Sesostris I.

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Namen von Sesostris I.
Oberteil einer Kniefigur Sesostris’ I.; Altes Museum Berlin, Inv.-Nr. 1205
Oberteil einer Kniefigur Sesostris’ I.; Altes Museum Berlin, Inv.-Nr. 1205
Horusname
G5
S34F31
X1
G43
Srxtail2.svg
Anch-mesut
ˁnḫ-msw.t
Das Leben ist geboren
Thronname
M23
X1
L2
X1
Hiero Ca1.svg
N5L1D28
Hiero Ca2.svg
Cheper-ka-Re
Ḫpr-k3-Rˁ
Erscheinungsform der Ka-Kraft des Re
Eigenname
Hiero Ca1.svg
F12S29D21
X1
O34
N35
Hiero Ca2.svg
(Sesostris)
Senwosret oder Senuseret
S(j) n Wsrt
Mann der Wosret
Königspapyrus Turin (Nr.V./21.)
HASHHASHD28Z1G7V11AHASH
[1]
…ka
…k3
Griechisch
Manetho-Varianten: [2]
Africanus: Sesonchosis
Eusebius: Sesonchosis
Eusebius, AV: Sesonchosis

Sesostris I. ist der griechische Name eines altägyptischen Königs (Pharao) der 12. Dynastie (Mittleres Reich), welcher zunächst mit Amenemhet I. von etwa 1975 bis 1965 v. Chr. gemeinsam regierte. Nach dem Tod seines Vaters war er bis zu seinem 43. Regierungsjahr alleiniger Herrscher. Die restlichen zwei Jahre regierte er von 1932 bis 1930 v. Chr. gemeinsam mit seinem Sohn Amenemhet II.

Im Königspapyrus Turin sind entsprechend insgesamt 45 Regierungsjahre belegt. Er gilt als einer der bedeutendsten Herrscher des Mittleren Reiches und Altägyptens überhaupt.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sesostris I. war der Sohn von Amenemhet I. und Neferetjatenen. Der Name der Mutter ist lediglich als Inschrift auf einer Statue überliefert und nur in einer Abschrift des 19. Jahrhunderts erhalten. Der Name ist ungewöhnlich und so gibt es Zweifel an der Authentizität dieser Inschrift und des Namens.

Seine Hauptgemahlin war Neferu, die seine Schwester oder Halbschwester war. Itakayt war eine Tochter.

Herrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sesostris I. gilt heute als einer der großen Könige (Pharaonen) des Mittleren Reiches. Er führte in seinem 18. Regierungsjahr einen Feldzug gegen Unternubien, in dessen Verlauf das Gebiet bis zum zweiten Katarakt erobert wurde. Zur Sicherung der neuen Gebiete wurden dort verschiedene Festungen errichtet. Dies ist das erste Mal in der ägyptischen Geschichte, dass ein größeres Gebiet außerhalb Ägyptens unter ständige Kontrolle gelangte. In seinem 25. Regierungsjahr gab es eine Hungersnot, die in mehreren Texten erwähnt wird. Als Folge davon gab es eventuell Unruhen: Aus einer Inschrift aus el-Tod scheint hervorzugehen, dass der dortige Tempel geplündert wurde.

Der Hofstaat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wesir am Beginn der Regierungszeit war Antefiqer, der bei der Pyramide von Amenemhet I. in El-Lischt ein Grab hatte, von einer Reihe von Dokumenten bekannt ist und anscheinend recht lange im Amt war. Sein Nachfolger war wohl ein gewisser Sesostris. Als Schatzmeister sind im 22. Jahr Sobekhotep und nach ihm Mentuhotep belegt. Mentuhotep scheint eine außergewöhnliche Persönlichkeit gewesen zu sein, der anscheinend mehrere Bauprojekte von Sesostris I. leitete, darunter wohl vor allem den Ausbau des Amuntempels in Karnak. Mehrere Haushofmeister sind bekannt, davon sind vor allem Hor zu nennen, der eine Expedition des Herrschers leitete, und Nacht, der in Lischt ein Grab hatte und am Pyramidenbau Sesostris I. beteiligt war.

Der König scheint diverse Beamte in den Provinzen eingesetzt zu haben.

Expeditionswesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Felsinschrift nahe der Hafenanlage von Ain Suchna am Golf von Sues berichtet davon, dass im 9. Regierungsjahr Sesostris’ I. ein Beamter in die Minen auf der Sinai-Halbinsel entsandt wurde.[3]

Das Ende seines Vaters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 20. Jahr seiner Regentschaft und zehn Jahre vor seinem Tod ernannte Amenemhet I. seinen Sohn Sesostris I. zum Mitregenten. Der Vater kümmerte sich in erster Linie um die Innenpolitik und die Beruhigung der immer noch mächtigen Gaufürsten, während Sesostris I. persönlich Feldzüge nach Nubien und Libyen leitete. Nach 10 Jahren gemeinsamer Regierungszeit erhielt er auf einem Feldzug nach Libyen die Nachricht von der Ermordung seines Vaters und eilte sofort zurück, um seine Thronansprüche zu wahren.

Die im vorangehenden Absatz gegebene Darstellung des Endes der Regierung von Amenemhet I. wird von einigen Ägyptologen angezweifelt.[4] Es wird darauf verwiesen, dass die Doppeldatierungen auf Stelen und Graffiti (Jahr x des A. und Jahr y des S.) wegen ihrer Erhaltung und ihrer Form umstritten sind. Sie werden nicht mehr als Beweis einer Koregentschaft anerkannt.

Der Übergang von Amenemhet zu Sesostris ist daher eine der umstrittensten Fragen in der Ägyptologie. Nach der „Lehre des Amenemhet“ starb Amenemhet I. bei einem Attentat im Harem. Sesostris war zu dieser Zeit auf einem Libyenfeldzug und kehrte nach einer Depesche ohne seine Truppen zum Palast zurück, um seinen Thronanspruch geltend zu machen (oder die Putschisten zu bestrafen). Dass er zu diesem Zeitpunkt Mitregent war, wird bezweifelt. Er wird in der Lehre des Amenemhet und in der Sinuhe-Erzählung als u. a. „ältester Sohn“, also als Thronerbe, bezeichnet. Ob Amenemhet wirklich in jener Nacht starb, wurde lange diskutiert und anhand grammatikalischer Kriterien behauptet oder bestritten.[5] Es wird argumentiert, dass – als Amenemhet I. starb – die Lehre des Amenemhet eine Legitimationsschrift für Sesostris I. darstellte, die möglicherweise am Folgetag im Palast verlesen wurde. In dieser Schrift spricht der verstorbene Vater aus dem Jenseits zu seinem Sohn.

Bautätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sesostris-I.-Pyramide[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pyramide Sesostris’ I.

Die einfach konstruierte Pyramide des Sesostris I. befindet sich in El-Lischt und besteht aus sternförmig angeordneten, rechtwinklig und sich diagonal schneidenden Steinrippen, die den Bau in 16 Hohlräume teilt. Diese waren mit Schutt und Sand aufgefüllt und mit Kalksteinplatten abgedeckt. Im Laufe der Jahrtausende rutschten die Platten ab und der Sand in den Kammern lief heraus. Die Pyramide maß 105 m im Quadrat und war ursprünglich 61 m hoch. Der Pyramidenbezirk war von einer doppelten Mauer umgeben und umfasste noch eine Nebenpyramide sowie neun kleinere Pyramiden für die königliche Familie. Identifizieren konnte man die Grabpyramiden der Ehefrauen Neferu und Itakayt, wobei die zweite Dame auch eine seiner Töchter gewesen sein könnte.

Tempelbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Osirispfeiler des Herrschers aus Karnak

Sesostris I. baute im ganzen Land an verschiedenen Tempeln. Er ist der erste König, der systematisch alle Tempel des Landes umbaute und in Steintempel umsetzte. Aus seinem dritten Regierungsjahr stammt die Kopie einer Inschrift, die vom Bau am Tempel in Heliopolis (Iunu) berichtet. Der älteste noch erhaltene Obelisk Ägyptens stammt ebenfalls von Sesostris I. Er besteht aus Assuan-Granit, ist 20 m hoch und befindet sich heute noch in Heliopolis. Ursprünglich stand er dort vermutlich mit einem zweiten Obelisken vor dem Eingangspylon des dortigen Tempels.

Eines der ältesten Bauwerke im Amun-Tempel von Karnak ist die „Weiße Kapelle“ des Sesostris I. Pharao Amenophis III. (18. Dynastie) ließ die Kapelle abtragen und verwendete ihre Alabastersteine als Füllmaterial für den 3. Pylon des Karnaktempels, wo sie vollständig aufgefunden und neu aufgebaut wurde. Heute gilt die Weiße Kapelle als das schönste und älteste noch erhaltene Bauwerk des Mittleren Reiches. Auf dem Sockel der Kapelle befinden sich die Namen der ägyptischen Gaue mit ihren Hauptstädten.

In Abydos wurde ein weiterer wichtiger Tempel errichtet, den noch Inschriften aus der 13. Dynastie als Tempel dieses Herrschers bezeichnen. Die postulierte Bautätigkeit Sesostris’ I. am Month-Tempel von Tod, südlich von Luxor, ist inschriftlich nicht belegbar.[6]

Festungsbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rekonstruktion der Festung von Buhen

Bei Buhen, zwischen dem 1. und 2. Katarakt gelegen, ließ Sesostris I. eine Grenzfeste errichten. Eine Inschrift besagt, dass „kein Südländer unkontrolliert seinen Fuß auf ägyptisches Gebiet setzen“ sollte. Das Bauwerk ist heute im Nassersee verschwunden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(chronologisch sortiert)

Allgemeines

  • Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1996, ISBN 3-423-03365-7, S. 264–266.
  • Darrell D. Baker: The Encyclopedia of the Egyptian Pharaohs. Band I: Predynastic to the Twentieth Dynasty (3300-1069 BC). Bannerstone Press, Oakville 2008 ISBN 978-0-9774094-4-0, S. 390–394.
  • Martin von Falck, Susanne Martinssen-von Falck: Die großen Pharaonen. Von der Frühzeit bis zum Mittleren Reich. Marix, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-7374-0976-6, S. 202–207.

Detailfragen

  • Labib Habachi: Building Activities of Sesostris I in the Area to the South of Thebes (= Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. (MDAIK) Bd. 31). von Zabern, Mainz 1975, S. 27–37.
  • Wolfgang Schenkel: Die Bauinschrift Sesostris’ I. im Satet-Tempel von Elephantine (= Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. (MDAIK) Bd. 31). von Zabern, Mainz 1975, S. 109–125 (online)
  • H.S. Smith: The Fortress of Buhen. The Inscriptions. Egypt Exploration Society, London 1976, ISBN 0-85698-045-5, S. 39 ff., 61 ff.
  • A.M.A. Sayed: Discovery of the site of the 12th Dynasty Port at Wadi Gawasis on the Red Sea shore. In: Revue d´Egyptologie Nr. 29, 1977, S. 138–178.
  • Wolfgang Helck, in: Ägypten, Dauer und Wandel. Symposium anlässlich des 75jährigen Bestehens des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo, am 10. und 11. Oktober 1982 (= Tagungsband.). von Zabern, Mainz 1985, S. 45–52.
  • Wolfgang Helck: Die Weihinschrift Sesostris’ I. am Satet-Tempel von Elephantine (= Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. (MDAIK) Bd. 34). von Zabern, Mainz 1978, S. 69–78.
  • A.M.A. Sayed: The Recently Discovered Port on the Red Sea Shore. In: Journal of Egyptian Archaeology Nr. 64, 1978, S. 69–75.
  • William K. Simpson: Textual Notes on the Elephantine Building Text of Sesostris I. and the Zizinia Fragment from the Tomb of Horemheb. In: Göttinger Miszellen. Bd. 45, Göttingen 1981, S. 69–70.
  • Elmar Edel: Zur Stele Sesostris’ I. aus dem Wadi el-Hudi (ASAE 39 (1939) 197 ff.). In: Göttinger Miszellen. (GM) Bd. 78, Göttingen 1984, S. 51–54.
  • Dietrich Wildung: Sesostris und Amenemhet. Ägypten im Mittleren Reich. Hirmer, München 1984, ISBN 3-7774-3720-4.
  • Werner Kaiser, Günter Dreyer, Horst Jaritz, Achim Krekeler, Till Schläger, Martin Ziermann: Stadt und Tempel von Elephantine. 13./14. Grabungsbericht (= Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. (MDAIK) Bd. 43). 1987, S. 75–114
  • Donald B. Redford: The Tod Inscription of Senwosret I and Early 12th Dynasty Involvement in Nubia and the South. In: Journal of the Society for the Study of Egyptian Antiquities. (JSSEA) 17. Toronto 1987, S. 36–57.
  • Anni Gasse: Ameny, un porte-parole sous le règne de Sésostris Ier. In: Bulletin de l'Institut français d'archéologie Orientale. (BIFAO) Bd. 88, 1988, S. 83–93.
  • Hourig Sourouzian: Standing Royal Colossi of the Middle Kingdom reused by Ramesses II (= Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. (MDAIK) Bd. 44). 1988, S. 229–254 u. Tff. 62–75.
  • Claude Obsomer: Sésostris Ier : étude chronologique et historique du règne Connaissance de l’Egypte ancienne. Bruxelles 1995, ISBN 2-87268-004-7.
  • Thomas Schneider: The Relative Chronology of the Middle Kingdom and the Hyksos Period (Dyns. 12–17). In: Erik Hornung, Rolf Krauss, David A. Warburton (Hrsg.): Ancient Egyptian Chronology (= Handbook of Oriental studies. Section One. The Near and Middle East. Band 83). Brill, Leiden/ Boston 2006, ISBN 978-90-04-11385-5, S. 168–196 (Online).
  • Rolf Gundlach: Die Königsideologie Sesostris’ I. anhand seiner Titulatur. (= Königtum, Staat und Gesellschaft früher Hochkulturen. Bd. 7). Harrassowitz, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-447-05823-0.
  • Eileen Hirsch: Die sakrale Ligitimation Sesostris’ I. Kontaktphänomene in königsideologischen Texten. (= Königtum, Staat und Gesellschaft früher Hochkulturen. Bd. 6). Harrassowitz, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-447-05829-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sesostris I. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alan H. Gardiner: The royal canon of Turin. Griffith Institute, Oxford 1997, ISBN 0-900416-48-3, Bildtafel 2.
  2. Manetho (Africanus) nannte Amenemhet I. als letzten und 16. König der 11. Dynastie, der als Vater von Sesostris I., dem Begründer der 12. Dynastie, 16 Jahre regierte.
  3. Pierre Tallet: Ayn Sukhna and Wadi el-Jarf: Two newly discovered pharaonic harbours on the Suez Gulf. In: British Museum Studies in Ancient Egypt and Sudan (BMSAES). Band 18, 2012, S. 149 (Online).
  4. vor allem Claude Obsomer: Sésostris Ier.
  5. mAa-Xrw; xaj; div. sDm.n=f-Formen
  6. Die Sesostris I. willkürlich zugeschriebene Inschrift enthält keinen Königsnamen. Der Autor der Inschrift ist verloren gegangen. Der Text enthält keine Datierungskriterien. Die Inschrift stammt wohl erst aus späterer Zeit. Siehe z. B. Donald B. Redford: The Tod Inscription of Senwosret I and Early 12th Dynasty Involvement in Nubia and the South. In: Journal of the Society for the Study of Egyptian Antiquities. (JSSEA) 17. Toronto 1987, S. 44, Fußnote 6. Hannes Buchberger: Sesostris I. und die Inschrift von et-Tôd? Eine philologische Anfrage. In: Karola Zibelius-Chen; Hans-Werner Fischer-Elfert (Hrsg.): »Von reichlich ägyptischem Verstande«: Festschrift für Waltraud Guglielmi zum 65. Geburtstag. Harrassowitz, Wiesbaden 2006, ISBN 978-3-447-05309-9, S. 15–21.
VorgängerAmtNachfolger
Amenemhet I.König von Ägypten
12. Dynastie
Amenemhet II.