindigkeiten und des portablen Empfangs im Haus;
  • Überführung bestehender Versorgungsstrukturen im jetzigen UKW-Rundfunk (lokale, regionale, landesweite und nationale Sendeformate);
  • Gleichwellenfähigkeit zur Bildung frequenzökonomischer Sendernetze;
  • Nutzbandbreite von 100 kHz zur Beibehaltung des jetzigen UKW-Planungsrasters;
  • Vermeidung von Störungen der bestehenden UKW-FM-Versorgung zur Realisierung einer schrittweisen Migration der Rundfunksender.
Die wesentlichen Übertragungsparameter sind
  • Übertragungsschema: OFDM mit Gleichkanalfähigkeit;
  • Anzahl der Unterträger: 213;
  • Trägerabstand: 444,44 Hz;
  • Modulation der Unterträger: 4-QAM oder 16-QAM;
  • Bandbreite: 96 kHz;
  • Datenrate : 375–186 kbit/s;
  • Audiocodierung MPEG4-AAC.

DRM-Empfänger[Bearbeiten]

Für DRM30 sind derzeit (Stand Mai 2012) nur wenige Empfänger auf dem Markt erhältlich, meist nur über Online-Shops im Internet. Dies gilt auch für das DR111 von Chengdu NewStar Electronics, das die von dem DRM Konsortium definierten Minimalkriterien für Empfangsgeräte erfüllt und weltweit vertrieben wird.[7]

Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) bietet derzeit ein Prototyping Board auf FPGA-Basis für die komplette DRM-Signalverarbeitung an.[8]

Einen anderen Weg des DRM-Empfangs bieten softwaredefinierte Radioempfänger (SDRs). Die Steuerung solcher Empfänger und die Demodulation (Dekodierung) des DRM-Signals geschieht hier mit einem Mikrocomputer oder einem PC.

Geschichte und Zukunft von DRM[Bearbeiten]

Bei der Einführung des neuen Standards im Juni 2003 auf der „World Radio Conference“ in Genf waren die Programmstunden Internationaler Stationen auf den AM-Bändern rückläufig. Viele Rundfunkanstalten verlagerten ihre Sendungen auf Satellitenkanäle oder setzen auf die Verbreitung durch UKW-Relais-Stationen und Webradio. Deshalb sahen viele Beobachter Digital Radio Mondiale bei seiner Einführung als "die Zukunft der Kurzwelle",[9] mit der die alte Technik in das digitale Umfeld überführt würde. Als Vorteil wurde die weitere Verwendung der bestehenden Sendetechnik gesehen.

2008 wurden täglich über 700 DRM-Sendestunden ausgestrahlt. Zwei große Hauptinitiatoren der Technik, die Deutsche Welle und die BBC, zogen sich aus der Weiterentwicklung 2012 zurück. Schwachpunkte sind nach wie vor (Stand 2012) auch die geringe Anzahl an DRM-tauglichen Empfängern und die geringe Marktbedeutung dieser Technik. Zudem werden die DRM-Sendungen in verschiedenen Daten-Formaten ausgestrahlt. Insgesamt konnte die DRM-Technik den anhaltenden Abbau von AM-Sendekapazitäten nicht aufhalten. Viele DRM-Sendungen werden eingestellt, weil die Betreiber die entsprechenden Sendeanlagen außer Betrieb nehmen oder abbauen. In Deutschland sendete sowohl der WDR als auch der BR in DRM auf Mittel- und Kurzwelle. Beide Sender gaben aber ihre AM-Sendeanlagen auf und damit auch die DRM-Ausstrahlungen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ETSI-Standard des DRM-Systems V3.1.1 vom August 2009 (PDF; 1,7 MB)
  2. http://drm.org/
  3. http://www.drm-dx.de/
  4. ITU-Recommendation BS.1114; Systems for terrestrial digital sound broadcasting to vehicular, portable and fixed receivers in the frequency range 30-3 000 MHz
  5. ITU-Recommendation BS.1660-5; Technical basis for planning of terrestrial digital sound broadcasting in the VHF band
  6. ITU-Report BS.2214; Planning parameters for terrestrial digital sound broadcasting systems in VHF bands
  7. http://www.cdnse.com/products/dr111
  8. FHG_DRM Base Band IP
  9. http://www.addx.de/drm/drm.php