Sepp-Herberger-Stiftung

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Die Sepp-Herberger-Stiftung (offiziell: DFB-Stiftung Sepp Herberger) ist eine Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), die am 11. März 1977 zu Ehren des früheren Fußballers und Fußballtrainers Sepp Herberger errichtet wurde. Sie war das Geschenk des DFB zu Herbergers 80. Geburtstag am 28. März 1977 und ist die älteste Fußballstiftung Deutschlands.

Herberger, dessen Ehe mit seiner Frau Eva kinderlos blieb, hatte – getreu seinem Lebensmotto: "Wer oben ist, darf die unten nicht vergessen" – den Wunsch, seinen Nachlass in "guten Händen" zu wissen. Aufgabe der Stiftung ist es, soziale und karitative Projekte zu fördern und zu unterstützen. Dazu gehören Projekte zum Behindertenfußball, zur Resozialisierung von Strafgefangenen, die Förderung des Fußball-Nachwuchses in Schulen und Vereinen sowie das DFB-Sozialwerk. Botschafter der Stiftung sind unter anderem Horst Eckel, Wolfgang Dremmler, Jens Nowotny, Ottmar Hitzfeld, Nadine Keßler, Uwe Seeler, Oliver Kahn und Tina Theune. Vorsitzender der Stiftung ist DFB-Vizepräsident Eugen Gehlenborg, Schatzmeister ist Stephan Osnabrügge, Tobias Wrzesinski ist Geschäftsführer. Dem Kuratorium gehören unter anderem Wojtek Czyz, Peter Kurz, Reinhard Grindel, Friedrich Curtius, Michael Herberger und Otto Rehhagel an, Vorsitzender ist Hermann Korfmacher. Die Stiftung hat seit September 2013 ihren Sitz auf dem Gelände der Sportschule Hennef.[1]

Geschichte der Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der DFB-Stiftung Sepp Herberger beginnt am 28. März 1977. An diesem Tag wurde mit einem Festakt im Barockschloss zu Mannheim der 80. Geburtstag Herbergers begangen. Das Geschenk des DFB überbrachte der damalige Präsident Hermann Neuberger: Er gab die Errichtung der Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes bekannt. „Kann der DFB, dessen Ehrungen Du alle seit langem schon besitzt und trägst, Dir deshalb heute mit etwas Würdigerem danken als mit der Absicht, Dein Wirken und Wollen durch eine Stiftung fortzusetzen, die Deinen Namen trägt?“, fragte Neuberger am 28. März 1977 in seiner Laudatio auf Sepp Herberger. „Lieber Sepp, die ganz in Deinem Sinne aufgebaute Stiftung möge den beabsichtigten Weg mit hoffentlich beachtlichem Erfolg gehen.“ Der DFB erfüllte damit seinem Rekordnationaltrainer (1936–1964) einen Lebenstraum. Dem "Chef", wie Herberger genannt wurde, war es immer wichtig, soziale und karitative Projekte zu fördern und zu unterstützen. Noch zu Lebzeiten engagierte er sich beispielsweise für die Resozialisierung von Strafgefangenen. Genau einen Monat nach Errichtung der Stiftung, am 28. April 1977, erlag Herberger in einem Mannheimer Krankenhaus einem Herzinfarkt. Mit dem Tod seiner Frau Eva im Jahre 1989 ging das Privatvermögen der Familie in das Eigentum der Stiftung über. Das vom DFB ursprünglich zur Verfügung gestellte Grundvermögen in Höhe von einer Million DM wuchs dadurch deutlich an. Der umfassende Nachlass Herbergers (mehr als 360 Aktenordner Schriftgut und etliche Memorabilien) wurde Eigentum des DFB und lagert heute im DFB-Archiv in der Zentrale in Frankfurt am Main. Ausgewählte Exponate sind zudem als Dauerleihgabe im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund zu sehen.

Schwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aktivitäten und Fördertätigkeiten der Stiftung stützen sich auf die vier Säulen Behindertenfußball, Resozialisierung von Strafgefangenen, Förderung des Fußball-Nachwuchses in Schulen und Vereinen sowie das DFB-Sozialwerk. Mit dem DFB-Sozialwerk unterstützt die Stiftung Fußballspieler in Not. Es war der ausdrückliche Wunsch von Sepp und Eva Herberger, dass dazu ihr Privatvermögen eingesetzt wird. Aktuell initiiert die Stiftung in ihren vier Schwerpunktbereichen sechs eigene Projekte.

Behindertenfußball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um Fußballern mit Behinderungen bundesweit den Zugang in die Fußballfamilie zu erleichtern, finanziert die Sepp-Herberger-Stiftung in den DFB-Landesverbänden Beauftragte für Fragen des Behindertenfußballs. Seit dem Jahr 2008 organisiert die Stiftung gemeinsam mit dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) sowie dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) die Blindenfußball-Bundesliga. Die europaweit einzigartige Spielrunde für blinde und sehbehinderte Menschen geht dabei für den Behindertensport beispielhafte Wege. In den Jahren 2011-2016 wurden 16 Spieltage auf zentralen öffentlichen Plätzen mitten in der Stadt durchgeführt. Im Jahr 2017 finden zwei weitere Stadt-Spieltage in Berlin und Halle/Saale statt. Zudem veranstaltet die Stiftung seit 2000 die deutsche Meisterschaft der Werkstätten für behinderte Menschen. In Kooperation mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG:WfbM), dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) sowie Special Olympics Deutschland werden jährlich 16 Herren-Mannschaften sowie derzeit acht Frauen-Teams mit mehr als 350 aktiven Spielerinnen und Spielern zu einem viertägigen Turnier eingeladen.

Resozialisierung von Strafgefangenen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Engagement im Strafvollzug ist die älteste Säule der Stiftungsarbeit. Herberger selbst besuchte 1970 die JVA im baden-württembergischen Bruchsal und machte sich das Wirken in Haftanstalten zur Lebensaufgabe. Dieses Bemühen wurde sieben Jahre später in der Stiftung institutionalisiert. Nach dem Tode Herbergers engagierte sich Fritz Walter weiter als Botschafter für die Stiftung und besuchte in dieser Funktion bundesweit mehr als 200 Justizvollzugsanstalten. Noch heute sind die Besuche der Stiftungsbotschafter in den Strafanstalten stark nachgefragt. Zahlreiche prominente Fußball-Persönlichkeiten unterstützen die Stiftungsarbeit. Die bundesweit einzigartige Initiative "Anstoß für ein neues Leben" unterstützt zudem die Resozialisierung jugendlicher Strafgefangener. Gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit, den Justizministerien der teilnehmenden Bundesländer, den DFB-Landesverbänden und weiteren Unterstützern, ist es das Ziel, die Jugendlichen aktiv auf die Zeit nach der Haftentlassung vorzubereiten.

Nachwuchsförderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herberger war ein Freund und engagierter Förderer des Fußball-Nachwuchses. Seine Leidenschaft für den Fußball wird noch heute in Schulen und Vereinen an die Jüngsten weitergegeben. Mit den Sepp-Herberger-Tagen veranstaltet die Stiftung gemeinsam mit den DFB-Landesverbänden bundesweit Fußballturniere für Grundschulen. Ziel ist es, möglichst viele Schülerinnen und Schüler in sportliche Bewegung zu bringen. Zudem verleiht die Stiftung die Sepp-Herberger-Urkunde. Damit werden auf Vorschlag der DFB-Landesverbände seit Jahrzehnten Fußballvereine ausgezeichnet, die sich besonders für die Jugendarbeit engagieren. Prämiert werden aber auch Aktivitäten im Behindertenfußball, im Bereich "Fußball digital", der Resozialisierung sowie für in Not geratene Vereinsmitglieder. Insgesamt werden jährlich bis zu 84 Urkunden verliehen. 13 besonders gelungene Aktivitäten erhalten zudem Geld- und Sachpreise von zusammen 58.000 Euro.

DFB-Sozialwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ertrag des in der Sepp-Herberger-Stiftung eingebrachten Nachlasses der Eheleute Herberger wird vom übrigen Vermögen der Stiftung getrennt verwaltet und soll laut testamentarischer Verfügung mit Vorrang zur Unterstützung schuldlos in Not oder wirtschaftliche Bedrängnis geratener Spieler und deren Familien verwendet werden. Um diesem Willen nachzukommen engagiert sich die Stiftung unter dem Motto "Hilfe für Fußballer in Not". Diese Förderung ist die Fortführung des Sozialwerkes des Deutschen Fußball-Bundes, das 1955 eingerichtet wurde. Sie ist ein wesentlicher Teil der Stiftungsarbeit. Mit dem DFB-Sozialwerk wird bei schweren Schicksalsschlägen geholfen, meist im Stillen und auf Hinweis der DFB-Landesverbände oder von Fußballvereinen.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung finanziert sich inzwischen vor allem aus Zuwendungen des DFB, aus Zinserträgen sowie Spenden. Alle zwei Jahre steuert die DFB-Nationalmannschaft über das Benefiz-Länderspiel einen großen Teil zum Stiftungshaushalt bei. Die weltweit einzigartige Partie für den guten Zweck wird von der Egidius-Braun-Stiftung veranstaltet. Zudem erhält die Stiftung von jeder verkauften Eintrittskarte für ein Länder- oder DFB-Pokalspiel einen prozentualen Anteil. Engagierte Unterstützer sind auch die "Freunde der Nationalmannschaft". Der 1978 gegründete Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Arbeit der Sepp-Herberger-Stiftung finanziell zu unterstützen. Jährlich kommt so ein sechsstelliger Betrag zusammen.[2] Seit Errichtung der Stiftung Sepp Herberger konnten bereits über 20 Millionen Euro für verschiedene soziale Projekte und Aktivitäten aufgewendet werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vorstand und Kuratorium. Internetseite der Stiftung. Abgerufen am 31. März 2017.
  2. "Freunde der Nationalmannschaft". Der Förderverein auf der Internetseite des DFB. Abgerufen am 31. März 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]